Der Prinzipal-Agenten-Ansatz. Anreizsysteme zur Senkung des Delegationsrisikos


Diplomarbeit, 2005
43 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Aufbau und Ziel der Arbeit

2. Problemstellung

3. Der Prinzipal-Agenten-Ansatz
3.1 Die Prinzipal-Agenten-Beziehung
3.2 Annahmen
3.2.1 Verhaltensannahmen
3.2.2 Umweltannahmen
3.3 Das Problem der Informationsasymmetrie
3.4 Agency-Kosten

4. Instrumente zur Reduzierung von Agency-Problemen
4.1 Direkte Verhaltenssteuerung
4.2 Verbesserung des Informationssystems
4.2 Beteiligung des Agenten am Ergebnis

5. Anreize und Anreizsysteme
5.1 Bedeutung von Anreizen
5.2 Anreizarten
5.3 Basiselemente eines Anreizsystems
5.4 Anforderungen und Ausgestaltungsprinzipien von
Anreizsystemen
5.4.1 Intersubjektive Verifizierbarkeit
5.4.2 Transparenz und Akzeptanz von Anreizsystemen
5.4.3 Verantwortlichkeit und Vollständigkeit
5.4.4 Anreizkompatibilität, Zielkonsistenz, Kongruenz und paretoeffiziente Risikoteilung

6. Anreizsysteme zur Senkung des Delegationsrisikos..
6.1 Anreizsystem bei hidden action
6.2 Anreizsystem bei hidden information
6.3 Anreizsystem bei hidden characteristics

7. Kritische Würdigung ..
7.1 Kritische Würdigung der vorgestellten Anreizsysteme
7.1.1 Intersubjektive Verifizierbarkeit
7.1.2 Transparenz und Akzeptanz von Anreizsystemen
7.1.3 Verantwortlichkeit und Vollständigkeit
7.1.4 Anreizkompatibilität, Zielkonsistenz, Kongruenz und paretoeffiziente Risikoteilung
7.2 Kritische Würdigung des Prinzipal-Agenten-Ansatzes

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Klassifikation verschiedener Vertragsbeziehungen mit asymmetrischer Information

Abb. 2: Zusammenhang zwischen Anreiz-Systemen und Leistung

Abb. 3: Materielle und immaterielle Anreize

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Aufbau und Ziel der Arbeit

Das Anliegen dieser Arbeit ist es, dem Leser einen Einblick in die neoinstitutionale Prinzipal-Agenten-Theorie zu verschaffen. Der Prinzipal-Agenten-Ansatz hat aufgrund seiner universellen Anwendbarkeit ein weitreichendes Anwendungsgebiet erobert, da Prinzipal-Agenten-Probleme Bestandteil fast jeder vertraglicher Transaktion sind. So findet der Ansatz z. B. Anwendung in der Finanzierungstheorie, in der aus der Perspektive der Prinzipal-Agenten-Theorie die Gestaltung optimaler Gesellschafts- und Kreditverträge behandelt werden. Aber auch Grundfragen der Theorie der Unternehmung (Effizienz von Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht) sowie der Unternehmensverfassung lassen sich aus agencytheoretischer Sicht diskutieren, die jedoch nicht Gegenstand dieser Arbeit sein sollen. Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Darlegung von Problemen, die bei der Delegation von Aufgaben und Entscheidungen entstehen sowie der Vorstellung agencytheoretischer Überlegungen zur Lösung dieser Probleme durch den Einsatz optimaler Anreizsysteme.

Im 2. Kapitel wird der Leser zunächst in die Problematik des Delegationsrisikos eingeführt. Anschließend beschreibt Kapitel 3 den theoretischen Rahmen, in dem die Delegationsproblematik behandelt werden soll, bevor im 4. Kapitel Instrumente zur Lösung herausgestellter Probleme aufgezeigt werden. Kapitel 5 befasst sich mit Anreizen und Anreizsystemen und gibt einen Überblick über Bedeutung, Wirkung und Arten von Anreizen, sowie über Basiselemente und Anforderungen von Anreizsystemen. In Kapitel 6 werden drei ausgewählte Anreizsysteme erläutert. In der Literatur lässt sich eine Vielzahl verschiedenartiger Anreizsysteme zur Lösung von Delegations-problemen finden. Diese Arbeit beschränkt sich auf eine kleine Auswahl dieser Anreizsysteme und konzentriert sich hierbei ausschließlich auf finanzielle Anreizsysteme in einer zweistufigen Beziehung zwischen einem Prinzipal und einem Agenten.[1] Das 7. Kapitel dient einer kritischen Würdigung der vorgestellten Anreizsysteme sowie des Prinzipal-Agenten-Ansatzes selbst.

