Seit vielen Jahren werden der Freihandel und die wirtschaftliche Verflechtung ständig vorangetrieben. Dabei behaupten viele Theoretiker, dass der Freihandel allen beteiligten Ländern nützt und dass er für alle Vorteile mit sich bringt. Einige Resultate aus aktivem Freihandel sollen dann steigender Wohlstand und bessere Entwicklung für alle Länder sein. Außerdem werden durch den Freihandel Chancen für eine produktivitätssteigernde Spezialisierung eröffnet. Am Welthandel beteiligte Länder können sich auf jene Produkte konzentrieren, welche sie mit vergleichsweise geringeren Kosten herstellen können als ihre Tauschpartner. Ein Verfechter des Freihandels war damals schon David Ricardo, der diese Theorien unterstützte.
Diese Theorien sind aber nur die eine Seite, denn der reale Welthandel hat ein anderes Gesicht.
Auf der anderen Seite gibt es nämlich eine Vielzahl von Kritikern der Globalisierung, die hervorheben, dass Freihandel nicht unbedingt allen beteiligten Ländern in gleichem Maße nützt. Die Länder, die am wenigsten vom internationalen Freihandel profitieren, sind die Entwicklungsländer, da diese in vielen Aspekten Nachteile gegenüber den Industrieländern aufweisen. Dazu werde ich später in meiner Diskussion detaillierte Angaben machen.
Das Wort Globalisierung bedeutet also für eine Vielzahl von Ländern „Hoffnung“ und „Chance“, aber für eine ähnlich große Zahl von Ländern „Angst“ und „Risiko“. Vor allem die Entwicklungsländer spielen eine große Rolle bei dieser Diskussion, denn sie werden häufig als Globalisierungsverlierer bezeichnet. Dabei stellt sich die Frage, welche Chancen und Probleme auf die Entwicklungsländer im Zuge der Globalisierung zukommen. Aber auch, welche Auswirkungen die Globalisierung auf die eigentlichen Gewinner, die Industrieländer, hat.
Dazu ist es zunächst notwendig, die ursprüngliche Theorie des Freihandels darzustellen, um dann im weiteren Verlauf die tatsächlichen Probleme, die in dieser Theorie außer Acht gelassen werden, zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie des komparativen Kostenvorteils
3. Freihandel in der Theorie
4. Der reale Freihandel
5. Auswirkungen des Freihandels auf die Industrieländer
Negative Auswirkungen
Positive Auswirkungen
6. Auswirkungen des Freihandels auf die Entwicklungsländer
6.1 Negative Auswirkungen
6.1.1 Protektionismus
6.1.2 Spezialisierung
6.1.3 Allgemeine Aspekte
6.2 Welche Gründe sprechen für einen internationalen Handel der Entwicklungsländer?
6.3 Alternativen zum internationalen Handel und Auswege aus der Krise
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der klassischen Freihandelstheorie nach David Ricardo und der Realität der globalen Handelsbeziehungen, mit besonderem Fokus auf die ungleiche Verteilung der Gewinne zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
- Kritische Analyse der Theorie des komparativen Kostenvorteils
- Historische Betrachtung des Protektionismus als Instrument zur wirtschaftlichen Entwicklung
- Untersuchung der Auswirkungen von Freihandel auf Industriestaaten
- Problemanalyse der Freihandelsfolgen für Entwicklungsländer
- Diskussion über Alternativen zum aktuellen internationalen Handelssystem
Auszug aus dem Buch
4. Der reale Freihandel
Das Beispiel Großbritannien bis zur Abschaffung der Korngesetze 1846 (Chang 2002)
Viele Ökonomen und Freihandelsverfechter sind davon überzeugt, dass alle heutigen Industrieländer ihre starke Marktposition durch das Prinzip des Freihandels ausgebaut haben und üben mit diesem Argument Druck auf die Entwicklungsländer aus, sich doch auch in höherem Maße am internationalen Handel zu beteiligen und diesem Modell Folge zu leisten.
Doch wirft man einen Blick hinter die Kulissen, wie es im Folgenden am Beispiel Großbritanniens gemacht wird, stellt man fest, dass die Geschichte der einzelnen Industrieländer gern verdrängt wird. Was damit im einzelnen gemeint ist, wird nun erläutert: „Dass Großbritannien schon immer der große Vorkämpfer des Freihandels gewesen sei, ist ein Ammenmärchen. In Wahrheit hat das Land lange Zeit eine ausgesprochene dirigistische Politik verfolgt – sie in gewisser Hinsicht überhaupt erst erfunden – um so seine wichtigsten Industriebranchen zu schützen und zu fördern“ (Chang, 2002).
Bereits im 14. und 15. Jahrhundert verhängte Großbritannien nämlich enorme Ausfuhrzölle auf Rohwolle, die bisher in England hergestellt und in den Niederlanden weiterverarbeitet wurde. Es schien für England sinnvoller, diese Rohwolle im eigenen Land weiterzuverarbeiten und importierte daher das Know – How, also Arbeiter aus den Niederlanden. Dadurch waren sie unabhängig von den Niederlanden und konnten ihren eigenen Wirtschaftszweig ausbauen.
