Johann Friedrich Herbarts 'Allgemeine Pädagogik von 1806'


Hausarbeit, 2005
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Biographie Johann Friedrich Herbart

II. Johann Friedrich Herbarts „Charakterstärke der Sittlichkeit“
1. Charakter und Sittlichkeit
2. Natürlicher Gang der Charakterbildung
3. Zucht
3.1 Maßregeln der Zucht
3.2 Maßnahmen der Zucht

III. Übertragbarkeit auf den heutigen Unterricht à Fazit

Literatur

Einleitung

Johann Friedrich Herbart gilt als einer der bedeutendsten Pädagogen der Aufklärung. Ausgangspunkt für Herbarts Pädagogik war die Frage, „wie die kognitive und die moralische Entwicklung der Jugend gewährleistet werden kann, ohne die Individualität eines jeden einzelnen Menschen zu gefährden“ (http://www2.uni-jena.de/didaktik/, Zugriff am 05.07.2005). Er war überzeugt, dass dem Schüler durch den wissenschaftlichen Unterricht die Möglichkeit gegeben werden soll, vielfältige Interessen auszubilden. Durch diese Vielfalt von Interessen werde nicht nur die intellektuelle, vielmehr auch die moralische Entwicklung des Charakters positiv beeinflusst. Einseitig ausgebildete Interessen würden auf lange Sicht gesehen zu einem eingeschränkten Blickwinkel für die gesellschaftlichen, politischen und soziale Probleme der Zeit führen.

Die „Allgemeine Pädagogik“ von 1806 trägt den Untertitel „aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet“. Für Herbart war der Zweck der Erziehung die ästhetische Darstellung der Welt. Erziehung sollte Moralität und Sittlichkeit im Menschen bilden. Durch Moralität und Sittlichkeit gelangen Menschen zur Tugend und die wiederum bedeutet, dass Menschen nach gleichen moralischen Grundsätzen handeln. Im Gegensatz zu Kant spricht Herbart nicht die Vernunft, sondern den Geschmack im Menschen an. Er behauptet, dass es in allen Menschen Einen gleichen Geschmack gibt, aufgrund welchem es möglich ist, dass sich unter allen Menschen eine Tugend ausbilden kann. Um eben genau diesen einen Geschmack unter allen Menschen (unabhängig ihrer Standeszugehörigkeit, Religion und Geschichte) zu erwecken, benötigt es einer Erziehung und der ästhetischen Darstellung der Welt. So lange dieser Geschmack nicht gefunden ist, gibt es unter den Menschen individuelle Geschmäcker. Dies kommt darin zum Ausdruck, dass unter den Menschen Willkür und Individualismus herrscht.

Herbarts Allgemeine Pädagogik entwickelt eine „Theorie pädagogischer Urteils- und Handlungskompetenz, die die pädagogische Praxis an der Aufgabe und den Möglichkeiten ausrichtet, die Heranwachsenden zu einer universellen Urteils- und Handlungskompetenz zu befähigen“ (Benner 1986:90). Er orientiert sich nicht mehr an Standesgrenzen, sondern richtet seine Pädagogik an alle Menschen. Jedes Individuum soll einen möglichst weiten Gedankenkreis ausbilden, damit es nach diesem sein künftiges Leben gestalten kann.

Erziehung ist laut Herbart notwendig, da ein Individuum sich erst „selbst zu dem machen muss, was aus ihm werden soll“ (Hilgenheger 1994:230). Ein Mensch ist also selbst für die Entwicklung seines Charakters verantwortlich, jedoch ist eine zuverlässige Erziehung Voraussetzung für „eine zuverlässige Vervollkommnung der menschlichen Anlagen“ (Hilgenheger 1994:231). Die Erziehung ist nach Herbart über die drei Wege der Regierung der Kinder, des Unterrichts und der Erziehung durch Zucht möglich. „Die Aufgaben und Maßnahmen einer (...) allgemeinen, nicht standesgemäßen Moralerziehung entwickelt Herbart im dritten Buch seiner Allgemeinen Pädagogik“ (Benner 1986:92), welche auch in dieser Arbeit zentrales Thema sein sollen.

