"Manifest Destiny" und die Außenpolitik der USA

Eine Ideologie, die Politik macht(e)


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Der Begriff ..Manifest Destiny“
2.1. Autor und historische Einordnung
2.2. Die Bedeutung des .Manifest Destiny“

3. Elemente des .Manifest Destiny“ in der amerikanischen Auftenpolitik
3.1. .Manifest Destiny“ und die Monroe Doktrin
3.2. Woodrow Wilson und der Gedanke der .Manifest Destiny“

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit der Grundung der Vereinigten Staaten pragte die besondere Selbstwahrnehmung der eigenen Stellung in der Welt die politischen Ereignisse dieses Staates. Es gibt eine Vielzahl von Mythen und Symboliken, auf die sich die besondere Ideologie und der Nimbus des amerikanischen Volks zuruck fuhren lassen. Das ..Manifest Destiny“, also zu Deutsch das .offenkundige Schicksal“, ist ein Grundgedanke in der amerikanischen Geschichte, welcher durch den New Yorker Journalisten und Mitglied der Demokratischen Partei John L. O’Sullivan (Vgl. Sampson, 2003) gepragt wurde. Es lasst sich als Kernaussage feststellen, dass der Begriff .Manifest Destiny“ dem amerikanischen Volk und Staat eine besondere Bestimmung auf der Erde zu spricht (Stephanson, 1995, S.xi ff.). Welche Bestimmung das genau ist und aus welchen Dimensionen sie sich zusammensetzt, soll im Hauptteil dieser Seminararbeit detaillierter dargestellt.

Im Laufe der Historie haben viele Politiker und Wissenschaftler auf diesen Grundgedanken Bezug genommen und damit verschiedene auftenpolitische Entscheidungen ideologisch begrundet. Dies wirft die Frage auf, in wie fern der Gedanke des .Manifest Destiny“ ein Einflussfaktor der Auftenpolitik der USA in der Geschichte war und auch noch heutzutage ist und in wie weit das Gedankengut in verschiedenen auftenpolitischen Ansatzen zu erkennen ist.

Um diese Fragestellung zu beleuchten, soll in dieser Arbeit in drei Schritten vorgegangen werden: Als Erstes werden die Aspekte und Dimensionen des .Manifest Destiny“ erlautert und danach im nachsten Schritt in ausgewahlten politischen Theorien und auftenpolitischen Entscheidungen herausgefiltert. Es soll in diesem Schritt deutlich werden, in wie weit die Aspekte des .Manifest Destiny“ Einfluss auf die Beweggrunde und Motive amerikanischer Auftenpolitik hatten. Des Weiteren soll heraus gearbeitet werden, ob das .Manifest Destiny“ eher die Legitimation imperialistischer Stromungen beeinflusst hat oder ob es den USA vielleicht auf Grund dieses Gedankens darum ging, die Welt .a safer and more peaceful place“ (Michael Cox, 2000, S.239) zu machen. Im abschlieftenden Schritt soll diese Seminararbeit einen kurzen Ausblick darauf geben, in wie fern man das .Manifest Destiny“ und dessen Implikationen nicht nur in betrachteten auftenpolitischen Theorien und Entscheidungen wiederfindet, sondern auch heutzutage noch in der Auftenpolitik der USA erkennen kann.

2. Der Begriff „Manifest Destiny"

In diesem Abschnitt sollen der Wortlaut und die damit verbundenen Implikationen des Gedanken des ..Manifest Destinys“ naher beleuchtet werden. Aufterdem erfolgt zunachst eine kurze Betrachtung des Autors John L. O’Sullivan, sowie eine historische des Autors Einordnung in die Zeit, in der dieser Begriff geschaffen wurde und an Bedeutung gewann.

2.1. Autor und historische Einordnung

John L. O’Sullivan wurde im Jahre 1927 nachtraglich als Autor des Begriffs .Manifest Destiny“ identifiziert (Vgl. Stephanson, 1995, S.xii). Dies zeigt, dass O’Sullivan zu Lebzeiten zwar nicht wusste, was fur eine tragende Bedeutung seine Aussage fur das Selbstverstandnis der Amerikaner haben wurde, es aber dennoch an dieser Stelle wichtig ist zu beleuchten in welchem Kontext er diese Aufterung verfasst hat und wer er war.

John O’Sullivan war ein New Yorker Kolumnist und Mitglied der Demokratischen Partei (Vgl. Sampson, 2003). Er hatte innerhalb seiner Partei, so scheint es, nicht den besten Ruf und ware auf Grund seiner Aufterungen bezuglich einer Annexion Kubas fast zu einer Gefangnisstrafe verurteilt wurden (Vgl. Stephanson, 1995, S.xi). Nichtsdestotrotz verfasste er 1845 seine Schrift ..Annexation1 ' im „The United States Democratic Review“, die grofte Auswirkung auf die amerikanische Ideologie haben sollte (Vgl. John L. O'Sullivan, 1845, S.5 ff.).

