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Theatrum Poenarum. Hinrichtungen im Strafsystem der Frühen Neuzeit

Titel: Theatrum Poenarum. Hinrichtungen im Strafsystem der Frühen Neuzeit

Hausarbeit , 2017 , 31 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Franziska Völkel (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel der Hausarbeit ist es, herauszufinden, wie die Bestrafung von Delinquenz mittels zeitgenössisch zur Verfügung stehender Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster erschlossen und diskursiv formiert wurde. Hierbei soll explizit dargelegt werden, welche Bedeutung eine öffentliche Exekution im alltäglichen Leben der Menschen in der Frühen Neuzeit besaß und welche theatralischen Elemente sie beinhaltete.

In der Kompilation "Theatrum Mortis Humanae Tripartitum" des Historikers und Ethnographen Johann Weichard von Valvasor aus dem Jahr 1682 kommt zum Ausdruck, dass die Vergeltung von delinquenten Handlungen in Form von spiegelnden Körperstrafen zu erfolgen hat. Ferner wird in Jacob Döplers "Theatri Poenarum" von 1697 ein weites Spektrum an Bestrafungen bei bestimmten Delikten dargelegt. Auf der theatralischen Strafbühne spielt jedes Mitglied der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft eine eigene soziale Rolle.

Der Theatrum-Topos fand vor allem seit Mitte des 17. Jahrhunderts Einzug in mannigfaltige Wissensdisziplinen, so auch in die Beschreibung des Strafrechts und der Strafpraxis im Alten Reich.
An diesem Punkt lassen sich die Fragen stellen, welche Methoden der körperlichen Bestrafung im Theatri Poenarum existierten und inwiefern sie einem historischen Wandel unterlagen? Wie sollten öffentliche Inszenierungen von Leibesstrafen zur Aufrechterhaltung der „guten Ordnung“ beitragen? Es bleibt zu fragen, welchen Stellenwert die Abwendung von Gefahrenpotential durch Hinrichtungen im zeitgenössischen Sicherheitsdiskurs einnahm.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strafordnungen im Alten Reich

3. Mediale Konfiguration des Theatri Poenarum

3.1. Bedeutung der Theatrum-Metapher

3.2 Verbreitung durch Flugblätter

4. Vergleich von zwei exemplarischen Exekutionsfällen

4.1 Vorfeld der Hinrichtung

4.2 Bestrafung der Delinquenten

4.3 Spektrum an Teilnehmern

4.4 Prozesse des historischen Wandels

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Inszenierung öffentlicher Hinrichtungen als "Theatrum Poenarum" im Strafsystem des Alten Reichs. Dabei wird analysiert, wie zeitgenössische Wahrnehmungs- und Handlungsmuster die öffentliche Bestrafung als Mittel der sozialen Ordnung und Abschreckung formierten.

  • Symbolische Kommunikation durch Ehren- und Körperstrafen
  • Die Rolle der "Theatrum-Metapher" in der Strafpraxis
  • Mediale Aufbereitung von Exekutionen durch illustrierte Flugblätter
  • Historisch-praxeologische Untersuchung der Hinrichtungspraxis
  • Wandel von Strafvorstellungen im Kontext der Aufklärung

Auszug aus dem Buch

4.2 Bestrafung der Delinquenten

Der Delinquent Oettinger wurde auff einem Wagen hinnauß [aus der Stadt] geführt/ ihme underwegs 4 underschiedliche Griff/ mit Glühenden Zangen gegeben. Döpler gibt ebenfalls einen Einblick in die Anwendung dieser Methode: Wann eine Ubelthat so grausam ist daß nicht gnung solche allein mit dem Rade abzustraffen/ wird zu Schärf- und Vermehrung derselben noch hinzugethan daß der Inquisit vor der endlichen Ertödtung/ öffentlich auf einen Wagen/ bis zu der Richtstatt umbgeführet/ und der Leib mit glühenden Zangen gerissen werden solle. Diese extreme Qual des Körpers, die in der unteren linken Ecke des Holzschnittes von 1613 dargestellt ist, wurde als Sanktion einer hohen Anzahl qualitativ schwerer Delikte angewandt. Mittels eines Blasebalges wurde die Feuerstelle auf dem Wagen angefacht, um die Metallzangen zum Glühen zu bringen. Der Missetäter konnte somit während der ganzen Fahrt zur Hinrichtungsstätte durch Herausreißen von Hautstücken malträtiert werden. Zudem wurde die Ehrlosigkeit des Kriminellen durch die öffentliche Zurschaustellung gemeinsam mit dem Henker unterstrichen. Der Beruf des Nachrichters stand mit Bestrafung und Tod in Verbindung, wodurch dieses Amt in der frühneuzeitlichen Gesellschaft als unehrlich galt. Oettinger ist bei diesem Szenario von einem in schwarzen Talar gekleideten Priester umgeben, der für die Legitimität der verhängten Strafen steht und das Schreckensschauspiel in einen religiösen, liturgischen Rahmen einbettet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der öffentlichen Hinrichtungen als "Theatrum Poenarum" und Formulierung der zentralen Forschungsfragen zur Methodik und Symbolik der Strafpraxis.

