Der Erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, die faschistischen Diktaturen in Europa, der Zweite Weltkrieg, die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die Technik und der Konsum prägten Theodor W. Adornos Kritik. Adorno ist ein wichtiger Denker der kritischen Theorie und ein unverzichtbarer Philosoph, nicht nur weil er Bereiche der Kultur bereicherte, sondern auch weil diese schreckliche Zeit, die Europa verwüstete und in der er leben musste, Gegenstand seiner Philosophie ist.
Im Aphorismus mit dem Namen Weit vom Schuß der Minima Moralia thematisiert Adorno den Zweiten Weltkrieg. Der Krieg werde mit Propaganda vermittelt und somit verdinglicht. Der Gedanke, dass nach dem Krieg das Leben normal weitergehen könnte oder die Kultur wiederaufgebaut werden könnte, sei idiotisch. Der Zweite Weltkrieg betrifft den Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg so weitermachen zu wollen, als sei nichts gewesen, sei illusorisch.
Adorno ist durch die Begriffe, die er zusammen mit Max Horkheimer ausarbeitete, bekannt geworden. Sie verfassten zusammen die Dialektik der Aufklärung. Zu gleicher Zeit schrieb Adorno die Aphorismensammlung der Minima Moralia. Diese Aphorismensammlung enthält die zentralen Motive seiner Philosophie und biographisch fundierte Betrachtungen zum Wandel der gesellschaftlichen Strukturen. Er schrieb die Minima Moralia im Exil in den Vereinigten Staaten, weil er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten entlassen wurde. Diese philosophische Schrift wurde zum größten Teil in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs geschrieben und ich werde mich in meinen Betrachtungen hauptsächlich auf diese philosophische Schrift konzentrieren.
Meine Leitfrage ist die folgende: Was meint Adorno wenn er den Begriff der „Verdinglichung“ benutzt? Ich werde mich auf die Verdinglichung konzentrieren, dabei werde ich Beispiele der Verdinglichung thematisieren und auch andere Zentralmotive Adornos miteinbeziehen.
Zuerst werde ich den Ursprung des Begriffs schildern. Dann werde ich den Begriff der Verdinglichung in Adornos Minima Moralia darstellen. Nachdem ich den Begriff der Verdinglichung definiert habe, werde ich meine eigenen Ideen präsentieren. Und ich werde zwei Fälle der Verdinglichung unterscheiden mit Hilfe einer Liste von Martha Nussbaum.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Verdinglichung?
3 Schlussfolgerung: Vier Forderungen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Verdinglichung bei Theodor W. Adorno, insbesondere im Kontext seiner Aphorismensammlung "Minima Moralia", und setzt dieses in Bezug zu den Bedingungen des modernen Kapitalismus.
- Analyse des Begriffs der Verdinglichung ausgehend von Marx und Lukács
- Untersuchung von Adornos Kulturkritik und der "Brille des Konsumismus"
- Kritik an der Kulturindustrie und der Instrumentalisierung menschlicher Beziehungen
- Entwicklung von Forderungen zur Überwindung entfremdeter Lebensweisen im kapitalistischen Alltag
Auszug aus dem Buch
Was ist Verdinglichung?
„Verdinglichung bedeutet zunächst, dass im Kapitalismus, der alles in Waren verwandelt, auch soziale Verhältnisse nur als sachliche oder gegenständliche wahrgenommen werden, da sie dem Alltagsverstand nur auf dieser Ebene begegnen.“ (Schwandt 2010, S. 101)
Alles wird also zu Dingen. Es geht um Objekte, Trägern von Eigenschaften, die man gemäß dem Äquivalententausch mittels Geld sich aneignen kann – aber nicht mehr um den Menschen.
