Methoden der systemischen Therapie und Beratung


Hausarbeit, 2005
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Grundlagen systemischer Beratung
1.1 Systemische Beratungsansätze
1.2 Systemische Familienberatung

2 Methoden systemischer Beratung
2.1 Zirkuläres Fragen
2.2 Familienskulptur
2.3 Reflektierendes Team

Schlussbemerkungen

Quellen

Vorwort

Ich habe mich für diese Aufgabe entschieden, da ich mich am meisten für die praktische Umsetzung des systemischen Denkens interessiere. Ich möchte hierbei vor allem herausfinden, wie die Beratung im System gestaltet werden kann.

Um die Aufgabe umfassend bearbeiten zu können, erscheint es mir wichtig zu Beginn kurz die Grundlagen systemischer Beratung zu erläutern. Dabei möchte ich neben einer Einführung in die systemischen Beratungsansätze, einen Einblick geben wo und wie dabei die Familienberatung angesiedelt wird.

Im zweiten und größten Teil der Arbeit werde ich dann als Methoden der Beratung und Therapie, das zirkuläre Fragen, die Familienskulptur und das Reflektierende Team vorstellen. Hierbei werde ich auch, bezugnehmend auf die Grundlagen der systemischen Beratung, auf Vorannahmen und Zweckmäßigkeit dieser Methoden eingehen und Hinweise zur Durchführung geben.

1 Grundlagen systemischer Beratung

Der Gegenstandsbereich systemischer Beratung sind die Erlebniswelten der Menschen in ihren sozialen Bezügen. Ein Problem wird nicht als etwas angesehen, das eine bestimmte Person hat, sondern als Geschehen, an dem viele verschiedene miteinander interagierende Menschen beteiligt sind. Deswegen ist es bei der systemischen Beratung nicht interessant zu fragen, wer das Problem seit wann hat und warum, sondern vielmehr wie welche Mitglieder eines Systems das Problem beschreiben. Die Wirklichkeit jedes einzelnen Mitgliedes konstruiert sich aus dessen subjektiven Erfahrungen im Kontext mit den anderen Mitgliedern des Systems.[1]

1.1 Systemische Beratungsansätze

Laut Thomas S. Kuhn (1962) passiert Wissenschaftsentwicklung nicht kontinuierlich, also nicht als Kumulation neuer Erkenntnisse, sondern vielmehr in Brüchen und so genannten „wissenschaftlichen Revolutionen“. Er bezeichnet dies als Paradigma-Wechsel, mit neuen Formen der Erkenntnisgewinnung, die neue Erkenntnisse erst möglich machen.

Die systemische Denkweise gilt als ein solches „neues Paradigma“. Sie ist durch andere Regeln und durch eine neuartige Herangehensweise gekennzeichnet. Gerade deshalb sei systemische Beratung nicht einfach eine weitere Therapieform. Den systemisch arbeitenden Therapeuten geht es vielmehr darum herauszufinden, wie Menschen ihre Wirklichkeit erzeugen, welche Regeln ihrem Verhalten und Erleben zugrunde liegen und welche Möglichkeiten zur Veränderung vorhanden sind.

Nun stellt sich zunächst die Frage: Was ist überhaupt ein System? Die globale Definition von Hall und Fagen (1956) besagt, dass ein System die Summe seiner Elemente sei. Allerdings sind Systeme nichts Greifbares. Es sind zunächst formale Modelle oder kognitive Organisationsinstrumente, die wir nutzen um unsere Wirklichkeit zu konstruieren. Wilke(1983, S. 282) definiert System als „ganzheitlichen Zusammenhang von Teilen, deren Beziehung untereinander quantitativ intensiver und qualitativ produktiver sind als ihre Beziehungen zu anderen Elementen. Die Unterschiedlichkeit der Beziehungen konstituiert eine Systemgrenze, die System und Umwelt des Systems trennt.“ Zum Beispiel ist die Schulklasse, die für sich selbst ein System ist, für das System Familie Umwelt.

Wie wir bereits festgestellt haben, ist die Art des systemischen Denkens neu. Im Linear-kausalen Paradigma hat man gezielt nach Ursachen gesucht und ist davon ausgegangen es gäbe eine Wahrheit. Im Systemischen Paradigma sucht man nach Regeln, die die Wirklichkeit erklären. Dieses Denken in Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen ist in Alltagssituationen der gegenständlichen Welt auch durchaus sinnvoll, jedoch nicht immer im Bezug auf lebende Systeme. Zum Beispiel aus ethischen Blickwinkeln betrachtet, kann durch nicht beachten wichtiger Zusammenhänge leicht eine Schuldzuweisung entstehen.

Also auch wenn uns Kausalität ein Bedürfnis ist, um bestimmte Dinge ordnen, erklären oder vorhersagen zu können, ist es gerade in lebenden Systemen sinnvoller zu betrachten wie Ursache und Wirkung in einem komplex vernetzten Prozess aufeinander einwirken. Deshalb gilt das „zirkuläre Denken“ als grundlegende Prämisse im systemischen Denken.[2]

1.2 Systemische Familienberatung

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es in der systemischen Betrachtungsweise nicht die Wahrheit oder die perfekte Abbildung der Wirklichkeit gibt. Es gibt nur eine subjektive Wirklichkeit in Beziehung auf den Beobachter.

