Altfranzösisch und Altfranzösische Literatur am Beispiel von 'De la vedve et del chevalier' von Marie de France


Hausarbeit, 2005
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Übersetzung des altfranzösischen Textes De la vedve et del chevalier

3. Charakterisierung der Gattung und des Sinngehaltes des Textes

4. Sprachliche Gestaltung des Textes in den Bereichen Wortschatz, Grammatik, Aussprache und Schreibung

5. Weitere Beispiele der vergleichbaren Gattung und andere Gattungen der altfranzösischen Literatur

6. Resümee

7. Literaturangaben

1.Einleitung

„In der romanischen Sprachgeschichte ist wohl kein Weg weiter als der von Rom nach Paris.“ schreibt Sergijewskij in seiner Einführung in das ältere Französisch. Damit will er ausdrücken, dass unter allen romanischen Sprachen das moderne Französisch diejenige ist, die am wenigsten Ähnlichkeit mit Latein hat. Dies hat verschiedene Gründe- zum einen die Substate der Sprachen, die vorher das heutige französische Sprachgebiet beherrschten, zum anderen die Superstrate, die nach der bereits vollzogenen Romanisierung, die von den Römern mitgebrachte Sprache immer wieder beeinflussten und somit teilweise modifizierten. Gerade das macht jedoch die Beschäftigung mit der französischen Sprachgeschichte so interessant- nachzuvollziehen, wie hat sich diese Sprache langsam vom Lateinischen zu einer eigenen Sprache entwickelt und wie ist der Sprachstand im 12./13.Jh.

Doch nicht nur die französische Sprache des Mittelalters, sondern auch die Literatur, die zu dieser Zeit entstand, bietet eine große Formenvielfalt und die Beschäftigung mit ihr überaus lohnenswert. So existieren neben der höfischen Epik, wie dem roman courtois, dem roman d’antiquité oder dem chanson de geste, und der Minnelyrik der Troubadoure auch viele narrative Kurzformen. Mit einer dieser kurzen Erzählformen, der Fabel, werde ich mich in dieser Hausarbeit näher auseinandersetzten.

Zu Beginn der Arbeit werde ich den altfranzösischen Text De la vedve et del chevalier ins Deutsche übersetzten und diesen dann in Bezug auf seine sprachliche Gestaltung kommentieren. Im Anschluss möchte ich mich mit den literarischen Aspekten dieses Textes in Bezug auf seine Gattung sowie in Bezug auf seine Sinnebenen auseinandersetzen. Abschließend werde ich dann auch andere Gattungen der altfranzösischen Literatur kurz betrachten.

Im Ergebnis hoffe ich einen guten Einblick in den oben erwähnten Text werde gegeben haben.

2. Übersetzung des altfranzösischen Textes De la vedve et del chevalier

Marie de France: De la vedve et del chevalier

D’un hume cunte li escriz,

Ki esteit morz e enfuïz;

sa femme meine grant dolur

desur sa tumbe e nuit e jur.

Pres d’iluec aveit un larrun

ki ert penduz pur mesprisun.

Uns chevalers le desprendi

-sis parenz ert- si l’enfuï.

Par la cuntree fu crié

ki le larrun aveit osté,

sun jugement meïsme avreit:

S’il ert ateinz, penduz sereit.

Dunc ne sot il cunseil trover

cum il se peüst delivrer,

Kar seü ert de mainte gent

qu’il le teneit pur sun parent.

Al cimitiere vet tut dreit

la u la prude femme esteit,

ki sun seigneur ot tant pluré.

Cuintement a a li parlé,

dit li qu’ele se cunfortast,

Mult sereit liez, s’ele l’amast.

La prude femme l’esguarda,

grant joie fist, si l’otrïa

Qu’elle fera sa volenté.

Li chevaliers li a cunté

Que mult li ert mesavenu

Del larrun qu’il ot despendu;

s’el ne l’en set cunseil doner,

hors del païs l’estuet aler.

La prude femme respundi:

“Desfuum mun barun de ci,

puis sil pendum la u cil fu,

si n’iert ja mes aperceü.

Delivrer deit hum par le mort

Le vif dunt l’em atent cunfort.“

Par iceste signefïance

poum entendre quel creance

deivent aveir li mort es vifs,

Tant est li munz faus e jolifs.

Die Witwe und der Ritter

Man schreibt die Geschichte eines Mannes,

der starb und begraben wurde;

Seine Frau blieb Tag und Nacht

mit großem Schmerz bei seinem Grab.

Dort in der Nähe hatte man einen Dieb aufgehängt,

um ihn wegen seiner Fehler zu strafen.

Ein Ritter hängte ihn –er war sein Vater- ab

und begrub ihn.

Im Land wurde verkündet:

Derjenige, der den Dieb begraben hatte

müsste das Gleiche erleiden;

Wenn man ihn finden würde, werde er gehängt.

Der Ritter wusste also keinen Rat,

wie er sich befreien könnte (aus dieser Situation);

denn viele Leute wussten

dass es sich um seinen Vater handelte.

Er ging auf den Friedhof ganz nach rechts,

dort wo die edle Frau war,

die so sehr wegen ihres Mannes weinte.

Er sprach sie vorsichtig an;

Er sagte ihr, dass er sie trösten könnte,

er wäre sehr froh, wenn sie ihn lieben würde.

Die edle Frau schaute ihn an,

es würde ihr große Freude bereiten, so stimmte sie zu,

dass sie ihm nach seinem Willen sei.