Der Begriff „Verdinglichung“ geht zurück auf Karl Marx. Obwohl er den Begriff kaum verwendete, entstammt der Begriff der „Verdinglichung“ der marxschen Theorie. Georg Lukács entwickelte in seinem Werk Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats den Begriff weiter. Lukács führte den Begriff der Verdinglichung als eine Erweiterung von Marx’ Analyse des Warenfetisches ein. Marx meint mit „Warenfetisch“ das Phänomen der innigen oder intimen Beziehungen der Hersteller zu den hergestellten Waren, das im Kapitalismus als eine kalkulierbare Eigenschaft erscheint. Dieser Fetisch ist laut Lukács eine universelle Kategorie der Gesellschaft als Ganzes geworden (vgl. Lukács 2015, S. 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt den historischen Kontext sowie die philosophischen Grundlagen der Adorno’schen Kritik dar und führt die Leitfrage nach der Bedeutung des Verdinglichungsbegriffs ein.
2 Was ist Verdinglichung?: Dieses Kapitel beleuchtet den Ursprung des Begriffs in der marxistischen Tradition und analysiert dessen Manifestation im Kapitalismus, in der Wissenschaft, der Kunst und der Kulturindustrie.
3 Schlussfolgerung: Vier Forderungen: Hier werden konkrete Handlungsansätze und Kriterien entwickelt, um sich der entfremdenden Wirkung des blinden Konsumismus zu entziehen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Kernthesen zur Verdinglichung zusammen und diskutiert die Aporie des kritischen Subjekts, das trotz seiner Erkenntnis Teil der zu kritisierenden Gesellschaft bleibt.
Schlüsselwörter
Verdinglichung, Adorno, Minima Moralia, Kapitalismus, Warenfetisch, Konsumismus, Kulturindustrie, Entfremdung, Kritische Theorie, Objektifizierung, Martha Nussbaum, Dialektik, Emanzipation, Subjektivität, Tauschprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Verdinglichung, insbesondere wie es von Theodor W. Adorno in seinen gesellschaftskritischen Schriften, vor allem in den "Minima Moralia", thematisiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Warentausch, die Mechanismen der Kulturindustrie, die Auswirkungen des Positivismus auf die Wissenschaft sowie die Art und Weise, wie menschliche Beziehungen unter kapitalistischen Vorzeichen zu bloßen Objektbeziehungen werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Adorno’schen Begriff der Verdinglichung zu definieren, seine Relevanz für die moderne kapitalistische Gesellschaft aufzuzeigen und Strategien zu skizzieren, wie man sich diesem "Verblendungszusammenhang" entziehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Vorgehensweise, indem sie Adornos Texte interpretiert, theoretische Begriffsanalysen vornimmt und diese durch die Anwendung von Martha Nussbaums Kriterien zur Objektifizierung ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Ursprung des Verdinglichungsbegriffs erläutert, die Rolle des "Konsumismus" als ideologische Brille analysiert und die Auswirkungen der Ökonomisierung auf Wissenschaft, Kunst und zwischenmenschliche Interaktionen wie das Schenken dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Verdinglichung, Entfremdung, Konsumismus, Kulturindustrie, Kapitalismus und Kritische Theorie charakterisiert.
Inwiefern spielt Martha Nussbaum für die Argumentation eine Rolle?
Nussbaum liefert mit ihrer Liste von sieben Merkmalen der Objektifizierung ein Analysewerkzeug, anhand dessen die Autorin moralisch verwerfliche Formen der Verdinglichung von bloßen gesellschaftlichen Strukturen unterscheidet.
Warum hält Adorno die Aufgabe der kritischen Philosophie für unlösbar?
Adorno postuliert eine Aporie, da Philosophen selbst in den Verblendungszusammenhang der kapitalistischen Gesellschaft eingebunden sind, was einen vollständig „widerspruchsfreien“ kritischen Standort unmöglich macht.
- Arbeit zitieren
- Valery Berthoud (Autor:in), 2014, Das Phänomen der Verdinglichung. Was meint Adorno wenn er den Begriff der "Verdinglichung" benutzt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450142