Auslegung und Vergleich der Hagar/Ismael-Erzählungen (Gen 16:1–15 und Gen 21:8–21)


Hausarbeit, 2017
25 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitsübersetzung
2.1 Eigene Erörterung verschiedener Übersetzungen
2.1.1 Erörterung Genesis 16, 1-16.
2.1.2 Erörterung Genesis 21,8-21..
2.2 Erstellung einer Textdarstellung, gegliedert und strukturiert
2.2.1 Textdarstellung Genesis 16,1-16.
2.2.2 Textdarstellung Genesis 21,8-21.

3. Textbeschreibung
3.1 Kontext der zu bearbeitenden Texte
3.1.1 Aufbau des Buches Genesis
3.1.2 Aufbau der Erzelterngeschichte
3.1.3 Positionierung von Gen 16 und Gen 21 in der Vätergeschichte.
3.1.3.1 Vorkontext.
3.1.3.2 Zwischenkontext
3.1.3.3 Nachkontext
3.2. Gliederung der Texte und Vergleich
3.3 Thema und Aussage der Texte mit Vergleich
3.3.1 Konflikt der Frauen.
3.3.2 Abraham als Stammvater zweier Völker.

4. Begriffe und Motive – Traditionskritik
4.1 Begriffe.
4.2 Das Motiv der Notlösung Sarais

5. Gattungskritik
5.1 Sitz im Leben

6. Literarkritik17
6.1 Literarkritik Genesis 12-25 – Entstehung der Texte.
6.1.1 Literarkritik Genesis
6.1.2 Literarkritik Genesis 21,8-21.

7. Historischer Ort

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis22

1. Einleitung

In dieser Exegese werden zwei Texte der Nachkommenschaft Abrahams aufgeführt, ausgelegt und miteinander verglichen. Zum einen geht es um die Geburt Ismaels (Gen 16) der ein Konflikt zwischen Hagar und Sarai vorausgeht und zum anderen um die Verstoßung Hagars und Ismaels, mit der anschließenden Niederlassung Ismaels im Süden (Gen 21)

2. Arbeitsübersetzung

In diesem Abschnitt werden die beiden Textpassagen nun zuerst jeweils nach Unterschieden in ausgewählten Übersetzungen untersucht. Dazu zählen zum einen die Bibelübersetzungen Zürcher Bibel (2007), Lutherbibel 2017 und Elberfelder Bibel (2000), als auch Übersetzungen aus den wissenschaftlichen Kommentaren von C. Westermann[1], G. von Rad[2] und J. A. Soggin[3]. In dieser ersten Erörterung werden noch keine wissenschaftlichen Einschätzungen und Untersuchungen berücksichtigt, sondern lediglich eigene Beobachtungen und Einschätzungen aus den verschiedenen Textvorlagen aufgeführt. Die Gründe der unterschiedlichen Übersetzungen, die jeweiligen Argumente für und gegen diese und die Begründung für die Auswahl meiner Textdarstellung, die direkt anschließt, werden erst im späteren Verlauf der Arbeit erläutert. Zunächst sollen nur die äußeren, offensichtlichen Unterschiede herausgearbeitet werden.

Schon vorweg ist zu sagen, dass es in der Textpassage Gen 16 nur sehr wenig Abweichungen in den unterschiedlichen Übersetzungen gibt. In Gen 21,8-21 sind zwei markante Abweichungen und ein minimaler Unterschied festzustellen, die im Folgenden ebenfalls erörtert werden.

