Southern Womenhood: Die Geschlechtergeschichte des neuen Süden


Hausarbeit, 2001
17 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Einführung in die Sozialgeschichte irischer Immigration

3 Katholische Kirche und Assimilationsproblematik der Iren
3.1 Die Gemeinde
3.2 Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken
3.3 Irischer Nationalismus
3.4 Katholische Kirche und amerikanische Identität
3.5 Der Bürgerkrieg

4 Zusammenfassung

5 Bibliographie

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Sozialgeschichte irischer Immigration in die USA im 19. Jahrhundert. Dabei wird hauptsächlich auf die irischen Einwanderer im Norden der USA eingegangen und zusätzlich weitgehend auf die katholi­schen Iren beschränkt. Wenn im Folgenden die Begriffe ‘Einwanderer’ oder ‘Immigranten’ unspezifiziert auftauchen, ist davon auszugehen, daß es sich um irische Einwanderer und Immigranten handelt. Begrifflich ist ebenfalls anzumerken, daß die Be­zeichnung ‘Amerikaner’ hier ausschließlich die in Amerika geborenen Bürger, also meist Anglo- Amerikaner, einschließt.

Die Sozialgeschichte der Iren in Amerika wird unter zwei Hauptgesichtspunkten betrachtet: Der katholischen Kirche und der Assimilationsproblematik der Iren in der ameri­kanischen Gesellschaft. Die zu erörternde Fragestellung lautet also zum einen, inwie­fern die katholische Kirche für die irischen Einwanderer eine Rolle gespielt hat, welche Aufgaben sie in dieser Gesellschaft übernahm und wie sie selbst von den Einwanderern geprägt wurde. Und zum anderen, worin die Problematik der Iren bei der Anpassung an die amerikanische Gesellschaft bestand. Ebenfalls stellt sich die Frage, in welcher Beziehung diese Gesichtspunkte zueinander standen. Die Analysen dieser Fragen führen zu den fol­genden Thesen, daß erstens die katholische Kirche das Rückrad der irischen Immigranten bildete und sich im Zentrum des Lebens der Iren etablierte, zweitens der Assimilationspro­zeß immer wieder voran getrieben, aber im 19. Jahrhundert nicht erreicht wurde und drittens bezüglich der Beziehung zwischen Kirche und Assimilation die Kirche die Assi­milation einerseits förderte, aber anderseits auch oft der Grund für Feindseligkeiten gegen die Iren war. Dies wird im Aufbau folgendermaßen dargestellt, daß nach einer allgemeinen Einführung in den Hergang der Einwanderung zuerst auf die zentrale Institution der katho­lischen Gemeinde eingegangen wird. Anschließend wird die Teilnahme der Iren am Kon­flikt zwischen Protestanten und Katholiken, der Antikatholizismus und die Debatten über das Schulsystem erläutert. Im weiteren wird der irische Nationalismus und die Beziehung zwischen Amerikanern, Europa und katholischer Kirche für die Argumentation betrachtet. Abschließend gehe ich auf den Bürgerkrieg als Element positiver Assimilation näher ein.

2 Allgemeine Einführung in die Sozialgeschichte irischer Immi­gration

Während der Kolonialzeit war die Zahl irischer Einwanderer in die USA verglichen mit der weiteren Entwicklung relativ gering. Es immigrierten hauptsächlich zwei Bevölke­rungsgruppen: Einmal die Protestanten, das heißt die Presbyterianer oder Scotch-Irish, die Mitglieder der anerkannten Church of Ireland waren, und zum anderen die Katholiken und Quäker. Die Gründe für das Verlassen der Heimat waren unterschiedlich. Die einen be­schrieben es als ‘perfect felicity’, was vornehmlich für die Protestanten zutraf, die sich in den USA wirtschaftliche Verbesserung versprachen, und die anderen sprachen von ‘endless misery’, was die Empfindungen der Katholiken ausdrückte, die nicht nur Armut, sondern auch religiöser Unterdrückung zu entkommen versuchten. Hierauf komme ich im späteren Verlauf noch einmal zurückgekommen.

