Quantitative Analysen zur Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen anhand des Sozioökonomischen Panels 2009


Bachelorarbeit, 2013
42 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Arbeitsmarkttheorien
2.1 Neoklassisches Modell und Humankapitaltheorie
2.2 Segmentationsansätze
2.3 Diskriminierungstheorien
2.3.1 Präferenzmodell nach Gary S. Becker
2.3.2 Ansätze der statistischen Diskriminierung
2.4 Fazit aus den Betrachtungen theoretischer Ursachen

3 Daten und Methoden
3.1 Das sozioökonomische Panel (SOEP)
3.2 Lineare Regression

4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Analysen
4.2 Multivariate Analysen

5 Regressionsdiagnostik

6 Ausblick

II Literaturverzeichnis

III Anhang

I Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1 - Kausalmodell Humankapitaltheorie

Abbildung 2 - Kausalmodell Segmentation

Abbildung 3 - Boxplot der Einkommensverteilung

Abbildung 4 - Kern-Dichte-Schätzer Einkommen

Abbildung 5 - Kern-Dichte-Schätzer für logarithmiertes Einkommen

Abbildung 6 - Senioritätslöhne nach Blossfeld

Abbildung 7 - Residual vs. fitted plot für Humankapitalmodell

Abbildung 8 - Breusch-Pagan-Test für Humankapitalmodell

Tabelle 1 - Operationalisierung der Variablen

Tabelle 2 - Einkommen (AV)

Tabelle 3 - Einkommen sortiert nach Geschlecht

Tabelle 4 - T-Test für unabhängige Stichproben

Tabelle 5 - Regressionsmodell "Beide Geschlechter"

Tabelle 6 - Regressionsmodell "Männer"

Tabelle 7 - Regressionsmodell "Frauen"

1 Einleitung

For the purposes of the present Convention, the term ‘discrimination against women’ shall mean any distinction, exclusion or restriction made on the basis of sex which has the effect or purpose of impairing or nullifying the recognition, enjoyment or exercise by women, irrespective of their marital status, on a basis of equality of men and women, of human rights and fundamental freedoms ¡n the political, economic, social, cultural, civil or any other field. (CEDAW)

Seit 1981 berät und überprüft das Komitee der Vereinten Nationen zur Besei­tigung jeglicher Form von Diskriminierung der Frauen (kurz CEDAW) ¡n regelmäßigen Abständen das Vorankommen der mehr als 180 Unterzeichner­staaten ¡n Frauendiskriminierungsfragen. Das Deutsche Institut für Menschen­rechte (DIM) sieht im CEDAW-Übereinkommen „eines der wichtigsten UN­Menschenrechtskonventionen“, (DIM) um die Ungleichbehandlung von Frauen zu beseitigen. Deutschland hat sich als Unterzeichner-Staat des CEDAW seit 1985 verpflichtet, das Übereinkommen der UN umzusetzen und soll folglich geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Benachteiligung von Frauen ¡n vielen Bereichen des öffentlichen (und privaten) Lebens zu beenden (ebd.).

Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2012 beziffert für Deutschland derzeit eine Differenz von 22% zwischen den Löhnen von Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmern (vgl. Statistisches Bundesamt). Diese Lohnlücke zwischen Frauen und Männern wird auch als Gender Pay Gap bezeichnet und „umfasst ökonomisch relevante Differenzen zwischen Frauen und Männern, die sich über Daten messen und beschreiben lassen“ (vgl. Kreimer 2009: 11).

Im aktuellen Gleichstellungsbericht der Bundesrepublik Deutschland von 2011 ist die berufliche Gleichbehandlung von Frauen laut dem Bundesfrauen­ministerium ein wichtiges Schwerpunktthema. Demnach arbeite die Bundes­regierung besonders ¡n den Bereichen „Minijobs, Frauen ¡n Führungspositionen und Entgeltgleichheit“ an einer Verbesserung der Frauen ¡n Gleichstellungs­fragen (DIM 2011).