2. Problemstellung

„Bei der wissenschaftlichen und praktischen Auseinandersetzung mit zielorientierten arbeitsteiligen Systemen kommt der Steuerung des individuellen Handelns zwangsläufig eine große Bedeutung zu.“[2] Ob in Organisationen oder in anderweitigen Kooperationsbeziehungen zwischen zwei oder mehreren Personen, stets fallen im Rahmen der Tätigkeiten von Personen neben der Aufgabenverrichtung auch Entscheidungen an, die diese zu treffen haben, wenngleich sich der Entscheidungsspielraum der jeweiligen Personen stark von dem anderer Personen (wie etwa dem Vorgesetzen) unterscheiden kann. Delegationen sind daher in der betriebwirtschaftlichen Praxis allgegenwärtig. Der Delegationsbegriff „umschreibt die Schaffung und (..) Weitergabe von Entscheidungs-, Anordnungs- und Kontrollaufgaben bzw. entsprechender -kompetenzen und -verantwortung im Beziehungs-/Aufgabenfeld ‚ Vorgesetzter’ und ‚Mitarbeiter’. Hierbei stehen die einzelnen Delegationsempfänger (..) sowie der Umfang, Inhalt und die Absicherung des delegierten Handlungsspielraums im Vordergrund.“[3] Die im Rahmen einer delegierten Aufgabe zu treffenden Entscheidungen beeinflussen in unterschiedlicher Weise das Gesamtergebnis der Organisation oder der Kooperation. Die Einzelentscheidungen müssen jeweils so koordiniert werden, dass sie in Richtung auf das Gesamtziel zusammenwirken. Dies kann in Form sog. Verhaltensnormen (Regelungen) erfolgen, an die sich die Entscheidungsträger zu richten haben. Allerdings sind Regelungen nicht immer für jede Eventualität formulierbar und hängen zudem im starken Maße von den Fähigkeiten und dem Informationsstand, nicht zuletzt aber auch von der Motivation des Entscheidungsträgers ab, diese auch zu befolgen. Insbesondere bei Delegation von komplexen Entscheidungen besteht die Gefahr, dass der Entscheidungsträger aufgrund mangelnder Motivation nicht im Sinne des Delegierenden handelt und es aufgrund dessen zu einem schlechten Ergebnis durch Fehlentscheidungen kommt. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger der Delegierende die Möglichkeit zur Kontrolle und Beurteilungsfähigkeit besitzt. Je schwieriger bzw. teurer die Kontrolle des Entscheidungsträgers ist, desto mehr gewinnen positive Anreize an Bedeutung, die dazu führen können, den Entscheidungsträger dergestalt zu motivieren, dass dieser z. B. durch Aussicht auf Belohnungen die relevanten Verhaltensnormen im eigenen Interesse befolgt und somit Ergebnisse erzielt, die im Sinne des Delegierenden sind und darüber hinaus zur Senkung von Kontrollbedarf und Kontrollkosten führen.[4]

Im Mittelpunkt des Interesses dieser Arbeit steht daher die Frage, wie optimale Anreizsysteme ausgestaltet sein müssen, damit der Entscheidungsträger im Sinne des Delegierenden handelt und gleichzeitig der Erfolg der Aufgabendurchführung abzüglich der damit verbundenen Entlohnung des Agenten maximal wird.