Nach einer kurzen biographischen Einleitung zum Leben Johann Friedrich Herbarts, werde ich mich mit dem dritten Buch seiner „Allgemeinen Pädagogik“ von 1806 und der Frage auseinandersetzten, wie man die Zucht nach Herbart auffassen und diese als legitimes Mittel der Erziehung rechtfertigen und erklären kann.

I. Biographie Johann Friedrich Herbart

Johann Friedrich Herbart, Pädagoge und Philosoph wird am 4. Mai 1776 in Oldenburg als einziges Kind des Justiz- und Regierungsrates Thomas Gerhart Herbart und dessen aus einer Arztfamilie stammender Frau Luzia Margarete Herbart (geborene Schütte) geboren. Die Mutter dominiert die Erziehung des jungen Herbarts. Sie sucht Privatlehrer aus und überwacht diese. Schon mit sieben Jahren erhält Herbart Privatunterricht in der protestantischen Religion, in Moralphilosophie, Mathematik und Musik Er spielt vor allem Klavier. Mit zwölf Jahren geht er auf eine Lateinschule in Oldenburg. Dort wird Gerhard Anton von Halem Herbarts Ziehvater. Neben den alten Sprachen und der Geschichte, lernt er dort auch die Philosophie seiner Zeit kennen. „Wie alle Philosophen seiner Generation gerät er damit schon in jungen Jahren unter den Einfluss Kants“ (Heesch 1999:17).

Er beendet seine schulische Ausbildung 1793 und hält als Jahrgangsbester die Abschlussrede mit dem Titel „ Etwas über die allgemeinen Ursachen, welche in Staaten das Wachstum und den Verfall der Moralität bewirken“. Diese wird später auch als erste Schrift Herbarts veröffentlicht. In seiner Abschlussrede verurteilt er die Französische Revolution, da „sie im großen Maßstab eine Emanzipation der sinnlichen Natur des Menschen von seiner Vernunft mit sich führe“ (Heesch 1999:18).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Johann Friedrich Herbart

Quelle: www.uni-jena.de/didaktik

Nach der Schule beginnt Herbart auf Druck seiner Eltern ein Studium der Rechtswissenschaften in Jena. Bald jedoch wechselt er seinen Interessen nach zum Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft. Die Universität Jena genießt zu jener Zeit aufgrund der Anwesenheit des Philosophen Fichtes und des Historikers und Dichters Schiller, einen äußerst guten Ruf. Seine Mutter begleitet Herbart nach Jena, da ihre Ehe zu Herbarts Vater schon lange zerrüttelt ist. In Jena schließt sich Herbart dem Bund freier Männer an. Dieser Bund hatte sich die Philosophie Fichtes als Lebensmaxime gesetzt. Bald jedoch muss Herbart merken, dass er sich mit dessen Philosophie nicht identifizieren kann.

Er bricht dieses Studium ohne Abschluss ab und geht als Hauslehrer nach Interlaken bei Bern. Er unterrichtet die drei Söhne des Altvogtes Karl Friedrich von Steiger und verschriftlicht seine pädagogische Arbeit in mehreren Berichten. In Bern lernt Herbart Pestalozzi kennen und er setzt sich kritisch mit dessen Werken, aber infolgedessen auch mit seinen eigenen auseinander.

Als er im Jahr 1800 seine Hauslehrertätigkeit in Bern aufgibt, geht er zurück nach Oldenburg um zwischen seinen Eltern zu vermitteln. Deren Scheidung kann er jedoch nicht mehr verhindern. Seine Mutter geht mit dem Hausarzt Schillers Dr. Harbaur nach Paris und verstirbt dort 1802.

Herbart zieht es 1800 gleich weiter von Oldenburg nach Bremen. Dort beendet er sein Studium und wirkt als Erzieher und Privatgelehrter in den gebildeten Kreisen. Auch beschäftigt er sich weiter intensiv mit Pestalozzi und schreibt seine ersten eigenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

