Bereits im Alten Testament sind Aggression und Gewalt sowohl von den Menschen als auch von Gott ein Thema. Adam und Eva versündigen sich gegen Gott. Gott vertreibt diese daraufhin aus dem Paradies (vgl. Gen 3, 23-24) und wenig später erschlägt Kain seinen Bruder Abel (vgl. Gen 4, 8). Am deutlichsten wird der alttestamentarische, zornige und aggressive Gott, wenn er fordert: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (Ex 21, 24). Nach DARWIN muss eine Art um ihr Überleben kämpfen, denn nur der Stärkere überlebt (vgl. 1963, S. 120). Um überleben zu können, ist natürlich Gewalt im Spiel. Es gilt, in der Konkurrenz zu bestehen und sich durchzusetzen. Dies hatte DARWIN damals in erster Linie auf die Tierwelt bezogen, doch diese Aussage ist durchaus auch auf den Menschen zu übertragen. Ein Blick auf die Literatur bestätigt das, wenn z. B. EIBL-EIBESFELDT konstatiert, dass sich Tiere einer Art sehr oft bekämpfen. Die Geschichte der Menschheit ist nach der Autorin eine Geschichte von Gewalttaten. Dieses aggressive Verhalten bestimmt auch die heutige Zeit. Gewiss bestehen kulturelle Unterschiede. Jedoch scheint die „Aggressivität als Disposition zur Aggression vielmehr auf der ganzen Erde verbreitet“, was diese aber keineswegs rechtfertigt. Gewalt ist demnach tief in den Instinkten des Menschen verwurzelt. Kriege ziehen sich durch die ganze Menschheitsgeschichte und galten lange Zeit „als eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (CLAUSEWITZ, 1963, S. 22). Doch im Gegensatz zu den Tieren hat der Mensch die Macht, sich gegen seine Instinkte und Triebe zu entscheiden. In der heutigen freien und aufgeklärten Gesellschaft besitzt der Staat deshalb ein alleiniges Gewaltmonopol, welches besagt, dass „allein staatliches Handeln die Anwendung physischer Gewalt legitimieren kann“ (WEBER, http, 21.11.2004). Die Anwendung physischer Gewalt ist also außer in Notwehrsituationen nicht erlaubt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinition
2.1 Aggression und Gewalt - Versuch einer definitorischen Klärung
2.2 Verschiedene Arten
3 Entstehungsmechanismen
4 Erklärungspositionen aggressiven Verhaltens
4.1 Triebtheorien
4.1.1 Triebtheorien der Psychoanalyse nach FREUD
4.1.2 Triebtheorie der Ethologie nach LORENZ
4.2 Frustrations-Aggressions-Theorie
4.3 Lernpsychologische Theorien
4.3.1 Klassisches Konditionieren
4.3.2 Operantes Konditionieren
4.3.3 Beobachtungslernen
4.3.4 Kognitives Lernen
4.4 Kritische Reflexion
5 Aggressionsfelder
5.1 Persönliches
5.2 Familie
5.3 Medien
5.4 Schule
5.5 Peergroups
6 Gewaltprävention
6.1 Einzelne Praxisfelder
6.1.1 Erziehung in der Familie
6.1.2 Medien
6.1.3 Schule
6.1.4 Gesellschaft
6.2 Grundformen der Gewaltprävention nach MARTIN
6.3 Ein Präventionskonzept nach NOLTING
6.3.1 Aggression abreagieren - geht das?
6.3.2 Die Anreger verändern
6.3.3 Die Anreger anders bewerten
6.3.4 Aggressionshemmungen fördern
6.3.5 Alternatives Verhalten lernen
6.4 Präventionsprogramme
6.4.1 Familien-Management nach PATTERSON
6.4.2 Training mit aggressiven Kindern nach PETERMANN/PETERMANN
6.4.3 Interventionsprogramm in schwierigen Schulklassen nach GUGGENBÜHL
6.4.4 Schulisches Interventionsprogramm nach OLWEUS
6.5 Kritische Reflexion
7 Verallgemeinerung der Erkenntnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Entstehungsmechanismen von Aggression und Gewalt bei Heranwachsenden sowie effektive Möglichkeiten der schulischen Prävention. Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis der Problematik zu entwickeln, um Lehrkräften konkrete Strategien für den Umgang mit Gewalt an die Hand zu geben.
