Die Beobachtung gehört zu den grundlegenden empirischen Methoden der Datenerhebung. Bei Primärerhebungen ist sie neben der Befragung und dem Experiment die wichtigste Form der Informationsgewinnung. Anders als die Befragung und das Experiment stellt die Beobachtung als wissenschaftliche Methode ein relativ aufwendiges und zeitraubendes Verfahren der Datengewinnung dar, welche insbesondere dann zum Einsatz kommt, wenn die Ersteren sich nicht dazu eignen, ein authentisches und reliables Ergebnis zu erzeugen. Als empirische Methode findet die Beobachtung auch im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ) Anwendung. Von signifikanter Bedeutung bei der wissenschaftlichen Beobachtung ist die Art, welche Position der Beobachter bzw. Forscher in Bezug auf die Beobachtung hat und wie er an die Beobachtenden herangeht. Ist der Beobachter während der Beobachtung präsent? Nimmt er aktiv am Geschehen teil oder beobachtet er die Lage von außen? Gibt er zu erkennen, dass er die Beforschten beobachtet oder verschweigt er es?
In dieser Arbeit soll untersucht werden, welcher Beobachtungtyp sich insbesondere für den DaF/DaZ-Unterricht eignen und von welchen Faktoren das abhängig ist. Dafür ist es erforderlich, die Beobachtung als empirisch-wissenschaftliche Methode zu definieren. Die wissenschaftliche Beobachtung unterscheidet sich in ihrer Systematik und Vorgehensweise von der individuellen und zufälligen Alltagsbeobachtung. Dieser Umstand mag verwirren, erschließt er sich doch nicht gleich aus dem Wortlaut. Eine Klärung des Begriffs der Beobachtung im wissenschaftlichen Sinne scheint notwendig. Im Anschluss werden die differierenden Beobachtungstypen benannt und voneinander abgegrenzt. Die Beschreibung der verschiedenen Beobachtungsformen hilft dabei, ein klares Urteil darüber zu fällen, welche der vorzustellenden Typen im DaF/DaZ Bereich Anwendung finden sollten. In einem weiteren Abschnitt werden die Besonderheiten von Beobachtungen im DaF/DaZ Bereich beleuchtet. Der DaF/DaZ Bereich unterscheidet sich von anderen Bereichen in Bezug auf einige Besonderheiten, die es zu beachten gilt, möchte man eine wissenschaftliche Beobachtung durchführen. Welche das sind und was das für den Forscher bedeutet, wird im weiteren Verlauf aufgezeigt. In Kapitel 5 werden die Ergebnisse schließlich in den Kontext von DaF/DaZ gestellt und resümiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beobachtung: Eine Definition
3. Differenz der Beobachtungstypen
3.1 Grad der Offenheit
3.1.1. Offene Beobachtung
3.1.2. Verdeckte Beobachtung
3.2. Status der Teilnahme
3.2.1. Teilnehmende Beobachtung
3.2.1. Nichtteilnehmende Beobachtung
4. Besonderheiten von Beobachtungen im DaF/DaZ Bereich
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungsmöglichkeiten verschiedener Beobachtungstypen innerhalb der empirischen Forschung, mit einem speziellen Fokus auf den Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ).
- Systematische Definition der wissenschaftlichen Beobachtung
- Unterscheidung zwischen offenen und verdeckten Beobachtungstypen
- Analyse des Einflusses der Forscherrolle (Teilnahme vs. Nichtteilnahme)
- Besondere Anforderungen an Unterrichtsbeobachtungen im DaF/DaZ-Kontext
- Faktoren der methodischen Entscheidungsfindung in der Sprachlehrforschung
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Offene Beobachtung
Wenn offen beobachtet wird, wissen die Beobachteten um die Beobachtung. Den Beobachteten ist also bekannt, dass sie Gegenstand einer Beobachtung sind und bisweilen auch, was beobachtet wird. Allerdings gilt es bei dieser Form zu beachten, dass das Wissen um die Beobachtung und der Erhebungssituation zu Verhaltensänderungen bei den Untersuchungspersonen führen kann. Der amerikanische Sprachwissenschaftler, Wiliam Labov, spricht in diesem Kontext vom Beobachterparadoxon. Darunter versteht Labov die Tatsache, dass sich der Beobachtungsprozess grundsätzlich auf die beobachtete Situation auswirkt. Sie beeinflusst die Natürlichkeit des Geschehens. Es lässt sich also nicht mit Gewissheit sagen, ob die Ergebnisse ohne Beobachtung ähnlich ausgefallen wären. In den meisten Fällen werden Beobachtungen offen durchgeführt, auch um rechtlichen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen und sich ethisch korrekt zu verhalten. Das schriftliche Einverständnis der Beobachteten wird in vielen Situationen eingeholt. Nichtsdestotrotz bemüht man sich um die Verringerung der Invasivität, also des Einflusses auf die beobachtete Situation durch äußere Faktoren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Beobachtung als grundlegende empirische Methode und leitet die Forschungsfrage hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit im DaF/DaZ-Kontext her.
