Wirtschaftliche Probleme und Herausforderungen im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit

Die Bizone als grundlegende Maßnahme zur Stabilisierung wirtschaftlicher Verhältnisse in Westdeutschland?


Seminararbeit, 2018
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bizone als grundlegende Maftnahme zurStabilisierung wirtschaftlicherVerhaltnisse in Westdeutschland
2.1 Historischer Hintergrund und wirtschaftliche Probleme
2.2 Die Bizone und ihre kurzfristigen Folgen
2.3 Bizone oder Wahrungsreform?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bedeutung der Bizone fur die westdeutsche Wirtschaft in der unmittelbaren Nachkriegszeit wird in der Literatur sehr unterschiedlich bewertet. Sie wird haufig als die grundlegende Maftnahme zur Stabilisierung wirtschaftlicher Verhaltnisse genannt, jedoch gibt es auch Vertreter, die vor allem die Wahrungsreform und damit verbunden den Marshallplan als treibende Kraft zur Stabilisierung der Wirtschaft ansehen. In dieser Hausarbeit mochte ich deshalb die Bedeutung der Bizone fur die Wirtschaftsentwicklung in Westdeutschland naher untersuchen. Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden ob die Bizone fur den Wirtschaftsaufschwung verantwortlich war oder ob man andere Maftnahmen, wie die Wahrungsreform in Verbindung mit der Wirtschaftsreform und dem Marshallplan als treibende Kraft bezeichnen kann. Des Weiteren sollen die kurzfristigen Folgen nach Zusammenschluss zur Bizone aufgezeigt werden. Es soll ebenfalls betrachtet werden inwieweit weitere Maftnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage auf dem Zusammenschluss aufbauen konnten. Im Detail erfolgt mithilfe der einschlagigen Fachliteratur in Form von Buchern, Essays und Fachzeitschriften zunachst eine kurze historische Einordnung. Die wirtschaftlichen Probleme und Herausforderungen, die in Deutschland nach Kriegsende allgegenwartig waren, sollen analysiert werden. Aufterdem wird auf die Beschlusse der Potsdamer Konferenz eingegangen und in Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Besatzungszonen, beziehungsweise der unterschiedlichen Besatzungspolitik gebracht. Nachfolgend wird die Bizone genauer untersucht. Es soll erlautert werden, inwieweit die Bizone die zuvor genannten Probleme losen konnte und welche Probleme und Herausforderungen durch die Grundung eines einheitlichen Wirtschaftsgebietes nicht, wie geplant, gelost werden konnten. Als weiterer Aspekt wird im Laufe der Hausarbeit die Bizone mit der Wahrungsreform und der damit verbundenen Wirtschaftsreform von 1948 verglichen, unter dem in der Literatur aufterst umstrittenen Gesichtspunkt, welche Maftnahmen die Wirtschaft in Westdeutschland maftgeblich und nachhaltig beeinflussten und somit zu einer stabilen Wirtschaft beitragen konnten. Zuletzt werden die in der Hausarbeit erarbeiteten Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert. Es wird ein personliches Fazit gezogen und meine Erkenntnisse werden in den historischen Kontext eingeordnet. Schlieftlich wird meine Fragestellung mithilfe der zuvor gewonnen Ergebnisse beantwortet.

