Die Terror Management Theory besagt, dass Menschen, die an ihren Tod erinnert werden (Mortalitätssalienz, MS) stärker an kulturellen Normen und Werten festhalten. Diese Studie untersucht, ob Menschen unter MS Lügner bzw. Lügenverhalten (selbstzentriertes und altruistisches) stärker verurteilen. An der Studie nahmen 28 Männer und 72 Frauen teil. Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese. Es gibt einen signifikanten Haupteffekt von MS und einen signifikanten Unterschied zwischen der Bewertung der selbstzentrierten und der altruistischen Lüge.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorieteil
3 Methodenteil
4 Ergebnisse
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der Terror Management Theory, ob die Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit (Mortalitätssalienz) die moralische Bewertung von Lügenverhalten beeinflusst und ob dabei zwischen selbstzentrierten und altruistischen Lügen differenziert wird.
- Terror Management Theory als theoretisches Fundament
- Einfluss von Mortalitätssalienz auf soziale Urteilsprozesse
- Differenzierung zwischen altruistischen und selbstzentrierten Lügen
- Experimentelle Untersuchung mittels Online-Fragebogen und Dictator-Game
- Analyse der normativen Bedeutung von Ehrlichkeit
Auszug aus dem Buch
2 Theorieteil
Die Terror Management Theory besagt, dass der Tod als Bedrohung wahrgenommen wird und deshalb als Triebfeder für menschliches Verhalten dient (Solomon et al., 1991). Der Glaube und das Einhalten von kulturellen Werten und Normen bieten einen Schutz vor dieser Bedrohung (Solomon et al., 1991).
Die Mortalitätssalienz-Hypothese (MS-Hypothese) besagt darauf aufbauend, dass Menschen, die mit dem Tod konfrontiert werden mehr auf die Einhaltung von gesellschaftlichen Normen und Werten achten (Solomon et al., 1991). Von der Norm abweichendes Verhalten wird unter MS stärker verurteilt (Solomon et al., 1991). Personen, die kulturelle Werte einhalten werden eher belohnt (Rosenblatt, Greenberg, Solomon, Pyszczynski, & Lyon, 1989). Personen, die dieselbe Ansicht (bspw. religiöse Ansichten) haben wie man selbst (in-group) werden signifikant besser bewertet als Menschen mit einer anderen Ansicht (out-group) (Greenberg et al., 1990). Bei verschiedenen Normen wie beispielsweise Reziprozität (Schindler, Reinhard, & Stahlberg, 2013) oder prosozialem Verhalten (Jonas, Schimel, Greenberg, & Pyszczynski, 2002) wurde ein signifikanter MS-Effekt ermittelt. Nach der Focus Theory of Normative Conduct tritt dieser Effekt jedoch nur auf, wenn die Normen den Probanden in einer bestimmten Situation bewusst sind (Jonas et al., 2008), was durch ein Norm-Priming erreicht werden kann.
Die Norm der Ehrlichkeit wurde von der Forschung bisher ausgeklammert. Lüge wird definiert als der absichtliche Versuch eine andere Person von etwas zu überzeugen, dass man selbst für unwahr hält ("Duden - Die deutsche Rechtschreibung," 2013). Lügen können in die zwei Kategorien selbstzentriert und altruistisch unterteilt werden (Kashy & DePaulo, 1996). Selbstzentriert bedeutet, dass ein Mensch lügt, um für sich einen Vorteil zu erbringen bzw. sich in einem besseren Licht darzustellen. Altruistisch bedeutet, dass ein Mensch lügt, um anderen Menschen zu helfen beispielsweise um eine andere Person nicht mit der Wahrheit zu verletzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Angst vor dem Tod und die Bedeutung der Terror Management Theory sowie das zentrale Thema des Lügenverhaltens.
2 Theorieteil: Erläuterung der Mortalitätssalienz-Hypothese und Einordnung von Lügen als moralische Normverletzung.
3 Methodenteil: Beschreibung des experimentellen Designs (2x2-Design), der Stichprobe und der verwendeten Erhebungsinstrumente wie PANAS und Dictator-Game.
4 Ergebnisse: Darstellung der statistischen Auswertungen, die einen Haupteffekt von Mortalitätssalienz auf die Bewertung von Lügnern bestätigen.
5 Diskussion: Interpretation der Studienergebnisse, Reflexion der Stärken und Schwächen sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Terror Management Theory, Mortalitätssalienz, Lügenverhalten, Norm der Ehrlichkeit, Sozialpsychologie, Dictator-Game, moralische Bewertung, Selbstzentrierte Lüge, Altruistische Lüge, Normen, Werte, psychologische Forschung, Prosoziales Verhalten, Experimentelle Psychologie, Norm-Priming.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Konfrontation mit Gedanken an den eigenen Tod die moralische Beurteilung von Menschen beeinflusst, die lügen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Terror Management Theory, der psychologischen Wirkung von Mortalitätssalienz und der Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten des Lügens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob Menschen unter dem Einfluss von Mortalitätssalienz Lügenverhalten generell negativer bewerten und ob hierbei eine Differenzierung zwischen eigennützigen und altruistischen Motiven stattfindet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein empirisches Online-Experiment mit einem 2x2-Faktorielles Design durchgeführt, bei dem Probanden mittels eines Fragebogens und eines Dictator-Games untersucht wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Mortalitätssalienz-Hypothese, die methodische Beschreibung des Aufbaus der Studie sowie die detaillierte Präsentation und Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Terror Management Theory, Mortalitätssalienz, Lügenverhalten, Norm der Ehrlichkeit und psychologische Bewertungsprozesse.
Warum wurde in der Studie zwischen selbstzentrierten und altruistischen Lügen unterschieden?
Die Unterscheidung erfolgte, um zu prüfen, ob die moralische Verurteilung unabhängig vom Motiv der Lüge auftritt oder ob die Intention des Lügners die Wahrnehmung unter Stressbedingungen (Todesgedanken) moduliert.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich des Dictator-Games?
Das Dictator-Game lieferte keine signifikanten Ergebnisse, was möglicherweise an der Verwendung von hypothetischem Geld oder an der Gestaltung als Online-Studie lag.
- Quote paper
- Marie-Rose Degg (Author), 2014, Du sollst nicht lügen! Der Einfluss von Todesgedanken auf die Bewertung von Lügnern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448877