Die Freiheitskonzeption David Humes in seinem Werk "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand" (1748)


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textanalyse
2.1 Humes Begriff der Notwendigkeit
2.1.1 Notwendigkeit in der Natur
2.1.2 Notwendigkeit beim Menschen
2.2 Humes Freiheitskonzeption

3. Kritik
3.1 Definition der Notwendigkeit
3.2 Beschränkung der Freiheit auf das Handeln

4. Schluss

1. Einleitung

Die Debatte über die Existenz der menschlichen Freiheit hat seit der Antike nichts an ihrer Anziehungskraft eingebüßt, ist sie doch entscheidend für unser Selbstverständnis als Menschen. Besonders durch das Licht, das die modernen Neurowissenschaften auf sie wirft, wird sie in das Zentrum zeitgenössischer Diskurse gerückt. Der Kern der Kontroverse liegt in der Frage, in welchem Verhältnis Freiheit und Determinismus bzw. Notwendigkeit zueinander stehen. Zwei zentrale Positionen – der Inkompatibilismus, der die beiden für unvereinbar sieht, und der Kompatibilismus, der die gegenteilige Auffassung vertritt – sind, zum Teil in Vorläuferformen, schon seit Jahrhunderten von verschiedenen Philosophen vertreten worden. Als einer der bedeutendsten Vertreter des klassischen Kompatibilismus gilt der britische Empirist David Hume. Im Folgenden werde ich Humes Argumentation für die Existenz der Freiheit anhand des ersten Abschnitts des achten Kapitels aus seinem Werk „Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand“ aus dem Jahre 1748 untersuchen.

2. Textanalyse

In der Einleitung des Kapitels beklagt Hume, dass es sich bei der Freiheitsdiskussion seit jeher um einen rein lexikalischen Streit gehandelt habe. Sein Ziel ist die Herausarbeitung allgemein anerkannter Formulierungen der für das Thema wichtigen Grundbegriffe, um zu zeigen, dass auf dieser Basis die Kontroverse problemlos aufgelöst werden kann.[1]

2.1 Humes Begriff der Notwendigkeit

2.1.1 Notwendigkeit in der Natur

Hume beginnt mit einer Analyse des seiner Überzeugung nach allgemein anerkannten Grundsatzes vom Vorherrschen der Notwendigkeit innerhalb des Naturgeschehens. Er bedient sich dabei der Theorie des physikalistischen Determinismus, deren Aussage über den genau vorherbestimmten Weltverlauf er zustimmt, und untersucht den ihr zugrundeliegenden Begriff der Notwendigkeit auf ihren Ursprung hin.[2]

Im Sinne seiner Auffassung, die er im vorangegangenen Kapitel ausführlich elaboriert, ergeben sich für den Begriff der Notwendigkeit zwei seiner Überzeugung nach koextensive Definitionen: Erstens bestehe sie in der konstanten Verbindung zwischen Ereignissen.

Zweitens sei Notwendigkeit als Ableitung eines Ereignisses aus einem anderen durch den menschlichen Verstand zu verstehen. Nur auf diese Weise sei die kausale Regelmäßigkeit innerhalb des Weltverlaufs zu charakterisieren.[3]

Man kann die Entstehung des Notwendigkeitsbegriffes folgendermaßen rekonstruieren:

P1 Wir leiten im Alltag gewohnheitsmäßig Gegenstände/Ereignisse aus anderen Gegenständen/Ereignissen her.

P2 Die Gewohnheit hinter der Herleitung von Gegenständen/Ereignissen ensteht durch die Beobachtung von regelmäßigen Verbindungen.

P3 Notwendigkeit bezeichnet (nicht mehr als) regelmäßige Verbindungen.

K1 Es besteht Notwendigkeit im Naturgeschehen.