1802 geht er nach Göttingen wo er schon im Herbst seine Promotion und ummittelbar darauf seine Habilitation in Philosophie abschließt. 1803 hält er als Privatdozent seine erste Vorlesung über praktische Philosophie und Pädagogik. Im darauf folgenden Jahr veröffentlicht er „ Pestalozzis Idee eines ABC der Anschauung “. Das Nachwort dieser Schrift „ Über die ästhetische Darstellung der Welt als das Hauptgeschäft der Erziehung“ wird zur Grundlage für seine Allgemeine Pädagogik. 1805 wird Herbart in Göttingen auf die außerordentliche Professur für Philosophie berufen. Die folgenden Jahre sollen die produktivsten seines Schaffens werden. 1806 veröffentlich er die „ Allgemeine Pädagogik, aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet“, „ Hauptpunkte der Metaphysik“, „ Hauptpunkte der Logik“ und 1808 seine „ Allgemeine praktische Philosophie“. 1809 folgt er dem Ruf nach Königsberg, wo er die die Professur für Philosophie und Pädagogik von Immanuel Kant übernimmt. Am 13. Januar 1811 heiratet er die damals achtzehnjährige Mary Jane Drake, die Tochter aus einer englischen Kaufmannsfamilie. Aus dieser Ehe werden jedoch keine Kinder hervor gehen.

In Königsberg „entsteht sein umfangreichstes und schwierigstes Werk, die 1824/25 publizierte zweibändige Psychologie als Wissenschaft, neu gegründet auf Erfahrung, Metaphysik und Mathematik“ (Heesch 1999:27). Auch wird es ihm in Königsberg ermöglicht, in dem „von ihm gegründeten und geleitete pädagogischen Seminar der Königsberger Universität ein Internat mit kontinuierlichem Schulbetrieb“ (Heesch 1999:28) einzurichten. An diesem können Studenten des Lehramts umfangreiche Schulversuche unter Anleitung unternehmen. Mit diesem Internat gelingt es ihm, seine theoretischen Bemühungen um pädagogische Praxis zu verwirklichen.

1833 kehrt er, nachdem die von ihm erhoffte Berufung auf den, nach dem Tod Hegels 1831 verwaisten, Lehrstuhl in Berlin ausblieb, zu seinen Ursprüngen nach Göttingen zurück und beschäftigt sich dort weiter und bis an sein Lebensende intensiv mit der Philosophie.

Am 14. August 1841 erliegt Johann Friedrich Herbart in Göttingen einem Schlaganfall (www.herbart-gesellschaft.de).

II. Johann Friedrich Herbarts „Charakterstärke der Sittlichkeit“

Die Charakterstärke der Sittlichkeit ist das dritte Buch Herbarts „Allgemeiner Pädagogik“. In diesem erläutert er zunächst die Begriffe der Sittlichkeit und des Charakters um anschließend auf die Bedeutung der Zucht bei der Erziehung von Kindern zu gelangen.

1. Charakter und Sittlichkeit

Herbart definiert den Charakter als die „Art der Entschlossenheit“ eines Menschen. Entschlossen kann ein Individuum sein, indem es Dinge beschließt oder indem es sie ausschließt. Wenn man etwas ausschließt, so geschieht dies entweder, weil man nicht genügend Willen besitzt es zu tun, oder aber einfach aufgrund der Tatsache, weil man es nicht tun möchte.

Zentral in Herbarts Erklärungen zum Charakter ist die Unterteilung in einen objektiven und einen subjektiven Charakter.

Der objektive Charakter umfasst all die Neigungen, Temperamentzüge und Gewohnheiten des Menschen. Hier sind Erfahrungen verwurzelt, welche man in seinem eigenen Leben aufgrund der eigenen Taten und Handlungen gemacht hat. Dementsprechend ist der objektive Charakter im Menschen weitgehend verfestigt, da diese auf gemachten Erfahrungen beruht. Unumstößlich ist er jedoch nicht. Gerade bei einem jungen Menschen, der noch nicht viele Erfahrungen in seinem Leben gesammelt hat, können einzelne Erlebnisse und Ereignisse die Ansichten und Neigungen sehr verändern. Je mehr Erfahrungen gemacht werden, desto schwieriger ist dies. Nur wenn es gelingt den objektiven Charakter zu festigen, so kann sich ein sittlicher Charakter herausbilden und genau deshalb benötigt es einer intensiven Erziehung.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Johann Friedrich Herbarts 'Allgemeine Pädagogik von 1806'
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V44926
ISBN (eBook)
9783638424288
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann, Friedrich, Herbarts, Allgemeine, Pädagogik
Arbeit zitieren
Marie George (Autor), 2005, Johann Friedrich Herbarts 'Allgemeine Pädagogik von 1806', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44926

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