Fußball ist heutzutage ein Spektakel. Zehntausende fußballbegeisterte Menschen bestaunen ihre Mannschaften im Stadion, sogar Millionen sind über das Fernsehen „live“ dabei. In den professionellen Gefilden dieser Sportart steht längst nicht mehr das Spielen mit dem Ball im Vordergrund. Ein Fußballspiel ist eine Inszenierung und die Vermarktung des Spiels macht es zu einem Geschäft. Doch wie kommt es zu diesem Status der Sportart?
Diese Hausarbeit soll die Entwicklung von Sport und im Speziellen der Sportart Fußball aufzeigen. Dabei soll es um die Wahrnehmung der Menschen gehen. Ervin Goffman (2016) hat dazu die Rahmenanalyse entwickelt, welche im ersten Teil dieser Ausarbeitung dargestellt wird. Dabei geht Goffman grundsätzlich davon aus, dass der Mensch das Erlebte zunächst in einen „primären Rahmen“ (ein Interpretationsschema) einordnet. Diese können durch eine Modulation so umgeformt werden, dass ein anderes Verständnis der Situation oder sogar ein neuer Rahmen entsteht. Die Zivilisationstheorie von Norbert Elias ist ein weiteres Modell, welches in diese Hausarbeit einfließt. Sie beschreibt, wie sich das Verständnis unserer Gesellschaft entwickelt hat, welches in der modernen Welt besteht. Dies bezieht Elias auch auf den Sport. Im Laufe der Hausarbeit werden einzelne Aspekte der beiden soziologischen Theorien immer wieder miteinander verknüpft und so Zusammenhänge dargestellt.
Anhand dieser Zusammenhänge wird erklärt, wie der moderne Sportbegriff entstanden ist und wie sich im Laufe der Zeit die Sportart Fußball herauskristallisiert hat. Fußball hat heutzutage eine große Bedeutung in unserer Gesellschaft. Aus dem Spiel ist ein Medienereignis geworden, worauf im Anschluss detaillierter eingegangen wird.
In dieser Hausarbeit werden zwei soziologische Theorien auf den Sport bezogen und herausgestellt, wie diese zusammenhängen. Nach den Erkenntnissen dieser Zusammenhänge soll abschließend beurteilt werden, inwiefern sich die dargestellte Entwicklung des Sports anhand der Rahmen-Analyse und der Zivilisationstheorie begründen lässt. Die Fragestellung, die untersucht werden soll, lautet deshalb:
Inwiefern lässt sich das Medienereignis Fußball durch die Rahmenanalyse und die Zivilisationstheorie begründen und seine Entwicklung anhand dieser zurückverfolgen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Rahmen-Analyse
2.1 Primäre Rahmen
2.2 Modulation
2.2.1 Wettkämpfe
2.2.2 In-anderen-Zusammenhang-Stellen
3 Die Genese des Sports
3.1 Die Entwicklung zum „Sport“
3.2 Verknüpfung zwischen Elias und Goffman
3.3 Die Entwicklung des Fußballs
4 Fußball als Medienereignis
4.1 Die Wahrnehmung des Medienereignisses
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das Medienereignis Fußball mithilfe der Rahmenanalyse nach Erving Goffman und der Zivilisationstheorie von Norbert Elias begründet und dessen historische Entwicklung nachvollzogen werden kann.
- Soziologische Analyse der Rahmenbildung bei sportlichen Ereignissen.
- Historische Herleitung des modernen Sportbegriffs anhand zivilisationstheoretischer Konzepte.
- Untersuchung der Institutionalisierung und Regelentwicklung im Fußball.
