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Die Anti-Comic-Bewegung der 1950er-Jahre in Deutschland. Eine "Moral Panic"?

Title: Die Anti-Comic-Bewegung der 1950er-Jahre in Deutschland. Eine "Moral Panic"?

Term Paper (Advanced seminar) , 2017 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Mareike Kochansky (Author)

Communications - Media History
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Deutschland besitzt im Hinblick auf das bildtextuelle Medium "Comic" eine spezielle Geschichte. Obwohl Comics und insbesondere Manga heute ein kommerziell bedeutsames Segment des deutschen Buchmarktes sind und schon Anfang des 20. Jahrhunderts einige kommerziell erfolgreiche "Bildergeschichten" von deutschen Autoren distributiert wurden, so stand Deutschland - in Ost und West - dem Comic als Medium bis in die späten 1990er-Jahre eher kritisch gegenüber. Über die Lektüre dieser Literaturform existierten zahlreiche Vorurteile, den LeserInnen wurden zumeist Bildungsferne unterstellt.
In den 1950er- und 1960er-Jahren kummulierten diese Vorurteile, was in der DDR und der BRD jeweils spezifisch von statten ging. Handelte es sich dabei um eine Moral Panic nach Cohen (1972)?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Comic-Markt in Deutschland – von den 1920er- bis in die 1940er-Jahre

2. 1 Die deutsche Comic-Landschaft bis zum Dritten Reich

2. 2 Comics in der Nachkriegszeit

3. Die Entwicklung der Anti-Comic-Kampagne: Comics in den 1950er-Jahren

3.1 Deutschlandweit

3. 2 International

3. 3 In der BRD

3. 4 In der DDR

4. Nationale und Internationale Akteure der Anti-Comic-Kampagne

4. 1 Internationale Akteure

4. 2 Deutschlandweit

4. 3 In der BRD

4. 4 In der DDR

5. Konzepte der Moral Panic und Media Panic

5. 1 Das Konzept der Moral Panic nach Cohen (1972/2011) und Ben-Yehuda (2009)

5. 2 Das Konzept der Media Panic nach Drotner (2006)

6. Welche Folge hatte die Ablehnung der Comics und ist diese als eine „Moral Panic“ zu definieren?

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die deutsche Anti-Comic-Kampagne der 1950er-Jahre, um zu analysieren, ob diese gesellschaftliche Bewegung als „Moral Panic“ im soziologischen Sinne klassifiziert werden kann. Dabei wird erforscht, welche Akteure und moralischen Motive maßgeblich an der Stigmatisierung von Comics als „Schund- und Schmutzliteratur“ beteiligt waren.

  • Historische Entwicklung der Comic-Kultur in Deutschland von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre.
  • Untersuchung der nationalen und internationalen Akteure der Anti-Comic-Kampagne.
  • Analyse der soziologischen Konzepte „Moral Panic“ (Cohen/Ben-Yehuda) und „Media Panic“ (Drotner).
  • Differenzierte Betrachtung der Kampagnenverläufe in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Auszug aus dem Buch

3.1 Deutschlandweit

Das Comic-Heft (statt nur der Comic-Strip), häufig mit Fortsetzungsgeschichten und fantastischen Figuren, war aufgrund der nicht vorhandenen Importe und stilistischer Andersartigkeit der deutschen Bildgeschichten ein bisher weitestgehend unbekanntes Medium. Deutschlandweit standen besonders PädagogInnen und KulturexpertInnen, in der DDR von Anfang an auch FunktionärInnen dem Medium kritisch gegenüber, vor allem als die Nachfrage ab 1949 so groß wurde, dass ein Schwarzmarkt in der BRD boomte (Knigge, 2004a).

Bildtextuelle Literatur galt in Deutschland seit jeher als minderwertiges Medium, da diese ursprünglich als Informations- und Unterhaltungsmedium für Analphabeten fungierte, weswegen mit deren Rezeption ein geringer Bildungsstand assoziiert wurde. Es wurde befürchtet, der häufige Konsum der „anspruchslosen“ Comics führe zur „Abstumpfung des Intellekts, zu einer mentalen Regression“ (Auer, 2013, S. 19) sowie zu einem Verlust der Lesefähigkeit. Es wurde befürchtet, dass die Jugend sich vom meritorischen Gut, dem „echten Buch“, abwenden würden, dass das Analphabetentum gefördert, die Fantasie abgetötet und aufgrund des Sammelcharakters der Hefte zu einer Suchtgefahr verleitet werden würde. Durch die Eindringlichkeit der Bilder wurde außerdem eine stärkere Medienwirkung vermutet (Auer, 2013; Knigge, 1986). Comics wurden laut dem Erziehungswissenschaftler Hoppe (1955) von PädagogInnen weitgehend als „epidemische Infektionskrankheit“ (S. 381) begriffen, da sie im Verborgenen die moralische und „seelische Gesundheit der Jugend“ (Ebd.) bedrohen würden. Besonders aufgrund der weiten Verbreitung durch hohe Auflagen, des Austauschs unter den jungen LeserInnen (Springhall, 1994) und geringer Preise wurden Comics als gefährlich angesehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der Einordnung der Anti-Comic-Kampagne als „Moral Panic“ vor und erläutert den methodischen Ansatz sowie den inhaltlichen Aufbau der Untersuchung.

