Westpapua vs. Irian-Jaya - Geschichte Westpapuas und die Folgen der indonesischen Zugehörigkeit


Seminararbeit, 2002
20 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I: Einleitung

II: Geschichte

III: Indonesische Transmigrationspolitik

IV: Umwelt: Bodenschätze, Verschmutzung und Abholzung

V: Tourismus

VI: The Free West Papua Movement. OPM (Organisesi Papua Merdeka)

VII: Menschenrechte und Flüchtlinge

VIII: Zusammenfassende Betrachtung

XI: Quellenverzeichnis

X: Anhang:
1. Auszüge aus Dokumenten der Vereinten Nationen
2. Hintergrundinformation Indonesien
3. Karten

I: Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Westpapua wobei versucht werden soll, einen generellen Überblick über die Geschichte und die Folgen der Indonesischen Zugehörigkeit zu schaffen. Die Transmigrationspolitik Indonesiens und die wirtschaftliche Ausbeutung der reichen Rohstoffvorkommen Westpapuas hat zu ethnischen, politischen, religiösen und Umweltproblemen geführt, die im Einzelnen genauer dargestellt werden sollen.

Daraus resultieren die Aktionen der Widerstandsbewegungen, u.a. auch der militanten OPM. Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wurden von beiden Seiten verübt, vor allem aber durch die repressive Politik Indonesiens. Durch die wirtschaftlich und politisch vernetzte Welt gibt es wenig internationalen Druck auf Indonesien. Seit die Allianz gegen den Terror, als Folge des 11. Septembers, Indonesien als Partner so wichtig macht, noch weniger. Das Schicksal der melanesischen Urbevölkerung stößt auf nur geringes Interesse in der Welt. Westpapua ist ein schwelender Konfliktherd der weiter eskalieren kann.

Die verwendeten Quellen sind hauptsächlich offizielle Pro- Westpapua Webseiten. Durch Miteinbeziehung von Informationen neutraler und offizieller indonesischer Quellen soll das Bild objektiviert werden.

II: Geschichte

Heute gehört West- Papua politisch zu Indonesien, allerdings ist dies eine Folge westlicher Kolonialpolitik sowie machtpolitischer Interessen im Kalten Krieg.

Das Land war von Papua- Melanesiern bevölkert, während der Eiszeit, auch mit dem australischen Kontinent verbunden, was sich anhand der Flora und Fauna beweisen lässt. Mehrere hundert verschiedene Stämme lebten auf dem Gebiet.

Die ersten Versuche europäischer Kolonisation schlugen fehl, aufgrund von Seuchen und Feindseligkeit der Indigenen. 1848 wurde Neu- Guinea zwischen Holland, die den westlichen Teil zugesprochen bekamen, Deutschland, die den Nordosten kolonisierten und England, die sich im Südosten breit machten aufgeteilt.

Während des zweiten Weltkriegs marschierten die Japaner in Westpapua ein. Nach Ende des Krieges 1945 erklärte das überwiegend muslimische Indonesien seine Unabhängigkeit von den Niederlanden und beanspruchte Westpapua, Ost- Timor, Sarawak, Brunei und Nord Borneo als ihr Nationalgebiet. 1949 erreichte Indonesien die volle Unabhängigkeit von Holland, der Status von Westpapua war nach wie vor nicht eindeutig geklärt. In einer Charta die Holland 1957 mit Australien aushandelte, heißt es u.a.: „The territories of Netherlands New Guinea, the Australian Trust Territory of New Guinea and Papua , are geographically and ethnically related and future development of their respective populations must benefit from co-operation in policy and administration.”[1] Dieses Dokument wurde allerdings nie unterschrieben.

1961 wurde ein Westpapua Rat gewählt, eine Nationalhymne komponiert und eine Flagge entworfen. Die Unabhängigkeit wurde für 1970 geplant. Indonesien intervenierte indem sie Guerillasoldaten als Vortrupp einer größeren Militärstreitkraft sandten. Ein Krieg zwischen Indonesien und den ehemaligen Kolonialherren Westpapuas, den Holländern, stand kurz bevor, bis die USA sich einmischten, da sie befürchteten die Indonesier könnten sich auf die Seite der Russen schlagen.[2] Auf Druck von Präsident Kennedy gaben Holland und Australien ihre Unabhängigkeitsbemühungen für Westpapua auf, stattdessen wurde es den Indonesiern versprochen. Am 1. Oktober 1962 übergeben die Holländer die Autorität an die Vereinten Nationen, die eine Abstimmung den sogenannten „Act of Free Choice“ planten, bei der die Einheimischen entscheiden sollten ob sie unabhängig sein, oder zu Indonesien gehören wollen. Der holländische Premierminister sagte später: “We were forced into it against our will and against everything we honour. The Netherlands could not count on the support of its allies and for that reason we had to sign."[3]

