Die Vielfalt der Lehrwerke im Fach Deutsch als Fremdsprache
"Das Lehrwerk bestimmt wie kein anderer Faktor das, was im Fremdsprachenunterricht geschieht" (Neuner 1994, S.8). Am Lehrwerk lassen sich die Lehrziele, die methodische Ausrichtung, Lehrmaterialien und vieles andere ablesen. In dieser Funktion sind Lehrwerke ausschlaggebend für den Unterrichts- und ganzen Fremdsprachenkursverlauf, daher ist es für einen Lehrer von großer Bedeutung den passenden Lehrwerk für die Lerner und für sich auszusuchen. Steht ein Lehrer vor solchen Aufgabe, kann er schon einige Schwierigkeiten mit Lehrwerken bekommen, nicht etwa, weil es keine gute oder zu wenig von diesen gibt. Sein Problem entsteht durch die Vielfalt der Lehrwerke in dem Fach.
Dieser Gedanke ist als Grundidee dieser Arbeit zu verstehen. Das Ziel der Arbeit ist, das Lehrwerk Sichtwechsel neu zu präsentieren, seine Vor- und Nachteile zu zeigen, damit einem die Entscheidung für ein Lehrwerk leichter fällt. Es wird jedoch nicht bloß um dieses Lehrwerk gehen, sondern es sollten auch einige zentralen Fragen aus dem Fach erörtert werden, die unmittelbar als Hintergrundereignisse zur Konzeption des Lehrwerks anzusehen sind. Gemeint sind hier die Fragen hinsichtlich Landeskunde und literarischen Texten im Fremdsprachenunterricht, dazu kommen wir im späteren Teil der Arbeit.
Um die richtige Wahl zu treffen, sollte man sich zuerst mit einigen Lehrwerken etwas vertrauter machen. Zu diesem Zweck sollen hier einige Lehrwerkklassifikationen präsentieren werden. Es wurden im Deutsch als Fremdsprache bereits einige Klassifikationsversuche unternommen. Lehrwerke wurden z. B. nach ihrer Orientierung charakterisiert: sprachvermittlungs-, kulturvermittlungs-, kommunikationsorientierte Lehrwerke. Nach der Gestaltung der landeskundlicher Inhalte ist die Klassifikation der Lehrwerke nach Ammer (1988). Die fünf Gruppen unterscheiden sich gemäß der Präsentationsweise von Landeskunde. In der typisierend-imitatorischen werden konkrete Umstände gewissenhaft beschrieben, ohne jedoch Hintergrundinformationen anzugeben. Diese hat auch Tendenz zur Typisierung, Situationen werden als allgemein gültig vorgestellt. In den Anfangslektionen findet sich hoher Anteil an Landeskunde bedingt durch noch geringe Wortschatz- und Grammatikkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Vielfalt der Lehrwerke im Fach Deutsch als Fremdsprache
Klassifikation nach Ammer
Klassifikation nach Götze
2. Zwei diskussionswürdige Aspekte aus dem Fremdsprachenunterricht
2.1. Literatur im Fremdsprachenunterricht
Kein Sonderstatus für Literatur
Literatur als Helfer im Fremdsprachenunterricht
2.2. Modernes landeskundliches Lernen
Der Klassifikationsansatz der Landeskunde nach Pauldrach
3. Sichtwechsel neu
3.1. Interkulturelles Lernen mit Sichtwechsel neu
Eine interkulturelle Didaktik
3.2. Lernziele im Sichtwechsel neu
Wahrnehmungsschulung
Erwerb von Strategien zur Bedeutungserschließung
Befähigung zum Kulturvergleich
Kommunikationsprozesse
3.3. Aufbau und Bestandteile des Lehrwerks
3.4. Inhalte und methodisch-didaktische Hinweise
Texte und Textarbeit
Bilder
Fertigkeitstraining
Autonomes Lernen und Lernberatung
Grammatikdarstellung
4. Sichtwechsel neu – ein Lehrwerk zum interkulturellen Lernen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert das Lehrwerk "Sichtwechsel neu" unter besonderer Berücksichtigung seiner theoretischen Fundierung im Bereich des interkulturellen Lernens. Ziel ist es, Lehrkräften eine fundierte Entscheidungshilfe bei der Auswahl von Lehrmaterialien zu bieten, indem Vor- und Nachteile des Lehrwerks im Kontext aktueller didaktischer Debatten, insbesondere zu Landeskunde und literarischen Texten, aufgezeigt werden.
- Klassifikation von Lehrwerken nach verschiedenen Generationen und Ansätzen.
- Diskussion der Rolle literarischer Texte und der Landeskunde im Fremdsprachenunterricht.
- Analyse des interkulturellen Ansatzes von "Sichtwechsel neu" und dessen Umsetzung im Unterricht.
- Untersuchung der Lernzielprogression in Bezug auf Wahrnehmung, Bedeutung und Kulturvergleich.
- Bewertung von Aufbau, Methodik, Grammatikdarstellung und autonomem Lernen im Lehrwerk.