Der Ritter erzählte ihr (dann),

dass ihn ein großes Unglück erwartete

wegen des Diebes, den er abgehängt hatte;

Wenn sie ihm keinen Rat geben kann,

muss er außer Landes gehen.

Die gute Frau antwortete (also):

„Nimm meinen Mann hier heraus,

um ihn anstatt des Diebes aufzuhängen:

niemand wird es bemerken.

Man soll die Lebenden,

vor dem Tod bewahren,

denn sie geben Mut.“

Die Bedeutung dessen (dieser Geschichte)

welchen Glauben sollten die Toten in die Lebenden haben,

so falsch und hübsch wie die Welt ist.

2. Charakterisierung der Gattung und des Sinngehaltes des Textes

Bei dem vorliegendem Text handelt es sich um eine Fabel. Es mag seltsam anmuten, dass die Charaktere dieser Fabel keine Tiere sind, doch gibt es in vielen französischen Fabelsammlungen auch immer Erzählungen, die keine Tierfabeln sind und trotzdem zu der Gattung der Fabel gezählt werden. Diese werden in anderen Fassungen auch conte oder dit bezeichnet.[1]

Die meisten Fabelsammlungen des Mittelalters gehen auf die Fabelsammlung Ésope bzw. Ysopet, die 1180 und 1190 von Marie de France verfasst wurden, zurück. Auch diese Fabel entstammt dieser Sammlung, die insgesamt 103 Texte umfasst- Nachdichtungen von Fabeln, Anekdoten und Schwänken des lateinischen Autors Äsop. Marie de France selbst hat die Fabeln aus dem Englischen übersetzt, die, ihrer eigenen Angabe nach, einer lateinischen Vorlage äsopischer (und phärischer) Fabeln entstammen.[2] Die Fabeln hat Marie de France dann „cunte Willalme, le plus vaillant de cest reialme“ gewidmet.[3]

Die Gattung der Fabel, abgeleitet von lateinisch fabula, ist als kurze Lehrdichtung charakterisiert. Sie kann in Prosa- oder in Versform dargestellt werden und soll eine allgemein gültige Lebensweisheit oder belehrende, sentenzhafte Weisheit vermittelt, die üblicherweise als Moral (Epimythion) am Ende der Geschichte zusammengefasst wird. In der Regel sind die Handlungsträger Tiere, die mit meist stereotyp verwendeten menschlichen Charaktereigenschaften ausgestattet sind (der schlaue Fuchs, der mächtige Löwe etc.), wobei Ausnahmen, wie an dem Beispiel dieser Arbeit zu sehen, die Regel bestätigen.

Der Aufbau einer Fabel aus dem vorangehendem Mythos, der Ausgangssituation (Promythion), der Handlung (actio), der Gegenhandlung (reactio), dem Ergebnis und dem Epimythion. Jedoch kommen das Ergebnis und die Moral nicht in jeder Fabel vor.[4]

Diese Fabel weist nicht die typischen Merkmale einer Fabel auf. Wie bereits erwähnt, handelt es sich nicht um eine Tierfabel und somit stellt sie auch keine stereotypen Merkmale von Tieren dar. Auch ist diese Fabel nicht als Lehrdichtung zu deuten, obwohl eine Art Moral am Ende herausstellt, nämlich, dass man sich als Toter nicht mehr auf die Lebenden verlassen dürfe.

Der Inhalt der Geschichte ist Folgener- eine Frau trauert am Grab ihres toten Mannes. Sie wird von einem Ritter auf dem Friedhof angesprochen, der zuvor seinen erhängten Vater, der ein Dieb war, abgehängt hatte und nun überall im Land gesucht wird, da er selbst gehängt werden solle. Der Ritter fragt die Frau, ob sie ihn nicht trösten solle, wenn sie ihn dafür liebte. Auf ihre Zustimmung hin erzählt er ihr von seinem Unglück. Daraufhin hat die Frau die Idee, dass sie doch ihren toten Mann statt des Diebes aufhängen könnten und der Ritter daraufhin gerettet wäre. Als Handlungsmotiv gibt die Frau am Ende der Fabel an, dass die Lebenden den Lebenden helfen müssten.

[...]


[1] Grimm: 1999, S.44.

[2] Ebd.: S.45.

[3] Köhler: 1985, S.45.

[4] vgl. Vorlesung bei Frau Prof. Ruhe: Narrative Kurzformen in der französischen Literatur des Mittelalters, SoSe 2005.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Altfranzösisch und Altfranzösische Literatur am Beispiel von 'De la vedve et del chevalier' von Marie de France
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Altfranzösisch
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V45169
ISBN (eBook)
9783638426176
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altfranzösisch, Altfranzösische, Literatur, Beispiel, Marie, France
Arbeit zitieren
Steffi Kny (Autor), 2005, Altfranzösisch und Altfranzösische Literatur am Beispiel von 'De la vedve et del chevalier' von Marie de France, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45169

Kommentare

  • Gast am 11.1.2010

    Stil und Rechtschreibung sind grauenhaft! Es scheint so als beherrsche der Autor die deutsche Sprache nur mangelhaft. Inhatlich ist die Arbeit unspektakulär. Die angebliche Bewertung der Arbeit (1,3) ist nicht nachvollziehbar.

Im eBook lesen
Titel: Altfranzösisch und Altfranzösische Literatur am Beispiel von 'De la vedve et del chevalier' von Marie de France


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden