Das soziotechnische System. Beispiele aus der Praxis


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Grundlagen
2.1 Entstehung des soziotechnischen Systems
2.2 Der soziotechnische Systemansatz
2.3 Die Grundzüge des soziotechnischen Systems
2.4 Vier Grundannahmen des soziotechnischen Systems
2.5 Adaptionsfähigkeit der Mitarbeiter in Transformationsperioden

3 Beispiele aus der Praxis
3.1 Industrie 4.0 als soziotechnisches System
3.1.1 Umsetzung Bosch
3.1.2 Umsetzung Daimler
3.2 Computergestützte Kommunikation als soziotechnisches System
3.2.1 Definition computergestützte Kommunikationssysteme
3.2.2 Voraussetzungen soziotechnischer Kommunikationssysteme
3.2.3 Aufbau sozialer Netzwerke

4 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur- und Internetverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Soziotechnisches System

Abbildung 2: Industriearbeit der Zukunft - Industrie 4.0

Abbildung 3: Socio-Technical System Design

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Bei der Einführung von soziotechnischen Systemen muss jedes Unternehmen sein eigenes individuelles Konzept finden.1 Der Begriff wurde traditionell verwendet, um Technologien in ihrem sozialen Umfeld zu identifizieren. Heutzutage benutzt man den Begriff aber um Systeme, die mit Menschen, anderen Technologien, physischen Gegebenheiten, Prozessen und Informationen interagieren, zu identifizieren.2 Der größte Einfluss und zudem schwerste kalkulierbare Faktor sind die turbulenten Ar- beitsumgebungen in denen Schwankungen und Störungen auftreten, die psycholo- gisch eingeschätzt werden müssen.3 „The longwall method will be regarded as a technological system … and as a social structure consisting of the occupational roles that have been institutionalized in its use. The interactive technological and sociolog- ical patterns will be assumed to exist as forces having psychological effects … To- gether, the forces and their effects constitute the psycho-social whole which is the object of study”4 Die größte Herausforderung ist es diese Störungen des soziotech- nischen Systems bereits in der Modellierung des individuellen Konzepts bestmöglich zu minimieren. Um die Lücke zwischen dem sozialen- und technischen Teilsystem so gering wie möglich zu halten, gibt es verschiedene Ansätze, wie man potenzielle Störungen am besten identifizieren kann.5

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit soll dem Leser die Bedeutung und der Einfluss von soziotechnischen Systemen im Arbeitsalltag vermittelt werden, welche sich auf dem soziotechnischen Systemansatz, den Grundzügen, den vier Grundan- nahmen und der Adaptionsfähigkeit der Individuen stützt. Insgesamt ist diese Arbeit in fünf Hauptkapitel untergliedert. Deshalb erfolgt in Kapitel 2 die Erläuterung zur Entstehung und die nötigen Grundlagen zum Verständnis des Systems. Im weiteren Verlauf beinhaltet Kapitel 3 Beispiele, wie solche Systeme in der Praxis umgesetzt werden. Zum Schluss erfolgt in Kapitel 5 die Zusammenfassung und mögliche Ausblicke in die Zukunft.

2 Grundlagen

2.1 Entstehung des soziotechnischen Systems

Trist & Bamforth führten im Jahr 1951 eine Studie des Tavistock-Institus im englischen Kohlebergbau durch.6 Ziel dieser Studie war es die Ursachen, für häufige Unfälle, viele Fehlzeiten und schlechte Motivation bei der Arbeit, zu ermitteln.7

„Im alten System (Shortwall System) hatte die Arbeitsgruppe aus zwei bis sechs Bergleuten bestanden, welche ihre Löhne untereinander im gleichen Verhältnis teil- ten. Sie arbeiteten in verschiedenen Schichten, aber immer am selben Ort und waren für die gesamte Bergbautätigkeit, bestehend aus Abbau, Beladen der Lore und Transport, verantwortlich. Nach der Longwall-Methode wurde jeder Teil dieser Tätig- keit einer speziellen Schicht zugewiesen. Dadurch wurde das soziale Unterstüt- zungssystem, welches früher zur Verringerung des Angstniveaus beigetragen hatte, zerstückelt.“8

Mit Einführung von neuen Technologien wurden im Schacht von South Yorkshire bisher gut funktionierende Arbeitsgruppen auseinandergerissen und stattdessen Ar- beitsteilung eingeführt. Die Bergleute fanden aber eine Lösung, indem sie die Grup- penarbeit mit der neuen Bergbautechnik kombinierten. Es ließ sich somit die Auflö- sung von Arbeitsgruppen durch Selbstorganisation vermeiden.9 Die Veränderung verringerte die Arbeitsteilung in der Gruppe und führte daher zu geringeren Abwe- senheitsraten, weniger Unfällen und höheren Leistungen. Es genügt daher nicht die Arbeitsorganisation nur aus technischer Perspektive zu optimieren, sondern sowohl das soziale- als auch das technische System gemeinsam zu betrachten. Ziel sollte es sein beide Subsysteme passend zu gestalten, damit sie sich optimal ergänzen. Durch die Interpretation der Befunde von Trist und Bamforth entwickelten sie eine neue Betrachtungsweise auf die Wechselwirkung von Mensch und Arbeitssystem. Sie prägten den Begriff des „soziotechnischen Systems“.10

2.2 Der soziotechnische Systemansatz

Der soziotechnische Ansatz betrachtet die Mitglieder, die Aufgabe, die Organisati- onsstruktur und die Technik in einem Abhängigkeitsverhältnis, um ein bestimmtes Arbeitsergebnis zu erzielen.11 Demnach besteht das soziotechnische System aus zwei Subsystemen. Zum einen das technische Subsystem, das die Technologie und Aufgaben umfasst und zum anderen das soziale Subsystem, also Mitglieder und Un- ternehmensstrukturen.12 Beide Subsysteme haben starke Abhängigkeiten zueinan- der und sind daher nicht voneinander zu trennen.13 In Abbildung 1 werden diese Abhängigkeiten grafisch dargestellt.

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sydow(1985),S. 29

Abbildung 1: Soziotechnisches System

Es gibt fünf Schlüssel Charakteristiken, die soziotechnische Systeme auszeichnen.

1. Systeme sollten aus unabhängigen Teilen bestehen
2. Systeme sollten sich an externe Faktoren anpassen lassen
3. Systeme haben eine interne Umgebung, die getrennt aber dennoch unabhängig sowohl technische- als auch sozial Subsysteme umfasst
4. Systeme besitzen das gleiche Ziel. Das bedeutet, dass das Ziel auf unterschied- lichem Weg erreicht werden kann.
5. Die Gesamtleistung des Systems beruht auf der gemeinsamen Optimierung von technischen und sozialen Subsystem. Die Fokussierung auf nur eines dieser Systeme und den Ausschluss des anderen wird höchstwahrscheinlich zu einer verschlechterten Systemleistung führen.14

2.3 Die Grundzüge des soziotechnischen Systems

Der Begriff des soziotechnischen Systems wurde von Emery und Trist verwendet, um Systeme zu beschreiben, die eine komplexe Wechselwirkung zwischen Mensch, Maschine und den Umweltaspekten des Arbeitssystems beinhalten - heutzutage gilt diese Interaktion für die meisten Unternehmenssysteme.15 In Unternehmen wird in der Regel computergestützt, durch Einsatz von informationstechnischen Systemen wie z. B. E-Mail, Chat-Räume oder Soziale Netzwerk Plattformen, kommuniziert. Demzufolge haben technische Systeme eine hohe Bedeutung für Unternehmen, de- ren Rollen und Prozesse. Der Einsatz von elektronischen Geräten beeinflusst das soziale System enorm. Dadurch ändern sich die Kommunikationswege und Ent- scheidungskompetenzen.16 Daher sind Unternehmen im modernen Zeitalter der In- formationsgesellschaft als soziotechnische Systeme anzusehen und nicht als sozi- ale Systeme, die mit Hilfe von technischen Systemen die Kommunikation nutzen. Denn durch die globale Vernetzung von elektronischen Geräten entsteht ein ganz neuer gesellschaftlicher Wirkungsraum auf die Art der Kommunikation.17

2.4 Vier Grundannahmen des soziotechnischen Systems

Das soziotechnische System lässt sich auf vier Grundannahmen zusammenfassen, die wie folgt aussehen.

