Nachrichten als Handelsware zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Telegraphie im 19. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung des Nachrichtenhandels
2.1 Die Entstehung von Nachrichtenagenturen am Beispiel Reuters
2.2 London als Zentrum des Nachrichtenhandels

3 Die Objektivität und Globalität der Nachrichten

4 Nachrichten und ihr Verhältnis zu Raum und Zeit

5 Nachrichtenhandel im 19. Jahrhundert – ein Beispiel für Glokalisierung?

6 Schluss

7 Quellenverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Heutzutage kann man sich im Internet kostenlos darüber informieren, was in der Welt gerade geschieht. Wenn auf einem anderen Kontinent ein bedeutendes Ereignis stattfindet, weiß die restliche Welt innerhalb von wenigen Sekunden davon. Die globale Vernetzung, die sich vor allem durch das World Wide Web entwickelt hat, ist für uns Menschen heute relativ normal. Doch im 19. Jahrhundert war das anders: Nachrichten und Informationen benötigten sehr lange, bis sie beispielsweise die Distanz zwischen zwei Kontinenten überwunden hatten. Das änderte sich erst um 1850 durch die Telegraphie und die Etablierung von Nachrichtenagenturen. Diese nutzten die neue Technologie, um in erster Linie die Zeitungen, aber auch Privatpersonen mit den neuesten Nachrichten zu versorgen. Erstmals war die Nachrichtenübermittlung unabhängig vom Wetter oder von der Geschwindigkeit des Transportmittels bzw. des Trägers der Nachricht, zum Beispiel Bote, Schiff oder Bahn1. Die Zeit, die eine Nachricht aus den USA benötigte, um in einer Londoner Zeitung zu erscheinen, verringerte sich von zwei Wochen um 1850 auf zwei bis drei Tage um 18672.

Wie änderte sich durch diese neue Art des Nachrichtenhandels zwischen Nachrichtenagenturen, Telegraphengesellschaften und Zeitungen die Natur der Nachrichten, das heißt insbesondere ihre Definition und Funktion? Um diese Frage zu beantworten, muss ich auf verschiedene Aspekte der elektrischen Nachrichten eingehen. Unter anderem werde ich untersuchen, wie global und wie objektiv die Nachrichten tatsächlich waren und in welcher Art und Weise mit ihnen gehandelt wurde. Außerdem interessiere ich mich in meiner Arbeit für die Wahrnehmung von Raum und Zeit, die sich für die Zeitgenossen durch die schnellere Kommunikation über weite Entfernungen veränderte.

Die historische Forschungsliteratur hat sich seit den 1980er Jahren vermehrt mit der Entwicklung der Telegraphie und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft auseinandergesetzt. Ein wichtiger Grund für das gesteigerte Interesse ist die Etablierung einer neuen historischen Teildisziplin, der Globalgeschichte. Die Globalgeschichte beschäftigt sich insbesondere mit Verbindungen zwischen Personen, Institutionen oder Netzwerken, die über Nationen- oder Staatengrenzen hinwegreichen3. Da die Telegraphengesellschaften von Beginn an international ausgerichtet waren und Telegraphenkabel die Kontinente der Erde miteinander verbanden, eignet sich die Telegraphie sehr gut als Untersuchungsgegenstand für Globalhistoriker4. In diesem Zusammenhang sind auch die vermehrten Publikationen seit den 1990er Jahren zu den großen Nachrichtenagenturen des 19. Jahrhunderts zu sehen5.

Während also zur Geschichte der Telegraphie und zu den Nachrichtenagenturen relativ viel neuere Forschungsliteratur vorhanden ist, findet man zu den Auswirkungen, die der Handel mit Nachrichten auf die Zeitungen hatte, eher wenig. Außerdem befassen sich die spärlichen Studien zu diesem Thema vornehmlich mit britischen oder US-amerikanischen Zeitungen. Grundlegend dazu sind zum Beispiel die Aufsätze von Peter G. Goheen und von Richard B. Kielbowicz6. Für die Frage nach der Objektivität der Nachrichten waren vor allem die Arbeiten von Volker Barth7 und von Alexander Nalbach8 hilfreich. Die Literatur zur sich im Laufe der Zeit wandelnden Natur der Nachrichten ist gleichfalls überschaubar. Terhi Rantanen ist eine der wenigen Forscher, die sich intensiv mit der Definition und Funktion von Nachrichten und ihrer historischen Entwicklung befasst hat9.