2. Der Comic-Markt in Deutschland – von den 1920er- bis in die 1940er-Jahre: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Comic-Kultur in Deutschland vor und während der Zeit des Nationalsozialismus nach.

3. Die Entwicklung der Anti-Comic-Kampagne: Comics in den 1950er-Jahren: Hier wird die Entstehung der Kampagne detailliert beleuchtet, inklusive der spezifischen Unterschiede im Umgang mit dem Medium in der BRD und der DDR.

4. Nationale und Internationale Akteure der Anti-Comic-Kampagne: Dieses Kapitel identifiziert die treibenden Kräfte hinter der Bewegung, wie Lehrerverbände, kirchliche Organisationen und einzelne Akteure wie Frederic Wertham.

5. Konzepte der Moral Panic und Media Panic: Es erfolgt eine theoretische Fundierung durch die soziologischen Modelle von Cohen, Ben-Yehuda und Drotner zur Definition und Analyse gesellschaftlicher Panikphänomene.

6. Welche Folge hatte die Ablehnung der Comics und ist diese als eine „Moral Panic“ zu definieren?: Im Fazit wird die Kampagne anhand der erarbeiteten Kriterien evaluiert und der Begriff „Literary Panic“ als präzisere Unterform eingeführt.

Schlüsselwörter

Anti-Comic-Kampagne, Moral Panic, Media Panic, Deutschland, 1950er-Jahre, Schund- und Schmutzliteratur, Comic-Boom, Jugendmedienschutz, BPjS, Frederic Wertham, Literaturpädagogik, Medienwirkung, Schmökergrab-Aktionen, Bildungsbürgertum, Kulturkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Ablehnung und Stigmatisierung von Comics in Deutschland während der 1950er-Jahre und analysiert das Phänomen der Anti-Comic-Kampagne unter soziologischen Gesichtspunkten.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der deutschen Comic-Kultur, die Rolle von Pädagogik und Medien bei der gesellschaftlichen Stigmatisierung sowie die theoretische Analyse medialer Panikzustände.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, zu beantworten, ob die massive Ablehnung von Comics in den 1950er-Jahren als „Moral Panic“ definiert werden kann und welche Faktoren dabei zur Etablierung des Bildes der „Schundliteratur“ führten.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt einen methodischen Ansatz der Medien- und Kulturwissenschaften, der bestehende Fachliteratur heranzieht, um die historische Situation mit den soziologischen Modellen von Cohen, Ben-Yehuda und Drotner zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Genese des deutschen Comic-Marktes, die Differenzierung der Kampagnenverläufe in BRD und DDR, die Akteure hinter der Anti-Comic-Bewegung sowie die Anwendung spezifischer Panik-Konzepte auf den historischen Kontext.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Moral Panic, Schund- und Schmutzliteratur, 1950er-Jahre, Medienwirkung, Jugendmedienschutz und die spezifischen Akteursgruppen wie Lehrerschaft und staatliche Institutionen.

Warum unterscheidet sich die Anti-Comic-Kampagne in der DDR von der in der BRD?

In der BRD führten Kampagnen zur Gründung staatlicher Kontrollinstanzen wie der BPjS und zu Indizierungen, während in der DDR Importcomics durch politische Verbote gar nicht erst auf den Markt gelangten und das Medium „Comic“ durch staatlich gesteuerte, „pädagogisch wertvolle“ Bildergeschichten ersetzt wurde.

Inwiefern beeinflusste Frederic Wertham die deutsche Debatte?

Wertham war ein zentraler internationaler Akteur, dessen Studien über die Schädlichkeit von Comics auch in deutschen Fachpublikationen und Medien zitiert wurden, um moralische Argumente gegen Comics zu legitimieren und vor einem sozialen Verfall der Jugend zu warnen.

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Details

Title
Die Anti-Comic-Bewegung der 1950er-Jahre in Deutschland. Eine "Moral Panic"?
College
University of Erfurt
Grade
1,3
Author
Mareike Kochansky (Author)
Publication Year
2017
Pages
22
Catalog Number
V449105
ISBN (eBook)
9783668833173
ISBN (Book)
9783668833180
Language
German
Tags
Moral Moralpanic Comics Mediengeschichte horrorcomics trivialliteratur comicgeschichte mediapanic mediapanik medienpanik ddr comics brd comics
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mareike Kochansky (Author), 2017, Die Anti-Comic-Bewegung der 1950er-Jahre in Deutschland. Eine "Moral Panic"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449105
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