Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Integrationstheorien, die im Laufe der Zeit entwickelt wurden und für sich in Anspruch nehmen, den Integrationsprozess des Europas der 50er Jahre bis hin zur heutigen Europäischen Union erklären zu können. Ob wirklich nur eine Theorie in der Lage ist oder ob mehrere Theorien vonnöten sind, diesen wohl einzigartigen Prozess des Zusammenwachsens zu erklären oder es gar unmöglich ist, dieses europäische Phänomen glaubhaft erfassen zu können, soll in dieser Seminararbeit anhand der Entstehung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) beleuchtet werden. Die EWG wurde ausgewählt, weil die Gründungsverträge (EURATOM, EWG, Römische Verträge, EGKS) bei vielen Autoren als Ursprünge des europäischen Integrationsprozesses gelten, indem sie durch legislative und administrative Befugnisse der Organe eine neue Rechtspersönlichkeit geschaffen haben. Mit der EWG ist ein supranationales System entstanden, auf dessen Institutionen Staaten einen Teil ihrer Souveränität abgaben. Die Autoren der im Literaturverzeichnis aufgelisteten Bücher rekrutieren sich hauptsächlich aus dem historischen und politischen Akademikerkreis. Ihre Sichtweise der Bedeutung der EWG ist jedoch ambivalent...
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Integrationstheorien
1. Der Föderalismus
2. Der Intergouvernmentalismus
3. Der (Neo-) Funktionalismus
III. Der Aufbau und die Struktur der EWG
1. Die Entstehung der EWG (historische Grundlagen)
2. Die Organe der EWG
3. Die Rechtsprechung in der EWG
IV. Die Anwendbarkeit der Integrationstheorien auf die EWG
V. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht den Integrationsprozess Europas im 20. Jahrhundert am Beispiel der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Dabei wird analysiert, inwieweit klassische Integrationstheorien wie der Föderalismus, der Intergouvernmentalismus und der (Neo-)Funktionalismus geeignet sind, den Entstehungsprozess und die Struktur der EWG zu erklären und einzuordnen.
- Vergleichende Analyse der drei zentralen Integrationstheorien.
- Darstellung der historischen Entstehung und Entwicklung der EWG.
- Strukturelle Analyse der EWG-Organe und ihrer Funktionen.
- Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen der EWG.
- Diskussion über das Zusammenwirken supranationaler und intergouvernementaler Elemente.
Auszug aus dem Buch
Die Organe der EWG
Die gemeinsamen Institutionen der EWG, die sich organisatorisch an der EGKS orientierten, fusionierten in einem Vertrag vom 8.4.1965. Damit wurden die Organe der drei europäischen Gemeinschaften integriert. Mit dem EWG-Vertrag wurden als Institutionen die Kommission, der Ministerrat, das Parlament, der Europäische Gerichtshof, der Wirtschafts- und Sozialausschuss und die Investitionsbank geschaffen.
Die Kommission ist das Vollzugsorgan der supranationalen Institutionen. Ihre Mitglieder rekrutieren sich größtenteils aus Parteien und Verwaltungsbeamten. Sie werden von den nationalen Regierungen vorgeschlagen und vom Ministerrat für zunächst vier Jahre ernannt (eine Wiederernennung ist möglich). Die Kommissare sind niemandem verantwortlich; damit soll ihre Unabhängigkeit gewährleistet sein. Der Ministerrat kann ohne Empfehlung der Kommission keine Entscheidungen treffen. Ihr obliegt es, Vorschriften durchzuführen. Die Kommission verwaltet die Fonds der Gemeinschaft, z. B. die Sozial- und Regionalfonds, und erarbeitet den Haushaltsentwurf, dem jedoch Ministerrat und Parlament zustimmen müssen. Internationale Abkommen werden von der Kommission ausgehandelt, die dann vom Ministerrat beschlossen werden. Die Kommission ist für die Überwachung der Angelegenheiten des Gemeinschaftsrechtes zuständig, weswegen sie auch den Beinamen „Hüterin des Gesetzes“ trägt. Bei Verstößen gegen das Gemeinschaftsrecht fordert die Kommission zunächst eine Stellungnahme.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der EWG als supranationales System und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die drei wichtigsten Integrationstheorien auf den Aufbau der EWG anzuwenden.
II. Die Integrationstheorien: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen – Föderalismus, Intergouvernmentalismus sowie (Neo-)Funktionalismus – vor und diskutiert deren Ansätze zur Erklärung regionaler Integration.
III. Der Aufbau und die Struktur der EWG: Hier werden die historischen Grundlagen der EWG, die Aufgaben und Kompetenzen ihrer Organe sowie die Rolle der Rechtsprechung detailliert beschrieben.
IV. Die Anwendbarkeit der Integrationstheorien auf die EWG: In diesem Kapitel erfolgt die theoretische Einordnung der EWG-Struktur durch den Vergleich der in der Arbeit vorgestellten Integrationsmodelle.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die EWG als ein komplexes, aus verschiedenen Theorien entstandenes Integrationsmodell, das den Weg für die weitere politische Einigung Europas bereitet hat.
Schlüsselwörter
EWG, Europäische Integration, Integrationstheorien, Föderalismus, Intergouvernmentalismus, Neo-Funktionalismus, Supranationalität, Europäische Kommission, Ministerrat, Europäisches Parlament, Europäischer Gerichtshof, Wirtschafts- und Sozialausschuss, Europäische Investitionsbank, Spill-over-Effekt, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Gründung und Struktur der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und deren theoretischer Einordnung in die europäische Integrationsforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Integrationstheorien, den historischen Entstehungshintergrund der EWG sowie die Analyse ihrer institutionellen Organe und Rechtspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche wissenschaftliche Theorien die Entstehung und das Funktionieren der EWG erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte, historisch-analytische Methode, um theoretische Konzepte auf die EWG-Struktur anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Integrationstheorien, die detaillierte Darstellung der EWG-Organe (Kommission, Rat, Parlament, Gerichtshof) und eine kritische Diskussion der Anwendbarkeit dieser Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Supranationalität, Integrationstheorien, EWG-Vertrag und die verschiedenen europäischen Institutionen.
Warum wird die Kommission als „Hüterin des Gesetzes“ bezeichnet?
Sie trägt diesen Namen, weil sie für die Überwachung der Einhaltung des Gemeinschaftsrechts zuständig ist und bei Verstößen Klage beim Gerichtshof einreichen kann.
Welche Rolle spielt das Parlament nach dem EWG-Vertrag?
Das Parlament ist im EWG-Vertrag primär als beratendes Gremium konzipiert, das zwar Kontrollrechte besitzt, aber in der damaligen Zeit noch nicht über die weitreichenden parlamentarischen Befugnisse eines nationalen Parlaments verfügte.
Was versteht man im Kontext der EWG unter dem „Spill-over“-Effekt?
Damit ist die Eigendynamik des Integrationsprozesses gemeint, bei der die Integration in einem Politikfeld (z. B. Wirtschaft) zwangsläufig zu einer Vertiefung und Ausweitung der Integration auf andere Bereiche führt.
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- Anke Seifert (Author), 2004, Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) aus integrationstheoretischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45116