Die Eingrenzung des Interessengebietes auf das britische Empire trifft auch auf Veröffentlichungen zur Entwicklung der Telegraphie zu. Der Grund hierfür ist, dass sich bis ins 20. Jahrhundert ein Großteil der Telegraphenkabel der Erde im Besitz von britischen Telegraphengesellschaften befand, die Briten demnach das weltweite Telegraphiegeschäft dominierten. Deshalb beziehe ich mich in meiner Arbeit ebenfalls hauptsächlich auf den Nachrichtenhandel im britischen Empire, den seit 1851 die Nachrichtenagentur „Reuters“ fest im Griff hatte. Donald Read hat in einer Monographie die Geschichte dieser Agentur erforscht10, während Gordon M. Winder in seinen Arbeiten die Reichweite des Reuters-Netzwerkes kritisch hinterfragte11.

Quellen zu finden, die sich explizit mit dem Nachrichtenhandel im 19. Jahrhundert befassen, ist relativ schwierig. Die Bücher der Nachrichtenagenturen, in denen festgehalten wurde, welche Telegramme an die Kunden weitergegeben und welche als unwichtig erachtet wurden, sind teilweise nicht erhalten oder nur schwer zugänglich. In meiner Arbeit muss ich mich deshalb mit Quellen begnügen, die nur implizit auf den Nachrichtenhandel verweisen. Verwendet habe ich verschiedene Artikel aus der britischen Zeitung The Times, in denen die Autoren die Telegraphie und ihre Auswirkungen thematisieren und dabei auch unter anderem die veränderte Wahrnehmung von Raum und Zeit ansprechen.

Der Hauptteil meiner Arbeit ist in vier Teile untergliedert. In einem ersten, einleitenden Kapitel beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich der Nachrichtenhandel ab 1850 entwickelte. Hier liegt der Fokus vor allem auf der britischen Nachrichtenagentur Reuters und der Stadt London als Zentrum des Nachrichtenhandels. Im zweiten Kapitel möchte ich genauer untersuchen, wie global und wie objektiv die Nachrichten waren, die von den Nachrichtenagenturen an die Zeitungen weitergeleitet wurde. Daran anschließend werde ich mich mit dem Verhältnis der telegraphischen Nachrichten zu Zeit und Raum befassen. Zuletzt folgt ein Kapitel über die Frage, ob man den Nachrichtenhandel im 19. Jahrhundert als ein Beispiel für Glokalisierung sehen kann. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung meiner Ergebnisse.

2 Entwicklung des Nachrichtenhandels

2.1 Die Entstehung von Nachrichtenagenturen am Beispiel Reuters

Telegraphie und Nachrichtenagenturen bedingten sich gegenseitig: Die Entstehung von Nachrichtenagenturen wäre nicht möglich gewesen ohne die Entwicklung der elektrischen Telegraphie, die Nachrichtenagenturen trieben ihrerseits den Ausbau des Telegraphennetzes voran, indem sie die Verlegung neuer Kabel mitfinanzierten oder selbst Kabel verlegten12.

Wie bereits erwähnt, war die Nachrichtenübermittlung vor der Erfindung der Telegraphie an die Geschwindigkeit des Transportmittels der Nachricht gebunden. Erst die Telegraphie löste diese Bindung auf: Nachrichten konnten sich von nun an ohne materiellen Träger fortbewegen, der Informationsfluss wurde also dematerialisiert, wie Wenzlhuemer es bezeichnet13. Nachrichten erreichten nun in nie dagewesener Geschwindigkeit ihr Ziel. Das finanzielle Potential, das hinter solch einer beschleunigten Informationsübermittlung steckte, erkannten nahezu gleichzeitig die Gründer der drei ersten Nachrichtenagenturen in Europa, Paul Julius Reuter (1816-1899), Bernhard Wolff (1811-1879) und Charles-Louis Havas (1783-1858). Reuters in London, Wolffs Telegraphisches-Bureau in Berlin und die Agence Havas in Paris dominierten bis ins 20. Jahrhundert hinein den weltweiten Nachrichtenmarkt14.