1. Als soziotechnische Systeme werden komplexe Arbeitssysteme bezeichnet, in welchen einerseits technisch-technologische (d.h. technische Einrichtungen, sowie formale Strukturen und Vorgaben), andererseits soziale (d.h. Menschen und Arbeitsgruppen sowie informelle Strukturen) Teilsysteme bei der Erfüllung einer Aufgabe zusammenwirken.18
2. Soziotechnische Systeme reagieren sehr empfindlich auf Turbulenzen in der Umgebung. Man kann sich ihnen nicht entziehen und sollte sie daher eliminieren, um die Aufgabe trotz des Auftretens zu erfüllen.19
3. Das technische Teilsystem schafft dennoch unausweichliche Rahmenbedin- gungen für das soziale Teilsystem. Diese reglementieren die Prozesse und Strukturen dennoch nicht zwingend, sondern erlauben dem sozialen System trotz allem einen gewissen Handlungs- und Gestaltungsspielraum, um die Chance von flexiblem Handeln ergreifen und nutzen zu können.20
4. Durch die Maximierung von Selbstregulation in teilautonomen Arbeitsgruppen wird ein besseres Auffangen von Schwankungen und Störungen erreicht und zudem hilft es den Menschen dabei, die psychische Belastung besser zu ver- kraften21.

2.5 Adaptionsfähigkeit der Mitarbeiter in Transformationsperioden

Zeiten großer soziotechnischer Umbrüche zeichnen sich nicht nur durch bedeut- same technologische Veränderungen, sondern immer auch durch die damit verbun- dene gravierende soziale Neuordnung aus. Wie sie konkret verlaufen, welcher tech- nologische, institutionelle oder gar strukturelle Wandel sich tatsächlich durchsetzt, hängt auch davon ab, ob und wie die Mitarbeiter ihre neue soziotechnische Heraus- forderung wahrnehmen bzw.

[...]


1 vgl. Freund, Ferdinand/Knoblauch, Rolf/Racké, Gerhard(1993),S. 102

2 vgl. Davidsson; Logan; Takadama(2005),S. 66

3 vgl. Tscheulin(2009),S. 87

4 Trist/Bamforth(2016),S. 5

5 vgl. Munson/Cavusoglu/Frisch/Fels(2013), o.S.

6 vgl. Trist/Bamforth(2016),S. 3

7 vgl. Ulich(2011),S. 192

8 Greif(1997),S. 484

9 vgl. Trist/Bamforth(2016),S. 4-6

10 vgl. Greif(1997),S. 483-488

11 vgl. Holtfort(2013),S. 26

12 vgl. Hubig(2008),S. 165-166

13 vgl. Kremers(2013),S. 78-79

14 vgl. Baxter/Sommerville(2011),S. 4

15 vgl. Churchman/Verhulst(1960),S. 84

16 vgl. Luhmann(2013),S. 365

17 vgl. Rammert(2013),S. 115

18 Krause/Schüpbach/Ulich/Wülser(2008),S. 26

19 vgl. Jackson(2000),S. 95

20 vgl. Ulich(2011),S. 331

21 vgl. DiStefano/Rudestam/Silverman(2003),S. 412-413

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das soziotechnische System. Beispiele aus der Praxis
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Stuttgart
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V449751
ISBN (eBook)
9783668845916
ISBN (Buch)
9783668845923
Sprache
Deutsch
Schlagworte
system, beispiele, praxis
Arbeit zitieren
Julian Springer (Autor), 2017, Das soziotechnische System. Beispiele aus der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449751

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