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Das Problem der Willensfreiheit. Zur Kritik an Frankfurt-Style Cases in der Dilemma Defense Debatte

Ist Black ein unwichtiger Nebencharakter?

Titel: Das Problem der Willensfreiheit. Zur Kritik an Frankfurt-Style Cases in der Dilemma Defense Debatte

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 15 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Céline Sun (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine lange Zeit dominierende Überzeugung innerhalb der Debatte über Willensfreiheit und moralischer Verantwortlichkeit des Menschen ist im Principle of Alternate Possibilities (PAP) formuliert: Wenn ein Akteur moralisch verantwortlich für eine Entscheidung ist, dann hätte er anders entscheiden können müssen. Hinter diesem Prinzip steht eine bestimmte Vorstellung der Kontrolle über eigene Entscheidungen, die von vielen als ein grundlegendes Kriterium für die Freiheit eines Akteurs in Bezug auf die Entscheidungsfindung angesehen wird: Er muss die Möglichkeit gehabt haben, sich auch für eine alternative Handlung zu entscheiden. Nimmt man einen kausalen Determinismus an, der den Weltverlauf durch vergangene Weltzustände und Naturgesetze bestimmt, begründet das PAP die Position des Inkompatibilismus.

Um das PAP zu widerlegen, entwarf Harry Frankfurt in „Alternate Possibilities and Moral Responsibility” (1969) ein Gedankenexperiment, das in seiner allgemeinen Struktur als Frankfurt-style case (FSC) bezeichnet wird. Eine bekannte weiterentwickelte Version des Gedankenexperiments stammt von John Martin Fischer, z.B. in „Frankfurt-type Examples and Semicompatibilism: New Work“ (2011). Ein FSC zeichnet sich durch die entscheidende Rolle eines counterfactual interveners aus. Dieser gewährleistet, dass der Akteur, um dessen Willensentscheidung es geht, keine Möglichkeit hat, sich anders zu entscheiden, ohne jedoch Einfluss auf die Entscheidungsbildung an sich zu nehmen. Da sich durch diese Eigenschaften der counterfactual intervention die Intuition einstellt, dass der Akteur moralische Verantwortung für seine Entscheidung/Handlung tragen könnte, scheint der FSC ein ernstzunehmender Angriff gegen das PAP zu sein. Viele Vertreter des PAP geben sich jedoch nicht geschlagen und haben verschiedene Kritikpunkte gegen die Aussagekraft des FSC vorgebracht. Eine der hartnäckigsten Herausforderungen für den FSC ist die sogenannte Dilemma Defense (erstmals 1985 von Robert Kane formuliert).

Diese Arbeit ist eine zusammenhängende Rekonstruktion und kritische Reflexion eines Diskussionsstrangs innerhalb der darauf entbrannten Debatte, der auf der einen Seite von Fischer als Verteidiger des FSC geführt wird. Leitgedanke ist die strittige Frage, wie entscheidend die Rolle des counterfactual interveners in FSCs wirklich sein kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung: Hintergrund

I.1 Das Principle of Alternate Possibilities

I.2 Frankfurt-Style Cases

II. Die Dilemma Defense

III. Fischers Verteidigung des FSC

III.1 Fischers (erstes) Argument

III.2 Goetz' Kritik des Arguments

III.3 Fischers Improved Argument

III.4 Cohens Kritik des Improved Arguments

IV. Diskussion und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert und rekonstruiert kritisch die Debatte um die Verteidigung von Frankfurt-Style Cases (FSC) gegen die sogenannte Dilemma Defense, wobei der Schwerpunkt auf John M. Fischers Versuchen liegt, die moralische Verantwortung eines Akteurs unabhängig von alternativen Handlungsmöglichkeiten zu begründen.

  • Das Principle of Alternate Possibilities (PAP) als Grundlage der Debatte über moralische Verantwortung.
  • Struktur und Funktionsweise von Frankfurt-Style Cases (FSC) unter Verwendung eines „prior sign“.
  • Die Dilemma Defense als Herausforderung für die Aussagekraft von FSCs.
  • Fischers Verteidigungsstrategien (erstes Argument und „Improved Argument“) sowie deren Kritik durch Goetz und Cohen.
  • Das Problem der Überdetermination und der Rolle des „counterfactual intervener“.

Auszug aus dem Buch

III.1 Fischers (erstes) Argument

Fischer verteidigt in „Free Will and Moral Responsibility“ (2007) die Bedeutung von FSCs auf Grundlage der deterministischen Interpretation, indem er zu zeigen versucht, dass die Aussage eines FSC nicht durch die Annahme eines kausalen Determinismus in der faktischen Ereignissequenz ungültig wird.