Während hier der politische Flandlungsbedarf ¡n Fragen der Entgeltgleichheit zumindest erkannt wurde, werfen Kritikerinnen von Gleichstellungsinstrumenten hingegen häufig ein, dass Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen keineswegs auf Diskriminierung zurückzuführen seien, und somit nicht durch gleichstellungspolitische Maßnahmen verändert werden können. Sie sehen vielmehr das Lohngefälle von Frauen durch andere Faktoren, wie Z.B. Teilzeitarbeit, das Auswahlen niedrig entlohnter Berufe und mangelndes Verhandlungsgeschick ¡n Gehaltsgesprächen erklärt (vgl. Rosenbruck 2012: 48).

In dieser empirischen Untersuchung wird unter Berücksichtigung klassischer Arbeitsmarkttheorien überprüft, ob eine tatsächliche Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt besteht und welche Ursachen für diese eventuelle Ungleichheit verantwortlich sind. Aus den Erkenntnissen werden abschließend Flandlungsvorschläge abgeleitet.

Theoretische Vorgehensweise

Diese Bachelorarbeit soll klären, wie hoch ggf. die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen ¡n Deutschland sind und ob diese Unterschiede durch Ausstattungsunterschiede erklärt werden können. Relevante Fragen sind hierbei u.a., ob davon ausgegangen werden kann, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, weil sie aufgrund einer Fluman- kapitalausstattung weniger produktiv sind? Außerdem wird untersucht, ob diese Lohnlücke durch andere Theorien und Theorieansätze erklärt werden kann, oder ob es sich bei der deutschen Lohnlücke um das Ergebnis von Diskrimi­nierung handelt?

Hierbei wird zunächst die fundierte Arbeitsmarkttheorie des neoklassischen Modells betrachtet und um die Erweiterung der Flumankapitaltheorie nach Gary S. Becker ergänzt. Die neoklassische Sicht basiert auf der Annahme, dass Menschen stets versuchen ihren persönlichen Nutzen zu maximieren. Für den konkreten Fall der Einkommensungleichheit bedeutet dies laut Becker, dass Frauen bei Familiengründung die Erwerbstätigkeit bei Geburt eines Kindes unterbrechen müssen und somit generell weniger ¡n Bildung investieren (Hinz 2008: 32ff.). Im Anschluss werden Arbeitsmarktsegmentationsansätze erläutert, die die Ungenauigkeiten des humankapitaltheoretischen Ansatzes ergänzen (Sengenberger 1978: 40).

Da diese Theorieansätze häufig ¡n der Kritik stehen, den Gender Pay Gap nicht vollständig erklären zu können, werden darauffolgend Diskriminierungstheorien erörtert. Zum einen wird das Präferenzmodell nach Gary S. Becker betrachtet, zum anderen die Theorien der statistischen Diskriminierung.

Nach dem Überblick über die Theorien werden Datenmaterial und Methoden dargestellt, die ¡n dieser Untersuchung eingesetzt werden. Es werden deskriptive und multivariate Analysen durchgeführt, um die theoretischen Annahmen ¡n die Empirie zu übersetzen. Die Variable Einkommen wird als unabhängige Variable ¡n das Regressionsmodell aufgenommen. Bei Durchführung der Regression soll Einkommensungleichheit zwischen den Geschlechtern durch die unabhängigen Variablen Humankapitalausstattung und Segmentation aufgeklärt werden. Dieses methodische Vorgehen wird mittels einer Sekundäranalyse des Sozioökonom¡sehen Panels 2009 (SOEP) durchgeführt. Aus den Ergebnissen der nาultivariaten Analysen werden ¡n Hinblick auf die Forschungsfrage Schlussfolgerungen gezogen.

