Global Player und der Einfluss auf die Sozialstruktur in wachsenden Städten


Seminararbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Definition
1.1 Wohlstand
1.2 Gentrifizierung
1.3 Global Player
1.4 Armut

2. Raum- und Stadtsoziologie
2.1 Stadt – soziologische Perspektive
2.2 Entwicklung von städtischer Armut

3. Historie & Stadtentwicklung von San Francisco
3.1 Global Player – Einfluss auf den Wohnungsmarkt

4. Historie & Entwicklung Wolfsburg/Volkswagen
4.1 Leben in Wolfsburg – Bürgerbefragung 2015
4.2 Volkswagen – Einfluss auf steigende Mietpreise?
4.3 VW-Mitarbeiter vs. Nicht-VW-Mitarbeiter - soziale Ungleichheit?

5. Gewinner und Verlierer bei der Stadtentwicklung

6. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit bezieht sich auf die Fragestellung: Welche demografischen und wirtschaftlichen Auswirkungen haben Global Player auf wachsende Städte und wer sind die Gewinner und Verlierer.

Dabei werden Vergleiche aus verschiedenen Städten hinzugezogen, um folglich Tendenzen aufzuzeigen, welche offensichtlichen Vorteile es (zumindest für einen elitären Kreis) mit sich bringt und wer als Verlierer hervorgeht. San Francisco wird hierbei als Beispielstadt dienen, da sie bereits im Einfluss der Gentrifizierung steht. Im nächsten Schritt übertrage ich den Wandel auf die deutsche Stadt Wolfsburg, da ich dort aufgewachsen, eine Befragung durchgeführt habe und selbst aktuell viele Veränderungen wahrnehme. Die Schattenseiten einer boomenden Stadt sind dabei nicht nur monetär messbar, sondern haben langfristig soziale Auswirkungen auf das gesellschaftliche Gefüge wie z.B. Arm und Reich.

1. Definition

1.1 Wohlstand

Der Wohlstand ist in der aktuellen Zeit ein häufiges Gesprächsthema, ob in den Medien oder im eigenen Freundschaftskreis, präsent ist es allemal. Doch was versteht man unter diesem Begriff? Und wie kann man es bemessen?

Unter Wohlstand verstehe man den sozioökonomischen Status der laut einigen Autoren, wie z.B. Adams et al. als Indikator für das ökonomische Wohlergehen eines Individuums stehen soll.[1] Nicht selten wird damit das eigene Einkommen oder auf die ganze Gesellschaft bezogen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemeint, welches als objektives Messinstrument und Indikator für den Wohlbericht einer Nation genutzt wird. Dieser berichtet über alle wirtschaftlichen Abwicklungen, wie z.B. Güter und Dienste auf dem Markt, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums getätigt worden sind. Die Zahlen werden dann auf einer zweidimensionalen Zeitachse mit einem Kurvendiagramm illustriert[2]

Neben dem objektiven ökonomischen Indikator (BIP), der sich grundsätzliche auf die monetären Ressourcen beschränkt, gibt es auch die nicht materiellen Wohlstandsformen. Diese werden anhand subjektiver Einschätzungen durch empirische Befragungen ermittelt und spielen auch eine wichtige Rolle in der Lebensqualitätsforschung. Denn selbst der Entwickler des Bruttoinlandsproduktes Kuznets (1934) sei der Meinung, dass der Wohlstand nicht allein durch monetäre Ressourcen erklärt werden kann.[3] Dennoch soll in den folgenden Schritten der objektive Wohlstandindikator als Referenz dienen, um die Aussagen meiner eigenen Befragung besser gewichten zu können, da es den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand besser repräsentiert.

1.2 Gentrifizierung

Geprägt wurde diese Bezeichnung von der Soziologin Ruth Glass, die in den 1960er Jahren die Entwicklung Londons in Hinsicht der Bewohnerschaft analysierte.[4] Der Terminus „Gentrifizierung/Gentrification“ leitet sich vom englischen Ausdruck „gentry“ ab, welches die gesellschaftliche Oberschicht beschreibt. Nach dem Deutschen Institut für Urbanistik (2011) wird „ der Wechsel von einer statusniedrigeren zu einer statushöheren (finanzkräftigeren) Bewohnerschaft, der oft mit einer baulichen Aufwertung, Veränderung der Eigentümerstruktur und steigenden Mietpreisen einhergeht“ gemeint.[5] Demzufolge bilden sich allgemeine Auswirkungen auf die Sozialstruktur aus, die nicht nur für erhöhte Miet- und Bodenpreise sorgen, sondern auch für Verdrängungseffekte von Personengruppen, der gesellschaftlich unqualifizierten unteren Schicht. Diese soziale Verdrängung/ Ausdifferenzierung von statusniedrigeren Bewohnern lässt sich auf den Wandel des lokalen Arbeitsmarktes, der sich zum Beispiel durch technologischen Fortschritt kennzeichnen lässt, zurückschließen. Denn dadurch erhöht sich die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus der oberen Mittelschicht, welches zu einem Abbau von niedrigqualifizierten Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor führt.[6] Nun stellt sich die Frage in wie weit eine Gentrifizierung innerhalb einer wachsenden Stadt durch sogenannte Global Player/Große Unternehmen beeinflusst wird?