3. Der Prinzipal-Agenten-Ansatz

3.1 Die Prinzipal-Agenten-Beziehung

„Organizations are simply legal fictions which serve as a nexus for a set of contracting relationchips among individuals.“[5] „In einer Welt begrenzter Ressourcen muss [daher] jedes Wirtschaftssubjekt seine ökonomischen Handlungen mit denen der anderen Wirtschaftssubjekte abstimmen. Dabei können Konflikte auftreten, die aber vermieden werden, wenn sich die Wirtschaftssubjekte auf Regeln über den Abstimmungsprozess geeinigt haben, ehe sie handeln. Diese Regelsysteme bilden den Forschungsgegenstand der neuen Institutionenökonomik.“[6] Der Prinzipal-Agenten-Ansatz ist die heute am stärksten beachtete Theorielinie der NIÖ[7], in dessen Mittelpunkt die vertragliche Gestaltung von Delegationsbeziehungen zwischen einem Auftraggeber (Prinzipal) und einem Auftragnehmer (Agent) steht. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen überträgt der Prinzipal zur Realisierung seiner Interessen auf Basis eines Vertrages dem Agenten bestimmte Aufgaben und Entscheidungskompetenzen, für dessen Leistung dieser eine Vergütung erhält.[8] (Typische Prinzipal-Agent-Beziehungen sind z. B. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Vorstand und Aktionär, Arzt und Patient, etc.) Die Delegation von Aufgaben an einen Agenten, bei denen vom Wissensvorsprung oder der spezialisierten Arbeitskraft des Agenten Gebrauch gemacht werden kann, bringen dem Prinzipal Produktionskostenvorteile.[9] Allerdings ist aus Sicht des Prinzipals die Inanspruchnahme des Wissensvorsprungs oder der spezialisierten Arbeitskraft des Agenten mit Risiken verbunden, da der Agent i. d. R. innerhalb der Delegationsbeziehung versuchen wird, seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Der Prinzipal muss mit Leistungszurückhaltung, Betrug, Täuschung und einer eigeninteressierten Vertragsauslegung seitens des Agenten rechnen,[10] so dass sich für den Prinzipal das Problem ergibt, wie vertraglich sichergestellt werden kann, dass der Agent auch im Interesse des Prinzipals handelt.

Die Agency-Theorie[11] geht davon aus, dass nicht sämtliche Modalitäten einer Auftragsbeziehung vertraglich festgehalten werden können, hinsichtlich einzelner Bestandteile also immer wieder Vertragslücken entstehen können, die sich nachteilig auf die Delegationsbeziehung auswirken können. Eine präzise Vertragsgestaltung ist aufgrund unvollständiger Informationen und Unsicherheit im Hinblick auf zukünftige Umstände kaum möglich, zudem mit hohem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Vor dem Hintergrund sog. unvollständiger Verträge versucht die Agency-Theorie eine vertragliche Gestaltung von Auftragsbeziehungen zwischen Prinzipal und Agent unter Berücksichtigung asymmetrisch verteilter Information, Unsicherheit über zukünftige Umstände und der unterschiedlichen Risikoneigung der Beteiligten zu untersuchen, sowie Maßnahmen zur effizienten Handhabung von aus der Delegationsbeziehung resultierenden Problemen zu finden.[12] „Ziel der Agency-Überlegungen ist es, nach einer optimalen institutionellen Ausgestaltung der Agency-Beziehung zu suchen. Dabei ist zum einen ein Anreizsystem für den Agenten zu finden, das unter Ausnutzung seines Eigeninteresses Entscheidungen sicherstellen soll, die sich möglichst weitgehend mit den Interessen des Principals decken. Zum anderen ist ein Überwachungssystem einzurichten, das dem Principal jenseits der reinen Ergebnisbeobachtung eine mittelbare Prüfung und Kontrolle der Anstrengungen des Agenten ermöglicht.“[13]

3.2 Annahmen

Bei der Analyse von Prinzipal-Agent-Beziehungen wird von folgenden Annahmen ausgegangen:

3.2.1 Verhaltensannahmen

Die individuelle Nutzenmaximierung bildet den Schwerpunkt der agencytheoretischen Verhaltensannahmen. Das Verhalten der Akteure ist abhängig von persönlichen Präferenzen und dem eigenen Nutzenkalkül. Dabei ist der individuelle Nutzen sowohl von monetären Zielen wie z. B. Gehalt und Prämien als auch von nicht-monetären Zielen wie z. B. Karriere, Macht und Prestige geprägt. Zudem wird unterstellt, dass der Hang zum Opportunismus auch zur Anwendung von Arglist, Betrug, Täuschung und Schädigung des Prinzipals führt und sich hieraus Konsequenzen in Bezug auf das Leistungsverhalten des Agenten ergeben. Leistungszurückhaltung und eigeninteressierte Vertragsauslegung seien hier als Beispiel für opportunistische Verhaltensweisen genannt. Darüber wird von einer begrenzten Rationalität der Akteure ausgegangen. Unter begrenzten Rationalität ist zu verstehen, dass Wirtschaftssubjekte den Willen zu rationalen Handlungen haben, dafür aber nicht über ausreichende Informationen verfügen, was zum einen auf Mängel der Informationverarbeitungskapiazität des Menschenverstandes und zum anderen auf kommunikative Verständigungsprobleme, deren Ursache in den physischen und verbalen Grenzen des Menschen liegt, zurückzuführen ist.[14]

