Die Maya. Der Untergang einer Hochkultur


Seminararbeit, 2013
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Problemstellung und Zielsetzung

2. Die Indígena-Gruppe Maya
2.1 Eine Definition des Begriffs Maya
2.2 Das Ungleichgewicht

3. Der Untergang der Elite
3.1 Der Bauernaufstand
3.2 Die internen Konflikte und Invasionen
3.3 Der Zusammenbruch von Handelsrouten

4. Der Untergang der Bevölkerung

4.1 Naturkatastrophen und Klimawandel

5. Zusammenfassung - Eine Kombination der Ursachen

6. Bibliographie

1. Einleitung – Problemstellung und Zielsetzung

Die folgende Arbeit hat sich zur Aufgabe gemacht, die unterschiedlichen Theorien zum Untergang des mesoamerikanischen Indianervolkes der Maya zu untersuchen. Im Zentrum steht der gravierende Bevölkerungsverlust der Tiefland-Maya zwischen 800 und 1000 n. Chr. Wissenschaftler datieren den Untergang der Hochkultur deshalb auf diese Periode, da nachweislich nach dem 9. Jahrhundert keine Steinstelen[1] mehr errichtet worden waren.[2]

In den heutigen mexikanischen Bundesstaaten Quintana Roo und Yucatán gehören 42,5 Prozent beziehungsweise 53,6 Prozent der Bevölkerung einer Indígena-Gruppe an. Größtenteils sind dies Nachkommen der Maya.[3] Die Maya sind somit nicht gänzlich aus ihrem natürlichen Lebensraum verschwunden und dennoch ging ihre einstige Hochkultur, ihr herausragendes Wissen über die Natur und die Mathematik, verloren. Eine genauere Definition darüber, welche Bereiche der Maya-Kultur untergegangen sind, soll das folgende Kapitel liefern.

2. Die Indígena-Gruppe Maya

2.1 Eine Definition des Begriffs Maya

Mit dem Begriff Maya kann keinesfalls eine homogene Bevölkerungsgruppe bezeichnet werden. Vielmehr kann dem Begriff eine linguistische, eine geografische und eine kulturelle Bedeutung beigemessen werden, wie David Webster in seinem Werk The Fall of the Ancient Maya festhält.[4]

Der linguistische Begriff Maya bezieht sich auf ungefähr 31 Sprachen und Dialekte, die eng miteinander verwandt sind und die heute immer noch in den südlichen und östlichen Gebieten Mesoamerikas gesprochen werden. Die auf der Halbinsel Yucatán gelandeten Spanier prägten diesen Begriff im 16. Jahrhundert, um der Sprache, die von den Indianern gesprochen wurde, eine Beziehung zu geben.[5]

Eine zweite Bedeutung des Begriffs beschreibt die geografische Lage und deren klimatische Besonderheiten. Die Heimat der Maya befindet sich in den Tropen, wo durch reichlich Regen mehr als eine Ernte an Mais und Bohnen möglich ist. Trotzdem hat sich der Lebensraum der Maya über die Jahrhunderte hinweg verändert. David Webster ist der Meinung, dass „many kinds of evidence indicate that in the past there were significant shifts of climate, and particularly fluctuations in temperature and rainfall, that affected the development of Maya civilization.“[6] Auf diese Theorie, dass ein Klimawandel das Gebiet unbewohnbar machte, soll im Kapitel Naturkatastrophen und Klimawandel näher eingegangen werden.

Eine dritte Kategorisierung des Maya-Begriffs bezieht sich auf die gemeinsame Tradition und Kultur dieser indigenen Völker. Neben der Sprache gehören zur Maya-Kultur auch die Art das Land zu bestellen, zu kochen, zu essen, Gebäude zu errichten, der Umgang mit Ressourcen, sowie die Geschlechterstellung in der Gesellschaft und ihre Einstellungen gegenüber Tod, Reichtum und sozialer Klasse.[7] Dabei ist zu beachten, dass es keine komplett homogene Maya-Kultur im riesigen Siedlungsgebiet auf Yucatán gab, sondern durchaus sich voneinander unterscheidende Architekturstile, Keramiken und Kunststile, wie die der Schrift.[8] Für die beiden Mayaforscher Stephens und Catherwood steht der Begriff vor allem für die architektonischen, künstlerischen und intellektuellen Errungenschaften der Tiefland-Maya, die eine elitäre Subkultur unter den Maya-Völkern vertraten. Hier soll auch erwähnt sein, dass sich die späteren Untergangstheorien auf den Untergang dieser elitären Subkultur beziehen, da es, wie bereits erwähnt, auch heute noch Maya-Völker auf Yucatán gibt, die sich allerdings an eine einfache Lebensweise halten. Nur die Eliten verstanden die Kunst der Schrift, die Berechnungen von Zeit und Kosmos und fertigten entsprechende Aufzeichnungen über Naturphänomene an.[9]