Die drei Gründer nutzen das sich ab 1850 rasch ausbreitende Telegraphennetz aus und versorgten ihre Kunden mit den neuesten Nachrichten. Zuerst waren das vor allem wirtschaftliche Informationen, beispielsweise die Börsenkurse. Geschäftsleute (Börsenmakler, Händler, Unternehmer) abonnierten die Dienste der Nachrichtenagenturen, da ihnen diese Informationen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten verschafften. Als Privatperson konnten sie sich ein Telegramm selbst nicht leisten, weil die Übermittlungskosten insbesondere zu Beginn sehr hoch waren15. Die Nachrichtenagenturen handelten jedoch mit den Telegraphengesellschaften spezielle Tarife aus und mussten dadurch nur verringerte Gebühren zahlen16.

Bald sahen auch die Zeitungen den Vorteil einer Belieferung mit aktuellen Nachrichten und wurden ebenfalls Kunden der Nachrichtenagenturen. Vor der Entwicklung der Telegraphie war die Informationsbeschaffung für die Redakteure einer Zeitung eine langwierige und mühselige Angelegenheit. Nachrichten wurden hauptsächlich aus anderen Zeitungen kopiert. In den USA gab es ein ausgeklügeltes System, das dies regelte: Drucker von Zeitungen durften bereits seit dem 18. Jahrhundert ihre Druckerzeugnisse mit der Post verschicken, ohne Portogebühren zu bezahlen. Viele Zeitungen gingen deshalb mit anderen kleineren und größeren Zeitungen ein Austauschverhältnis ein, indem sie sich gegenseitig regelmäßig die neuesten Ausgaben zuschickten17. Mit dem Entstehen von Reuters, Havas und Wolff bot sich den Zeitungen eine Möglichkeit, erstmals tatsächlich über das tägliche Geschehen und die unmittelbare Vergangenheit zu berichten18. Diejenigen Zeitungen, die die Dienste einer Nachrichtenagentur abonniert hatten, konnten dadurch die neuesten Nachrichten exklusiv abdruckten und hatten somit einen Wettbewerbsvorteil vor anderen Zeitungen. Alle Zeitungen, die sich ein Abonnement nicht leisten konnten, blieb nichts anderes übrig, als am Tag darauf die wichtigsten Telegramme aus den großen Zeitungen zu kopieren19.

Auch das britische „Reutersche Telegraphenbüro“, ab den 1860er Jahren nur noch „Reuters“ genannt, machte eine ähnliche Entwicklung durch. Paul Julius Reuter, ein deutscher Verleger und Übersetzer, der eigentlich das Bankgeschäft gelernt hatte, gründete im Oktober 1851 in London eine Nachrichtenagentur. Davor hatte er bereits in Paris die Arbeit der Agence Havas kennengelernt und in Aachen erfolgreich einen eigenen Depeschendienst mittels Brieftauben gestartet. Seinen ersten Vertrag schloss Reuter mit der Londoner Börse, er übermittelte ihnen Börsennachrichten vom Kontinent. Dabei konnte er auf sein Korrespondentennetzwerk in den europäischen Hauptstädten zurückgreifen, das er noch während seiner Brieftauben-Unternehmung etabliert hatte20. Erst 1858 gelang es Reuter, die britische Presse für seinen Nachrichtenservice zu gewinnen. Davor waren die Presse, allen voran die Times, Reuters Nachrichtenservice eher skeptisch gegenüber gestanden21.

Mit dem Entstehen von Nachrichtenagenturen wurden Nachrichten und Informationen zu einer Handelsware, sie wurden kommodifiziert. Der Begriff „Kommodifizierung“ bezeichnet die Umwandlung von Gütern, Ideen oder Organismen in Waren22. Dieser Vorgang hatte Auswirkungen auf die Definition und die Funktion einer Nachricht. Die Frage, welche Charakteristika eine Nachricht im telegraphischen Zeitalter auszeichneten, werde ich in Kapitel 4 beantworten. Auf die Wandlung der Funktion einer Nachricht, insbesondere für die Zeitungen, gehe ich im Folgenden kurz ein.

