Lesen und Schreiben zu können ist in unserer Gesellschaft von herausragender Bedeutung. Jeglicher Bildungserfolg ist von diesen Fähigkeiten abhängig. Daher wird das Lesen und Schreiben ganz zu Beginn des Bildungsweges – vor allem im ersten Schuljahr – gelehrt. Seid der Mitte des 15. Jahrhunderts dient die Fibel als Leselehrwerk und ist auch heute noch populärstes Hilfsmittel zum Lesen– und Schreibenlernen. Jürgen Reichen, Lernpsychologe und Grundschullehrer, äußert sehr viel Kritik an dem traditionellen sogenannten Fibelunterricht. Zwar hat sich der Fibelunterricht - in seinem nunmehr über 400-jährigen Bestehen - einigen Wandlungen unterzogen, dennoch ist Reichen der Überzeugung das dieser Unterricht lerntheorethisch grundlegend erneuert werden muss.
So hat er zu Beginn der 1970er Jahren ein neues Konzept „Lesen durch Schreiben“ veröffentlicht, das nun (neben einigen anderen neuen Konzepten) dem Fibelunterricht Konkurrenz bietet.
Im Hauptteil meiner Hausarbeit werde ich beide Konzepte vorstellen und im Anschluss wesentliche Unterschiede gegenüberstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Lesen durch Schreiben
1.1 Was ist lesen?
1.1.1 Die Methode „Lesen durch Schreiben“
1.1.2 Die Buchstabentabelle
1.1.3 Die lernpsychologische Hauptthese
1.1.4 Die drei Prinzipien des Konzepts
1.1.4.1 Lesedidaktisches Prinzip
1.1.4.2 Schulpädagogisches Prinzip
2 Die Fibel
2.1 Auswahl einer Fibel
2.2 Die Methode
2.2.1 Lautiermethode
2.2.2 Ganzheitsmethode
2.2.3 Methodenstreit
2.2.4 Integration der Methoden
2.2.5 Wesentliche Unterschiede der beiden Methoden
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem traditionellen Fibelunterricht auseinander und vergleicht ihn mit dem Konzept „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Kinder effektiver lesen und schreiben lernen und welche Rolle die didaktische Gestaltung des Unterrichts dabei spielt.
- Grundlagen des Lese- und Schreiblernprozesses
- Konzept „Lesen durch Schreiben“ nach Jürgen Reichen
- Kriterien für die Auswahl von Fibeln im Unterricht
- Vergleich zwischen Lautiermethode und Ganzheitsmethode
- Die Bedeutung der Selbststeuerung beim Schriftspracherwerb
Auszug aus dem Buch
1.1 Was ist lesen?
Grundlegend für das Konzept „Lesen durch Schreiben“ ist die Frage nach der Bedeutung von Lesen. Kann man lesen, wenn man einen Text laut vorlesen kann? Jürgen Reichen verwendet in diesem Zusammenhang ein sehr schönes Beispiel: „Caprivi lerko ten hokker, en dano lasare, bing bong.“
Ist es uns möglich diesen Text zu lesen? Sicherlich sind wir in der Lage diese Buchstabenfolge in eine Lautfolge umzuwandeln, es ist uns möglich diesen Text laut vorzulesen. Aber einen Sinn konnten wir diesem Text nicht entnehmen. Diese Beobachtung ist für Reichen von besonderer Wichtigkeit. Auch wenn wir einen Text laut vorlesen können, heißt dies nicht, dass wir ihn auch verstehen. Daher beharrt Reichen energisch auf der folgenden Definition des Begriffs „lesen“: „Lesen ist ausschließlich und nur d e r Vorgang, bei dem man versteht, was man gelesen hat!“
Reichen schreibt weiter: „Alles was es sonst noch so gibt, soll man von mir aus benennen wie man will, aber nicht lesen. Vor allem darf `lautes Vorlesen` nicht mit `Lesen` verwechselt oder gar gleich gesetzt werden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Lesen durch Schreiben: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Ansatz nach Jürgen Reichen, bei dem Kinder das Lesen über das selbstständige Schreiben entdecken, und stellt zentrale Prinzipien wie die Buchstabentabelle und die lernpsychologische Hauptthese vor.
2 Die Fibel: Hier werden das traditionelle Lehrmedium „Fibel“ sowie die verschiedenen methodischen Ansätze wie Lautier- und Ganzheitsmethode analysiert und deren historische Entwicklung sowie die spätere Integration der Methoden beschrieben.
3 Wesentliche Unterschiede der beiden Methoden: Dieses Kapitel stellt das Konzept „Lesen durch Schreiben“ dem klassischen Fibelunterricht gegenüber und arbeitet die Differenzen hinsichtlich Schülerverantwortung, Frontalunterricht und Leistungsdruck heraus.
Schlüsselwörter
Lesen durch Schreiben, Fibelunterricht, Jürgen Reichen, Schriftspracherwerb, Buchstabentabelle, Lautiermethode, Ganzheitsmethode, Werkstattunterricht, Selbstgesteuertes Lernen, Lesedidaktik, Sprachkompetenz, Erstlesen, Erstschreiben, Methodenintegration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Gegenüberstellung von traditionellem Fibelunterricht und dem reformpädagogischen Konzept „Lesen durch Schreiben“ nach Jürgen Reichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Schriftspracherwerb, die Definition von „Lesen“, methodische Unterschiede im Unterrichtsaufbau sowie die psychologische Lernunterstützung durch den Lehrer.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse der Effektivität beider Lernkonzepte und die Untersuchung, welche Rahmenbedingungen den Lernerfolg von Kindern beim Lese- und Schreiblernprozess begünstigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der bestehende didaktische Konzepte und einschlägige Fachliteratur, insbesondere von Jürgen Reichen und Wolfgang Menzel, gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Konzepts von Reichen, die Analyse von Fibeln als traditionelles Medium und den direkten Vergleich der verschiedenen Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lesen durch Schreiben, Fibelunterricht, Schriftspracherwerb, Lautiermethode, Ganzheitsmethode und Selbststeuerung.
Was unterscheidet das „Lesen durch Schreiben“ in Bezug auf das Vorlesen von anderen Methoden?
Im Gegensatz zum Fibelunterricht wird bei Reichen kein Kind gezwungen, Texte laut vorzulesen, um den Leistungsdruck und die Angst vor dem Blamieren zu vermeiden, da das flüssige Lesen erst als Resultat des Schreibens betrachtet wird.
Warum lehnt Jürgen Reichen klassische Übungen ab?
Reichen betrachtet standardisierte Übungen als kontraproduktiv, da sie nach seiner Auffassung die Eigenaktivität und die intrinsische Lernmotivation des Kindes eher hemmen als fördern.
Was ist die lernpsychologische Hauptthese nach Reichen?
Die zentrale These lautet: „Kinder lernen umso mehr, je weniger sie belehrt werden!“, was den Fokus vom lehrerzentrierten Unterricht hin zur selbstgesteuerten Erkundung verlagert.
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- Sandra Hartweg (Author), 2005, Lesen durch Schreiben im Vergleich zum Fibelunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45031