Gerechtigkeitsprinzipien in der Wirtschaftsethik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ökonomische Ethik nach Suchanek

3. Gerechtigkeit
3.1. Definition
3.2 Soziale Gerechtigkeit
3.3 Probleme bei der Anwendung von Gerechtigkeitsprinzipien
3.4 Wie kann gerechtes Handeln implementiert werden?
3.5 Anwendung am Beispiel der Einkommensverteilung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Ethik soll moralische Prinzipien, Tugenden, Werte untersuchen und analysieren. In der Wirtschaftsethik werden diese Analysen auf wirtschaftliche Systeme übertragen. Neben Moral und Verantwortung gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Betrachtung der ökonomischen Ethik, die Vorstellungen über Gerechtigkeit. Ich möchte im Folgenden die Bedeutung von Gerechtigkeit durch die Verknüpfung ethischer Prinzipien mit ökonomischen Modellen in der Wirtschaftsethik aufzeigen.

Mit dem Wissen, dass die Methoden in der heutigen Wirtschaftswelt immer öfter kritisch betrachtet werden, möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, inwieweit ethisches und gerechtes Handeln Einzug in der Wirtschaftswelt finden kann oder bereits gefunden hat. Dabei möchte ich einige Anwendungsbereiche der Gerechtigkeit beleuchten und einen Ausblick geben, wie diese Vorstellungen im realen Leben umgesetzt werden. Es soll deutlich werden, wie stark die Verflechtungen verschiedener Wissenschaften wie Ethik, Wirtschaft, Politik und Soziologie ist, wenn es um die konkrete Umsetzung geht, hier anhand des Beispiels der sozialen Gerechtigkeit in der Bundesrepublik Deutschland.

Desweiteren soll gezeigt werden, wie durch bestimmte Modelle und Theorien wie der „Schleier des Nichtwissens“ (1971) von John Rawls, Gerechtigkeit messbar wird und wo die Grenzen dieser theoretischen Überlegungen liegen. Dabei soll eine Betrachtung auf verschiedenen Ebenen erfolgen, die einige Prinzipien (z.B. deontologische oder utilitaristische Ansätze) der Ethik nutzt. Als Anwendungsbeispiel dient die Verteilung der Haushaltseinkommen, ob diese gerecht ist soll mithilfe der verschiedenen Ansätze hinterfragt werden.

Im Vordergrund soll die Analyse der Gerechtigkeitstheorien stehen, die dabei aus ethischer und ökonomischer Sicht beleuchtet werden soll.

2. Ökonomische Ethik nach Suchanek

Zunächst ist es wichtig, die Begrifflichkeiten zu erläutern, mit denen die folgenden Modelle und Theorien arbeiten. Normen sind Richtlinien, die uns ein bestimmtes Verhalten vorgeben, dass von der Gesellschaft erwartet wird. Werte geben Auskunft über die Qualität von Verhaltensweisen. Das bedeutet, Werte konkretisieren Normen, sie geben eine Aussage wie Normen entstehen, woraus sie entstehen. Normen werden aus Werten abgeleitet, eine Norm schreibt ein bestimmtes Handeln vor auf Basis der Vorstellungen über gewisse Werte, diese Werte sind die Grundlage auf die sich die Norm stützt.

Ausgangspunkt der Analyse sind immer die sogenannten Grundfragen der Ethik, „Was soll ich tun? Was ist wirklich wichtig? Was hindert mich daran, entsprechend zu handeln?“1 Dabei wird nach dem gesamtgesellschaftlichen Interesse gefragt, nicht nach den eigenen Wünschen. Die Grundfragen setzen ein Verständnis über Werte und Normen voraus.

Die ökonomische Ethik ist nach Suchanek eine Form der Konsensethik, beide Vertragsparteien sollen einen Vorteil aus den Verhandlungen ziehen. Interessen müssen aufeinander abgestimmt und Konflikte gelöst werden, damit alle aus den optimierten Ergebnissen profitieren können. Suchanek nennt es die „erweiterte Goldene Regel“ und ergänzt damit einen wichtigen ethischen Grundsatz: „Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.“2

Unternehmen fehlen oft die Anreize, gerecht zu Handeln. Wesentliche Aufgaben eines Unternehmens sind die Gewinnmaximierung und Kostenminimierung, Optimierungsprozesse und Innovationsfindungen. Für gerechtes Handeln ist wenig Raum in Branchen, wo Wettbewerb und Konkurrenzdruck den Markt beherrschen. Vor allem das vorausgesetzte Menschenbild unterscheidet sich, der homo oeconomicus in der Wirtschaftswelt, ein breit gefächertes in der Ethik.