Anfang des 19. Jahrhunderts diente die Zeitung eines Verlegers und deren Verkauf nicht so sehr dem eigenen finanziellen Gewinn, sondern eher der Unterstützung einer Partei bzw. der eigenen Gesinnung. Zeitungsredakteure definierten Nachrichten dementsprechend als ein politisches Instrument, dass ihnen helfen sollte, ihre Parteiinteressen zu fördern. Hundert Jahre später wurden Nachrichten innerhalb eines Wirtschaftskontexts definiert, also als ein Instrument, das dabei helfen sollte, die Absätze der Zeitung zu steigern. Die Zeitungen waren nun kommerzialisiert und damit endgültig zur Ware geworden. Für die Aufnahme einer Nachricht oder einer anderen Neuigkeit in die Zeitung war es jetzt nicht mehr so stark entscheidend, dass sie informativ, sondern eher, dass sie gut für das Geschäft war. Da die Zeitungen nun für ihre Nachrichten und Informationen bezahlen mussten, sollten die abgedruckten Nachrichten ihrerseits für gute Verkaufszahlen sorgen23.

2.2 London als Zentrum des Nachrichtenhandels

Die britischen Telegraphengesellschaften dominierten das gesamte 19. Jahrhundert lang das Geschäft der globalen Vernetzung. Um 1890 waren alle Kontinente der Erde telegraphisch mit Überland- und Unterseekabeln verbunden, 60% der Kabelkilometer befanden sich im Besitz von britischen Telegraphengesellschaften24. 1900 kontrollierten die Briten sogar 65% aller weltweit verlegten Kabelkilometer25. Die Gründe für Englands Vorherrschaft im Telegraphiegeschäft waren vielfältig: Großbritannien hatte von vornherein einen Vorsprung in der Telegraphen- und Kabelfabrikationstechnik und konnte außerdem über die modernste Flotte zur Verlegung der Kabel verfügen. Die prosperierende britische Ökonomie sah in der interkontinentalen Telegraphie eine Chance zur Eröffnung neuer Absatzmärkte, während sich die Politik durch die Telegraphie eine bessere Kontrolle und auch ein Stück weit eine kommunikative Vereinigung des Empires erhoffte26. Sowohl Ökonomie als auch Politik unterstützen und förderten deshalb die Verlegung neuer Telegraphenkabel, insbesondere auf dem Gebiet des britischen Empires, sodass bereits vor 1914 eine „all-red route“ um den Globus geschaffen wurde27.

[...]


1 Die Telegraphie wird deshalb oft als „viktorianisches Internet“ beschrieben. Genauso wie das Internet hätte der Telegraph die Kommunikation revolutioniert, indem er es erstmals möglich machte, über große Distanzen hinweg relativ schnell zu kommunizieren. Auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft und ihr Umgang mit der neuen Technologie seien bei Telegraphie und Internet sehr ähnlich. Diese These findet sich u.a. in Tom Standage: The Victorian Internet. The Remarkable Story of the Telegraph and the Nineteenth Century’s Online Pioneers. London 1998. Zwischen Telegraphie und Internet besteht jedoch zumindest ein entscheidender Unterschied: Während Nachrichten und Informationen im World Wide Web für fast jeden kostenlos zugänglich sind und man für das Absenden einer elektronischen Mail in den meisten Fällen nichts bezahlen muss, war das bei der Telegraphie anders. Wer eine Nachricht als Telegramm verschicken wollte, musste einen festen Betrag pro Wort zahlen, der sich vergrößerte, in desto weiterer Entfernung sich der Empfänger befand. Nachrichten waren im Zeitalter der Telegraphie also in erster Linie Handelswaren, mit denen sich viel Geld verdienen ließ. Vgl. dazu: Roland Wenzlhuemer: Connecting the Nineteenth-Century World: The Telegraph and Globalization. Cambridge 2013, S. 6–12.

2 Vgl. Kilian Künzi: Telegraf – Kommunizieren durch den Draht. In: Museum für Kommunikation: In 28 Minuten von London nach Kalkutta. Aufsätze zur Telegrafiegeschichte aus der Sammlung Dr. Hans Pieper im Museum für Kommunikation, Bern. 2000 Bern, S. 19-117, hier S. 98–100.