2. Die Bizone als grundlegende Maftnahme zur Stabilisierung wirtschaftlicher Verhaltnisse in Westdeutschland

2.1 Historischer Hintergrund und wirtschaftliche Probleme

Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands beendete 1945 den zweiten Weltkrieg in Europa. Dem Willen der Sieger ausgeliefert, konnte die deutsche Bevolkerung ihre Zukunft nicht mehr selbstandig gestalten. Stattdessen war die Zukunft Deutschlands von den Absichten der Alliierten abhangig (vgl. Weber, 2006, S.10). Es gab zahlreiche Herausforderungen und Probleme, in Folge des jahrelangen Krieges, die nach Kriegsende schnellstmoglich von den Siegermachten gelost werden mussten. Diese Probleme werden haufig in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Probleme gegliedert. Die gesellschaftlichen Herausforderungen bestanden unter anderem aus Hungersnoten, aufgrund von anhaltenden Lebensmittelengpassen, der Gefahr von Seuchen und anderen Krankheiten und der allgegenwartigen Armut in allen Schichten der verbleibenden deutschen Bevolkerung. Aufterdem waren Hoffnungslosigkeit und Depressionen in der deutschen Bevolkerung vorherrschend. Die Menschen waren grundsatzlich desillusioniert, da Deutschland als alleiniger Verlierer des Krieges hervorging. Aufterdem lieften viele Familienmitglieder und Bekannte im Laufe des Krieges ihr Leben und viele Manner waren in Kriegsgefangenschaft oder aus anderen Grunden noch nicht aus dem Krieg zuruckgekehrt. So stand die deutsche Bevolkerung nach dem Krieg einem enormen Trummerhaufen gegenuber, welcher oftmals durch die verbliebenen Frauen alleine bewaltigt werden musste. Durch den Wohnraumverlust als Konsequenz aus der umfangreichen Zerstorung der Stadte, lebte die Mehrheit der deutschen Bevolkerung in beengten Verhaltnissen. Aufterdem beanspruchten Fluchtlinge ebenfalls einen Teil des bereits knappen Wohnraums. Die weitgehende Zerstorung der Transport-, Verkehrs- und Kommunikationssysteme zahlte zu den wirtschaftlichen Problemen. Hinzu kam, dass die Reichsmark betrachtlich an Wert verloren hatte, sodass der Tauschhandel und vor allem der Schwarzmarkt florierten. Die Industrie war grofttenteils zerstort und die Produktion kam fast vollstandig zum Erliegen. In Konsequenz konnten nicht mehr genugend Guter produziert werden, um die Bevolkerung ausreichend mit dem Notwendigsten zu versorgen und zu ernahren. Politisch betrachtet war Deutschland ein Objekt der Siegermachte. Es kam unter anderem zum Verlust der Ostgebiete und zu einer territorialen Teilung, im Sinne der vier Besatzungsgebiete. Militargouverneure und deren Mitarbeiter regierten mittlerweile die Besatzungszonen und waren somit im Besitz der eigentlichen Entscheidungsmacht (vgl. Schoenbaum, 1986, S.31). Statt einer Reichsregierung, gab es einen Kontrollrat zur Regelung aller Angelegenheit, welche Deutschland als Ganzes betrafen (vgl. Weber, 2006, S.11). Dieser Kontrollrat war die oberste Besatzungsbehorde und bestand aus den Militargouverneuren der jeweiligen Zonen. Jedoch gelang die einheitliche Regelung der Angelegenheiten nur in vereinzelten Fallen, da wachsende Interessengegensatze der Besatzungsmachte die einheitliche Politik beeinflussten und grofttenteils verhinderten. Ein weiterer Punkt der zu einer verscharften politischen Situation fuhrte, war die Potsdamer Konferenz von 1946 zwischen den Siegermachten, mit Ausnahme von Frankreich. Ruckblickend wird der Konferenz eine Doppelfunktion zugeschrieben. Zum Einen war sie das Ende der gemeinsamen und zugleich Beginn einer divergierenden Deutschlandpolitik. Beschlusse der Konferenz waren unter anderem die Entnazifizierung, Demokratisierung, Entmilitarisierung und die Dezentralisierung von Politik und Wirtschaft. Da es aber keine gemeinsame Definition dieserGrundbegriffe gab, wurde die Umsetzung dieser Vereinbarungen unterschiedlich gehandhabt (vgl. Schoenbaum 1988, S.31). Der Beschluss Deutschland weiterhin als Wirtschaftseinheit zu verwalten, konnte aufgrund der Spannungen zwischen der Sowjetunion und den Westmachten letztendlich nicht realisiert werden. Auch weil man die beschlossene Wirtschaftseinheit nicht mit der Reparationswirklichkeit vereinbaren konnte (vgl. Schoenbaum, 1988, S.31). Weitere Streitpunkte zwischen den einzelnen Teilnehmern waren zum Beispiel die unterschiedliche Auffassungen uber die Hohe der von Deutschland zu bezahlenden Reparationen und auch die territoriale Frage. Die Potsdamer Konferenz wird als Schlusspunkt des zweiten Weltkriegs angesehen. Jedoch bildete sie keine Grundlage fur einen dauerhaften Frieden, da die Bedeutung der Konferenz von den einzelnen Siegermachten sehr unterschiedlich betrachtet wurde. Die Sowjetunion sah die Potsdamer Konferenz als verbindend an, wohingegen die Westmachte ihr keine legitimatorische Bedeutung zuteilten. Auch die Wirtschaftspolitik wurde in den einzelnen Zonen unterschiedlich gehandhabt. Die Westmachte betrieben zunachst eine restriktive Wirtschaftspolitik, bei der die Demontage von Betrieben und die Zerschlagung der Rustungsindustrie den Alltag pragten. Ziel der amerikanischen Deutschlandpolitik war es, die deutsche Wirtschaft nachhaltig zu schwachen, um Deutschland als zukunftiger Machtfaktor in Europa moglichst dauerhaft auszuschalten. Bald erkannte man jedoch, dass die wirtschaftliche Stabilitat Deutschlands maftgeblich zur Stabilitat Westeuropas beitrug und somit von den Amerikanern nicht aufter Acht gelassen werden konnte. Da ein stabiles Europa fur die Amerikaner essentiell war, um den Kommunismus dauerhaft bekampfen zu konnen. Die Sowjetunion konzentrierte sich dagegen zuallererst auf die von ihnen geforderten Reparationszahlungen und auf den Aufbau einer Planwirtschaft nach sowjetischen Vorbild, bei der Enteignungen und Verstaatlichung von Industrie und Banken an der Tagesordnung waren. Da Deutschland jedoch aus unterschiedlich strukturierten Wirtschaftsraume bestand, machte die Teilung und die voneinander in den einzelnen Zonen unabhangig betriebene Wirtschaftspolitik und Produktion, sowie die autonome Verwaltung der einzelnen Besatzungszonen eine funktionsfahige Wirtschaft nahezu unmoglich. (vgl. Spoerer und Streb, 2013, S. 210). So gab es im Nachkriegsdeutschland vielerlei Engpasse, die man in der jeweiligen Zone selbststandig zu bewaltigen versuchte. Daruber hinaus fuhrte unter anderem die unterschiedliche Deutschlandpolitik der einzelnen Siegermachte, zu wachsenden Spannungen zwischen den Westmachten und der Sowjetunion. In Verbindung mit den weiterhin anhaltenden Reparationsstreitigkeiten und den unterschiedlichen politischen Oberzeugungen der Sowjetunion und der Amerikaner fuhrte dies zu einem sich langsam abzeichnenden Ost-West Konflikt. Zusatzlich erschwerten zunehmender Misstrauen und Uneinigkeiten die Zusammenarbeit aller Besatzungszonen maftgeblich. So waren die Vereinbarungen der Potsdamer Konferenz, allem voran die zuvor beschlossene Wirtschaftseinheit Deutschlands, kaum noch gemeinsam umsetzbar.