Man nehme an, dass kausaler Determinismus vorherrscht und es einen notwendigen Zusammenhang zwischen den Ereignissen zu t1 und t2 gibt. Jones zeigt zu t1 das prior sign für Clinton. Nach P2 hat Jones zu t2 nicht die Möglichkeit, sich anders als für Clinton zu entscheiden und ist für den inkompatibilistischen Vertreter von PAP moralisch nicht verantwortlich für diese Entscheidung. Fischer möchte aber an dieser Stelle nicht dafür plädieren, Jones als moralisch verantwortlich anzusehen. Vielmehr gehe es zunächst darum, auf Basis des Beispiels zum Schluss zu kommen, dass ein fehlender Zugriff auf alternative Entscheidungsmöglichkeiten an sich nicht begründen kann, dass Jones moralisch nicht verantwortlich ist. Ein Sachverhalt kann nämlich laut Fischer moralische Verantwortlichkeit nur in irgendeiner Weise begründen, wenn er erklärt (bzw. zu erklären hilft), warum ein Akteur (nicht) moralisch verantwortlich ist. Der counterfactual intervener kann keine erklärende und somit begründende Funktion annehmen, da er aus dem Beispiel herausgenommen werden kann, ohne dass ein derart verändertes Szenario dazu auffordern würde, Jones moralische Verantwortlichkeit bezüglich der Entscheidungsfindung neu zu bewerten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert das Principle of Alternate Possibilities (PAP) und führt in die Struktur von Frankfurt-Style Cases (FSC) ein, die darauf abzielen, das PAP zu widerlegen.

II. Die Dilemma Defense: Es wird die Herausforderung durch die Dilemma Defense analysiert, welche die Aussagekraft von FSCs aufgrund ihrer Interpretationsspielräume in deterministischen oder indeterministischen Sequenzen hinterfragt.

III. Fischers Verteidigung des FSC: Dieses zentrale Kapitel untersucht Fischers Argumente zur Verteidigung der FSCs, inklusive der Kritik durch Goetz und Cohen sowie Fischers „Improved Argument“.

IV. Diskussion und Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Problematik der Argumentation Fischers und bewertet die Tragfähigkeit seiner Verteidigungsstrategien im Kontext der Debatte.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, moralische Verantwortung, Principle of Alternate Possibilities, Frankfurt-Style Cases, Dilemma Defense, John Martin Fischer, counterfactual intervener, kausaler Determinismus, prior sign, Überdetermination, Inkompatibilismus, Entscheidungsfindung, Begründung, Agency, Handlungsfreiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Debatte über Willensfreiheit und moralische Verantwortung, speziell mit der Verteidigung von Frankfurt-Style Cases gegen Einwände aus der Dilemma Defense.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle alternativer Handlungsmöglichkeiten, der Einfluss von kausalem Determinismus auf Verantwortung und die logische Struktur von Gegenbeispielen in der Willensfreiheitsdebatte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine zusammenhängende Rekonstruktion und kritische Reflexion des Diskussionsstrangs zwischen John M. Fischer und seinen Kritikern zur Verteidigung der FSCs.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die analytische Methode der Rekonstruktion und kritischen Analyse von Argumentationsketten, um die logische Konsistenz und Überzeugungskraft philosophischer Positionen zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Fischers erstes Argument, die Kritik durch Steward Goetz, Fischers erweitertes Argument (Improved Argument) und die weiterführende Kritik durch Yishai Cohen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Willensfreiheit, moralische Verantwortung, FSC, Determinismus, Dilemma Defense, counterfactual intervener und Inkompatibilismus.

Warum spielt der „counterfactual intervener“ eine so wichtige Rolle?

Er ist das entscheidende Element im FSC, das sicherstellt, dass der Akteur keine echte Alternative hat, ohne den tatsächlichen Entscheidungsprozess des Akteurs zu beeinflussen.

Was ist das Hauptproblem, das Cohen bei Fischers Argument identifiziert?

Cohen kritisiert, dass Fischers Argumentation auf einer agnostischen Haltung basiert, die er in der weiteren Argumentation nicht konsequent beibehält, was zu logischen Ungereimtheiten führt.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Problem der Willensfreiheit. Zur Kritik an Frankfurt-Style Cases in der Dilemma Defense Debatte
Untertitel
Ist Black ein unwichtiger Nebencharakter?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: Das Problem der Willensfreiheit
Note
1,0
Autor
Céline Sun (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V448899
ISBN (eBook)
9783668835436
ISBN (Buch)
9783668835443
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analytische Philosophie Willensfreiheit Dilemma Defense Frankfurt-Style Case John M. Fischer
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Céline Sun (Autor:in), 2017, Das Problem der Willensfreiheit. Zur Kritik an Frankfurt-Style Cases in der Dilemma Defense Debatte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448899
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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