Die Familie ist ein System dessen Elemente die Familienmitglieder und dessen Relationen die Kommunikationen zwischen den Mitgliedern sind. In der Familienberatung geht es nun vor allem um das Muster der Kommunikation. Da die Familie ein besonders wichtiges Sozialsystem für die einzelnen Personen darstellt, ist sie auch lebens- und krankheitsrelevant. Das bedeutet, dass Störungen in der Kommunikation innerhalb des Systems zu Problemen für eine oder mehrere Personen führen können. Deshalb gilt die Aufmerksamkeit in der systemischen Familienberatung dem engen Sozialfeld des identifizierten Patienten und es wird auch auf dieser Ebene interveniert.

Ausgangspunkt für jede Intervention ist die Tatsache, dass man es mit einem komplexen System zu tun hat, dessen Kommunikationen und Relationen nicht bekannt sind. Um in diesem System arbeiten zu können interessiert dementsprechend auch nicht das Warum, sondern das Wie. Es gilt nicht herauszufinden warum sich das Ehepaar ständig streitet, sondern wie es das tut.[3]

Um die Frage des Wie beantworten zu können gibt es verschiedene Methoden in der systemischen Familienberatung. Im Folgenden möchte ich drei dieser Methoden näher erläutern.

2 Methoden systemischer Beratung

Da es nach der systemischen Denkweise keine Wahrheit gibt, sondern nur subjektive Erfahrungen der Mitglieder eines Systems, ist es in der Beratungssituation wichtig und hilfreich die Sicht jeder Person zu erfahren. Arist von Schlippe (2003, S. 42) bezeichnet die „Bilder[…], Gedanken und Gefühle, die die einzelnen Familienmitglieder von den Bildern, Gedanken und Gefühlen ihrer Mit-Familienmitglieder haben“ als den „Klebstoff sozialer Systeme“.

In Problemfamilien zeigt sich dabei häufig, dass Beschreibungen von Gedanken und Gefühlen der Familienmitglieder nicht mehr angemessen aufgenommen werden können. Die Erwartungen einer Person darüber, wie die andere ist, sind festgefahren. So wird im Lauf der Zeit eine Wirklichkeit erzeugt, die als leidvoll und quälend erlebt wird. Reagiert wird nicht mehr auf das, was geäußert wurde, sondern auf das, was erwartet wird (Kriz 1999). Doch woraus resultiert dieses Verhalten? Laut von Schlippe (2003, S. 33) entwickeln Menschen „im Verlauf ihres Lebens mit anderen nicht nur ein Bild von sich selbst und eine Beziehung zum anderen, sondern auch Bilder davon, wie sie von anderen gesehen werden. Sie bilden nicht nur ihre eigenen Erwartungen aus, sondern auch Erwartungen darüber, was andere von ihnen erwarten.“ In Luhmanns Systemtheorie (1984) findet sich in diesem Zusammenhang der Begriff der „Erwartungs-Erwartungen“: Eine Person bildet Erwartungen darüber aus, welche Erwartungen von anderen an sie gestellt werden.

Aus diesem Grund zielen eigentlich alle Methoden der systemischen Beratung darauf ab, Zugang zu den Beschreibungen der Bilder, Gedanken und Gefühle zu finden. Dies bedeutet gleichzeitig aber auch schon Intervention. Denn sobald die Beteiligten eines Gesprächs die Sichtweise anderer Familienmitglieder erfahren, können sich deren Erwartungshaltungen sofort verändern.

Trotz alledem ist aber nicht gleich eine Methode das Allheilmittel, das allein alle Probleme lösen kann. Vielmehr gelten die folgenden Methoden als Hilfsmittel zur Gestaltung des Beratungsprozesses.[4]

2.1 Zirkuläres Fragen

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Mitglieder einer Familie ihr Leiden durch Erwartungs-Erwartungen aufgebaut haben, dann ist es ein Ziel der Therapie diese ausfindig zu machen und zu verändern. Daher wird jedes Familienmitglied in den Beratungsprozess eingebunden und reihum befragt. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Personen, wie in anderen Gruppentherapien „jeder für sich“ sprechen sollen, sondern dass sie Aussagen über bestimmte Beziehungsaspekte zwischen jeweils zwei anderen Familienmitgliedern treffen sollen. Schließlich geht es darum Unterschiede im Verhalten über Unterschiede in den Empfindungen deutlich zu machen, anstatt Eigenschaften aufzugreifen. Mit dem zirkulären Fragen wird laut von Schlippe (2003, S. 44) „dann sozusagen um die Ecke gefragt“.

Peggy Penn (1983, S. 208ff) hat folgende Klassifikation zirkulärer Fragen aufgestellt, die weitgehend mit den Beschreibungen von von Schlippe (2003, S. 44) übereinstimmen:

[...]


[1] Vgl. Arist von Schlippe in „Systemische Praxis der Erziehungs- und Familienberatung“, S. 30ff

[2] Vgl. Christina Krause in „Pädagogische Beratung“, S. 127ff

[3] Vgl. Christina Krause in „Pädagogische Beratung“, S. 172ff

[4] Vgl. Arist von Schlippe in „Systemische Praxis der Erziehungs- und Familienberatung“, S. 32ff

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Methoden der systemischen Therapie und Beratung
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Familienberatung
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V45105
ISBN (eBook)
9783638425704
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies war eine Hausaufgabe als Seminarfachaufgabe im WS 2004/05, die einen grundlegenden Einblick auf Basis der Aufgabenstellung gibt.
Schlagworte
Methoden, Therapie, Beratung, Familienberatung
Arbeit zitieren
Ilka Stieglitz (Autor), 2005, Methoden der systemischen Therapie und Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45105

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Titel: Methoden der systemischen Therapie und Beratung


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