2.2 Das Ungleichgewicht

Zwar sind die spanischen Konquistadoren nicht für den Untergang der Hochkultur verantwortlich, die wie bereits erwähnt zwischen 800 und 1000 n. Chr. erfolgte, dennoch soll in diesem Kapitel am Beispiel der Unterlegenheit der indigenen Völker gegen die Europäer eine Erklärung für den unterschiedlichen Entwicklungsstand gefunden werden. Der Biologe Jared Diamond stellt in seinem Buch eine Theorie für die ungleiche Entwicklung der Völker in den verschiedenen Erdteilen vor, wie beispielsweise das technologische Gefälle zwischen den Europäern und den indigenen Völkern Mesoamerikas. Als Paradebeispiel führt er die rasche Eroberung des Inka-Reiches durch den spanischen Eroberer Pizzaro an, dessen Armee zahlenmäßig weit unterlegen gewesen war.[10]

Jared Diamond analysiert die Kausalkette, die zu dieser schnellen Eroberung führte. Als erstes wird der waffentechnische Vorsprung seitens der Spanier betrachtet. Durch Schwerter, Rüstungen aus Stahl, sowie Kanonen und Pferden war es einer Handvoll Spaniern möglich, Tausende Indianer niederzumetzeln.[11] „Dieser ungleiche Ausrüstungsstand spielte in zahllosen anderen Konfrontationen von Europäern mit Indianern und anderen Völkern eine entscheidende Rolle.“[12] Es bleibt nun die Frage zu klären, warum die indianischen Völker den Spaniern so dermaßen unterlegen waren und Stahlwaffen und Pferde nicht kannten.

Ein erster wichtiger Faktor ist zunächst die Kenntnis des Schiffsbaus, die es den Spaniern überhaupt erst ermöglichte, den südamerikanischen Kontinent zu erreichen. Durch die zentralistische politische Ordnung Spaniens war es den Europäern möglich, den Schiffbau zu finanzieren und Mannschaften anzuheuern.[13] Ein weiterer Vorteil ist die Schrift, durch welche „Informationen weit schneller, präziser und detaillierter verbreitet werden“ konnten.[14] Der Indianer-Häuptling Atahualpa ging Pizzaro deshalb in die Falle, da er nur über äußerst spärliches Wissen über die Spanier und deren Absichten verfügte. Das Lesen und Schreiben war nur wenigen Eliten der indianischen Völker vorbehalten, weshalb der Großteil der Indianer nicht erfahren hatte, was die Spanier bereits in anderen Teilen Mesoamerikas angerichtet hatten und dass es ihnen nicht um einzelne Beutezüge, sondern um eine dauerhafte Inbesitznahme ging.[15] Diese Fehleinschätzungen der Herrscher kamen auch dadurch zustande, dass nie ein Bewohner der Neuen Welt die Alte Welt je besucht hatte.[16] Pizarro hatte aus Büchern von früheren Begegnungen zwischen Spaniern und Einheimischen gelesen und seine Geiselnahme Atahualpas war eine bloße Nachahmung von Cortés‘ Eroberung des Azteken-Reichs in der spanischen Eroberung von 1519 bis 1921. Die indigenen Völker hatten also nicht nur keine Erfahrung mit Eroberern aus Übersee, sondern sie hatten nicht einmal „von ähnlichen Bedrohungen anderer Reiche an irgendeinem Ort und irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte gehört (oder gelesen).“[17]

Als Grundlage für die militärische und politische Überlegenheit der Spanier sieht Diamond die Einführung der Landwirtschaft.[18] „Die Domestikation von Pflanzen und Tieren (führte) auf direktem Wege zu höheren Bevölkerungsdichten, da mehr Nahrung erzeugt werden konnte als zuvor.“[19] Die Nutztiere boten Fleisch, Milch und Dünger. Als Zugtiere für die Feldbestellung erhöhten sie die Erträge des Pflanzenanbaus und dienten den Menschen auch als Reittier.[20] Die Tiere und Pflanzen dienten nicht nur als Nahrungslieferanten, sondern durch die von ihnen gewonnenen Naturfasern konnten Kleidung, Decken, Netze und Seile und von Kuhhäuten Leder hergestellt werden.[21] Durch die erfolgreiche Domestikation von Wildpferden standen den Spaniern somit auch Pferde für den Krieg zur Verfügung. „Der Schrecken, den ein Angriff mit Pferden hervorrief, die große Wendigkeit der Tiere, das hohe Tempo des Angriffs und die geschützte, weil erhöhte Kampfposition der Reiter bewirkten, daß ihnen Fußsoldaten auf offenem Feld nahezu wehrlos ausgeliefert waren.“[22] In Mesoamerika gab es nur zwei domestizierbare Tiere, den Truthahn und den Hund, die weitaus weniger Fleisch als Rinder, Schafe und Schweine lieferten. Des Weiteren war Mais sehr schwer zu domestizieren.[23]