2.1 Eigene Erörterung verschiedener Übersetzungen

2.1.1 Erörterung Genesis 16, 1-16

Die Erzählung beginnt direkt mit der Ursache für all die anschließend auftretenden Handlungen. Sarai, die Frau Abrahams, der hier noch den Namen Abram trägt (Westermann benutz als einziger hier schon den Namen Abraham, obwohl Abram erst später in Gen 17,5 den Namen Abraham bekommt), hat ihm zu dem bisherigen Zeitpunkt noch keine Kinder geboren. Lediglich in der Lutherübersetzung steht an dieser Stelle „noch kein Kind geboren“. Durch die singuläre Kindesbezeichnung in der Lutherübersetzung soll vermutlich das Warten auf den einen Erben und Fortführer des Geschlechts Abrams, der die Verheißung Gottes erfüllen wird Abram zum Stammvater eines großen Volkes zu machen, verdeutlicht werden. Ob Sarai gleich mehrere Kinder bekommt, scheint in der Lutherübersetzung zunächst einmal keine große Rolle zu spielen. Wichtig ist nur das eine ersehnte Kind, doch nicht einmal dieses eine Kind schenkte Sarai Abram.

Die Auslegungen weichen in Vers vier ebenfalls etwas voneinander ab. Während bei den einen das Ansehen Sarais, bei der nun schwangeren Hagar, nur sank, bzw. geringer wurde (Elberfelder, Hentrich & Weiser, Luther), sah sie laut Zürcher darüber hinaus auf Sarai herab, während Soggin und Westermann sogar das Wort „verachten“ gebrauchen. In den folgenden Versen sind die Abweichungen so gering und beschränken sich hauptsächlich auf den Gebrauch von Synonymen, dass sie nicht erwähnenswert sind.

Erst Vers 13 weist wieder Unterschiede auf. Die zweite Hälfte des Verses ist im Gegensatz zu den anderen Übersetzungen, die hier eine Aussage treffen, bei Soggin und Elberfelder als Frage formuliert: „Habe ich hier nicht ständig geschaut, nachdem er nach mir geschaut hat?“, „Habe ich nicht auch hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat?“. Während hier von Hagar die scheinbar nach Bestätigung suchende Frage gestellt wird, werden z.B. bei der Zürcher- und Lutherübersetzung sogar die Begriffe „wahrlich“ und „gewiss“ benutzt, die die Aussage nicht nach einer ungewissen Frage aussehen lassen, sondern deren sichere Gewissheit deutlich bestätigen.

Insgesamt ist also zu erkennen, dass die Erzählung nur wenig Schwierigkeiten aufweist und daher sehr einheitlich mit hauptsächlich kleinen Abweichungen in den unterschiedlichen Übersetzungen vorliegt.

2.1.2 Erörterung Genesis 21,8-21

In diesem Textabschnitt sind drei markante Abweichungen zu erkennen, die in den untersuchten Übersetzungen unterschiedlich ausgelegt wurden. Direkt in Vers 9 sind zwei Möglichkeiten vorzufinden, die die Missgunst Ismaels bei Sara hervorrufen. Eine davon schildert, dass Ismael sich bei der Entwöhnung Isaaks über diesen lustig macht, indem er Isaak hänselt, wie es Soggin darlegt. Im anderen Fall „spielt“ / „scherzt“ Ismael einfach nur mit Isaak, ohne dass dies negativ zu bewerten sei (Westermann, Zürcher, von Rad), oder „lacht“, bzw. „scherzt“ er (Luther, Elberfelder), ohne dass dies überhaupt in Verbindung zu Isaak steht. In diesem Fall ist die aufkommende Missgunst bei Sara darin zu begründen, dass die bloße Zufriedenheit und Glücklichkeit Ismaels ausreichen, um bei Sara Missfallen und Zukunftssorgen auszulösen.