Im Jahr 1845 befanden sich die USA in einer Zeit grower territorialer Expansion, da die Frontierbewegung gen Westen (Vgl. Waechter, 1996) in vollem Gange war und zudem ein Konflikt mit Mexiko entbrannte. Texas war offiziell Teil des mexikanischen Staates und dennoch hatten die USA gropes Interesse an diesem Territorium, zumal sich viele anglo-sachsische Einwanderer im Verlauf der Jahre dort angesiedelt hatten. Im Jahr 1827 hatten die Vereinigten Staaten unter Prasident John Ouincy Adams bereits versucht, Texas Mexiko abzukaufen (Vgl. Stephanson, 1995, S.33). Dies schlug allerdings fehl, woraufhin Texas sich im Jahre 1837 fur unabhangig von Mexiko erklarte und damit praktisch weder zu den USA noch zu Mexiko gehorte (Vgl. Stephanson, 1995, S.33). Die texanische Republik hatte ein Interesse daran, wieder Teil der Vereinigten Staaten zu sein und auch die amerikanische Regierung pladierte fur eine „Reannexion“ des texanischen Staates (Vgl. Stephanson, 1995, S.34).

O’Sullivan verfasste seine Schrift also in einer Zeit, zu der zwei wesentliche auftenpolitische Fragen die amerikanische Politik bestimmten, namlich: Die Besiedelung des Westens bis hin zum Pazifik, was unter anderem den Konflikt mit der indianischen Urbevolkerung bedeutete und die Annexions-Frage bezuglich des texanischen Staates, was wiederrum einen Interessenkonflikt mit dem Nachbarstaat Mexiko darstellte.

2.2. Die Bedeutung des ..Manifest Destiny“

John L. O’Sullivan verwendet den Begriff der .Manifest Destiny“ zwei Mal kurz hintereinander. Im Folgenden werden die beiden wichtigsten Zitate genannt und anschlieftend versucht die Hauptbestandteile von O’Sullivans Idee zu erlautern. In seiner Schrift .Annexation1 ' schreibt er zunachst: .Our manifest destiny to overspread the continent allotted by Providence for the free development of our yearly multiplying millions/' (John L. O'Sullivan, 1845). Ein halbes Jahr spater druckt die Zeitung .Morning Star“:

„The right of our manifest destiny to overspread and possess the whole continent which providence has given us for the development of the great experiment of liberty and federated self government.“ (Stephanson, 1995, S. 42) Betrachtet man diesen Satz Stuck fur Stuck, so lassen sich nach dem Historiker William E. Weeks drei Hauptbestandteile der .Manifest Destiny" identifizieren (Vgl. Weeks, 1996, S.6 ff).

Zunachst attestiert O’Sullivan dem amerikanischen Volk eine besondere Tugendhaftigkeit, welche den Amerikanern eine Art ubergeordnete Stellung in der Welt zuschreibe (Vgl. Weeks, 1996, S.6; Vgl. Stephanson, 1995, S.27). Diese Idee, eine Art auserwahltes Volk zu sein, ist nicht alleinig von O’Sullivan erwahnt worden. Dieser puritanische Auserwahltseins-Gedanke lasst sich noch weiter zuruck fuhren: So schreibt John Winthrop im Jahr 1630 beispielsweise uber die amerikanischen Kolonien, dass diese eine „city upon a hill“ bilden sollen (Vgl. Parker, 2014) und als Vorbild fur die restliche Weltbevolkerung und vor allem Europa dienen wurden, sodass diese zu den amerikanischen Siedlern aufblicken und sich an ihnen orientieren (Vgl. Parker, 2014). Auch Herman Melville schreibt: „Die Amerikaner sind das einzig auserwahlte Volk, das Israel der Gegenwart; wir tragen die Bundeslade mit den Freiheiten der Welt.“ (Melville, 1948, S.263 ff.). Es lassen sich etliche solcher Beispiele finden, in denen Autoren dem amerikanischen Volk diese besondere Bestimmung und dessen Auserwahltsein zusprechen. Auf Grund dieser ubergeordneten Stellung spricht Melville dem amerikanischen Volk eine Messias-Funktion zu, welche den Auftrag hat, „der Welt eine Wohltat zu erweisen“ (Melville, 1948, S.263 ff.). Hierbei handelt es sich naturlich auch schon um die erste Problematik dieses Gedankens: Es ist ein nationalistisches und auch rassistisches Gedankengut zu identifizieren so spricht Melville zum Beispiel von der ..auserwahlten Rasse“ (Melville, 1948, S.263 ff.). Die ubergeordnete Stellung zu dieser Zeit ist ein exklusives Recht und trifft zumeist nur auf weifte, mannliche Protestanten zu, was diesen spater als Legitimation dient, um beispielsweise die indianische Urbevolkerung zu vertreiben und zivilisieren zu wollen (Vgl. Stephanson, 1995, S.27 ff.).

Dieses zivilisatorische Sendungsbewusstsein markiert den zweiten Bestandteil der ..Manifest Destiny“, nach Weeks. O‘ Sullivan spricht davon, dass es die offensichtliche Bestimmung des amerikanischen Volkes sei, den gesamten Kontinent ..einzunehmen und zu besitzen“ (John L. O'Sullivan, 1845). Die territoriale Expansion uber den gesamten Kontinent steht auch in Verbindung mit den amerikanischen Werten wie Freiheit, Gleichheit und Demokratie, die schon 1776 in der Unabhangigkeitserklarung der USA verankert werden (Vgl. Rock, 1947, S.102 ff.).

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Details

Titel
"Manifest Destiny" und die Außenpolitik der USA
Untertitel
Eine Ideologie, die Politik macht(e)
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V451175
ISBN (eBook)
9783668842595
ISBN (Buch)
9783668842601
Sprache
Deutsch
Schlagworte
manifest, destiny, aussenpolitik, eine, ideologie, politik
Arbeit zitieren
Torben Arndt (Autor), 2015, "Manifest Destiny" und die Außenpolitik der USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451175

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