- Reflexion über den Fußball als kommerzialisiertes Medienereignis im 21. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Wettkämpfe
Hier schlägt Goffman mit konkreten Beispielen eine Brücke zum Sport. Zum Beispiel scheint das Kämpfen das Vorbild des Boxsports, das Jagen oder Fliehen Vorbild für das Pferderennen zu sein. Regeln und Ziele begrenzen eine Sportart so, dass sie sich von dem Vorbild unterscheiden. Das Boxen wurde durch verschiedene Regelanpassungen deutlich verharmlost (Goffman, 2016, S.69). Im Beispiel Boxen kann man eindeutig davon sprechen, dass es eine Modulation des Kämpfens ist. Jedoch beschreibt Goffman im Anschluss auch andere Sportarten wie Hockey oder Tennis, welche zwar ähnlich strukturiert sind, aber durch „Gerätschaften und das Ziel [...] auf einen primären Rahmen schließen“ (ebd.) lassen. „Bei der spielerischen Aktivität wird etwas oder jemand nur ganz vorübergehend und nie ganz verfestigt zum Spielzeug gemacht“ (Goffman, 2016, S.70). Im Sport passiert dies dazu noch organisiert und Regeln bilden einen formalen Handlungsspielraum. Dies führt dazu, dass sich diese Handlung immer weiter von einer Nachbildung des alltäglichen entfernt und in sich als primärer Rahmen angesehen werden kann (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und definiert das Forschungsziel, die Entwicklung des Fußballs anhand soziologischer Theorien zu analysieren.
2 Die Rahmen-Analyse: Dieses Kapitel erläutert Erving Goffmans Konzept der Rahmenanalyse, um das unbewusste Einordnen von Situationen in Bedeutungsschemata zu erklären.
3 Die Genese des Sports: Hier wird der moderne Sportbegriff unter Rückgriff auf Norbert Elias’ Zivilisationstheorie historisch hergeleitet und mit der Rahmenanalyse in Verbindung gesetzt.
4 Fußball als Medienereignis: Dieser Abschnitt thematisiert die Kommerzialisierung und Medialisierung des Fußballs sowie dessen Entstehung als Massenspektakel durch technische und gesellschaftliche Prozesse.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Zivilisationstheorie und die Rahmenanalyse komplementäre Erklärungsansätze für die Evolution des Fußballs liefern.
Schlüsselwörter
Rahmenanalyse, Zivilisationstheorie, Erving Goffman, Norbert Elias, Sportsoziologie, Fußball, Medialisierung, Kommerzialisierung, Modulation, Wettkampf, Institution, Gesellschaftsentwicklung, Medienereignis, Regelentwicklung, Sportgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziologische Entwicklung des Sports, insbesondere des Fußballs, unter Verwendung der theoretischen Modelle von Erving Goffman und Norbert Elias.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rahmenbildung bei Handlungen, der historischen Genese des Sports aus antiken Wettkämpfen und der modernen Transformation des Fußballs durch Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erklären, wie und warum sich Fußball zu einem bedeutenden Medienereignis entwickeln konnte und wie dieser Prozess soziologisch begründet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die soziologische Theorien (Rahmenanalyse und Zivilisationstheorie) auf das Phänomen Sport anwendet und verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis der Rahmenanalyse, die historische Entwicklung des Sports als Zivilisationsprozess und die spezifische Analyse des Fußballs als durch Medien geprägtes Ereignis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rahmenanalyse, Zivilisationstheorie, Fußball, Medialisierung, Modulation und Institutionalisierung.
Inwiefern beeinflusst die Zivilisationstheorie das Verständnis von Fußball?
Elias' Theorie erklärt den Wandel von körperlicher Gewalt in antiken Kämpfen hin zu regulierten, zivilisierten Sportformen, was die strukturelle Basis für den modernen Fußball bildet.
Wie unterscheidet die Arbeit den „Sport“ vom „Medienereignis Fußball“?
Die Arbeit differenziert, dass der Sport selbst eine Modulation des Wettkampfs darstellt, während das Medienereignis eine weitere, durch Kommerz und Technik getriebene Modulation für den Zuschauer ist.
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- Maximilian Heine (Author), 2018, Fußball als Medienereignis. Der Versuch einer sportsoziologischen Herleitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451340