Als Abraham dann in Vers 14 zu Hagar geht um sie wegzuschicken, legt er einmal Brot und Wasserschlauch auf Hagars Schulter und gibt ihr dazu den Knaben (Soggin, Luther, Elberfelder) und bei den anderen Übersetzungen ist es der Knabe, der Hagar auf die Schultern gelegt/gehoben wird (Hentrich & Weiser, Westermann, Zürcher). Diese unterschiedliche Objektzuordnung, scheint zunächst von keiner großen Relevanz zu sein, was jedoch, wie im späteren Verlauf der Arbeit erläutert wird, keineswegs der Falls ist. Markanter ist sicherlich die Zuordnung des Weinens in Vers 16. Hier gehen die Meinungen bei der Übersetzung klar auseinander. Als Hagar ihren Sohn unter einem Strauch abgelegt und sich etwas entfernt hingesetzt hat, um ihn nicht sterben zu sehen, ist es - laut Soggin, Luther, Elberfelder, von Rad - Sara, die ihre Stimme erhebt und weint, während Zürcher und Westermann die Stelle so auslegen, dass es der Knabe ist, der weint. Dieser doch sehr markante Unterschied wird ebenfalls später genauer untersucht. Zuerst wird nun aber eine eigene Textdarstellung erstellt, der die oben genannten Übersetzungen und Auslegungen zugrunde liegen.

2.2 Erstellung einer Textdarstellung, gegliedert und strukturiert

2.2.1 Textdarstellung Genesis 16,1-16

a) Exposition: Genealogie 1 (V1a, V3b) und Sarai gibt Abram Hagar zur Frau

1 Sarai aber, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren.

Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar.

2 Und Sarai sagte zu Abram:

Siehe doch, Gott hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann.

So geh doch zu meiner Magd, vielleicht kann ich durch sie erbaut werden.

Und Abram hörte auf Sarai.

3 Da nahm Sarai, die Frau Abrams, die Ägypterin Hagar, ihre Magd,

nachdem Abram zehn Jahre im Land Kanaan gelebt hatte,

und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau.

b) Hagar wird schwanger und der Konflikt der Frauen

4 Und er ging zu Hagar und sie wurde schwanger.

Als sie nun merkte, dass sie schwanger war,

sah sie auf ihre Herrin herab.

5 Da sagte Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich!

Ich habe dir meine Magd in die Arme gegeben; nun da sie merkt,

dass sie schwanger ist, sieht sie auf mich herab.

Gott richte zwischen dir und mir!

6 Darauf sagte Abram zu Sarai:

Siehe, deine Magd ist in deiner Gewalt; mache mit ihr, was du für richtig hältst.

Da demütigte Sarai sie, sodass die vor ihr floh.

c) Hagar und der Engel Gottes in der Wüste

7 Aber ein Engel Gottes fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste,

an der Quelle auf dem Wege nach Schur.

8 Und er sprach zu ihr:

Hagar, Magd Sarais, wo kommst du her und wo willst du hin?

Sie antwortete: Vor Sarai, meiner Herrin, bin ich auf der Flucht.

9 Da sprach der Engel Gottes zu ihr:

Kehre zu deiner Herrin zurück und beuge dich unter ihre Hand.

10 Und der Engel Gottes sagte zu ihr:

Ich will deine Nachkommen so zahlreich machen,

dass sie vor Menge nicht gezählt werden können.

11 Weiter sprach der Enge Gottes zu ihr: Siehe, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären, dem du den Namen Ismael geben sollst.

12 Er wird ein Mensch sein wie ein Wildesel;

Seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn,

und allen seinen Brüdern wird er sich vors Gesicht setzen.

13 Und sie nannte den Namen des Gottes, der mit ihr redete:

Du bist der, Gott der mich sieht.

Denn sie sagte:

Wahrlich, habe ich hier dem nachgeschaut, der mich gesehen hat!

14 Deswegen nennt man die Quelle: Lahai-roi,

sie liegt zwischen Kades und Bered.

d) Erzählschluss: Genealogie 2 - Geburt und Namensgebung Ismaels

15 Und Hagar gebar Abram einen Sohn.

Und Abram gab dem Sohn, den ihm Hagar geboren hatte, den Namen Ismael.