Aus wirtschaftlicher Sicht wird nach dem ökonomischen Prinzip gehandelt um den eigenen Nutzen zu maximieren, was das vorausgesetzte rationale Menschenbild des homo oeconomicus aussagt.3

Wie lässt sich also gerechtes Handeln implementieren, sodass Unternehmen einen Anreiz haben, selbst moralisch und gerecht zu agieren. „Moral muss anreizkompatibel, d.h. vereinbar mit dem (wohlverstandenen bzw. reflektierten) Eigeninteresse sein.“4

Problematisch wird es, wenn Konflikte zwischen dem Eigeninteresse und dem Gemeinwohl entstehen. Hier müssen Anreize gefunden werden, beide Seiten ausreichend zu berücksichtigen. Ein Beispiel ist das Unternehmen Motorola, die mit ihrer Firmenpolitik versuchen, Eigeninteresse nicht auf Kosten des Gemeinwohls durchzusetzen „Corporate responsibility means harnessing the power of our global business to benefit people“5

Das Unternehmen sieht sich durch seine Größe in der Verantwortung, ethische Grundsätze zu achten und Verstöße zu ahnden. Dabei geht es nicht nur um Arbeitsbedingungen und Umweltschutz, sondern auch um moralische Fragen wie Korruption und Umgang mit den Angestellten.6

Solche transparenten Verfahren wirken sich positiv auf den Ruf des Unternehmens aus, was natürlich als Anreiz gesehen werden kann diese Haltung beizubehalten. Prinzipiell wissen Unternehmen und die zuständigen Manager, Abteilungsleiter und sonstige Führungspositionen welche Maßnahmen ethisch richtig sind, die Durchführung ist jedoch von den betriebswirtschaftlichen Zahlen abhängig. So müssen Produktionsstätten geschlossen werden, wenn z.B. die Absatzzahlen nicht ausreichend sind oder Löhne aufgrund arbeitspolitischer Maßnahmen steigen.

3. Gerechtigkeit

Gerechtigkeit wird nicht nur in der Ethik thematisiert, sie zieht sich durch zahlreiche Wissenschaften und hat dementsprechend viele unterschiedliche Definitionen. Die folgenden Definitionen und Begriffe beziehen sich vor allem auf die in der Ethik und den Wirtschaftswissenschaften verwendet.

3.1. Definition

Zunächst muss zwischen dem alltäglichen Gebrauch und der fachlichen Bedeutung unterschieden werden. So kann man für den alltäglichen Gebrauch die Formulierung „Jeder soll bekommen, was er verdient“7 oder „ eine Gleiche Aufteilung ist gerecht“.8 Hierbei spielt die subjektive Wahrnehmung der Beteiligten eine große Rolle, es wird unter Umständen nicht außerreichend differenziert, für wen ein Ergebnis oder eine Handlung gerecht ist.

Bei der fachlichen Verwendung gibt es diverse Definitionen, eine davon wurde von dem Philosophen John Rawls verfasst. Rawls beschreibt zunächst zwei Funktionen der Gesellschaft: Interessen müssen kompatibel sein und Konflikte müssen bewältigt werden. Als Grundlage muss eine Gerechtigkeitsvorstellung existieren, die allen Gesellschaftsmitgliedern bekannt ist und von allen akzeptiert wird. Diese Vorstellung basieren auf Werten und Normen dieser Gesellschaft, welche abhängig von kulturellen, politischen und lokalen Faktoren sind. Gerechtigkeit ist nach Rawls also eine Basis für eine funktionierende und harmonisierende gesellschaftliche Ordnung.9 Während Rawls die Gerechtigkeit als Basis für eine funktionierende Gesellschaft definiert, vertritt Suchanek die Ansicht, dass Gerechtigkeit eine abgeleitete Kategorie aus Sicht der ökonomischen Ethik ist und es letztens immer um die Erreichung eines Konsenses geht.

Dabei unterteilt er diesen Prozess in drei Stufen. Zunächst muss ein Konzept erstellt werden, wie Gerechtigkeit für die Gesellschaftmitglieder aussieht, welche Werte und Normen als wichtig erachtet werden und worauf sich das Konzept stützen soll. Anschließend folgt die Legitimierung dieses Konzepts in demokratischer Form durch alle Mitglieder der Gesellschaft. Zum Schluss sollen die Ideen mit den empirischen Bedingungen verknüpft werden. 10

[...]


1 Suchanek(2007, S.4)

2 Suchanek(2007, S.39 )

3 Vgl. BPB (2013)

4 Nietsch-Hach (2014, S.108)

5 Nietsch-Hach (2014, S.176)

6 Vgl. Nietsch-Hach (2014, S.177f)

7 Ladwig(2011, S.17)

8 Ladwig(2011, S.17)

9 Vgl.Ladwig (2011, 130.ff)

10 Vgl. Suchanek(2007, S.152f)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gerechtigkeitsprinzipien in der Wirtschaftsethik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Seminar - Wirtschaftsethik
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V450173
ISBN (eBook)
9783668838864
ISBN (Buch)
9783668838871
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsethik, Ethik, ökonomische Ehtik, Gerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, Suchanek, Einkommensverteilung, CSR
Arbeit zitieren
Dario Gudeljevic (Autor), 2015, Gerechtigkeitsprinzipien in der Wirtschaftsethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450173

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