2.2 Die Bizone und ihre kurzfristigen Folgen

Wahrend derzunachst restriktiven Wirtschaftspolitik der Amerikaner, anderte sich nach und nach das Verstandnis einer nachhaltig stabilen und erfolgreichen Deutschlandpolitik. Schlieftlich kam man zu der Oberzeugung, dass eine stabile deutsche Wirtschaft essentiell fur die Stabilitat der gesamten Wirtschaft in Europa war. Deshalb besaften die Amerikaner ab 1946 eine realistischere Einschatzung ihrer Besatzungspolitik, welche gleichzeitig auch als Wendepunkt der Deutschlandpolitik gilt. Im Zuge dieser neuen Deutschlandpolitik kam es, auf Erlass der Amerikaner, unter anderem zu einer dauerhaften Unterbrechung der anhaltenden Reparationszahlungen (vgl. Goertemaker, 1999, S.128). Des Weiteren musse Deutschland gemaft Byrnes, amerikanischer Auftenminister von 1945 bis 1947, in der Lage sein ohne fremde Hilfe zu leben. Dies wurde laut Byrnes nur durch einen Zusammenschluss der Besatzungszonen auf wirtschaftlicher Ebene funktionieren. Zusatzlich waren gemaft Draper, Funktionar der amerikanischen Militarregierung, weitere Voraussetzungen notwendig, um Deutschland okonomisch zu sanieren. Es mussten die Zonengrenzen als Barrieren der Wirtschaft abgeschafft und eine zentrale Finanzverwaltung errichtet werden. Aufterdem mussten neue Moglichkeiten erschaffen werden, sodass Deutschland wieder aktiv am Auftenhandel teilnehmen konnte (vgl. Benz, 1999, S.50).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftliche Probleme und Herausforderungen im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit
Untertitel
Die Bizone als grundlegende Maßnahme zur Stabilisierung wirtschaftlicher Verhältnisse in Westdeutschland?
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V451379
ISBN (eBook)
9783668845404
ISBN (Buch)
9783668845411
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachkriegszeit, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Bizone, VWL, Wirtschaft
Arbeit zitieren
Selina Abert (Autor), 2018, Wirtschaftliche Probleme und Herausforderungen im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451379

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