Die meist armen Einwanderer reisten oft als sogenannte ‘indentured servants’ in die USA, um die Überfahrtskosten aufbringen zu können. Dies führte dazu, daß sie in Amerika erst einmal in Abhängigkeit der meist sieben Jahre dauernden Verträge lebten, bevor sie die Möglichkeit zum Aufbau einer eigenen Zukunft hatten. Im 19. Jahrhundert stieg die Einwanderungsquote der Iren rasant an. Dies hing er­stens mit der fehlgeschlagenen Rebellion 1798 in Irland, mit der Great Famine in den 40er Jahren und letztlich mit den Post-Famine Immigranten zusammen. Bei diesen Einwande­rungswellen stieg der Katholikenanteil erheblich, so daß letzten Endes nur noch 10% an Protestanten ankamen. Ein Drittel aller Einwanderer war irischer Herkunft, zwischen 1820 bis 1845 immigrierten 1,3 Millionen Iren und ab 1820 wurden 4,7 Millionen irische Ein­wanderer gezählt:

Der typische Einwanderer war meist unter 35 Jahre, unverheiratet, stammte aus bäuerlicher Tradition und war ungebildet und mittellos. Die irischen Bauern, deren Land nicht zur Ernährung aller Familienmitglieder ausreichte, konnten nur versuchen, in den Städten Arbeit zu finden, was durch die rudimentär ausgebildete Industrie in Irland zur Auswanderung zwang. Eben aus diesem Arbeitsmangel wanderte auch die irische Bil­dungsschicht aus, um die Möglichkeiten Amerikas zu nutzen. Die Mehrheit der Iren ver­sammelte sich in den Städten der Ostküste. Die Stadt mit den meisten Iren war anfangs Philadelphia und später New York. Wenige zogen aufs Land, was prinzipiell der Wunsch der katholischen Kirche war. Die Iren nahmen auch an der Westwärtsbewegung teil, einige, hauptsächlich junge, gebildetere Männer, gingen arbeitend von Stadt zu Stadt in Richtung Kalifornien, wo sie 1880 mit einem Ein-Drittel-Anteil die größte Einwanderergruppe dar­stellten.

Betreffend der Berufe, die Iren ausübten, standen ihre Chancen im allgemeinen schlecht. Sie belegten hauptsächlich die unterste Stufe der Rangfolge. Man kann fünf ver­tretene Berufsschichten feststellen: erstens die armen, ungebildeten Arbeiter, die meist im Hafen, Fabriken, Kanal- oder Straßenbau ihr Geld verdienten. Für sie war es oft sehr schwierig dauerhaft Arbeit zu finden. Zweitens die etwas Gebildeten, die bei Polizei, im Militär oder in Bars und als Portiers arbeiteten, drittens die Handwerker und schließlich die vermögenderen Saloonkeeper oder Ladeninhaber und fünftens die sogenannten white-collar-Arbeiter, die im Angestelltenbereich oder als Geistliche und Lehrer tätig waren. Frauen arbeiteten zu 75% als „Bridgets“ in Haushalten. Später wurden sie auch sehr aktiv im Lehrkörper und arbeiteten in Fabriken.

Arbeitsbedingungen und Löhne waren für die Iren extrem schlecht und sie mußten sich mit der allgemeinen Irenfeindlichkeit auseinandersetzen, die sich in Anzeigen wie „No Irish need apply“ ausdrückten. Die zweite Generation hatte es diesbezüglich bedeutend leichter, da die Anerkennung der Iren als Amerikaner schon weiter fortgeschritten war und ihre soziale Stellung sich ebenfalls verbessert hatte. So war der Lebensstandard der Iren anfänglich sehr niedrig und sie machten dem weit verbreiteten Bild der Iren als arme, versoffene und gewalttätige Einwanderergruppe alle Ehre. Diese schlechten Bedingungen drückten sich nicht nur in den elenden Jobs, sondern auch in der schlechten Hygiene, den Alkoholproblemen und der hohen Sterblichkeitsrate unter den Iren aus. Unfall- und Alko­holtod waren deutlich häufiger als in anderen Einwanderergruppen zu finden. Dies bezog sich auch auf die Kindersterblichkeitsrate, die jedoch durch eine ebenfalls sehr hohe Ge­burtenrate sozusagen kompensiert wurde.