2.1.2 Notwendigkeit beim Menschen

Hume möchte dieselbe Notwendigkeit im Verhalten und in den geistigen Vorgängen des Menschen nachweisen. Dafür hebt er seine Ausführungen auf eine soziopsychologische Ebene und geht implizit davon aus, dass ein Wille mit einem bestimmten Inhalt immer die entsprechende Handlung nach sich zieht.

Hume zufolge ist es eine verbreitete Ansicht, dass in der menschlichen Natur ebenfalls eine gewisse Gleichmäßigkeit vorherrscht. Als allgemeine Prinzipien führt er Charakterzüge und Neigungen, wie beispielsweise Egoismus oder Gemeinsinn, an. Er schreibt: „Die Menschen sind zu allen Zeiten und allen Orten so sehr die gleichen, dass uns die Geschichte auf diesem Gebiete nichts Neues oder Unbekanntes berichten kann.“[4] Ihre Prinzipien könne sie auf die gleiche Art gewinnen wie die Physik und ihre Funktion bestehe allein darin, durch Beobachtungen regelmäßige Beweggründe des menschlichen Handelns in unterschiedlichsten Umständen festzustellen. Diese Gleichförmigkeit erscheine uns so groß, dass wir gewohnheitsmäßig, ohne großes Nachdenken, Erzählungen über bestimmtes Verhalten als wahr oder unwahr beurteilen würden. Aufgrund unserer Erfahrungen seien wir imstande, aus dem Verhalten eines Menschen auf seine Motive zu schließen und umgekehrt seine Handlungen aus Kenntnis seiner Motive zu erklären.[5]

Unsere Voraussetzung und das tatsächliche Vorherrschen dieser Regelmäßigkeit erlaube uns erst soziales Handeln und die Etablierung von Politik und Ethik.[6]

Jedoch warnt Hume nachdrücklich davor, die Gleichförmigkeit als direkt anwendbar auf alle Menschen in allen Situationen zu verstehen. Als Beispiele bringt er die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Menschen verschiedener Abstammung an. Abhängig vom Charakter eines Individuums und den begleitenden äußeren Umständen könnten regelmäßige Verbindungen zu verschiedensten Verhaltensweisen führen. Das menschliche Gemüt sei bis zu einem bestimmten Grad unbeständig und Launen unterworfen, dennoch ein Charakter im Grunde seines Wirkens als gleichmäßig zu betrachen.[7]

Daran anschließend geht Hume explizit auf den potenziellen Einwand ein, dass es Handlungen gibt, deren Außergewöhnlichkeit keine ersichtliche Rückführung auf bekannte Regelmäßigkeiten zulässt: Es gebe keinen Grund, an der Beständigkeit regelmäßiger Verbindungen zu zweifeln und die Existenz von Zufällen anzunehmen, vielmehr müsse man ihr Auftreten genauso erklären wie irreguläre Ereignisse im Naturverlauf. Bei genauer Betrachtung werde man feststellen, dass es in der Natur unüberschaubar viele, teilweise verborgene, Kräfte gibt, deren Widerstreit zu Ereignissen, die scheinbar die Gleichförmigkeit durchbrechen, führen.[8]

Die Argumentation für die Existenz von Notwendigkeit im menschlichen Bereich ist folglich eine zur obigen analoge:

[...]


[1] Vgl. David Hume (1967): Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Stuttgart: Reclam Verlag, S. 108.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. ebd. S. 126.

[4] Vgl. ebd. S. 110.

[5] Vgl. ebd. S. 109ff.

[6] Vgl. ebd. S. 116ff.

[7] Vgl. ebd. S. 112f.

[8] Vgl. ebd. S. 113ff.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Freiheitskonzeption David Humes in seinem Werk "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand" (1748)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Hume und der Britische Empirismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V448944
ISBN (eBook)
9783668839595
ISBN (Buch)
9783668839601
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
David Hume, Willensfreiheit, Empirismus
Arbeit zitieren
Céline Sun (Autor), 2015, Die Freiheitskonzeption David Humes in seinem Werk "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand" (1748), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448944

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