2. Strafordnungen im Alten Reich: Überblick über die Zentralisierung der Strafgerichtsbarkeit seit dem späten Mittelalter und die Bedeutung normativer Texte wie der "Constitutio Criminalis Carolina".

3. Mediale Konfiguration des Theatri Poenarum: Analyse der Theater-Metapher als Ordnungssystem und Untersuchung der Rolle von Flugblättern als Medium zur Verbreitung und didaktischen Darstellung von Strafpraktiken.

4. Vergleich von zwei exemplarischen Exekutionsfällen: Detaillierte Untersuchung und Gegenüberstellung zweier spezifischer Hinrichtungsfälle aus den Jahren 1613 und 1771 zur Verdeutlichung historischer Praktiken und Entwicklungen.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Inszenierungscharakteristik von Exekutionen als gemeinschaftsbildendes, religiöses und machtpolitisches Ereignis im frühneuzeitlichen Kontext.

Schlüsselwörter

Theatrum Poenarum, Alte Reich, Hinrichtung, Körperstrafe, Strafjustiz, Flugblätter, historische Praxeologie, Kriminalitätsgeschichte, Frühe Neuzeit, Todesstrafe, Machtdemonstration, Strafpraxis, öffentliches Exekutionszeremoniell.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Inszenierung von öffentlichen Hinrichtungen im Alten Reich als theatralisches Ereignis, in dem das Strafsystem und die Gesellschaft kommunikativ interagierten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die symbolische Kommunikation durch Körperstrafen, die Medialität durch Flugblätter und der Einfluss religiöser sowie politischer Ordnungsstrukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszufinden, wie Bestrafung von Delinquenz diskursiv formiert wurde und welche Bedeutung die öffentliche Exekution für die Lebenswelt der Frühen Neuzeit besaß.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein historisch-praxeologischer Ansatz gewählt, um soziale Praktiken als situierte Vollzüge von Handlungen im Zusammenspiel mit Dingen und Routinen zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den Strafordnungen, der medialen Darstellung (Flugblätter) und dem detaillierten Vergleich von zwei spezifischen Exekutionsfällen der Räuberhauptmänner Oettinger und Klostermeyer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Theatrum Poenarum, Körperstrafe, Strafgerichtsbarkeit, frühneuzeitliche Strafkultur und öffentliche Inszenierung.

Welche Rolle spielten Geistliche bei den Hinrichtungen?

Geistliche betteten das Schreckensszenario in einen religiösen und liturgischen Rahmen ein, um die Buße des Delinquenten in den Vordergrund zu rücken und die göttliche Ordnung zu legitimieren.

Warum wurden Hinrichtungen oft außerhalb der Städte durchgeführt?

Die Auslagerung hatte pragmatische Gründe wie Platzbedarf und Geruchsbelästigung, besaß aber auch eine symbolische Komponente, um den städtischen Raum nicht zu beflecken und als Warnung nach außen zu fungieren.

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Details

Titel
Theatrum Poenarum. Hinrichtungen im Strafsystem der Frühen Neuzeit
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte)
Note
1,0
Autor
Franziska Völkel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
31
Katalognummer
V450013
ISBN (eBook)
9783668838802
ISBN (Buch)
9783668838819
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praktiken inszenierung theatri poenarum hinrichtungen strafsystem alten reichs
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Franziska Völkel (Autor:in), 2017, Theatrum Poenarum. Hinrichtungen im Strafsystem der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450013
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  31  Seiten
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