Weiterhin wird den Partnern einer Prinzipal-Agent-Beziehung eine unterschiedliche Risikoneigung eingeräumt. Sofern diese zwischen den Partnern abweicht, ist die institutionale Gestaltung der Beziehung dann auch unter dem Aspekt der effizienten Risikoallokation zu untersuchen.[15]

3.2.2 Umweltannahmen

Auf der Grundlage verschiedener Koordinations- und Motivationsprobleme lassen sich im Rahmen der Prinzipal-Agent-Theorie drei Informationsprobleme als Umweltbedingungen unterscheiden:[16]

- Adverse selection

Das Problem bei Adverse selection liegt in dem vorvertraglichen Informationsmangel des Prinzipals über Eigenschaften des Agenten oder dessen angebotener Leistung. Die ex ante mangelnde Kenntnis birgt für den Prinzipal die Gefahr der unerwünschten Auswahl (Adverse selection), da Agenten mit schlechten und unterdurchschnittlichen Eigenschaften diese zu verheimlichen wissen, währenddessen Agenten mit guten Eigenschaften diese nicht offenbaren können.

- Moral hazard

Dagegen liegt bei Moral hazard Informationsasymmetrie dergestalt vor, dass diese erst im Laufe einer Prinzipal-Agent-Beziehung zum Vorschein tritt. Hier liegt das Informationsproblem des Prinzipals in der mangelnden Beobachtbarkeit der Handlungen des Agenten bzw. in einem Mangel an Beurteilungsfähigkeit derer Handlungsalternativen. Der Prinzipal hat zwar Kenntnis vom Handlungsergebnis, weiß jedoch nicht, wie dieses zustande gekommen ist, d. h. ob dieses auf Anstrengungen des Agenten oder auf exogene Faktoren zurückzuführen ist. Mit Moral hazard wird die Gefahr der opportunistischen Ausnutzung dieses Infomrationsnachteils des Prinzipals durch den Agenten bezeichnet. Moral hazard ist ein im Rahmen von Auftragsbeziehungen und Entscheidungsdelegation häufig auftretendes Problem.

- Hold up

„Übersetzt bedeutet ‚holdup’ Überfall und bezeichnet eine Situation, in der das gewollte Verhalten eines Individuums deutlich zu Tage tritt und einem anderen Schaden zufügt.“[17] Hier liegt zwischen Prinzipal und Agent ein Vertragsproblem dergestalt vor, dass der Agent noch einen (juristischen) Freiraum für die tatsächliche Ausgestaltung der vertraglich vereinbarten Leistung hat, der auf ex ante unpräzise oder gar nicht geregelte Modalitäten des Vertrages zurückzuführen ist. Die Leistung des Agenten kann von diesem daher willentlich gestaltet werden. Daher kommt es darauf an, ob dieser sich kooperativ im Sinne des Prinzipals verhält oder die Vertragslücken zum Nachteil des Prinzipals ausnutzt, wobei hier das willentliche Verhalten des Agenten nicht verborgen bleibt, sondern offen zu Tage tritt.[18]

3.3 Das Problem der Informationsasymmetrie

Verhaltensmerkmale einer Person, die diese zwar selbst kennt, aber anderen potenziellen Partnern gegenüber zu Beginn einer Vertragsbeziehung verdeckt sind oder ihnen sogar auf Dauer verborgen bleiben, stellen für den Prinzipal einen Unsicherheitsfaktor dar, der als Hauptursache für das Entstehen asymmetrischer Information anzusehen ist.[19] Interessenskonflikte und asymmetrische Informationsverteilung zwischen Prinzipal und Agent sind ursächlich für die sog. Agenturprobleme. Sie eröffnen dem Agenten diskretionäre Handlungsspielräume, die dieser aufgrund der Unbeobachtbarkeit seines Handelns zu seinem eigenen Vorteil und zum Nachteil des Prinzipals ausnutzen kann. Der Prinzipal ist daher dazu angehalten, sein Informationsdefizit bei der Vertragsgestaltung zu berücksichtigen.[20] Hinsichtlich der Ursachen von asymmetrischer Information lassen sich drei Grundtypen unterscheiden: hidden characteristics, hidden information und hidden action. Auch wenn diese drei Formen des Informationsdefizits in der Realität nicht selten gleichzeitig auftreten, sollen sie an dieser Stelle isoliert voneinander betrachtet werden, um das spezifische Problem des Prinzipals bei der Vertragsgestaltung in Abhängigkeit der jeweiligen Form der Informationsasymmetrie genau darzulegen.