Daraus läßt sich auch auf die Familienstrukturen schließen. Iren hatten oft zahl­reiche Kinder und der Familienzusammenhalt wurde als sehr wichtig empfunden. Selten lebten die Großeltern in den Familien, da es unter den Einwanderern wenig alte Menschen gab. Prinzipiell verdiente der Vater das Geld, wobei sein Lohn selten für die ganze Familie ausreichte. Somit trugen die Kinder aktiv zum Familieneinkommen bei, wodurch die Iren letztlich das höchste Einkommen pro Familie im Durchschnitt unter den gesamten Immi­granten hatten. Die Mutter blieb hauptsächlich zu Hause, ihr kamen die Aufgaben im Haushalt sowie das Pflegen sozialer Kontakte in der Nachbarschaft zu, die einen hohen Stellenwert hatten. Manche Hausfrauen übernahmen auch kleinere Arbeiten, die sie im Haus erledigen konnten, selten aber Lohnarbeit. Unter den Iren gab es auch verhältnis­mäßig viele unverheiratete Frauen, die meist im religiösen Bereich oder in Fabriken und als Haushälterinnen arbeiteten. Als Gründe hierfür werden oft die irischen Männer angeführt, die als schlechte, alkoholsüchtige, gewaltbereite Ehemänner galten. Da die Iren sich meist nicht mit Menschen anderer Herkunft vermischten, bevorzugten viele Frauen diesen ledi­gen Familienstand.

Auf diesem Einblick aufbauend soll nun die Rolle der katholischen Kirche erläutert werden sowie der Verlauf der Assimilation der irischen Einwanderer an die amerikanische Gesellschaft.

3 Katholische Kirche und Assimilationsproblematik der Iren

Die Rolle der katholischen Kirche für die irischen Einwanderer und ihre Problematik, sich in die amerikanische Gesellschaft einzugliedern, sind zwei Aspekte, die in einer engen Beziehung zueinander stehen und sich deshalb auch in der folgenden Aus­führung schwer trennen lassen, sich demnach in mehreren Bereichen überschneiden. Man kann sagen, daß die katholische Kirche als zentrale Institution der Iren und auch anderer katholischer Immigranten den Assimilationsprozeß weitreichend beeinflußte, sei es pro­duktiv oder destruktiv. Ebenso war die katholische Kirche ein Teil des Anpassungs­prozesses, dessen Verlauf folglich auch die katholische Kirche prägte. Somit wird deutlich, daß einer dieser zwei Gesichtspunkte in der Betrachtung der irischen Sozialgeschichte immer auch ein Teil der anderen Problematik darstellte. Im Folgenden wird nun näher auf die Entwicklung der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert und auf die Frage der Assi­milation gestellt. Zuerst soll dabei das Augenmerk auf die Gemeinden gelenkt werden, die sich in den Städten wie auch auf dem Land unter den Katholiken bildeten.

3.1 Die Gemeinde

Die Gemeinden oder auch ‘parish’ bildeten sich innerhalb der Neighborhoods als ein Ort, wo sich die Mitglieder zur gegenseitigen Hilfestellung in sozialen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Bereichen trafen. Diese Hilfestellung galt vor allem auch den neu ankommenden Immigranten, die auf Unterstützung angewiesen waren und damit sofort einen Platz in der Einwanderergesellschaft zugewiesen bekamen. Armut und Slum­verhältnisse waren die Hauptmerkmale dieser Neighborhoods. Die Struktur, wie sich die einzelnen Einwanderer ansiedelten, glich oft den Strukturen in Irland, das heißt die irischen Immigranten siedelten sich nach der geographischen Herkunft innerhalb Irlands an. Diese Art der Anordnung konnte sich vor allem zu der Zeit durchsetzen, als die großen Massen an irischen Katholiken die Städte noch nicht überfluteten. Insgesamt wohnten in den Neighborhoods nicht nur irische Katholiken, sondern auch Immigranten anderer ethnischer Herkunft und Protestanten. Der Grund, warum hauptsächlich von irisch-katholischen Ein­wandererslums gesprochen wird ist der, daß sich im Verlauf des Jahrhunderts die Neighborhoods nach Klassen ordneten und die Iren mit Abstand die ärmste Schicht bilde­ten und zusammen mit den Deutschen ebenfalls die größte und auffälligste Gruppe dar­stellten. Mit dieser Klassifizierung trennten sich häufig die Wege der Katholiken und Pro­testanten, welche hauptsächlich der Mittelklassen angehörten. Aber ob Klassenbildung oder nicht, die Gruppen verschiedener Herkunft und Schichten mischten sich nicht und pflegten höchst selten sozialen Kontakt. So bildete sich Chicago’s Washington Park für die South Side Iren und Orte wie Little Germany, das heißt Städte in Städten, was wenig für eine Eingliederung in die amerikanische Gesellschaft sprach und auch die Vorurteile zwischen den Einwanderergruppen aufrecht erhielt, wie zum Beispiel die Feindlichkeiten zwischen Iren und Italienern. Vermischungen innerhalb der Gruppen setzten erst Ende des Jahrhunderts ein und betraf hauptsächlich die zweite Generation.