2 Arbeitsmarkttheorien

บnา einen Einblick ¡n die Funktionsweise des Arbeitsmarkts zu erhalten, werden zunächst verschiedene Theorien des Arbeitsmarktes beleuchtet. Dazu wird zunächst die Humankapitaltheorie nach Gary S. Becker (1962) betrachtet, die die grundlegenden Pfeiler des Neoklassische Modells beinhaltet. Da Beckers Theorie seit den 1960er Jahren zunehmend auf Kritik stieß, werden anschließend die Segmentationsansätze nach Doeringer und Piore (1971) betrachtet und mit den Ansätzen von Sengenberger (1978) ergänzt.

2.1 Neoklassisches Modell und Humankapitaltheorie

In der neoklassischen Theorie wird der Arbeitsmarkt als klassischer Markt beschrieben. Auf diesem bieten sich Arbeitnehmerinnen als Arbeitskräfte an, um dafür Lohn und weitere, nicht-monetäre Leistungen von potenziellen Arbeitgebenden zu erhalten (vgl. Abraham, Hinz 2008: 19ff.). Die Grundlage des Modells bilden vollständig informierte und rationale Agierende, die über eindeutig definierte und stabile Präferenzen verfügen und deren Arbeit ein homogenes und beliebig teilbares Gut darstellt (vgl. Becker 1993: 73, 136). Bei der Auswahl von Tauschpartnerinnen haben die Agierenden jedoch keine bestimmten Präferenzen (vgl. Abraham, Hinz 2008: 21 ff.), sondern richten sich lediglich nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung (vgl. Sengenberger 1978: 50; Becker 1993: 4), indem die Agierenden eine Optimierung von Einkommen und Freizeit anstreben (vgl. Abraham, Hinz 2008: 21 ff.). Außerdem wird davon ausgegangen, dass es sich um einen einzigen Arbeitsmarkt handelt, auf dem genügend Akteurlnnen agieren, um vollständige Konkurrenz sicherzustellen (vgl. Becker 1993: 31) und Monopolsituationen auszuschließen (ebd. 50). Daher bilden sich laut der neoklassischen Theorie auch Arbeit­nehmerinnenlöhne und deren Struktur allein aus ökonomischen Faktoren, die sich aus Angebot und Nachfrage zusammensetzen. Zusätzlich gelten uneingeschränkte Mobilitätsfähigkeit und Mobilitätsbereitschaft als wichtige Eigenschaften von Arbeitnehmerinnen die im neoklassischen Modell an­genommen werden (vgl. Sengenberger 1978: 50). Außerdem entstehen bei der Mobilität der Akteurlnnen keine Transaktionskosten, da es weder kulturelle noch institutionelle Beschränkungen gibt (vgl. Abraham, Hinz 2008: 22).

Doch die Annahme, dass die schon von Adam Smith benannte „unsichtbare Hand“ zu optimalen Allokationsergebnissen am Arbeitsmarkt führt, hat seit Beginn der 1960ern zu umfassender Kritik geführt (vgl. Sengenberger 1978: 50). Denn bei genauerer Betrachtung weicht das Modell erheblich von der Wirklichkeit ab. Beispielsweise bleiben Zusammenhänge zu anderen gesell­schaftlichen Subsystemen unberücksichtigt und es können nur Makro­phänomene wie Lohnstrukturen erklärt werden (vgl. Abraham, Hinz 2008: 25). Daher haben sich aus dem neoklassischen Modell die Humankapitalansätze entwickelt, wobei die Weiterentwicklung nach Gary S. Becker den be­deutendsten Theorienansatz stellt (vgl. Groß 2012: 457).