1.3 Global Player

Nach Mückenberger wird der Ausdruck wie folgt definiert: „ Global Player meint dabei weltweit operierende Unternehmen, vornehmlich der Automobilbranche, (…) die sich um die Arbeits- und Lebensqualität dieses Territoriums bemühen und/oder an ihr interessiert sind.“[7] Dementsprechend versteht man das Global Player Großunternehmen sind, die über die eigenen Staatsgrenzen hinweg agieren und wirtschaftlich über ihre eigenen Strukturen und Unternehmensstandpunkte aktiv sind. Des Weiteren liegt die Verbindung zwischen Großunternehmen und der Globalisierung sehr nahe. Denn durch die ganzen interaktiven Prozesse auf der Weltbühne wird die Globalisierung vorangetrieben und deshalb spricht man auch von dem Global Player, der sich aus der Globalisierungsthematik heraus als Begleitphänomen etabliert hat.[8]

1.4 Armut

Das Leben in Armut ist ein Thema, worüber häufig in den Medien berichtet wird. In den häufigsten Fällen handeln diese Berichte über die Armut, die in Afrika herrscht oder irgendwo anders außerhalb Europas. Die absolute Armut in Afrika hat aber nichts mit der Situation in Industriestaaten wie Deutschland zu tun, denn durch das gut ausgebaute Sozialsystem Deutschlands, ist diese Form überhaupt nicht vorstellbar. In der Bundesrepublik herrschen also andere Armutsverhältnisse, die man auch als relative Armut bezeichnet. Relative Armut wird laut Lexikon als „ein Vergleich zur Lebenssituation anderer Gesellschaftsmitglieder“, definiert. Bei diesem Vergleich dient als Messinstrument das Einkommen aller Haushalte. Dabei wird ein Median errechnet, um die gesellschaftliche Mitte im Bezug des Einkommens darzustellen. Hat ein Haushalt weniger als 60% des durchschnittlichen Medianeinkommens wird es als arm definiert.[9]

2. Raum- und Stadtsoziologie

Die beiden Begriffe sind seit der Gründung der Soziologie ab Beginn des 20. Jahrhunderts vertreten. Sie befassen sich mit gesellschaftlichen Strukturen, die insbesondere in Wechselwirkung des Raumes stehen, in dem sich die Gesellschaft befindet. Im Laufe der Industrialisierung fingen diese soziologischen Themenfelder immer mehr an Relevanz zu gewinnen. Denn durch den Wandel der Arbeitswelt, die sich während der industriellen Revolution von Land- zu Fabrikarbeit veränderte, kam es zu einem rapiden Bevölkerungszuwachs, in Städten in denen Fabriken präsent waren. Daraus resultierten verschiedene Ansätze und die Versuchung der Stadtsoziologie Raumtheorien zu entwickeln, die für die Auswertung solcher Phänomene, wie der Neubesiedlung von Städten, brauchbar zu machen.[10]

2.1 Stadt – soziologische Perspektive

In welcher Hinsicht ist die Stadt ein interessantes Forschungsgebiet für die Soziologie?

Bekannte Vertreter, die sich mit der Stadtsoziologie befasst sind zum einen Georg Simmel und Max Weber. Erste Ansätze und Theorien über die Kultur einer Stadt lieferte Simmel mit seinem Aufsatz „Die Großstädte und das Geistesleben“ (1903). In diesem Aufsatz beschreibt Simmel die Wirkung des Lebens in einer Stadt auf die kulturelle Entwicklung der Gesellschaft. Weber hingegen befasste sich überwiegend mit ökonomischen Aspekten, die sich mit der Stadt beschäftigten. In seinen beiden Aufsätzen „Die Stadt“ (1920) und „Wirtschaft und Gesellschaft“ (1922) beschreibe er die Eigenschaft einer Stadt als ein Ort des Handelns und wirtschaftlichen Entwicklung.[11]

2.2 Entwicklung von städtischer Armut

Armut in modernen und wohlhabenden Städten ist keine Seltenheit. In allen Ländern Europas ist das Phänomen der Armut mehr oder weniger ein allgegenwärtiges Problem.[12] Nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise in den 1970er Jahren begann die Globalisierung im exponentiellen Maße weiter fortzuschreiten und zugleich bewirkte es einen Arbeitsplatzbau in industriegeprägten Städten.