16 Abram war 86 Jahre alt, als ihm Hagar den Ismael gebar.

2.2.2 Textdarstellung Genesis 21,8-21

a) Exposition: Genealogie 1 – Die Entwöhnung Isaaks

8 Das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt.

Und an dem Tag, an dem Isaak entwöhnt wurde,

veranstaltete Abraham ein großes Fest.

b) Konflikt zwischen Sara und Hagar mit Ismael

9 Als aber Sara den Sohn der Ägypterin Hagar,

den diese Abraham geboren hatte, spielen sah,

10 da sagte sie zu Abraham:

Vertreibe diese Magd und ihren Sohn! Denn der Sohn der Magd soll nicht Erbe werden mit meinem Sohn, mit Isaak.

11 Dieses Wort missfiel Abraham sehr, um seines Sohnes Willen.

12 Da sprach Gott zu Abraham:

Lass dir’s nicht leid sein um den Knaben und deine Magd.

In allem, was Sara zu dir sagt, höre auf sie!

Denn nach Isaak soll deine Nachkommenschaft benannt werden.

13 Aber auch den Sohn der Magd will ich zu einem großen Volk machen,

weil er dein Nachkomme ist.

c) Hagar und Ismael in der Wüste

14 Früh am anderen Morgen machte sich Abraham auf,

und nahm Brot und einen Schlauch Wasser und gab es Hagar,

legte den Knaben auf ihre Schulter und schickte sie fort.

Da ging sie hin und irrte in der Wüste von Beerschebar umher.

15 Als nun das Wasser im Schlauch ausgegangen war,

warf sie das Kind unter einen Strauch,

16 ging hin und setze sich einen Bogenschuss weit entfernt hin,

denn sie sagte sich: Ich kann das Sterben des Kindes nicht mitansehen.

So saß sie dem Knaben gegenüber.

Der Knabe aber erhob seine Stimme und weinte.

d) Gott hört und hilft Hagar und Ismael

17 Gott aber hörte die Stimme des Knaben

Und der Engel Gotts rief zu Hagar vom Himmel her und sagte zu ihr:

Was hast du Hagar? Fürchte dich nicht,

denn Gott hat die Stimme des Knaben gehört, dort, wo er liegt.

18 Steh auf, nimm den Knaben, und fasse ihn mit deiner Hand!

Denn ich will ihn zu einem großen Volk machen.

19 Und Gott öffnete ihre Augen, dass sie eine Wasserquelle sah.

Und sie ging hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Knaben zu trinken.

e) Erzählschluss: Genealogie 2 - Ismael wird sesshaft in der Wüste

20 Und Gott war mit dem Knaben. Der wuchs heran und wohnte in der Wüste.

Und er wurde ein Bogenschütze.

21 Und er wohnte in der Wüste Paran,

Und seine Mutter nahm ihm eine Frau aus dem Land Ägypten.

[...]


[1] Westermann, C.: Genesis. 2.Teilband Genesis 12-36, in: Herrmann, S./Schmidt, W.H./ Wolff, H.W. (Hg.): Biblischer Kommentar Altes Testament, Neukirchen-Vluyn, 2. Aufl. 1989.

[2] Herntrich, W./ Weiser, A. (Hg.): Das Alte Testament Deutsch. Neues Göttinger Bibelwort. Teilband 3 Das erste Buch Mose. Genesis Kapitel 12,10-25,18, übers. u. erkl.von Von Rad, G., Göttingen 1952.

[3] Soggin, J.A.: Das Buch Genesis. Kommentar, Darmstadt 1997.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Auslegung und Vergleich der Hagar/Ismael-Erzählungen (Gen 16:1–15 und Gen 21:8–21)
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V451361
ISBN (eBook)
9783668844032
ISBN (Buch)
9783668844049
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auslegung, vergleich, hagar/ismael-erzählungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Auslegung und Vergleich der Hagar/Ismael-Erzählungen (Gen 16:1–15 und Gen 21:8–21), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451361

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