Unter Humankapital wird im Allgemeinen „das ¡n ausgebildeten und qualifizierten Individuen repräsentierte Leistungspotential einer Bevölkerung“ verstanden (Mohr 1997:13). Es umfasst die Gesamtheit der Arbeits- und sonstigen Gewohnheiten eines Individuums (vgl. Becker 1996: 29). Dieses Leistungspotential setzt sich aus Wissen und Fähigkeiten der Individuen zusammen. Fähigkeiten werden dabei im Laufe des Lebens unter Kosten erworben und somit zu Humankapitalgütern. Die wichtigsten Investitions­möglichkeiten ¡n Humankapital sind dabei Bildung und Berufserfahrung (vgl. Becker 1993b: 17). Eine weitere Steigerung der Humankapitalausstattung ist durch Investition ¡n medizinische Versorgung und Informationsbeschaffung über das wirtschaftliche System möglich (vgl. Becker 1962: 27). Ob und wie viele Akteurlnnen ¡n Humankapital investieren wird mittels Rational-Choice-Theorie begründet. Hiernach ist das oberste Ziel die Maximierung des Lebens­einkommens bei gleichzeitiger Abwägung, ob der Aufwand der für Bildungsinvestitionen und der damit verbundene Stress sowie die psychische Belastung (vgl. Becker 1993: 60, 116, 212) ¡n einem positiven Verhältnis zum erwartbaren Arbeitslohn und den Aufstiegsmöglichkeiten stehen (vgl. Achatz 2008: 263ff.). Dabei wird angenommen, dass die Erhöhung des Human­kapitalstocks auch die individuelle Produktivität der Agierenden steigert. Daher entsteht eine vorteilhafte Situation für beide Seiten, denn die erhöhte Produktivität der Arbeitnehmerinnen generiert ein größerer Gewinn für das Unternehmen, und den Akteurlnnen kann ein erhöhtes Gehalt ermöglicht werden (vgl. Becker 1962: 37). Das akkumulierte Humankapital kann daher nicht übertragen werden und ist an eine Person gebunden (vgl. Becker 1993b: 31).

Eine weitere Unterscheidung die Becker vornimmt, ist die Einteilung ¡n allgemeines und betriebsspezifisches Humankapital. Allgemeines Kapital beinhaltet demnach nur allgemeingültige Kompetenzen wie die Schul- und Hochschulbildung die ¡n allen Unternehmen genutzt werden kann. Dagegen findet das betriebsspezifische Kapital nur ¡n dem Unternehmen Anwendung ¡n dem es auch erworben wurde (vgl. Becker 1962: 13ff.). Dabei handelt es sich um spezielle Weiterbildungen, wie das Erlernen eines unternehmensinternen Computerprogramms.

Neben den Prämissen des neoklassischen Modells geht Becker davon aus, dass das Einkommen mit dem Alter bis zu einem bestimmten Sättigungspunkt ¡n der Erwerbsbiografie steigt und es dann zu einer Abschwächung kommt, bis der Einkommenszuwachs schließlich stagniert und ab einem bestimmten Zeitpunkt zurückgeht (vgl. Becker 1962: 10; 1993: 80).

In der Theorie wird außerdem davon ausgegangen, dass die Arbeitnehmer­innen unterschiedliche Verwertungschancen auf dem Arbeitsmarkt antizipieren, und daher auch unterschiedlich viel ¡n Humankapital investieren. Trotz gleichen Humankapitals kann daher ein unterschiedliches Lebenseinkommen generiert werden. Dieser Effekt tritt vor allem ¡n den Erwerbsbiografien von Frauen auf, denn diese planten Ausfallzeiten und Erwerbsunterbrechungen durch Kinder bei der Investition ¡n Humankapital mit ein (vgl. Kreimer 2009: 57). Daher tätigen Frauen laut Becker geringere Bildungsinvestitionen und wählen Berufe ¡n denen kontinuierliche Erwerbstätigkeit und Berufserfahrung eher untergeordnete Rollen spielen, und die Erwerbsarbeit besser mit familiären Aufgaben ¡n Einklang zu bringen ist (vgl. Achatz 2008: 265; Becker 1962: 38).