Diese Branche war allerdings nicht die einzige, die durch protektionistische Maßnahmen geschützt wurde. Die Einfuhr von Getreide wurde bis zum Jahr 1846 durch hohe Zölle unterbunden. Allein diese beiden Beispiele zeigen, dass auch damals schon das Problem des Protektionismus bestanden hat und widerspricht der Theorie des Freihandels. Besonders Großbritannien profitierte nämlich von der eigenen Handelspolitik. Wenn ein anderes Land weiter entwickelt war als Großbritannien, wurde die Wirtschaft sofort durch Schutzzölle, Exportsubventionen, und staatliche Qualitätskontrolle der Exportwaren geschützt, um diesen Vorsprung ungehindert einholen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz des Freihandels als globale Hoffnung und Risiko und stellt die Notwendigkeit dar, die theoretischen Annahmen kritisch zu hinterfragen.
2. Theorie des komparativen Kostenvorteils: Dieses Kapitel erläutert David Ricardos Modell der komparativen Produktionskosten und verdeutlicht, warum Arbeitsteilung theoretisch allen beteiligten Handelspartnern Vorteile verschaffen soll.
3. Freihandel in der Theorie: Hier werden die zentralen Annahmen des Freihandels wie die Abwesenheit von Handelshemmnissen und die Annahme der Vollauslastung von Arbeit aufgezeigt und kritisch reflektiert.
4. Der reale Freihandel: Anhand des historischen Beispiels Großbritannien wird aufgezeigt, dass erfolgreiche Industrienationen historisch oft protektionistische Maßnahmen nutzten, was Ricardos Theorie in der Praxis widerspricht.
5. Auswirkungen des Freihandels auf die Industrieländer: Dieses Kapitel analysiert sowohl die Vorteile durch günstige Vorprodukte als auch die negativen Folgen wie Arbeitsplatzverluste und den Strukturwandel durch die Auslagerung von Produktionen.
6. Auswirkungen des Freihandels auf die Entwicklungsländer: Es wird die schwierige Situation der Entwicklungsländer durch Protektionismus der Industrieländer und Abhängigkeiten aus der Spezialisierung thematisiert sowie Lösungsansätze diskutiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Ricardos Theorie in der heutigen globalisierten Welt als veraltet betrachtet werden muss und fordert neue Lösungsansätze statt weiterer Marktöffnung unter unfairen Bedingungen.
Schlüsselwörter
Freihandel, Globalisierung, David Ricardo, komparativer Kostenvorteil, Protektionismus, Entwicklungsländer, Industrieländer, Welthandel, Spezialisierung, Handelsbarrieren, Agrarsubventionen, Weltwirtschaft, Handelsbeziehungen, Wirtschaftsstruktur, Globalisierungsverlierer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die konträren Positionen zum Freihandel, indem sie die klassische Theorie von David Ricardo mit der tatsächlichen Praxis des globalen Handels gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Freihandelstheorie, die historische Rolle des Protektionismus bei der Entwicklung von Industrienationen sowie die aktuellen Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungs- und Schwellenländer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu verdeutlichen, dass Freihandel nicht zwangsläufig Wohlstand für alle bringt und dass die Theorie des komparativen Kostenvorteils in der Realität durch Machtasymmetrien und unfaire Handelsbedingungen limitiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine kritische Untersuchung historischer und aktueller Fallbeispiele (wie Großbritannien im 19. Jahrhundert oder die chinesische Textilindustrie), um die Theorie am praktischen Beispiel zu messen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Annahmen des Freihandels, die reale Handelspolitik der Industrieländer sowie die spezifischen negativen Auswirkungen und strukturellen Probleme, mit denen Entwicklungsländer im internationalen Handel konfrontiert sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Protektionismus, komparativer Kostenvorteil, Globalisierung, wirtschaftliche Abhängigkeit und die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern geprägt.
Welche Rolle spielt das Beispiel Großbritannien für die Argumentation?
Großbritannien dient als Beleg dafür, dass heutige Industrieländer ihren Erfolg in der Vergangenheit durch dirigistische Politik und den Schutz eigener Schlüsselindustrien gesichert haben, anstatt strikt auf Freihandel zu setzen.
Was kritisiert der Autor an der Welthandelsorganisation (WTO)?
Der Autor kritisiert die undemokratische Entscheidungsfindung in sogenannten „Green Room“-Meetings, bei denen wichtige Verhandlungen ohne ausreichende Beteiligung von Entwicklungsländern stattfinden, was diese in eine machtlose Position bringt.
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- Dörte Schenke (Author), 2004, Pro und Contra Freihandel. Argumente seit D. Ricardo und F. List, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45032