3 Einführend zur Methodik und Untersuchungsgegenstand der Globalgeschichte: Roland Wenzlhuemer: Globalgeschichte schreiben. Eine Einführung in 6 Episoden. Konstanz und München 2017; Sebastian Conrad: What is Global History? Princeton und Oxford 2016.

4 Bücher, die sich mit dem Zusammenhang Globalisierung bzw. globale Kommunikation und Telegraphie auseinandersetzen, sind zum Beispiel: Roland Wenzlhuemer (Hrsg.): Globale Kommunikation: Telekommunikation und globale Informationsflüsse im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. (=Historical Social Research 35/1) Köln 2010; M. Michaela Hampf, Simone Müller-Pohl (Hrsg.): Global Communication Electric. Business, News and Politics in the World of Telegraphy, Frankfurt a. M. 2013; Wenzlhuemer: Telegraph and Globalization.

5 Terhi Rantanen bezeichnet die Nachrichtenagenturen des 19 Jh. als „early agents of globalization“. Terhi Rantanen: The New Sense of Place in 19th-Century News. In: Media, Culture & Society 25/4 (Juli 2003), S. 435–449, hier S. 436.

6 Peter G. Goheen: The Impact of the Telegraph on the Newspaper in mid-nineteenth Century British North America. In: Urban Geography 11/2 (1990), S. 107–129; Richard B. Kielbowicz: Newsgathering by Printers‘ Exchanges Before the Telegraph. In: Journalism History 9/2 (Sommer 1982), S. 42–48.

7 Volker Barth: Making the Wire Speak: Transnational Techniques of Journalism, 1860–1930. In: M. Michaela Hampf, Simone Müller-Pohl (Hrsg.): Global Communication Electric. Business, News and Politics in the World of Telegraphy, Frankfurt a. M. 2013, S. 246–274; Ders.: The Formation of Global News Agencies, 1859–1914. In: W. Boyd Rayward (Hrsg.): Information Beyond Borders. International Cultural and Intellectual Exchange in the Belle Époque. Farnham 2014, S. 35–47.

8 Alex Nalbach: „Poisoned at the Source“? Telegraphic News Services and Big Business in the Nineteenth Century. In: The Business History Review 77/4 (2003), S. 577–610.

9 Terhi Rantanen: When News was New. Chichester u.a. 2009.

10 Donald Read: The Power of News. The History of Reuters. Zweite Auflage. Oxford 1999.

11 Gordon M. Winder: London’s Global Reach? Reuters News and Network, 1865, 1881, and 1914. In: Journal of World History 21 (2010) 2, S. 271–296.

12 Paul Julius Reuter, der Gründer und Leiter der Nachrichtenagentur Reuters, ließ beispielsweise 1866 ein eigenes Unterseekabel von Lowestoft nach Nordeney verlegen, um dadurch eine direkte Anbindung an das deutsche Kabelnetz zu erhalten. Vgl. Read: Power, S. 49f.

13 Vgl. Wenzlhuemer: Telegraph and Globalization, S. 30f. Die entscheidende qualitative Veränderung, die der Telegraph möglich machte, war jedoch laut Wenzlhuemer nicht die schnellere Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung, sondern die größere Geschwindigkeit der Informationsübermittlung verglichen mit der Geschwindigkeit von Gütern und Menschen, wodurch man diese Güter und Menschen mittels des Telegraphen kontrollieren konnte. Vgl. Roland Wenzlhuemer: Editorial – Telecommunication and Globalization in the Nineteenth Century. In: Wenzlhuemer (Hrsg.): Globale Kommunikation, S. 7–18, hier S. 7.

14 Vgl. Rantanen: News, S. 30f.

15 Vgl. Künzi: Telegraf, S. 101-103; Nalbach spricht davon, dass Reuters, Wolff und Havas sogar bis in die 1860er Jahre hinein mehr Gewinn mit solch finanziellen Nachrichten (Börsenkursen und ähnliches) als mit politischen Nachrichten machten, da die politischen Nachrichten mehr journalistische Arbeit voraussetzen und damit mehr Kosten auf Seiten der Nachrichtenagenturen bedeuteten. Nalbach: Telegraphic News Services, S. 580–583.