Die Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen ist laut Human­kapitaltheorie durch die unterschiedliche Humankapitalausstattung und die geschlechtsspezifische Berufswahl zu erklären. Die daraus resultierende Einkommensungleichheit gilt als legitim, da Frauen als weniger produktiv gelten.

Allerdings hat sich das Bildungs- und Erwerbsverhalten ¡n den Industrienationen ¡n den letzten Jahrzehnten stark verändert. Darauf geht Becker ¡n der Humankapitaltheorie nur ¡n Ansätzen ein. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Frauen sich entgegen der dargelegten Sichtweise nicht generell nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausrichten und auch nicht angenommen werden kann, dass die Präferenzen über den Erwerbsverlauf stabil sind (vgl. Achatz 2008: 266f.). Zudem kann nur circa ein Drittel des Gender Pay Gaps durch die Flumankapitaltheorie erklärt werden (Achatz 2005: 466ff.).

2.2 Segmentationsansätze

Da weitere theoretische Überlegungen nötig sind, um Einkommensunterschiede besser erklären zu können, werden im Folgenden Segmentationsansätze betrachtet. Bei den Ausführungen gilt das Flauptaugenmerk dem „Dual Labor Market“ Ansatz von Doeringer und Piore (1971), welcher mit den Erweiterungen von Sengenberger (1978) zusammengeführt wird. Dabei definiert Sengenberger die Arbeitsmarktsegmentation als einen historischen Prozess, durch den „politisch-wirtschaftliche Kräfte die Aufspaltung des Arbeitsmarktes ¡n getrennte Teilmärkte oder Segmente verstärken, die sich durch verschiedene Arbeits­marktcharakteristiken und Verhaltensregeln unterscheiden“ (Sengenberger 1978: 57). Grundsätzlich werden die Teilmärkte ¡n primäre und sekundäre Wirtschaftssektoren unterteilt (ebd. 14), wobei diese sich hauptsächlich durch Stabilitätsmerkmale unterscheiden.

Im primären Wirtschaftssektor können sich gefestigte Arbeitsgewohnheiten entwickeln und berufliche Qualifikation wird hauptsächlich durch das Arbeiten im Beruf erworben. Dabei sind die Löhne relativ hoch, die Arbeitsbedingungen gut und es sind ausreichend Möglichkeiten zum beruflichen Aufstieg vorhanden. Individuelle Rechte werden durch die Anwendung von Arbeitsbestimmungen respektiert und der Fokus wird auf einen fairen Umgang mit den Arbeit­nehmerinnen gelegt. Im sekundären Arbeitsmarkt werden dagegen keine festen Arbeitsgewohnheiten vorausgesetzt und die Löhne sind vergleichsweise gering. Auch die Aufstiegschancen sind geringer als im primären Sektor und durch die teilweise willkürliche Flandhabung der Arbeitsbestimmungen herrscht eine hohe Fluktuationsrate und eine beträchtliche Instabilität (ebd. 57, 69). Diese Teilmärkte sind formalen Regelungen unterworfen die als dauerhaft und stabil angenommen werden und den Übergang zwischen den Sektoren erschweren beziehungsweise unmöglich machen (ebd. 16). Es entsteht eine Art

„Teufelskreis“, der nur schwer zu durchbrechen ist (Constant 2005: 493). Gesellschaftlich bedeutet dies, dass vor allem Frauen, Migrantlnnen, Jugendliche und Geringqualifizierte im sekundären Sektor angestellt sind und somit eine geringere Entlohnung erhalten (vgl. Blossfeld 2007: 675f., Sengenberger 1978: 57). Daher beachten die Segmentationsansätze die von der neoklassischen Theorie vernachlässigten Effekte des Arbeitsmarktes, insbesondere die Ungleichgewichte die innerhalb des Arbeitsmarktes vorhanden sind, sowie das Nichtfunktioneren der Selbstregulation des Marktes (Sengenberger 1978: 40).

