Die Europäische Union ist in den letzten Jahrzehnten sehr erfolgreich gewesen. Man hat es gemeinschaftlich geschafft, einen Kontinent, welcher von Kriegen geprägt war, zu einem Kontinent des Friedens zu errichten. Außerdem hat man den europäischen Binnenmarkt zum größten Binnenmarkt der Welt herangezogen. Aus diesen Gründen ist das Wissen über die europäische Integration von besonderer Bedeutung. Nun ist es aber bedauerlicherweise so, dass es innerhalb der Europäischen Union viele Spannungsverhältnisse gibt, welche dazu beitragen, dass das erfolgreiche politische Agieren Europas gefährdet ist. Beispielsweise befindet sich Großbritannien in einer Austrittsphase aus der Europäischen Union, weil die Briten nicht zu viele Kompetenzen an die EU übertragen möchten. Außerdem kurbelt die aktuelle Flüchtlingsdebatte die Forderung nach einer Stärkung von Nationalstaaten an - gerade in osteuropäischen Staaten. Man möchte sich nämlich nicht alles von der Europäischen Union diktieren lassen. Auch die Griechenland-Krise trägt dazu bei, dass die Forderungen zur Rückkehr nationalstaatlicher Prinzipien immer mehr werden. Deswegen stellt sich nun folgende Frage: Braucht die Europäische Union eine Stärkung von Nationalstaaten, um politisch Agieren zu können?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Forschungsfrage und Materialauswahl
2. Begriffliches - Definition und Einordnung
2.1 Europa
2.2 Die Europäische Union
2.3 Nationalstaat
3. Hauptteil
3.1 Die Debatte zwischen Wolfgang Streeck und Jürgen Habermas
3.1.1 Die Position von Streeck
3.1.2 Die Position von Habermas
3.1.3 Vergleich der Positionen
3.2 Pro und Contra
3.2.1 Abwägung der gegenseitigen Argumente
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen europäischer Integration und nationalstaatlicher Souveränität. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob die Europäische Union eine Stärkung von Nationalstaaten benötigt, um politisch agieren zu können, wobei insbesondere die kontroverse Debatte zwischen Wolfgang Streeck und Jürgen Habermas analysiert wird.
- Analyse der Debatte zwischen Wolfgang Streeck und Jürgen Habermas über die Zukunft der EU.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Kapitalismus, Demokratie und europäischer Integration.
- Gegenüberstellung von Argumenten für eine Rückkehr nationalstaatlicher Prinzipien und einer Vertiefung der europäischen Einigung.
- Bewertung der Handlungsfähigkeit der EU in einer globalisierten Welt.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die Position von Habermas
Es ist allgemein bekannt, dass Jürgen Habermas, spätestens seit des Beginns der europäischen Krise, ein Befürworter der vertieften europäischen Integration bzw. des europäischen Einigungs- und Fortschrittsprozesses ist (vgl. Meyer 2013). Die Rettung und Erhaltung dieser Gemeinschaft stehen für ihn im Vordergrund (vgl. ebd.). Das stört Streeck anscheinend sehr: „Wie kann es sein, dass jemand wie Jürgen Habermas uns rät, an einem derartig monströsen Gebilde festzuhalten, dem selbst dessen treueste ökonomische Parteigänger nur dann eine Überlebenschance einräumen, wenn es durch „Reformen“ noch monströser würde?“ (Streeck 2013: S. 75-92). Dieses Zitat zeigt aber auch, dass Habermas die Fehler der Europäischen Union erkennt, hierfür aber auch Reformen fordert, damit diese erfolgreich korrigiert werden können.
In seiner Antwort auf die Äußerungen von Wolfgang Streeck versucht Habermas die Argumente auf das Europathema zu reduzieren (vgl. ebd.).
Habermas beschäftigt sich mit der Frage, wie die Nationalstaaten - im Falle einer Rückführung verschiedener Kompetenzen auf die nationalstaatliche Ebene - die erforderliche politische Handlungskompetenz erreichen möchten, um sich in einer modernen und globalisierten Welt durchsetzen zu können (vgl. Habermas 2013; Meyer 2013). Viel zu kompliziert sei die politische Umgebung der Europäischen Union, als dass einzelne Nationalstaaten die EU erfolgreich ersetzen könnten: „Offensichtlich reicht die politische Handlungsfähigkeit von Nationalstaaten, die über ihre längst ausgehöhlte Souveränität eifersüchtig wachen, nicht aus, um sich den Imperativen eines überdimensional aufgeblähten und dysfunktionalen Bankensektors zu entziehen. (Habermas 2013: S. 59-70).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung - Forschungsfrage und Materialauswahl: Vorstellung des Themas, der Relevanz und der zentralen Forschungsfrage zur Stärkung der Nationalstaaten in der EU.
2. Begriffliches - Definition und Einordnung: Klärung der Grundbegriffe Europa, Europäische Union und Nationalstaat als Basis für die weitere Analyse.
3. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der Debatte zwischen Streeck und Habermas sowie eine systematische Pro- und Contra-Erörterung zur Stärkung der Nationalstaaten.
4. Fazit und Ausblick: Resümee der Ergebnisse, das gegen eine Stärkung der Nationalstaaten und für eine Vertiefung der Integration plädiert.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Nationalstaat, Europäische Integration, Wolfgang Streeck, Jürgen Habermas, Politische Handlungsfähigkeit, Globalisierung, Demokratiedefizit, Souveränität, Europäische Währungsunion, Wertegemeinschaft, Politische Debatte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Debatte darüber, ob die Europäische Union zugunsten der Handlungsfähigkeit gestärkt werden sollte oder ob eine Rückkehr zu nationalstaatlichen Prinzipien notwendig ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die europäische Integration, die Krise des demokratischen Kapitalismus, nationale Souveränität und die Stabilität der Europäischen Union.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Braucht die Europäische Union eine Stärkung von Nationalstaaten, um politisch agieren zu können?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diskursanalytische Untersuchung durchgeführt, die die Argumente von Wolfgang Streeck und Jürgen Habermas gegenüberstellt und kritisch erörtert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die kontroversen Positionen von Streeck und Habermas sowie eine anschließende Pro- und Contra-Debatte zur Rolle des Nationalstaates.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hauptbegriffe sind Europäische Union, Nationalstaat, Integration, Souveränität und politische Handlungsfähigkeit.
Warum spielt die Globalisierung eine wichtige Rolle in der Debatte?
Die Globalisierung dient Habermas als Hauptargument, warum einzelne Nationalstaaten in einer modernen Welt zu schwach sind und ein kollektives Vorgehen in der EU zwingend erforderlich ist.
Wie bewertet der Autor die Forderung nach Rückkehr zur nationalen Währung?
Der Autor ordnet diese Forderung als Rückschritt ein und betont die Vorteile der gemeinsamen Währung und des Binnenmarktes für den Wohlstand der Bürger.
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- Mahmud Tunc (Author), 2018, Die Stärkung von Nationalstaaten für das politische Agieren der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450886