Auszug aus dem Buch
3.1. Interkulturelles Lernen mit Sichtwechsel neu
„Sichtwechsel neu ist ein Deutschlehrwerk, in dem Interkulturelles Lernen im Mittelpunkt des Unterrichts steht.“ (Bachmann u.a. 1995, 7) Ausgehend aus dem Gedanken, dass jede Nation ein spezifisches sozio-ökonomisches, historisch-politisches Fundament hat, das ein zusammenhängendes Netz von sozialen Bedeutungen bildet, begründen die Autoren des Lehrwerks die Wichtigkeit der Interkulturalität beim Fremdsprachenlernen. Muttersprachler würden die Kenntnis des eigenkulturellen Bedeutungssystems und Verhaltensprogramms bei ihrem Gesprächspartner voraussetzen: „Brot“ werde mit „Abendessen“, „Verreisen können“ mit „richtiger Urlaub“ in Zusammenhang gebracht. Bei Sprechern verschiedener Kulturzugehörigkeit könne dieses gemeinsame Kulturwissen nicht vorausgesetzt werden.
Im Gegenteil: durch die zugrundeliegende unterschiedliche Erfahrungen und Normalitätsvorstellungen unterliege die Verständigung Fehlinterpretationen. Dies betreffe auch den nonverbalen Teil der Kommunikation (Gestik, Mimik, Körperhaltung). Da den meisten Menschen nicht bewusst sei, wie sehr ihr Verhalten, ihre Erwartungen usw. durch ihre Kulturzugehörigkeit geprägt sind, wird „falsches“ Verhalten zu schnell emotional und meist negativ bewertet: man habe das Gefühl, dass der andere „einem zu nah auf die Pelle rückt“ (kulturspezifische Körperdistanz), dass er „einen ständig unterbricht“ (sprach-/kulturspezifische Konventionen beim Sprecherwechsel)... „Wenn ein Ausländer die Sprache offensichtlich schlecht beherrscht, stellt sich der Muttersprachler normalerweise darauf ein und verzeiht auch „eigenartiges“ Benehmen. Je besser aber der Ausländer das formale Ausdruckssystem der Sprache beherrscht, desto höhere Anforderungen werden auch an seine kulturelle Kompetenz gestellt, desto schwerer wiegen Fehler auf diesem Gebiet.“ (Bachmann u. a. 1995, 7)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Vielfalt der Lehrwerke im Fach Deutsch als Fremdsprache: Einführung in die Bedeutung des Lehrwerks als steuernder Faktor im Unterricht und Erläuterung der Relevanz von Lehrwerkklassifikationen.
2. Zwei diskussionswürdige Aspekte aus dem Fremdsprachenunterricht: Kritische Auseinandersetzung mit der Funktion von Literatur und dem Stellenwert der Landeskunde im Fremdsprachenkontext.
3. Sichtwechsel neu: Detaillierte Analyse des Lehrwerks hinsichtlich seiner interkulturellen Ausrichtung, Lernziele, Struktur und methodisch-didaktischen Gestaltung.
4. Sichtwechsel neu – ein Lehrwerk zum interkulturellen Lernen: Abschließende Reflexion der Analyseergebnisse und Zusammenführung der Erkenntnisse zur Bewertung der Praxistauglichkeit des Lehrwerks.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, Lehrwerkanalyse, Interkulturelles Lernen, Landeskunde, Fremdsprachendidaktik, Sprachhandeln, Kulturvergleich, Wahrnehmungsschulung, Kommunikative Kompetenz, Autonomes Lernen, Literarische Texte, Sprachreflexion, Lehrwerkgenerationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Lehrwerk "Sichtwechsel neu" unter dem Aspekt des interkulturellen Lernens und ordnet es in den fachdidaktischen Diskurs ein.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Klassifikation von Lehrwerken, die Rolle von Literatur im Unterricht, verschiedene Ansätze der Landeskunde sowie die methodisch-didaktische Gestaltung moderner Deutschlehrwerke.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Lehrkräften durch eine detaillierte Analyse der Stärken und Schwächen von "Sichtwechsel neu" eine fundierte Entscheidungshilfe für die Lehrwerkwahl an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Lehrwerkanalyse, bei der das Lehrwerk anhand theoretischer Klassifikationsmodelle (z.B. von Götze und Pauldrach) untersucht und bewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion von Literatur und Landeskunde sowie die praktische Analyse des Lehrwerks "Sichtwechsel neu" hinsichtlich seiner interkulturellen Zielsetzung und methodischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Interkulturelles Lernen, Landeskunde, Fremdsprachendidaktik, Lehrwerkanalyse und Kommunikative Kompetenz.
Wie begründen die Autoren von "Sichtwechsel neu" die Notwendigkeit des interkulturellen Lernens?
Sie führen an, dass Kulturen unterschiedliche sozio-ökonomische und politische Fundamente haben, was bei interkulturellen Begegnungen ohne entsprechendes Bewusstsein zu Fehlinterpretationen und negativer Bewertung des Gegenübers führt.
Welche Rolle spielen literarische Texte laut der Analyse im Lehrwerk?
Literarische Texte werden als "verdichtete" und "offene" Angebote genutzt, die es Lernenden ermöglichen, ihre eigenen Erfahrungen aktiv einzubringen und sich über Hypothesenbildung an das Fremde anzunähern.
- Quote paper
- Natalia Schlichter (Author), 2002, "Sichtwechsel neu" - Analyse eines Lehrwerkes im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4503