Es handelt sich hierbei schlicht um machtpolitische Abwägungen, ein Zitat eines Mitglieds des UN Sicherheitsrates wird dies, sowie die ethnozentrische Sichtweise verdeutlichen: "We must sell them (Australia) the proposition that a pro-Bloc (if not Communist) Indonesia is an entirely greater threat to them (and us) than Indonesian possession of a few thousand square miles of cannibal land."[4]

Westpapua wurde im Zuge “höherer Interessen” geopfert. Die Zukunft der melanesischen Urbevölkerung wurde in die Hände der indonesischen Regierung gelegt. Daraufhin wurde alles was mit der Unabhängigkeitsbewegung, wie die Flagge oder das Singen der Nationalhymne sowie dem Rat, zu tun hatte, verboten bzw. zerstört.

Aufstände die nun aufkamen wurden militärisch zurückgeschlagen. In dieser Zeit wurde auch die Widerstandsbewegung OPM gegründet, die als Ziel die Unabhängigkeit Westpapuas hat.

Durch die expansionistische Politik der Indonesischen Regierung[5] wurde auch das Schicksal von Westpapua aufmerksamer von den Vereinten Nationen beobachtet. Schließlich wurde 1969 der „Act of Free Choice“ ausgeführt, allerdings nicht von der UN (unter deren Verwaltung Westpapua stand), sondern die Indonesischen Regierung organisierte und führte die Wahl durch. Die knapp über 1000 Delegierten die wählen durften (es wurde nicht das geforderte „one man one vote“ System benutzt), waren ausschließlich männlich und wurden laut Pro Westpapua Quellen von der Regierung unter Druck gesetzt. Diese bestreitet die Vorwürfe und sagt das die Wahl gemäß indonesischer Praxis und nach Absprache mit der UN vollkommen legal abgelaufen ist, und sich schlicht die Mehrheit der Repräsentanten für ein Verbleiben bei Indonesien entschieden hat.[6] Obwohl viele Einwohner Westpapuas diese Wahl nie akzeptierten, gehörte von nun an Westpapua offiziell zu Indonesien. Die USA und der mächtige Freeport Konzern[7] begrüßten die Wahlentscheidung.

1973 wurde Westpapua wieder in Irian Jaya umbenannt, der Name wird jedoch von den Befürwortern der Unabhängigkeit abgelehnt, die den Namen Westpapua benutzten.

1975 wurde Papua- Neuguinea unabhängig, einige Wochen später marschierten die Indonesier in Ost- Timor ein und verleibten sich deren Territorien ein. Die UN hat diese gewaltsamen Annexion bis heute nicht akzeptiert, aber die freie Welt war offenbar nicht in der Lage zu intervenieren. Viele westliche Länder gehen Verträge mit Indonesien ein um die Bodenschätze auszubeuten. Bis heute hält die Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung durch die indonesische Regierung an. Durch die aggressive Transmigrationspolitik werden die Indigenen zur Minderheit im eigenen Land. Bei der Ausbeutung der Bodenschätze wird wenig Rücksicht auf die Lokalbevölkerung und die Umwelt genommen.

III: Indonesische Transmigrationspolitik

Seit Jahren betreibt die indonesische Regierung eine aktive Transmigrationspolitik, die staatlichen Programme haben bereits mehr als sechs Millionen Indonesier (ca. 800 000 davon nach Westpapua) die hauptsächlich muslimisch sind, von den dicht besiedelten Inseln Java und Sulawesi auf die dünn besiedelten Randinseln umgesiedelt. Auf der folgenden Karte ist gut zu sehen welche Gegenden durch Indonesier besiedelt wurden und von wo sie hauptsächlich kommen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[8]

Die Urbevölkerung Westpapuas besteht ethnisch hauptsächlich aus Melanesiern, die zugezogenen sind jedoch zum Großteil Malaien. Hinzu kommen die religiösen Unterschiede (Muslime vs. Christen/ Animisten), die zu Spannungen führen. Wie am Beispiel von Ost- Timor zu sehen ist, können solche religiösen Differenzen zu blutigen Auseinandersetzungen führen.

