Schuld und Eskapismus - Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Hans Magnus Enzensberger


Hausarbeit, 2005
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Arendt und Enzensberger: Ihr Leben und Werk

I.I Enzensbergers Werk Politik und Verbrechen

Der Briefwechsel- Schuld und Eskapismus

Einordnung der Debatte

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit der vorliegenden Arbeit versuche ich der Frage nachzugehen, welche unterschiedlichen Ansichten Hannah Arendt und Hans Magnus Enzensberger bei ihrem Briefwechsel vertraten und welche Überzeugungen bzw. inneren Haltungen dafür Ausschlag gebend waren. Um diese Fragestellung ausreichend beleuchten zu können, ist ein Blick auf die Lebensgeschichte der beiden Protagonisten unvermeidlich. Denn nur ein Vergleich beider Biographien ermöglicht, die Bruchstellen ihrer Überzeugungen nachvollziehbar und verständlich zu machen. Den Stein des Anstoßes bildete Enzensbergers Werk Politik und Verbrechen[1], dass er 1964 veröffentlichte und Hannah Arendt zur Rezension vorlegen wollte. Dieses Ansinnen lehnte sie jedoch mit der Begründung ab, dass es ihr „zu viel Mühe machen würde das ganz Ausgezeichnete von dem Verfehlten zu scheiden.“[2] Stattdessen entwickelte sich zwischen den Beiden ein intensiver Briefwechsel, der auch die Differenzen zwischen der intellektuellen Linken in Deutschland offenbaren sollte. Folglich ist für die Fragestellung auch eine nähere Analyse von Politik und Verbrechen von immanenter Bedeutung, wobei hierbei besonderes Augenmerk auf Enzensbergers Kernstück Reflexionen vor einem Glaskasten gelegt werden soll. Bereits der Titel des Kapitels deutet die Analogie zu dem Eichmann- Prozess in Jerusalem an, bei dem Adolf Eichmann in einem schusssicheren Glaskasten Platz nahm. Hannah Arendt, die zu diesem Prozess als Berichterstatterin reiste, veröffentlichte ihre Reflexionen und Gedanken zu diesem Gerichtsverfahren unter dem Titel Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. [3]

Abschließend ist die Frage zu klären, wie die Debatte in die Zeitgeschichte der Bundesrepublik einzuordnen ist, da nicht vergessen werden darf, dass die Diskussion vor dem Hintergrund des Kalten Krieges statt fand und auch im direkten Zusammenhang mit der Aufarbeitung der deutschen Schuldfrage gesehen werden muss.

I. Arendt und Enzensberger: Ihr Leben und Werk

I.I.: Hannah Arendt

„Sie war leidenschaftlich moralisch, aber überhaupt nicht moralistisch. Was sie auch immer zu sagen hatte, war wichtig, oft provokativ, manchmal auch falsch, aber nie trivial, nie gleichgültig, nie mehr zu vergessen.“[4] Bereits dieser Satz des Philosophen Hans Jonas, den er während der Trauerfeier für Hannah Arendt sprach, offenbart die starke Anziehungskraft und Leidenschaft ihrer Persönlichkeit. Sie galt und gilt als große Schriftstellerin und Philosophin des 20. Jahrhunderts. Doch zunächst ein kurzer Blick auf ihre wichtigsten Lebensstationen: Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren. Nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss entschied sie sich für das Studium der Philosophie, bei der sie

u. a. bei Martin Heidegger und Karl Jaspers lernte. Ihre Promotion absolvierte Arendt an der Universität Heidelberg im Jahr 1929. Ihre Arbeit beschäftigte sich dabei mit dem Begriff der Liebe bei Augustinus. Als Deutschland 1933 dem Nationalsozialismus zum Opfer fiel, emigrierte Hannah Arendt, da sie jüdischer Abstammung war und wohl zu Recht eine Verfolgung ihrer Person befürchtete. Es verschlug sie zunächst nach Paris, endgültig sesshaft wurde sie aber erst 1940 in den Vereinigten Staaten. In New York begann sie eine Tätigkeit als Lektorin, daneben engagierte sich Hannah Arendt aber auch für jüdische Organisationen. In dieser Zeit begann sie auch mit der Erforschung des Totalitarismus. Ihr Buch The Orgins of Totalitarism beschäftigt sich mit diesem Thema und wurde ein enormer Erfolg.[5] In diesem Werk stellt Hannah Arendt Nationalsozialismus und Bolschewismus den aus der Antike bekannten Formen totalitärer Machtsysteme gegenüber und liefert in einer Analyse mögliche Ursprünge des Totalitarismus.

Durch den Erfolg ihres Werkes erhielt die Autorin von verschiedenen renommierten Universitäten Einladungen zu Gastvorträgen. Schließlich übernahm sie auch Lehraufträge, so z. B. 1953 und 1959 an der Princeton University, 1963 bis 1967 an der Universität von Chicago.

Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen zählt ohne Frage das Buch Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, das sie 1963 publizierte. Das Werk basiert auf ihrer Reportage über den Prozess gegen den `Technokraten` Adolf Eichmann aus dem Jahr 1961.

Arendt vertritt hierin die Ansicht, dass die Schuld am Holocaust nicht auf Einzeltäter `abgeschoben` werden kann, vielmehr müsse man die immer währende faschistische Gefahr aufdecken und bannen. Diese These löste seinerzeit eine heftige Debatte aus und erregte weltweites Aufsehen.

Von 1967 bis 1975 war Hannah Arendt Professorin für Politik und Philosophie an der New School for Social Research in New York. Die Politologin starb am 4. Dezember 1975 in New York.

[...]


[1] Enzensberger, Hans Magnus, Politik und Verbrechen, Frankfurt a.M., 1964.

[2] Arendt, Hannah, Enzensberger, Hans Magnus, Ein Briefwechsel, in: Schickel, Joachim (Hrsg.), Über Hans Magnus Enzensberger, Frankfurt a. M. 1973, S. 173.

[3] Arendt, Hannah, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München 1964.

[4] Jonas, Hans in: Heuer, Wolfgang, Hannah Arendt, Hamburg 1987, S. 7.

[5] Arendt, Hannah, The Orgins of Totalitarism (dt. Titel: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft), London 1951.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Schuld und Eskapismus - Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Hans Magnus Enzensberger
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V44928
ISBN (eBook)
9783638424301
ISBN (Buch)
9783638863896
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schuld, Eskapismus, Briefwechsel, Hannah, Arendt, Hans, Magnus, Enzensberger, Geschichte
Arbeit zitieren
Richard Oehmig (Autor), 2005, Schuld und Eskapismus - Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Hans Magnus Enzensberger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44928

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