- hidden action

Mit hidden action wird die Informationsasymmetrie aufgrund verborgener Handlungen des Agenten bezeichnet. Sie ist endogen in dem Sinne, dass sie sich auf die Verhaltensweise des Agenten nach Vertragsabschluss bezieht. Die vom Prinzipal dem Agenten übertragene Aufgabe kann vom Prinzipal nur hinsichtlich des Handlungsergebnisses beobachtet werden. Die vom Agent zur Erreichung des Ergebnisses durchgeführten Aktivitäten entziehen sich der Beobachtbarkeit und Beurteilungsfähigkeit des Prinzipals.[21] Da das Handlungsergebnis nicht allein auf den sog. „effort“ des Agent zurückzuführen sind, sondern auch von exogenen Einflussfaktoren abhängig ist, kann der Prinzipal keine Rückschlüsse auf die Handlungsweise des Agent ziehen. Der Agent kann die Handlungsspielräume entsprechend seinem Eigeninteresse ausnutzen. Für den Prinzipal ergibt sich die Gefahr des schon im vorigen Kapitel angesprochenen Vertragsproblems des Moral hazard.

- hidden characteristics

Mit hidden characteristics wird eine weitere Form der Informationsasymmetrie bezeichnet, bei der eine Situation vor Vertragsabschluss oder zwischen Vertragabschluss und Beginn der Auftragserfüllung vorliegt, in der der Agent über Informationen verfügt, die dem Prinzipal gar nicht oder nicht kostenlos zur Verfügung stehen. Das Wissen des Agenten über dessen (schlechte) Eigenschaften, wie z. B. Arbeitsaversion, können zu Lasten des Prinzipals gehen und bergen für diesen das Risiko der im vorigen Kapitel erläuterten Adverse selection, da der Agent bereits bei Aushandlung der Konditionen seinem Eigeninteresse durch eine unrealistische Selbstdarstellung Geltung zu verschaffen vermag.[22] Dem Prinzipal bieten sich auch hier entsprechende Möglichkeiten einer geeigneten Vertragsgestaltung. Er könnte z. B. dem Agenten verschiedene Verträge anbieten in der Erwartung, dass unterschiedliche Agenten unterschiedliche Verträge auswählen und hierbei ihre privaten Informationen (Eigenschaften) offenbaren. Diese Form der Vertragsgestaltung wird auch als Screening bezeichnet.[23] Im weiteren Verlauf der Arbeit soll noch konkret auf Möglichkeiten einer optimalen Vertragsgestaltung bei hidden characteristics eingegangen werden (siehe hierzu Kapitel 6.3).

[...]


[1] Zu mehrstufigen Modellansätzen vgl. Peterson 1989, Meyer 1992.

[2] Frese 1992a, S. 215.

[3] Steinle 1992, S. 501.

[4] Vgl. Laux 1990, S. 2.

[5] Jensen/Meckling 1976, S. 310.

[6] Grosse 2005, S. 96.

[7] Vgl. Schreyögg 2003, S. 81.

[8] Vgl. Kieser/Walgenbach 2004, S. 49.

[9] Vgl. Kieser/Walgenbach 2004, S. 50.

[10] Vgl. Kieser/Walgenbach 2004. S. 50.

[11] Neben dem Begriff des Prinzipal-Agenten-Ansatzes lassen sich in der Literatur mit

synonymer Verwendung auch die Begriffe Agenturtheorie, Agency-Theory und Agency-

Theorie finden.

[12] Vgl. Ebers/Gotsch 2002, S. 209.

[13] Elschen 1988, S. 249.

[14] Vgl. Picot/Dietl/Franck 2002, S. 70.

[15] Vgl. Picot/Dietl/Franck 2002, S. 88.

[16] Vgl. Picot/Dietl/Franck 2002. S. 88ff.

[17] Spremann 1990, S. 568.

[18] Vgl. Spremann 1990, S. 569.

[19] Vgl. Spremann 1990, S. 562.

[20] Vgl. Jost 2001, S. 25.

[21] Vgl. Holmström 1979, S. 74.

[22] Vgl. Ebers/Gotsch 2002, S. 213.

[23] Vgl. Jost 2001, S. 28f.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Der Prinzipal-Agenten-Ansatz. Anreizsysteme zur Senkung des Delegationsrisikos
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
43
Katalognummer
V45098
ISBN (eBook)
9783638425667
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prinzipal-Agenten-Ansatz, Anreizsysteme, Senkung, Delegationsrisikos
Arbeit zitieren
Andrea Grunwald (Autor), 2005, Der Prinzipal-Agenten-Ansatz. Anreizsysteme zur Senkung des Delegationsrisikos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45098

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