- Grundlagen und Definitionen von Aggression und Gewalt
- Erklärungspositionen aus Trieb-, Frustrations- und Lerntheorien
- Einflussfaktoren wie Familie, Medien, Schule und Peergroups
- Grundformen und praktische Interventionsprogramme zur Gewaltprävention
Auszug aus dem Buch
1. Raum geben - Schulleben ermöglichen
Den Schülern müssen Räume gegeben werden, die kind- und jugendgerecht gestaltet sind und in denen Kräfte erprobt und gebildet sowie die Ich-Stärkung bekräftigt werden, um sich entwickeln und sich selbst entfalten zu können. In diesen sollen sie nicht unter Beobachtung und Regeln der Erwachsenen stehen. Die Schüler sollen das Gefühl haben, von den Erwachsenen nicht nur akzeptiert, sondern gewürdigt, geachtet und gleich behandelt zu werden. Kinder brauchen für ihre körperlich-seelische, geistige und soziale Entwicklung Raum. Eine exemplarisch ausgewählte Maßnahme von Anti-Gewalt-Projekten ist, den Kindern die Lebensräume ihrer Städte bekannt zu machen (Stadt- und Stadtteilprojekte) (vgl. MARTIN, 1999, S. 97-100). Schulgebäude und Klassenräume müssen ebenfalls zu einer gemütlichen Atmosphäre beitragen (vgl. FUCHS et al., 1995; in MARTIN, 1999, S. 101), ebenso die Pausenhöfe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet Gewalt als historisches und gesellschaftliches Phänomen und betont die Notwendigkeit von Prävention im schulischen Kontext.
2 Begriffsdefinition: Differenziert zwischen Aggression, Gewalt und Aggressivität und beleuchtet verschiedene Ansätze der Begriffsbestimmung.
3 Entstehungsmechanismen: Erläutert die Entwicklung aggressiven Verhaltens vom Kleinkindalter bis zum Schuleintritt als Stufenprozess.
4 Erklärungspositionen aggressiven Verhaltens: Analysiert Triebtheorien, Frustrations-Aggressions-Theorien und lerntheoretische Ansätze kritisch.
5 Aggressionsfelder: Untersucht zentrale Bedingungsfaktoren wie Persönlichkeit, Familie, Medien, Schule und Peergroups im multifaktoriellen Bedingungsansatz.
6 Gewaltprävention: Stellt grundlegende Konzepte und konkrete Präventionsprogramme (nach MARTIN, NOLTING, PATTERSON, PETERMANN/PETERMANN, GUGGENBÜHL und OLWEUS) vor.
7 Verallgemeinerung der Erkenntnisse und Ausblick: Fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit ganzheitlicher Präventionsansätze im schulischen Alltag.
Schlüsselwörter
Gewalt, Aggression, Gewaltprävention, Schule, Erziehung, Lerntheorien, Frustration, Verhaltensmodifikation, Intervention, Familie, Medienkonsum, Peergroup, Konfliktbewältigung, Sozialverhalten, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung von aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Gewaltprävention und -intervention im schulischen Umfeld.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen psychologische Erklärungstheorien (Trieb-, Frustrations-, Lerntheorien), soziologische Kontextfaktoren sowie konkrete Präventionskonzepte für Eltern und Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis wissenschaftlicher Theorien ein Verständnis für Gewaltursachen zu schaffen und präventive Handlungsmöglichkeiten für den Schulalltag aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse und den Vergleich verschiedener psychologischer Erklärungsansätze sowie etablierter Präventionsprogramme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Aggressionsentstehung und die Darstellung von Interventions- und Präventionsmaßnahmen auf Schulebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gewaltprävention, Aggressivität, Sozialerziehung, Konfliktmanagement und Erziehungspartnerschaft charakterisieren.
Wie unterscheidet sich "indirekte" von "direkter" Gewalt nach Galtung?
Direkte Gewalt ist personal und intendiert, während indirekte oder strukturelle Gewalt eine stille Unterdrückung durch ein System sozialer Ungerechtigkeit beschreibt.
Warum ist das "Training mit aggressiven Kindern" nach Petermann/Petermann besonders?
Es zeichnet sich durch einen Hybridcharakter aus, der Einzel- und Gruppentraining mit intensiver Elternberatung kombiniert, um sowohl soziale Fähigkeiten zu fördern als auch Aggression abzubauen.
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- Verena Starowiecki (Author), 2005, Gewalt an Schulen. Ein Beitrag zur Prävention im schulischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45004