2. Beobachtung: Eine Definition: Dieses Kapitel arbeitet das Verständnis der wissenschaftlichen Beobachtung heraus und grenzt sie methodisch von der Alltagsbeobachtung sowie der pädagogischen Diagnostik ab.
3. Differenz der Beobachtungstypen: Hier werden zentrale Differenzierungskriterien wie der Grad der Offenheit und der Status der Teilnahme erläutert und typologisiert.
4. Besonderheiten von Beobachtungen im DaF/DaZ Bereich: Das Kapitel diskutiert spezifische Herausforderungen bei der Beobachtung von Lehrenden und Lernenden im Sprachunterricht.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Wahl des Beobachtungstyps von Faktoren wie der Forschungsfrage, dem Ort und technischen Ressourcen abhängt und betont die Notwendigkeit methodischer Präzision.
Schlüsselwörter
Beobachtung, Empirische Methoden, DaF/DaZ, Wissenschaftliche Beobachtung, Beobachterparadoxon, Feldbeobachtung, Invasivität, Pädagogische Diagnostik, Teilnehmende Beobachtung, Nichtteilnehmende Beobachtung, Qualitative Forschung, Sprachlehrforschung, Datenhebung, Interaktionsanalyse, Forschungsdesign
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung wissenschaftlicher Beobachtungsmethoden im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ).
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Beobachtung, der Unterscheidung zwischen verschiedenen Typen (offen/verdeckt, teilnehmend/nichtteilnehmend) und den Besonderheiten der Unterrichtsbeobachtung.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, welcher Beobachtungstyp sich für den DaF/DaZ-Unterricht eignet und von welchen Faktoren diese Wahl abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär beschrieben?
Die Arbeit fokussiert sich auf die empirische Methode der systematischen wissenschaftlichen Beobachtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Beobachtung, die Klassifizierung der Beobachtungstypen nach Offenheit und Teilnahme sowie die Spezifika des DaF/DaZ-Bereichs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Beobachtung, DaF/DaZ, Invasivität, Beobachterparadoxon und methodische Systematik.
Was bedeutet das "Beobachterparadoxon" im Kontext der Arbeit?
Es beschreibt den Umstand, dass der Beobachtungsprozess selbst die Natürlichkeit der Situation beeinflussen kann, was die Authentizität der erhobenen Daten einschränken kann.
Warum spielt der Status der Teilnahme eine Rolle?
Der Status der Teilnahme entscheidet darüber, wie stark der Forscher in das Geschehen eingreift und beeinflusst somit das Ausmaß der Invasivität und die Qualität der Daten.
Welche Rolle spielen Audio- und Videoaufnahmen?
Sie werden als technische Mittel genannt, die eine Dokumentation ohne direkte Anwesenheit des Forschers ermöglichen, jedoch juristische und bürokratische Hürden aufwerfen.
Was macht den DaF/DaZ-Bereich bei Beobachtungen besonders?
Besonders ist die Notwendigkeit, im Vorfeld zu entscheiden, ob der Fokus auf Lernumgebung, Lehrende oder Lernende gelegt werden soll, oft in Verbindung mit Sprachstandserhebungen oder Interaktionsanalysen.
- Arbeit zitieren
- Ahmad Abbas (Autor:in), 2018, Über die Beobachtungstypen und ihre Anwendung im DaF/DaZ-Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451794