Als Philosoph und Dichter, der sich nach seiner Profession in Jena (1794-1795) ausschließlich der Poesie zugewandt hat, liegen den Werken Friedrich Hölderlins (1770-1843), wie dem Tod des Empedokles, bewusstseins- und religions-philosophische Motive zugrunde. Im Empedokles-Drama, welches die Grundlage dieser Arbeit darstellt, stellen die Religions- und Naturphilosophie wichtige Themenbereiche sowohl auf geschichtlicher als auch auf poetischer Ebene dar. Den primären Forschungsgegenstand dieser Arbeit bildet Hölderlins Schrift zum Grund des Empedokles.
Bei diesem handelt es sich um einen theoretischen Text, der primär zur Selbstverständigung Hölderlins bestimmt war und die Bedeutung seines Trauerspiels reflektiert. Da die Passage ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, kann die komplexe Passage für den neutralen Leser einige Verständnisschwierigkeiten aufwerfen, die hier aufgelöst werden sollen. Nach einer kurzen Erläuterung zur Entstehung und Textkonstruktion des Empedokles-Projekts, indem unter anderem auf die Bedeutung der Tragödie eingegangen wird, soll im Verlauf dieser Arbeit den Fragen nachgegangen werden, was die Natur- und Kunstphilosophie im Grund zum Empedokles aussagt, welche Komponenten sie vereinigt und inwieweit sich diese gegenseitig bedingen oder konträr zueinander stehen.
Daraufhin wird eine Verbindung zu Hölderlins Auffassung über Bewusstsein und Geist hergestellt, in der die Zusammenhänge von Poesie, Religion und Mythos diskutiert werden. Sie sollen Aufschluss darüber geben, welches Ziel Hölderlin als Dichter durch seine Philosophie über Natur und Kunst in seinen Werken verfolgt. In einem abschließenden Fazit werden die wichtigsten Erkenntnisse und Zusammenhänge der Arbeit noch einmal zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Textkonstruktion
2.1 Zur Bedeutung der Tragödie
3. Natur- und Kunstphilosophie
3.1 Begriffspaare Natur und Kunst
3.2 Begriffspaare organisch und aorgisch
4. Bewusstsein und Geist
4.1 Poesie
4.2 Religion
4.3 Mythos
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die philosophischen Grundlagen und die spezifische Gedankenform Friedrich Hölderlins, wie sie insbesondere in seiner Schrift „Grund zum Empedokles“ dargelegt werden, um das komplexe Zusammenspiel von Naturphilosophie, Kunstverständnis und religiös-mythologischen Aspekten in seinem Schaffen zu ergründen.
- Untersuchung des Entstehungskontexts des Empedokles-Projekts
- Analyse der philosophischen Konzepte von Natur und Kunst
- Deutung der Begriffspaare „organisch“ und „aorgisch“ bei Hölderlin
- Erörterung der Rolle von Poesie, Religion und Mythos für das menschliche Bewusstsein
Auszug aus dem Buch
3. Natur- und Kunstphilosophie
Der Grund zum Empedokles bildet das Fundament zur Tragödie über den Tod des Empedokles. Das Prinzip der Entgegensetzung zieht sich durch Hölderlins gesamte Tragödienkonzeption. Besonders deutlich tritt dies durch die Verhältnisse zwischen Natur und Kunst und Organischem und Aorgischem zum Vorschein. Das Organische beschreibt die schaffende Tätigkeit eines menschlichen Subjekts, das Aorgische wiederum ist jener, vom Subjekt ungeformter Gegenstand. Zwischen dem Organischen und dem Aorgischen besteht nach Hölderlin ein „Fortgang der entgegengesetzten Wechselwirkungen.“ Hölderlins Philosophie beider Begriffspaare soll im Folgenden herausgearbeitet und unter Bezugnahme philosophischer Annahmen Immanuel Kants und Friedrich Schellings erörtert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Forschungsgegenstand vor und erläutert die Relevanz der Schrift „Grund zum Empedokles“ für das Verständnis von Hölderlins Natur- und Kunstphilosophie.
2. Entstehung und Textkonstruktion: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehungsgeschichte des Empedokles-Dramas und beleuchtet die poetologischen Überlegungen hinter der gewählten Gattungsform der Tragödie.
3. Natur- und Kunstphilosophie: Hier werden die zentralen Kategorien des Organischen und Aorgischen analysiert, wobei Bezüge zu zeitgenössischen Philosophen wie Kant und Schelling hergestellt werden.
4. Bewusstsein und Geist: Das Kapitel untersucht, wie Poesie, Religion und Mythos zusammenwirken, um eine allumfassende Einheit des menschlichen Bewusstseins zu stiften.
5. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse über Hölderlins idealistische Gedankenwelt und die tragische Notwendigkeit der Empedokles-Figur zusammen.
Schlüsselwörter
Friedrich Hölderlin, Grund zum Empedokles, Naturphilosophie, Kunstphilosophie, Organisch, Aorgisch, Tragödie, Bewusstsein, Poesie, Religion, Mythos, Idealismus, Wechselwirkung, Subjekt-Objekt-Spaltung, Ganzheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der philosophischen Grundlagen in Friedrich Hölderlins Text „Grund zum Empedokles“ und untersucht, wie er Natur, Kunst und menschliches Bewusstsein in Beziehung setzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Natur- und Kunstphilosophie, die Tragödientheorie sowie die Bedeutung von Religion und Mythos für das Verständnis von Welt und Selbst.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die für den neutralen Leser oft schwer zugängliche Schrift „Grund zum Empedokles“ aufzuschlüsseln und die darin verborgene Gedankenform Hölderlins systematisch zu rekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Textanalyse, die Hölderlins eigene Schriften heranzieht und diese durch den Vergleich mit zeitgenössischen philosophischen Positionen von Kant und Schelling kontextualisiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte, die philosophische Definition von Natur und Kunst, die Begriffspaare des Organischen und Aorgischen sowie die Rolle des Geistes in Poesie und Mythos.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Naturphilosophie, Organisch/Aorgisch, Tragödie, Idealismus und das Streben nach Einheit zwischen Subjekt und Objekt.
Wie unterscheidet Hölderlin laut der Arbeit zwischen „organisch“ und „aorgisch“?
Das Organische bezeichnet bei Hölderlin die schaffende Tätigkeit des menschlichen Subjekts, während das Aorgische den ungeformten Gegenstand oder die Natur als das Allgemeine und Unbegriffliche repräsentiert.
Welche Rolle spielt die Tragödie in Hölderlins Philosophie?
Die Tragödie dient bei Hölderlin als Sinnbild für die notwendige Entgegensetzung und den schmerzhaften, aber notwendigen Prozess, durch den eine neue, höhere Einheit der Empfindung erreicht werden soll.
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- Elena Schreer (Autor), 2018, Natur- und Kunstphilosophie im "Grund zum Empedokles", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450263