Das Konzept Embodiment besagt, dass psychische Prozesse von körperlichen Zuständen beeinflusst werden. In vorliegender Studie wurde untersucht, ob soziale Wärme durch physikalische Wärme induziert werden kann. 51 Probanden bewerteten in zwei Durchgängen Gesichter mit neutralen Gesichtsausdrücken bezüglich fünf neutraler und fünf warmer Adjektive. Zwischen dem ersten und zweiten Durchgang bekam eine Gruppe ein kaltes Getränk und die andere ein warmes Getränk. Die Hypothese war, dass die Gesichter nach Trinken des warmen Getränks signifikant wärmer bewertet werden als nach Trinken des kalten Getränks. Die Hypothese muss abgelehnt werden. Die Probanden bewerteten die Gesichter im zweiten Durchgang zwar wärmer, aber dies war unabhängig von der Art des Getränks.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorieteil
3 Methodenteil
3.1 Stichprobenbeschreibung
3.2 Operationalisierung der Variablen
4 Ergebnisse
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das psychologische Konzept des Embodiment mit dem spezifischen Fokus, ob die Wahrnehmung sozialer Wärme durch die Einnahme physikalisch warmer Getränke beeinflusst werden kann. Hierbei wird der Frage nachgegangen, ob eine interne Wärmeapplikation (Mund/Magen) eine stärkere Wirkung auf die soziale Urteilsbildung ausübt als eine rein externe.
- Grundlagen des Embodiment-Konzepts
- Zusammenhang zwischen physikalischer und sozialer Wärme
- Empirische Überprüfung der Wärmekompensations-Hypothese
- Methodik der experimentellen Wärme-Induktion
- Analyse der sozialen Bewertungsunterschiede
Auszug aus dem Buch
3.3 Ablauf der Studie
Die Studie bestand aus zwei Durchgängen. Im ersten Durchgang mussten die Probanden neun unterschiedliche Gesichter mit neutralen Gesichtsausdrücken (Quelle: The Park Aging Mind Laboratory) bezüglich fünf warmer und fünf neutraler Adjektive bewerten (Asch, 1946). Die Adjektive wurden in einer bipolaren sechsstufigen Skala präsentiert. Dabei war die Anweisung „Bitte geben Sie an wie stark folgende Eigenschaften auf diese Person zutreffen“. Die fünf neutralen Adjektiv-Paare waren unzuverlässig–zuverlässig, nicht gut aussehend–gut aussehend, heiter–ernst, schwach–stark und unehrlich–ehrlich. Die fünf warmen Adjektiv-Paare waren geizig–großzügig, unglücklich–glücklich, humorlos–humorvoll, unsozial–sozial und pessimistisch–optimistisch.
Anschließend wurden die Probanden randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe bekam ein kaltes Getränk und die zweite ein warmes Getränk zugeteilt. Erst wenn sie das Getränk ausgetrunken hatten, durften sie mit dem zweiten Durchgang beginnen. Anschließend mussten sie nochmals neun Gesichter bezüglich derselben Adjektive wie im ersten Durchgang bewerten. Am Schluss wurden Geruch und Geschmack des Getränks auf einer vierstufigen Skala von „nicht gut“ bis „sehr gut“ erhoben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz interpersonaler Wärme als Persönlichkeitsmerkmal ein und erläutert den theoretischen Zusammenhang zur physikalischen Wärme sowie deren Potenzial für therapeutische Ansätze.
2 Theorieteil: Hier wird das Embodiment-Konzept dem Kognitivismus gegenübergestellt und der wissenschaftliche Forschungsstand zur Wechselwirkung zwischen thermischen Empfindungen und sozialer Wahrnehmung detailliert dargelegt.
3 Methodenteil: Dieses Kapitel beschreibt die Stichprobenzusammensetzung der 51 Studierenden sowie das experimentelle Design, einschließlich der Operationalisierung der Variablen und des zweistufigen Studienablaufs.
4 Ergebnisse: Hier werden die deskriptiven Statistiken und die ANOVA-Berechnungen präsentiert, wobei der Haupteffekt der Messzeitpunkte sowie die fehlende Signifikanz bezüglich der Art des Getränks aufgezeigt werden.
5 Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Reziprozitäts-Annahme und analysiert methodische Schwächen der Studie im Vergleich zur Vorstudie von Williams und Bargh (2008).
Schlüsselwörter
Embodiment, soziale Wärme, physikalische Wärme, psychologische Prozesse, interpersonale Wahrnehmung, experimentelle Psychologie, Gesichterbewertung, Getränkekonsum, Kognitivismus, soziale Verbundenheit, Einsamkeit, Reziprozität, empirische Forschung, Urteilsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Embodiment-Theorie und untersucht, inwieweit physische Wärmezustände, hervorgerufen durch Getränke, die soziale Wahrnehmung und Beurteilung anderer Personen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Embodiment-Forschung, die Interaktion von physischer Temperaturwahrnehmung und sozialer Kognition sowie die methodische Gestaltung von Laborexperimenten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es zu prüfen, ob der durch ein warmes Getränk erzeugte Wärmereiz dazu führt, dass neutrale Gesichter in einem zweiten Bewertungsdurchgang als sozial wärmer eingestuft werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein experimentelles Studiendesign angewendet, bei dem 51 Probanden in zwei Gruppen eingeteilt wurden, um die Auswirkungen von warmen versus kalten Getränken mittels ANOVA zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Herleitung, die detaillierte Beschreibung der experimentellen Durchführung sowie die statistische Auswertung der gesammelten Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Embodiment, soziale Wärme, physikalische Wärme, psychologische Prozesse und Urteilsbildung charakterisiert.
Warum konnte die Hypothese nicht bestätigt werden?
Die Hypothese konnte nicht bestätigt werden, da sich zwar eine allgemein positivere Bewertung der Gesichter im zweiten Durchgang zeigte, diese jedoch unabhängig davon auftrat, ob die Probanden ein warmes oder ein kaltes Getränk konsumierten.
Welche methodische Schwäche wird in der Diskussion benannt?
Als methodische Schwäche wird unter anderem angeführt, dass die Wärme-Manipulation nicht standardisiert war, da die Probanden aufgrund unterschiedlicher geschmacklicher Vorlieben verschiedene Mengen des Tees getrunken haben.
Welche Rolle spielt die Reziprozitäts-Annahme in den Ergebnissen?
Die Reziprozitäts-Annahme dient als Erklärungsansatz für den beobachteten allgemeinen Anstieg der positiven Bewertung: Die Teilnehmer fühlten sich möglicherweise durch das erhaltene Getränk verpflichtet, dem Versuchsleiter mit einer wohlwollenderen Beurteilung zu „danken“.
Was schlägt die Autorin für zukünftige Forschung vor?
Es wird empfohlen, eine Kontrollgruppe ohne Getränk einzuführen, Rechenaufgaben zur Zeitüberbrückung zu nutzen und die Probanden das Getränk lediglich in der Hand halten zu lassen, um die Bedingungen der Originalstudie besser zu replizieren.
- Arbeit zitieren
- Marie-Rose Degg (Autor:in), 2014, Embodiment. Zusammenhang zwischen physikalischer und sozialer Wärme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448871