Einerseits liegt die Ursache für den Abbau von Arbeitsplätzen, dem Anstieg von Armut und Arbeitslosigkeit am Austausch menschlicher Arbeitskraft durch Maschinenarbeit und zum anderen am allgemeinen Wandel des Arbeitsmarktes, wie bsw. durch zunehmende Anforderungen und Effizienzdruck, Verlagerung der Arbeit und die „Peripherisierung“ in andere kostengünstigere Regionen.[13]

Eine kostengünstigere Alternative für eine Verlagerung des Produktionsstandorts ist z.B. China. Das Land galt lange als die „Fabrik der Welt“, doch mittlerweile sind chinesische Unternehmen selbst an den globalen Technologieentwicklungen beteiligt. Des Weiteren stand neben dem Abbau der westlichen Industriearbeitsplätze ein immenser Arbeitsplatzzuwachs in Schwellen- und Entwicklungsländer gegenüber. Weltweit konnte dadurch die Armutsquote von 42 auf 10,7% verringert werden. Allerdings ist Armut und Wohlstand sowohl zwischen den verschiedenen Weltregionen, als auch innerhalb einzelner Länder und Städten sehr ungleich verteilt.[14]

3. Historie & Stadtentwicklung von San Francisco

Die Stadt hat seinen Ursprung in der spanischen Kolonialzeit und entsprang aus der Franziskanermission „Dolores“ im Jahre 1776. Erste größere Siedlungen wie „Yerba Buena“ genannt, bildete sich in der Nähe der Mission 1835. Als die spanischen Kolonien aus Amerika sich zurückzogen, hat sich vorerst die Verantwortung dieser Region auf das mexikanische und später dann (1848) auf das amerikanische Kalifornien übertragen (Beitritt Union 1850). Von dort an hat sich der Name San Francisco etabliert.[15]

Erste große Wachstumsphasen hat die junge Siedlung bereits im Jahre 1848. Die Siedlung wurde von Goldgräbern als Ziel und Standpunkt ausgewählt um dort ihre Goldsuchaktivtäten auszutragen. Diese Ära wird auch als „Goldrausch“ bezeichnet und sorgte für eine massive Einwanderung aus Irland, Deutschland, Skandinavien und Osteuropa. Auslöser dieser Migration ist das potentielle Gold (Pull-Faktor) und Hungersnöte in Irland, sowie die wirtschaftlichen und politischen Krisen in Deutschland (Push-Faktor). Resultat dieser enormen Einwanderung war das die ehemalige kleine Siedlung, 1850 offiziell als Stadt anerkannt wurde.[16]

Nach Anerkennung zur Stadt steigerte sich die Einwanderung weiter, insbesondere aus China. Zu dieser Zeit erzeugte man mit dem Erbau einer Bahnverbindung nach Chicago und der verbesserten Infrastruktur zu einem erneuten Wachstumsschub (1869). Weitere Expansionen der Stadt setzten durch die Erweiterung des Hafens und dem Wachstum des Finanzsektors ein, sodass bereits in kürzester Zeit sich San Francisco als ein zentraler Standort für Banken, Versicherungen und den Warenhandel herausbildete und sich zu einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Amerikas entwickelte.[17]

Alles in allem breitete sich die Stadt wirtschaftlich und räumlich, aufgrund von weiterer Zuwanderung, stetig aus. Immer mehr Migranten fanden ihren Weg nach San Francisco. Neben der infrastrukturellen Erweiterung, wie dem Bau der Golden Gate Bridge, hat sich San Francisco nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Standort von Hochtechnologie-Industrien, wie Raumfahrt, Computer und Mikroelektronik weiterentwickelt.[18] Dadurch verschafften sich die Global Player ihren Weg in die Stadt.

[...]


[1] vgl. Adams et al. 2003

[2] vgl. Schulte/Butzmann 2004

[3] vgl. Kratz et al. 2013

[4] vgl. Glass,1964

[5] Difu-Bericht 2011, Was ist eigentlich Gentrifizierung?: difu.de/7899

[6] vgl. Spellerberg, 2004

[7] Mückenberger 2002, S.7

[8] vgl. Globalisierung Fakten: https://www.globalisierung-fakten.de/globalisierung-informationen/gruende/unternehmen-global-player/

[9] vgl. Lexikon: https://www.wissen.de/lexikon/armut

[10] vgl. Löw 2008

[11] vgl. Müller 2011

[12] vgl. Hübinger 1996

[13] vgl. Leibfried/Voges 1992

[14] vgl. Popp 2014

[15] vgl. Johnson 1966

[16] vgl. Chase et al. 1976

[17] vgl. Blume 1988

[18] vgl. Godfrey, 1997

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Global Player und der Einfluss auf die Sozialstruktur in wachsenden Städten
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V450059
ISBN (eBook)
9783668846326
ISBN (Buch)
9783668846333
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Global Player, Stadt- und Raumsoziologie, Sozialstruktur, Gentrifizierung, San Francisco, Wolfsburg, Wohnmarkt
Arbeit zitieren
Omer Ramovic (Autor), 2018, Global Player und der Einfluss auf die Sozialstruktur in wachsenden Städten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450059

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