Aus den theoretischen Implikationen ergibt sich folgende Hypothese: Je segmentierter ein Arbeitsmarkt ist, desto ungleicher sind die Einkommen verteilt. Durch die Aufteilung ¡n einen primären und sekundären Markt ergibt sich, dass die Zuordnung zu dem jeweiligen Sektor abhängig ist von Humankapitalausstattung und Mobilität der Person. Daher wird angenommen, dass vor allem Frauen weniger verdienen als Männer, weil sie aufgrund niedrigerer Humankapitalausstattung im sekundären Sektor arbeiten.

Doch selbst die umfassenden Segmentationsansätze können nicht die beobachteten Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen erklären. Die Empirie bestätigt, dass nur ein Teil der Lohnungleichheit durch produktionsrelevante Unterschiede wie Ausbildung, Beschäftigungsausmaß und Berufserfahrung erklärt werden kann und deswegen der Rest als Diskriminierung diagnostizierbar ist, auf die nachfolgend eingegangen wird (Kreimer 2009: 100ff., Granato, Kalter 2001: 508f.).

2.3 Diskriminierungstheorien

ökonomische Diskriminierung liegt vor, wenn Individuen für ihre Leistung Gegen­leistungen erhalten, die sich nicht ausschließlich an ihrer Leistung orientieren, sondern auch an von den Individuen nicht veränderbaren persönlichen Merkmalen (Ethnizität, Geschlecht, etc.), die allerdings für die individuelle Leistung irrelevant sind (Kreimer 2009: 67).

Diskriminierung wird am Arbeitsmarkt häufig nur mit dem monetären Einkommen ¡n Verbindung gebracht. Doch auch auf qualitativer Ebene werden Menschen unterschiedlich behandelt, beispielsweise bei der Zuweisung unterschiedlicher Arbeitsplätze, beim Zugang zu Ausbildungsmöglichkeiten und durch beschränkte Aufstiegsmöglichkeiten (ebd. 67., Augsburg, Hinz 2010:

136). In den weiteren Ausführungen wird das Hauptaugenmerk auf das Erwerbseinkommen von Arbeitnehmerinnen gelegt. Daher werden die wichtigsten Theorien die sich mit Diskriminierung aufgrund von askriptiven Merkmalen beschäftigten im folgenden Abschnitt beschrieben. Zunächst wird dazu das Präferenzmodell nach Becker, gefolgt von der Theorie der statistischen Diskriminierung beschrieben.

2.3.1 Präferenzmodell nach Gary S. Becker

lf an individual has a ’taste for discrimination’, he must act as if he were willing to pay something, either directly or ¡n the form of a reduced income, to be associated with some persons instead of others (Becker 1971: 14).

Im Präferenzmodell nach Becker gilt wie auch im humankapitaltheoretischen Modell die neoklassische Annahme, dass Agierende über vollständige Informationen verfügen und durch Nutzenmaximierung versuchen, ein möglichst hohes Einkommen zu generieren (vgl. Becker 1971: 18). Das Produktivitätsniveau der Arbeitnehmerinnen kann daher als bekannt angenommen werden. Daraus folgt, dass sich die Nichteinstellung durch produktionsirrelevante Eigenschaften der Akteurlnnen bestimmt (ebd. 117). Dies äußert sich ¡n dem Wunsch nach Distanz zu bestimmten Personen­gruppen (Achatz 2008: 268), wie ¡n dieser Forschungsarbeit die Distanz zu Frauen. Gemessen wird die tatsächliche Diskriminierung durch den Gewinn, den sich ein Unternehmen entgehen lässt, um es zu vermeiden, Frauen oder andere benachteiligten Gruppen einzustellen (vgl. Becker 1996: 25).