16 Vgl. Barth: Wire, S. 248f.

17 Manche Zeitungen erhielten somit sechzig bis hundert Zeitungen wöchentlich. Wiederholt gab es deshalb Beschwerden im US-amerikanischen Kongress, dass diese große Menge an Paketen die Postämter und -kutschen verstopfe und der Staat sich durch den Erlass der Portogebühren außerdem um hohe Einnahmen bringen würde. Ein Vorteil dieses Austauschsystems war es jedoch, dass es den Redakteuren erlaubte, die verschiedenen Berichte eines Ereignisses in unterschiedlichen Zeitungen zu vergleichen und dadurch die Richtigkeit der Fakten zu überprüfen. Vgl. dazu Kielbowicz: Newsgathering.

18 Vgl. Rantanen: News, S. 14.

19 Wie wichtig und prestigeträchtig ein Abonnement der Dienste einer Nachrichtenagentur selbst für kleinere Regionalzeitung war, zeigt Ross Harvey in seinem Aufsatz Ross Harvey: A ‚Sense of Common Citizenship‘? Mrs Potts of Reefton, New Zealand, Communicates with the Empire. In: Chandrika Kaul (Hrsg.): Media and the British Empire. Basingstoke u.a. 2006, S. 190–204.

20 Vgl. Stefanie Schuschmel: Von Aachen in die Welt: Paul Julius Reuter (1816–1899). In: Paul Thomes und Peter M. Quadflieg (Hrsg.): Unternehmer in der Region – zwischen Maas und Rhein. Münster 2015, S. 132–152; Read: Power, S. 10–24.

21 Die Times wollte zuerst nicht subskribieren, weil sie ihr eigenes Korrespondentennetz in den Städten am Kontinent unterhielt und deshalb nicht auf die Dienste von Reuters angewiesen war. Doch nachdem alle anderen Londoner Zeitungen Nachrichten von Reuters erhielten, stimmte die Times schließlich doch zu. Die Nachfrage nach Zeitungen, die die Telegramme einer Nachrichtenagentur enthielten, war einfach größer, da diese Telegramme in den Augen der Zeitgenossen ein Beweis für die Bedeutung und Internationalität der Zeitung waren. Vgl. Read: Power, S. 23f.

22 Vgl. Jürg Helbling: Art. „Kommodifizierung“. In: Fernand Kreff, Eva-Maria Knoll, Andre Gingrich (Hrsg.): Lexikon der Globalisierung. Bielefeld 2011, S. 186–190.

23 Vgl. Gerald J. Baldasty: The Commercialization of News in the Nineteenth Century. Madison, Wisconsin 1992, S. 4f; Rantanen: News, S. 45f.

24 Vgl. Read: Power, S. 59.

25 Vgl. Thomas Siebold: Zur Geschichte und Struktur der Weltnachrichtenordnung. In: Reiner Steinweg und Jörg Becker (Hrsg.): Medienmacht im Nord-Süd-Konflikt: Die Neue Internationale Informationsordnung. Frankfurt a. M. 1984, S. 45–92, hier S. 63.

26 Vgl. Künzi: Telegraf, S. 107.

27 Mit diesem Begriff wurde eine Kabel-Route bezeichnet, die nur auf britischen Territorium lag, das in den Weltkarten in britischen Atlanten rot eingezeichnet wurde. Man konnte also von nun an ein Telegramm um die Welt schicken, dass auf seiner Reise ausschließlich über britisches Territorium gesendet werden würde. Vgl. Read: Power, S. 59.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Nachrichten als Handelsware zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Telegraphie im 19. Jahrhundert
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V450736
ISBN (eBook)
9783668842731
ISBN (Buch)
9783668842748
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nachrichten, handelsware, zeitungen, nachrichtenagenturen, telegraphie, reuters, Paul Julius Reuter, London, 19. Jahrhundert, Globalgeschichte, Glokalisierung
Arbeit zitieren
Katharina Wohlfart (Autor), 2018, Nachrichten als Handelsware zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Telegraphie im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450736

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