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Vernunft vs. Affekt. Zur dramentheoretischen Entwicklung von Gottsched zu Lessing

Title: Vernunft vs. Affekt. Zur dramentheoretischen Entwicklung von Gottsched zu Lessing

Term Paper , 2005 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Michael Bee (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Ein bürgerliches Trauerspiel! Mein Gott! Findet man in Gottscheds critischer Dichtkunst ein Wort von so einem Dinge? Der berühmte Lehrer hat nun länger als zwanzig Jahre seinem lieben Deutschland die drey Einheiten vorgeprediget, und dennoch wagt man es auch hier, die Einheit des Orts recht mit Willen zu übertreten. Keinem Gottsched-Anhänger, sondern Gotthold Ephraim Lessing selbst wird dieses prägnante Zitat aus der Berlinischen Privilegirten Zeitung vom 3. Mai 1755 zugeschrieben. Als leidenschaftlicher Polemiker ließ er es sich nicht nehmen, eine Rezension seines eigenen Dramas Miss Sara Sampson zu veröffentlichen und die sichere Kritik der Gottschedianer im Vorfeld zu karikieren. Lessing markiert hier eine provokative Oppositionshaltung gegenüber dem gewichtigsten deutschen Theaterreformator, dessen dramentheoretische Agenda den literarischen Diskurs der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dominierte. Das Erscheinen seiner Sara weist den Weg hin zu einem veränderten Aufklärungskonzept und zeitigt einen neuen Typus literarischer Produktion - das Bürgerliche Trauerspiel. Diesen vermeintlichen Paradigmenwechsel gilt es, in dieser Hausarbeit nachzuvollziehen: Welche dramaturgischen Elemente prägten die Trauerspielproduktion des Frühaufklärers Gottsched? Welche ausländischen Vorbilder initiierten den Richtungswechsel? Und wie positioniert sich die Mitleidstheorie Lessings in diesem Faktorengeflecht?

Exemplarisch möchte ich diese drei Fragen anhand der beiden bereits erwähnten Primärtexte - Gottscheds Versuch einer Critischen Dichtkunst und Lessings Miss Sara Sampson - beantworten. Dabei soll den zentralen theoretischen Begrifflichkeiten „3-Einheiten-Lehre“, „Ständeklausel“, „Katharsis“ und „Empfindsamkeit“ eine zentrale Rolle zukommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Reformagenda unter dem Vorzeichen der Vernunft: Gottscheds Durchregelung des Theaters in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts

2.2 Zur Genese des Bürgerlichen Trauerspiels: Die französische Comédie larmoyante und die englische Sentimental Comedy als Vorläufer einer neuen Gattungsbezeichnung

2.3 Der Kult der Träne: Mitleid als wirkungsästhetische Zielkategorie in Lessings Sara

3. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den dramaturgischen Paradigmenwechsel in der deutschen Theaterlandschaft des 18. Jahrhunderts, indem sie Gottscheds rationalistisch geprägte Reformagenda Lessings neuem Konzept des bürgerlichen Trauerspiels gegenüberstellt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Übergang von einer an Vernunft und Ständeklausel orientierten Regelpoetik hin zu einer auf Mitleid und Empfindsamkeit basierenden Dramaturgie vollzogen wurde.

  • Gottscheds Regelpoetik und die Forderung nach einer vernunftbasierten Theaterreform.
  • Die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels unter dem Einfluss europäischer Vorbilder.
  • Lessings Mitleidstheorie als wirkungsästhetische Gegenkonzeption.
  • Die Aufhebung der Ständeklausel und die Bedeutung privater Konflikte.
  • Die Funktion des Theaters als Instrument zur sittlichen Läuterung des Publikums.

Auszug aus dem Buch

Der Kult der Träne: Mitleid als wirkungsästhetische Zielkategorie in Lessings „Sara“

„Niemand“, sagen die Verfasser der Bibliothek, „wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen großen Teil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professor Gottsched zu danken habe.“ Ich bin dieser Niemand, ich leugne es geradezu. Es wäre zu wünschen, daß sich Herr Gottsched niemals mit dem Theater vermengt hätte. 17