[...]


[1] Die Steinstelen haben für die Maya eine ganz besondere Bedeutung: „Laut dem Weltbild der Maya bestand die Welt zum Beginn nur aus Wasser und Himmel. Dabei wurde der Himmel durch den Weltenbaum (Ceiba) gestützt damit er nicht auf das Wasser fällt. In ihren Städten wiederholten die Mayas ihre Schöpfung. Im Zeremonialzentrum stellte der Platz (nab = Ozean/See) symbolisch das Urwasser nach, die Pyramide den Ceiba-Baum und die Stelen („te“ oder auch „tun“) waren die steinernen Bäume die sich zwischen dem Meer und dem Himmel ausbreiteten.“ Mexiko-Lexikon (2006): Stele, URL: http://mexiko-lexikon.de/mexiko/index.php?title=Stele[Stand 19. April 2006].

[2] Coe, Michael: Die Maya. Aufstieg, Glanz und Untergang einer indianischen Kultur, Bergisch Gladbach 1968, S. 31, 138.

[3] Mexiko-Lexikon (2007): Indigene Bevölkerungsgruppe, URL: http://mexiko-lexikon.de/mexiko/index.php ?title=Indigene_Bev%C3%B6lkerung[Stand 21. November 2007].

[4] Webster, David: The Fall of the Ancient Maya. Solving the Mystery of the Maya Collapse, London 2002, S. 38-43.

[5] Ebd., S. 38.

[6] Ebd., S. 42.

[7] Ebd.

[8] Ebd., S. 42f.

[9] Ebd., S. 46.

[10] Diamond, Jared: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften, Frankfurt am Main 2000, S. 71-78. In Diamonds Buch gibt es einen Augenzeugenbericht, der den Einmarsch des spanischen Konquistador Pizzaro mit seinen Männern in Cajamarca wiedergibt. Der Indianer-Häuptling Atahualpa empfängt die Neuankömmlinge unvoreingenommen auf dem Platz von Cajamarca, um welchen Pizarro seine Soldaten im Hinterhalt verstecken lies. Atahualpa wird feierlich mit Tänzen und Gesängen begleitet in einer Sänfte auf den Platz getragen. Pizarro schickt den Geistlichen aus seinem Gefolge zu dem Indianer-Häuptling, der ihn auffordert sich im Namen Gottes und des Königs von Spanien in den Dienst Jesus Christus zu stellen. Atahualpa wirft die Bibel in hohem Bogen auf den Boden, worauf hin die Soldaten aus dem Hinterhalt hervorbrechen, um mit Kanonen und Pferden die Indianer zu verschrecken, die unbewaffnet keine Chance gegen die Spanier hatten. Atahualpa wurde überrumpelt und entführt.

[11] Ebd., S. 78f.

[12] Ebd., S. 78.

[13] Ebd., S. 84. Auch das Inka-Reich besaß eine zentralisierte politische Ordnung, die ihnen allerdings zum Nachteil wurde, da sich so die Spanier mit der Hinrichtung Atahualpas mit einem Schlag an die Spitze der Befehlskette gesetzt hatten.

[14] Ebd.

[15] Ebd., S. 85.

[16] Ebd., S. 86.

[17] Ebd.

[18] Ebd., S. 91.

[19] Ebd., S. 95.

[20] Ebd., S. 94-98.

[21] Ebd., S. 97.

[22] Ebd., S. 81.

[23] Ebd., S. 165.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Maya. Der Untergang einer Hochkultur
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V451672
ISBN (eBook)
9783668847620
ISBN (Buch)
9783668847637
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indigena, Maya, Elite, Bauernaufstand, Hochkultur, Lateinamerika, Cortes, Naturkatastrophen, Klimawandel, Untergang
Arbeit zitieren
M.A. Anne-Marie Schmidt (Autor), 2013, Die Maya. Der Untergang einer Hochkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451672

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