Der Unterrichtsentwurf enthält Stundenplanungen für circa 30 Schulstunden. Er setzt einen Schwerpunkt auf Figurencharakterisierung und Erzähltextanalyse und endet mit einem Vergleich der Verfilmung mit der literarischen Vorlage (als Schülerprojekt) und der Idee, eigene Szenen zu verfilmen.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Der Richter und sein Henker
1.1.1 Stunde 1+2: Einstieg in die Lektüre/ Darstellung des Polizeiapparates
1.1.2 Stunde 3+4: Figuren Tschanz und Bärlach
1.1.3 Stunde 5+6: Der Anschlag
1.1.4 Stunde 7+8: Die Wette
1.1.5 Stunde 9+10: Die Wette II und Bärlach
1.1.6 Stunde 11+12: Figurencharakterisierung Bärlach
1.1.7 Stunde 13+14 Charakterisierung II und Analyse von Erzähltexten
1.1.8 Stunde 15+16 Analyse von Erzähltexten II (im Computerraum)
1.1.9 Stunde17+18: Filmanalyse
1.1.10 Stunde 19+20: Film und Vorbereitung Präsentation
1.1.11 Stunde 21+22: Präsentationen halten
1.1.12 Stunde 23-26 Vorbereitung einer Filmsequenz
1.1.13 Stunde 27+28: Präsentation der Sequenz
2 Anhang
2.1 Klassenarbeit „Der Richter und sein Henker“
2.2 Musterlösung zur Klassenarbeit
2.3 Checkliste zur Charakterisierung
2.4 Methodenkarte Charakterisieren
2.5 Analyse von Erzähltexten
2.6 Arbeitsaufträge Filmanalyse
Zielsetzung & Themen
Dieses Unterrichtsmaterial verfolgt das Ziel, Schülern eine tiefgreifende Analyse von Friedrich Dürrenmatts Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“ zu ermöglichen. Dabei liegt der Fokus auf der Erarbeitung zentraler Figuren, der Interpretation moralischer Fragestellungen und dem methodischen Handwerkszeug für die literarische sowie filmische Analyse.
- Charakterisierung der Hauptfiguren Bärlach und Tschanz
- Ethische Bewertung der Handlungen im Kontext des Kriminalromans
- Methodenkompetenz: Schriftliche Textanalyse
- Medienkompetenz: Vergleich zwischen literarischer Vorlage und filmischer Umsetzung
Auszug aus dem Buch
Charakterisierung der Figur „Tschanz“ aus dem Krimimalroman „Der Richter und sein Henker“
Tschanz ist eine der Hauptfiguren in Friedrich Dürrenmatts 1952 erschienenen Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“, in dem die Möglichkeit, ungestraft Verbrechen zu begehen, thematisiert wird.
Tschanz, der bei seiner erste Erwähnung - wie der im Roman ermordete Polizist Ulrich Schmied- einen Mantel und einen Filzhut trägt, ist ein junger, alleinstehender Kommissar, der sich durch ein „gutmütiges, volles Antlitz“ (S. 18) auszeichnet. Über weitere äußere Merkmale wird wenig berichtet, sodass Tschanz als äußerlich unauffällig gelten muss. Er, der formal Bärlach bei der Aufklärung des Mordfalls Schmied assistiert, verschwindet eher in der Masse, als dass er aus ihr heraussticht (wie beispielsweise bei der Beerdigung von Schmied zu beobachten ist; S. 57/58). Im positiven wie negativen Sinne scheint es keine äußeren Merkmale zu geben, die Tschanz hervorheben, ihn zu etwas Besonderem machen. Diese Tatsache entspricht nicht dem, was Tschanz selbst in sich sieht und kann als Haupttriebfeder viele seiner Handlungen gelten, denn Tschanz möchte von anderen gesehen, beachtet und für seine Fähigkeiten gelobt werden.
Er ist nicht bereit, sich weiterhin mit der ihm zugedachten Rolle zufrieden zu geben. Aus seiner Sicht stand er zu lange im Schatten Schmieds, einer Person, die nur deshalb die ihm zugeordnete Position innehatte, weil dieser „reiche Eltern“ (S. 26) hatte und „das Gymnasium besuchen“ (S. 26) konnte. Tschanz sieht seine eigene, in hierarchischer und sozialer Position Schmied nachgeordneter Position als Folge dieser ursprünglichen Ungerechtigkeit. Solange Schmied lebte, gab es offenbar für Tschanz keine Möglichkeit, diese Verhältnisse zu ändern. Nun aber, nach Schmieds Tod, möchte er unbedingt aus dem Schatten von Schmied heraus treten– dafür ist ihm kein Preis zu hoch.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Der Richter und sein Henker: Dieses Hauptkapitel umfasst eine detaillierte Unterrichtsreihe, die den gesamten Roman von der ersten Stunde bis zur abschließenden Präsentation filmischer Sequenzen strukturiert durchläuft.
2 Anhang: Der Anhang bietet praktische Hilfsmittel, darunter Aufgaben für Klassenarbeiten, Musterlösungen, Checklisten für Charakterisierungen sowie methodische Anleitungen zur Analyse von Erzähltexten und Filmen.
Schlüsselwörter
Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Charakterisierung, Tschanz, Bärlach, Kriminalroman, Filmanalyse, Erzähltextanalyse, literarische Figur, Unterrichtsmaterial, Methodenkarte, Schuld und Sühne, Moral, Polizeiapparat, Medienkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsmaterial grundlegend?
Es handelt sich um einen strukturierten Verlaufsplan für den Deutschunterricht zur Erarbeitung des Romans „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die Charakterisierung der Protagonisten, die moralische Analyse der Handlungsmotive sowie die vergleichende Untersuchung von Roman und Film.
Was ist das primäre Ziel der Lektürearbeit?
Die Schüler sollen ein tiefes Verständnis für die literarischen Figuren entwickeln und lernen, komplexe Texte und Medien eigenständig methodisch fundiert zu analysieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es kommen Methoden wie die Figurencharakterisierung, die Erzähltextanalyse sowie filmtechnische Untersuchungsverfahren zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Unterrichtssequenz behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Stundeneinheiten, die den Romanabschnitten folgen: von der Einführung in den Polizeiapparat über die Analyse der Figuren Bärlach und Tschanz bis hin zur Wette zwischen Bärlach und Gastmann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Material?
Dürrenmatt, Charakterisierung, Filmanalyse, literarische Analyse und Medienkompetenz sind die zentralen Begriffe.
Wie unterstützt das Material die Schüler bei der Charakterisierung?
Es enthält eine spezielle Checkliste und eine Methodenkarte, die einen „Bauplan“ für eine fachgerechte schriftliche Charakterisierung vorgeben.
Warum wird der Filmvergleich in die Arbeit einbezogen?
Der Vergleich fördert das Verständnis für die unterschiedlichen Ausdrucksmittel von Literatur und Film und schult die analytische Medienkompetenz.
Welche Rolle spielt die „Wette“ innerhalb des Romans?
Die Wette zwischen Bärlach und Gastmann bildet einen moralischen und handlungstechnischen Kernpunkt, der in den Kapiteln 1.1.4 und 1.1.5 intensiv hinterfragt wird.
Welche Bedeutung kommt dem Ende des Romans für Tschanz zu?
Tschanz erkennt am Ende seine Rolle als „Henker“ und scheitert an seinem Anspruch, die überlegene Position Bärlachs einzunehmen, was in den Analyseaufgaben des Anhangs reflektiert wird.
- Arbeit zitieren
- Dr. Hanno Frey (Autor:in), 2008, Ein Unterrichtsmodell für Friedrich Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451733