Noch deutlicher als in Lessings Selbstrezension der Sara (s.o.) begreift er sich im 17. Literaturbrief als vehementer Kritiker der Gottschedschen Theaterreformen. In der ihm typischen rhetorischen Zuspitzung bringt er vor allen Dingen zum Ausdruck, dass er Gottsched als Verkörperung frühaufklärerischer Dogmatik begreift, dessen poetologischen Grundüberzeugungen nicht länger hinreichend seien, um einer neuen literarischen Öffentlichkeit gerecht zu werden. Mit dem Bürgerlichen Trauerspiel Miss Sara Sampson entwirft er 1755 eine praktische Gegenkonzeption, die ein Jahr später auch theoretisch im Briefwechsel über das Trauerspiel mit Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai reflektiert wird. Der grundlegende Unterschied zur Dramaturgie des Leipziger Professors liegt in der zentralen Rolle der Affektregungen, insbesondere im Mitleid-Begriff des jungen Lessing. Demgegenüber erfährt die Kategorie der Vernunft eine entscheidende Umwertung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse zwischen Gottsched und Lessing ein und definiert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich des dramaturgischen Wandels im 18. Jahrhundert.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Theaterreformen Gottscheds, vergleicht diese mit den Einflüssen der Comédie larmoyante und der Sentimental Comedy und arbeitet Lessings Gegenentwurf der Mitleidsästhetik heraus.

3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst den Paradigmenwechsel zusammen, der den Übergang von einer rationalistischen zu einer durch Empfindsamkeit geprägten Literatur markiert und das bürgerliche Trauerspiel als entscheidenden Bruch mit der Tradition etabliert.

Schlüsselwörter

Gottsched, Lessing, Miss Sara Sampson, Aufklärung, Bürgerliches Trauerspiel, Vernunft, Mitleid, Empfindsamkeit, Dramentheorie, Regelpoetik, Ständeklausel, Affekt, Katharsis, Theaterreform, Paradigmenwechsel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die dramaturgische Entwicklung in Deutschland zwischen 1730 und 1760, mit besonderem Fokus auf den Bruch zwischen den strengen Theaterreformen Gottscheds und dem neuartigen bürgerlichen Trauerspiel Lessings.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Regelpoetik der Aufklärung, der Bedeutung des Mitleids als ästhetische Kategorie sowie der gesellschaftlichen Aufwertung des Bürgertums als tragisches Subjekt.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Arbeit untersucht, welche dramaturgischen Elemente die Trauerspielproduktion prägten, welche ausländischen Einflüsse den Richtungswechsel initiierten und wie Lessings Mitleidstheorie diese dramaturgische Landschaft nachhaltig veränderte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Primärtexte wie Gottscheds „Versuch einer Critischen Dichtkunst“ und Lessings „Miss Sara Sampson“ systematisch unter Einbeziehung zeitgenössischer Debatten interpretiert.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil untersucht?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gottscheds Reformbestrebungen, die Rolle ausländischer Vorbilder wie der Comédie larmoyante und die detaillierte Analyse von Lessings „Sara“ als Gegenmodell.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aufklärung, Mitleidsästhetik, bürgerliches Trauerspiel, Empfindsamkeit und dramaturgische Regelpoetik definieren.

Inwiefern unterscheidet sich Lessings „Sara“ von den Regeln Gottscheds?

Lessing bricht mit der Ständeklausel, ersetzt das Versmaß des Alexandriners durch Prosa und stellt nicht die Vernunft, sondern das unmittelbar empfundene Mitleid ins Zentrum der Wirkung auf den Zuschauer.

Was ist das Ziel der Mitleidstheorie bei Lessing?

Lessing zielt darauf ab, durch die Erregung von Affekten die moralische Fähigkeit des Zuschauers zu verfeinern, um ihn zu einem empathischeren und damit „besseren“ Menschen im gesellschaftlichen Leben zu formen.

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Details

Title
Vernunft vs. Affekt. Zur dramentheoretischen Entwicklung von Gottsched zu Lessing
College
University of Münster  (Institut für Deutsche Philologie II)
Course
Gotthold Ephraim Lessing: Literatur - Ästhetik - Kritik
Grade
2,0
Author
Michael Bee (Author)
Publication Year
2005
Pages
14
Catalog Number
V45070
ISBN (eBook)
9783638425421
Language
German
Tags
Vernunft Affekt Entwicklung Gottsched Lessing Gotthold Ephraim Lessing Literatur Kritik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Bee (Author), 2005, Vernunft vs. Affekt. Zur dramentheoretischen Entwicklung von Gottsched zu Lessing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45070
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