Der Migrationsprozess wird allerdings nicht nur durch die staatlichen Programme gefördert, sondern auch durch spontane Migration, z.B. Menschen die in der florierenden Bergbauwirtschaft Arbeit suchen. Durch die Flut an Arbeitskräften sinken die Chancen der Lokalbevölkerung, am Bodenreichtum zu partizipieren. Da immer neue Konzessionen erteilt werden, und die indonesische Regierung durch billiges Land und staatlichen Druck den Transmigrationsprozess weiter fördert, werden die Einheimischen zur Minderheit im eigenen Land. Waldbewohner verlieren ihre angestammten Gebiete durch Abholzung oder Bergbauprojekte. Auch diese Bergbewohner werden durch Projekte ermutigt umzusiedeln. Sie bekommen ein kleines Stück Land in wirtschaftlich uninteressanten Gebieten, die meist tiefer gelegen sind, wodurch das Problem der Malaria bei diesen Volksstämmen erst aufkommt, und teilweise viele Opfer fordert.

Ein weiteres wichtiges Ziel der indonesischen Politik ist durch die Vermischung der Ethnien ein Nationalgefühl zu entwickeln. Aus vielen verschiedenen Völkern soll ein einziges indonesisches werden. Dies steht im Widerspruch zu dem von der Regierung proklamierten „Unity in diversion“. Aus offizieller Sicht profitieren die Indigenen von der Migration, denn sie können von den Menschen aus Java lernen. Die nationalstaatlichen Interessen sind wichtiger als die Rechte der Urbevölkerung. So heißt es in einem Gesetz:

"The rights of traditional law communiti es may not be allowed to stand in the way of transmigration sites"[9]

Abgesehen davon, dass die Urbevölkerung kein Recht hat ihr Land zu behalten, wird ihnen oft nur wenig oder gar nichts als Entschädigung angeboten. Ein Beispiel aus der Gegend von Jayapura: "the local people have received no compensation for any of the land which they have been obliged to relinquish. Furthermore, if they resist the demand for their land, they are labeled OPM, which means future military harassment and abuse". [10]

Die Vertriebenen haben offiziell kein Recht auf Entschädigung, sondern nur auf ein sognanntes “certificate of recognition of right”. Das bedeutet, dass man mit nichts oder mit etwas ohne materiellen Wert abgespeist werden kann.[11]

Viele der Urbevölkerung Westpapuas leiden unter den Folgen der Transmigration, ihre Menschenrechte werden mit Füssen getreten. Allerdings ermöglicht die Umsiedlung für viele Migranten eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie kommen meist aus hoffnungslos überbevölkerten Landstrichen in den neuen Siedlungsgebieten lockt eigenes Land und Arbeit.

Seit 1950 wurden 6.2 Millonen Menschen durch die staatlichen Programme umgesiedelt. Meist aus den stark überbevölkerten Regionen Java, Bali, Madura und Lombok, zu bisher schwach entwickelten, Inseln wie Westpapua, Sulawesi oder Kalimantan (früher auch Sumatra).

[...]


[1] http://www.converge.org.nz/wpapua/history.html

[2] 1962 war die heiße Phase des kalten Krieges, und die Russen hatten gerade einen großen Waffendeal mit Indonesien geschlossen, den die USA mit einer Lieferung ihrerseits toppten.

[3] http://www.converge.org.nz/wpapua/history.html

[4] http://www.converge.org.nz/wpapua/history.html

[5] 1964 versuchte Indonesien in Malaysia einzumaschieren

[6] vgl.: http://www.dfa-deplu.go.id/policy/view/irianjaya/irja_eng.htm und

http://www.dfa-deplu.go.id/policy/view/irianjaya/irian190601.htm

[7] vor einigen Jahren wurde dem Konzern die Konzessionen zur Ausbeutung der Bodenschätze zugesprochen. Er ist der größte Steuerzahler

[8] http://www.cs.utexas.edu/users/cline/papua/transmigration.htm

[9] http://www.cs.utexas.edu/users/cline/papua/transmigration.htm

[10] http://www.cs.utexas.edu/users/cline/papua/transmigration.htm

[11] vgl. http://www.cs.utexas.edu/users/cline/papua/transmigration.htm

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Westpapua vs. Irian-Jaya - Geschichte Westpapuas und die Folgen der indonesischen Zugehörigkeit
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
PS: Kulturen in Ozeanien: Papua- Neuguinea
Note
2,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V45081
ISBN (eBook)
9783638425520
ISBN (Buch)
9783638878562
Dateigröße
1007 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Westpapua, Irian-Jaya, Geschichte, Westpapuas, Folgen, Zugehörigkeit, Kulturen, Ozeanien, Papua-, Neuguinea
Arbeit zitieren
Dominque Buchmann (Autor), 2002, Westpapua vs. Irian-Jaya - Geschichte Westpapuas und die Folgen der indonesischen Zugehörigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45081

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