Doch auch dieser Ansatz wird kritisiert, denn Arbeitgeberinnen, die andere Personengruppen nicht diskriminieren, hätten demnach Wettbewerbsvorteile, da sie durch die Anstellung von Frauen ihre Kosten verringern könnten. Somit müsste die Lohndiskriminierung durch die Wirkung der Marktkräfte langfristig verschwinden (vgl. Achatz 2008: 268, Kreimer 2009: 69). Da Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern dennoch vorhanden sind, scheint es des Weiteren sinnvoll Ansätze der statistischen Diskriminierung zu diskutieren.

2.3.2 Ansätze der statistischen Diskriminierung

Bei den Ansätzen der statistischen Diskriminierung wird diskriminierendes Verhalten auf das Vorhandensein von unvollständigen Informationen zurück­geführt (vgl. Augsburg, Hinz 2010: 137). Da Arbeitnehmerinnen nicht vollständig bewertet werden können, wird auf statistische Eigenschaften der jeweiligen Personengruppe zurückgegriffen. Die Arbeitgeberinnen nehmen demnach an, dass Frauen ihre Erwerbskarriere zugunsten der beruflichen Tätigkeit des Mannes einschränken und sich dem Haushalt und der Familie widmen.

Dies betrifft aber nicht nur die Frauen, die sich tatsächlich familiären Tätigkeiten widmen, sondern dieses Verhalten wird auch Frauen unterstellt, die eine solche Auszeit nicht planen. Ausbildungsplätze, Weiterbildungsmöglichkeiten und Beförderungen werden Frauen deshalb oft aufgrund ihres Geschlechtes vorenthalten, (vgl. Blossfeld 2007: 667). Außerdem führt die Annahme, Frauen seien weniger produktiv dazu, dass sie weniger ¡n Humankapital investieren und eine geringere Arbeitsmotivation sowie Suchintensität nach Arbeitsplätzen aufweisen. Diese „self-fullfilling prophecy“ führt dazu, dass Frauen tatsächlich ein geringeres Produktivitätsniveau besitzen (vgl. Becker 1996: 25, Hübler 2003: 543).

2.4 Fazit aus den Betrachtungen theoretischer Ursachen

Bisher wurde die Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen durch theoretische Modelle zu erklären versucht. Doch diese Ansätze konnten zusammengefasst lediglich zwei Drittel der Einkommensungleichheit aufklären. Darunter zählt das neoklassische Modell, das vollkommene Informationen und Rationalität der Agierenden annimmt und die Maximierung des Erwerbs­einkommens unterstellt. Weiterhin wurde die Humankapitaltheorie nach Becker betrachtet, die besagt, dass jegliche Einkommensungleichheit auf Ausstattungs­unterschiede ¡n Bildung und Berufserfahrung zurückzuführen ist. Da auch diese Theorie Lücken aufweist, wurden schließlich die Segmentationsansätze hinzugezogen, die neben neoklassischen Annahmen die Aufteilung des Arbeitsmarktes ¡n einen primären und einen sekundären Sektor vornehmen, um somit u.a. die geringere Entlohnung von Frauen zu begründen.

Aufgrund der theoretischen Überlegungen werden nนn Kausalmodelle entwickelt, die die Grundlage für die anschließenden deskriptiven und nาน!ti- variaten Analysen stellen. Das Modell der Humankapitaltheorie nach Becker geht von der Annahme aus, dass die Einkommenshöhe von der Humankapital­ausstattung abhängig ist. Die unabhängige Variable Einkommen erklärt demnach die abhängige Variable Humankapitalausstattung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Quantitative Analysen zur Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen anhand des Sozioökonomischen Panels 2009
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Soziologie)
Note
1,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
42
Katalognummer
V450205
ISBN (eBook)
9783668841727
ISBN (Buch)
9783668841734
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Quantitative Analysen, Einkommensungleichheit, Männer und Frauen, Gender Pay Gap, Statistik, Sozioökonomisches Panel, Lohnungleichheit, Gleichberechtigung
Arbeit zitieren
Nadine Bliedung (Autor), 2013, Quantitative Analysen zur Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen anhand des Sozioökonomischen Panels 2009, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450205

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