Der Ursprung der Gemeinde lag in der Religion und der Erhaltung der heimatlichen Kultur der Einwanderer. Anfangs war die katholische Kirche weniger etabliert, daß ein akuter Mangel an Priestern bestand. So trafen sich die Katholiken zur Ausübung ihrer Reli­gion auch ohne das Vorhandensein eines Priesters innerhalb der Gemeinden und zelebrierten die Messe selbst, durch Lesungen der Bibel und katholischer Bücher. Aus diesen Gemeindetreffen heraus entstand der Wunsch, Kirchen zu bauen und diese fest durch einen Priester zu etablieren. Dieser Prozeß setzte auch ein und in kurzer Zeit ent­standen viele Kirchen, die durch die ständig einwandernden Priester geleitet wurden. In New York und Boston entstanden dabei die ersten Kirchen. 1820 gab es nur 124 Kirchen für 195,000 Katholiken und 1860 schon 2,385 Kirchen für 3,103,000 Katholiken. Allein in New York gab es dann 32 Kirchen für 400,000 Katholiken, wovon 70% irischer Herkunft waren.

Die kulturelle Erhaltung bestand darin, Sprache, Sitten und Gebräuche vor dem Verblassen zu schützen. Für deutsche Einwanderer stand vor allem die Sprache innerhalb der katholischen Religion im Vordergrund, wohingegen die Iren ihre Kultur auch in poli­tischer Aktivität und Irlandverbundenheit verstanden.

Priester spielten innerhalb der Gemeinde eine bedeutende Rolle. Sie waren einer­seits die Verbindung zum Vatikan in Rom und den Bischöfen als lenkenden Einheit der Kirche, und andererseits hatten sie eine beratende Stellung unter den Gemeindemitgliedern, die sich auf alle Lebenssituationen ausdehnte. Das heißt, sie sorgten nicht nur für das Seelen­heil, sondern waren gleichzeitig auch „cult leader, confessor, teacher, counselor, social director, administrator, recreation director for young and old, an a social worker.“[1] Diese weitgefächerte Position der Geistlichkeit gab der Kirche einen sehr starken Halt in der Gemeinde, wurde aber auch problematisch im Autoritätskonflikt über das Verantwort­lichkeitsausmaß zwischen Kirche und Gemeindevorstand, der im Späteren noch näher er­läutert wird. Fest steht, daß die Gemeinde sich für gewöhnlich einem Heiligen oder Jesus selbst verschrieb, mit dem Priester zusammen eine Kirche aufbaute, sich als „spiritual, re­creational, educational, and charitable in nature“[2] verstand und das gesellschaftliche Leben dadurch förderte, daß sie Aktivitäten wie „bands, baseball clubs, dramatic groups, picnics, bazaars, and parades as well as the usual weekly or monthly group meetings“[3] unterstützte.

[...]


[1] Jay P. Dolan, The American Catholic Experience (London, UK: University of Notre Dame Press, 1992), 206.

[2] Dolan, The American Catholic Experience, 205.

[3] Dolan, The American Catholic Experience, 207.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Southern Womenhood: Die Geschlechtergeschichte des neuen Süden
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Lehrstuhl fuer Neuere Geschichte)
Note
2.3
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V45166
ISBN (eBook)
9783638426145
ISBN (Buch)
9783638796989
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Amerikanische Frauen-Geschichte um und nach dem Buergerkrieg.
Schlagworte
Southern, Womenhood, Geschlechtergeschichte, Süden
Arbeit zitieren
Johanna Avato (Autor), 2001, Southern Womenhood: Die Geschlechtergeschichte des neuen Süden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45166

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