Eine zentrale Aufgabe der Programmplanung liegt darin, die Bedarfsmengen sowie die Termine für die Lieferung für Baugruppen von Enderzeugnissen festzusetzen. Hierbei werden zur Generierung eines Produktionsprogramms Planprimärbedarfe und Kundenbedarfe eingesetzt. Um ein Produktionsprogramm generieren zu können, ist es erforderlich dass eine Planungsstrategie für ein bestimmtes Produkt gewählt wird. Allgemein stellen diese Strategien erstrebenswerte Varianten dar, wie betriebswirtschaftlich bei der Planung, Fertigung sowie Beschaffung von Produkten vorzugehen ist. Für die in der Industrie aufgrund Ihrer vorteilhaften Eigenschaften bzgl. Lieferzeit und Produktionskosten vielerorts eingesetzte Lagerfertigung bieten sich verschiedene Planungsstrategien an, unter welchen im Einzelfall eine Auswahl getroffen werden muss, um Produktionsziele mit optimaler Effizienz verfolgen zu können.
Die weit verbreitete Softwarelösung zum Enterprise-Ressource-Planning SAP ERP stellt verschiedene vordefinierte Planungsstrategien für die Lagerfertigung zur Verfügung, welche in dieser Arbeit behandelt werden sollen. Zur Begriffsklärung werden zunächst die Ausdrücke Lagerfertigung und Planungsstrategien näher definiert. Anschließend werden die Strategien Vorplanung mit Endmontage, Losfertigung, Nettoplanung, Bruttoplanung, Vorplanung ohne Endmontage/ohne KDE sowie Vorplanung mit Vorplanungsmaterial/ohne KDE detailliert behandelt. Hierbei werden für die einzelnen einsetzbaren Planungsstrategien im Folgenden deren Einsatzmöglichkeiten, Funktionsweise und Merkmale genauer erläutert. Zudem wird auf die Voraussetzungen zur Anwendung und den detaillierten Prozessablauf eingegangen. Eine Betrachtung der Ziele und Vorteile der Strategien rundet die Diskussion ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Lagerfertigung
2.2 Planungsstrategien
3 Strategien für die Lagerfertigung
3.1 Vorplanung mit Endmontage / mit Kundeneinzelfertigung
3.2 Vorplanung ohne Endmontage / ohne Kundeneinzelfertigung
Vorgehen bei fehlenden Komponenten
3.3 Vorplanung mit Vorplanungsmaterialien
3.4 Brutto- und Nettobedarfsplanung
3.5 Losfertigung
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen fundierten Überblick über verschiedene in SAP ERP vordefinierte Planungsstrategien für die Lagerfertigung zu geben und deren Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten sowie prozessuale Voraussetzungen zu erläutern, um Unternehmen bei der effizienten Ausrichtung ihrer Produktionslogistik zu unterstützen.
- Definition und Abgrenzung der Lagerfertigung
- Analyse der SAP-Standard-Planungsstrategien (z.B. 10, 11, 40, 52, 63)
- Detaillierte Darstellung der Prozessabläufe und Verrechnungslogiken
- Anforderungen an die Stammdatenpflege und Dispositionseinstellungen
- Vergleich von Brutto- und Nettobedarfsplanung sowie Losgrößenverfahren
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorplanung mit Endmontage / mit Kundeneinzelfertigung
Diese Lagerfertigungsstrategie wird mit ziemlicher Sicherheit in der Praxis vermehrt verwendet. „Die Vorplanung mit Endmontage findet ein breiteres Einsatzgebiet und eignet sich immer dann, wenn die Erzeugnismengen gut vorhersehbar sind“. Für die Kundenaufträge werden die Bestände aus den Lagern zur Verfügung gestellt.
„Innerhalb der Programmplanung erfolgt die Vorplanung der Enderzeugnisse ohne Kundenauftragsbezug. Eingehende Kundenaufträge verrechnen sich jedoch (...) mit dem vorgeplanten Planprimärbedarf.
„Die Vorteile dieser Strategie liegen darin, dass bei einer zu gering angesetzten Vorplanung dennoch Fertigung und Beschaffung angestoßen werden, um den tatsächlichen Kundenmehrbedarf zu decken“ und „dass man schnell auf die Kundenanforderungen reagieren kann“.
Hierbei wird vorausgesetzt, die folgenden Stammdaten für das Enderzeugnis im Materialstamm zu pflegen: Zum einem müssen die Strategiegruppe 40 auf dem Dispositionsdatenbild und die Verrechnungsparameter (Verrechnungsmodus, Verlnt Rückwerts, Verlnt Vorwärts) ausgewählt werden, damit die Verrechnung von Parametern möglich ist. Sollten im Materialstamm Parameter bzgl. der Verrechnung vorhanden sein, wird das System die vorgeschlagenen Werte aus der Dispositionsgruppe benutzen. Die Abbildung 2 aus SAP ERP veranschaulicht ein Beispiel zum Vorgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Programmplanung für die Festsetzung von Bedarfsmengen und führt in die Thematik der SAP-Planungsstrategien für die Lagerfertigung ein.
2 Grundlagen: Hier werden die Begriffe Lagerfertigung und Planungsstrategien definiert und deren Rolle als betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente im SAP-System dargelegt.
3 Strategien für die Lagerfertigung: Dieser Hauptteil analysiert detailliert verschiedene Strategien wie die Vorplanung mit/ohne Endmontage, die Bedarfsplanung sowie unterschiedliche Losgrößenverfahren inklusive ihrer prozessualen Anwendung.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass die Wahl der richtigen Planungsstrategie entscheidend ist und betont die Notwendigkeit korrekter Stammdaten als Basis für fehlerfreie Geschäftsprozesse.
Schlüsselwörter
Lagerfertigung, Planungsstrategien, SAP ERP, Programmplanung, Planprimärbedarf, Kundenauftrag, Verrechnungslogik, Nettobedarfsplanung, Bruttoplanung, Vorplanung, Stückliste, Materialstamm, Dispositionsplanung, Losgrößenverfahren, Produktionslogistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Planungsstrategien für die Lagerfertigung, wie sie im ERP-System von SAP implementiert sind.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Logistikprozesse der Lagerfertigung, die Stammdatenpflege, die Steuerung durch Planungsstrategien und die unterschiedlichen Verfahren der Bedarfsplanung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser die Funktionsweise und die Voraussetzungen für den Einsatz spezifischer Planungsstrategien zu verdeutlichen, um Produktionsziele mit optimaler Effizienz zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von Prozessabläufen innerhalb der SAP-Produktionslogistik, gestützt durch Fachliteratur und Systemdokumentationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Strategien (z.B. Vorplanung mit Endmontage oder Losfertigung), die Berechnung von Bedarfen (Brutto/Netto) sowie die logischen Abhängigkeiten im SAP-System detailliert besprochen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Lagerfertigung, SAP ERP, Planungsstrategien, Programmplanung und Stammdaten.
Welche Bedeutung hat die "Strategiegruppe" für die Lagerfertigung in SAP?
Die Strategiegruppe ist der entscheidende Parameter im Materialstamm, der dem SAP-System mitteilt, welche Bedarfsart wirksam ist und welche spezifische Planungsstrategie für das jeweilige Produkt angewendet werden soll.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettobedarfsplanung wichtig?
Diese Unterscheidung ist relevant, da bei der Nettoplanung vorhandene Lagerbestände und Zugänge zur Reduzierung der Beschaffungsmenge berücksichtigt werden, während die Bruttoplanung diese ignoriert und den Gesamtbedarf deckt.
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- Lola Reiter (Author), 2015, Planungsstrategien für die Lagerfertigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450129