Figurenstereotypen und ihre Parodien am Beispiel von Edgar Wallace – Der Hexer (1964) und Oliver Kalkofe – Der Wixxer (2004)


Hausarbeit, 2005

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Figuren und ihre Darstellung im Hexer
2.1 Scotland Yard Chef Sir John
2.2 Der Bösewicht Maurice Messer
2.3 Der Butler Archibald Finch

3. Figuren und ihre Darstellung im Wixxer
3.1 Scotland Yard Chef Sir John
3.2 Der Bösewicht Earl of Cockwood
3.3 Der Butler Alfons Hatler

4. Vergleich der Figuren
4.1 Sir John vs. Sir John
4.2 Maurice Messer vs. Earl of Cockwood
4.3 Archibald Finch vs. Alfons Hatler

5. Resumée

1. Einleitung

Wer kennt nicht die allseits beliebten Krimis von Edgar Wallace? Von den späten 50er bis zu den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden insgesamt über 30 von ihnen in den Studios der deutschen Produktionsfirma Rialto verfilmt. Eine der bekanntesten daraus ist der im Jahre 1964 gedrehte Der Hexer. Die Charaktere des Films sind mit nahezu den gleichen Stereotypen besetzt, wie in fast allen anderen Filmen dieser Machart auch. Es gibt den Polizeichef, den Bösewicht, den Polizeiinspektor, den Butler und noch einige weitere Gestalten, deren Anwesenheit wir erwarten.

Eine solche Aneinanderreihung von Stereotypen fordert es geradezu heraus, überzeichnet und parodiert zu werden. Dieses Unterfangen hat der ebenfalls deutsche Regisseur Oliver Kalkofe im Jahre 2004 gewagt. Auch seine Version, Der Wixxer, beinhaltet die bereits oben genannten stereotypen Figuren, jedoch sind all diese durch ihn parodiert und karikiert worden, was vor allem seine Wirkung erzielt, wenn man das dazugehörige Original kennt, jedoch auch ohne diese Kenntnis verfehlt der Film nicht die beabsichtigte Wirkung sein Publikum zum Lachen zu bringen.

In der folgenden Arbeit will ich darstellen, wie die Figuren in der Originalfassung und später hinaus in der Parodie dargestellt werden und in einem zweiten Teil, durch welche Techniken sie von Kalkofe verfälscht wurden. Hierbei sollen die verschiedenen Eigenschaften der Originale und der Parodien beschrieben und analysiert werden, welche in beiden Filmen vorhanden sind und eine Rolle spielen.

Diese Analyse will ich am Beispiel der Figuren der beiden Sir Johns – im Original, wie auch in der Parodie - Maurice Messer, dem Earl of Cockwood und den beiden Butlern Archibald Finch sowie Alfons Hatler durchführen. Dies wäre allerdings auch an fast allen anderen Figuren möglich. Ich werde bei jeder der Figuren nur einige wichtige Merkmale herausgreifen, an denen sich anschaulich beschreiben lässt, wie der Prozess der Parodierung und Karikierung funktioniert hat.

2. Figuren und ihre Darstellung im Hexer

In diesem Teil der Arbeit sollen nun zuerst einige der Charaktere mit ihren Eigenschaften beschrieben werden.

2.1 Scotland Yard Chef Sir John

Der oberste Chef des Scotland Yard wird in der Verfilmung von Siegfried Schürenberg dargestellt. Gleich bei seinem ersten Auftritt wird klar, dass er ein Kriminalist der alten Schule ist, der bereits sehr viel Erfahrung auf seinem Gebiet gesammelt hat. Er ist sehr stark von sich selbst überzeugt, was man allein daran sieht, dass er seinen ihm gegenübersitzenden Kollegen des Öfteren das Wort abschneidet und seinen Ausführungen und Gedanken stets etwas hinzuzufügen hat.

Am Deutlichsten wird dies jedoch an dem immer wiederkehrenden Satz „das müssen sie doch berücksichtigen“, der im Verlauf des Films an vielen Stellen auftritt, in denen er versucht seinen Untergebenen, Inspektor Higgins, zu korrigieren oder auch zu belehren. Dieser immer wiederkehrende Ausdruck entbehrt nicht einer gewissen Komik, die man als eine Art des Running Gag bezeichnen könnte. Durch eben diesen Running Gag und die damit verbundene Wirkung auf den Zuschauer wird die Figur des Sir John zumindest ein Stück weit ins lächerliche gezogen. Zumindest teilweise muss sich das Publikum fragen, ob sie diesen altgedienten Polizeichef ganz ernst nehmen können, oder ob sie nur noch ein kümmerliches Überbleibsel von einem ehemals guten Polizisten vor sich haben.

Durch seine strenge Kleidung wirkt er gleich bei seinem ersten Auftritt sehr steif und konservativ. Als Zuschauer ist man zuerst geneigt zu denken, dass man es hier mit einem sehr anständigen Mann zu tun hat, der sich nur um seine Arbeit kümmert. Dieser erste Eindruck wird jedoch recht schnell gestört. Als er ein gerade entwickeltes Bild seiner leicht bekleideten Sekretärin, Mrs. Osborn, zufällig in die Hände bekommt, merkt man ihm seine Erregung an eindeutiger Gestik, Mimik und auch an onomatopoetischen Ausdrücken wie „huiuiui“ etc. an. Im Normalfall hätte man erwartet, dass er das Bild wortlos zur Kenntnis nimmt und es entweder vernichtet oder aber an seinen Besitzer zurückgibt. Er aber behält es und verstaut es in seinem Schreibtisch. Im weiteren Verlauf des Filmes wird des Öfteren noch deutlich gemacht, dass er nicht nur ein berufliches Interesse an seiner jungen Sekretärin hat.

Das Interesse am weiblichen Geschlecht beschränkt sich jedoch auch nicht nur auf seine Sekretärin, fast immer wenn ein junges, attraktives weibliches Wesen in der Nähe ist versucht er ihr zu imponieren und in jedem Falle Eindruck zu schinden.

Des Weiteren hat er einige Eigenschaften, die ihn für einen Posten wie den seinigen eher disqualifizieren. Als oberster Chef des Scotland Yard sollte man meinen, dass er einen kriminalistischen Spürsinn hat und diesen auch einsetzen kann, was allerdings im Film keineswegs der Fall ist. Seine Voreingenommenheit ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass er für seinen Posten nicht qualifiziert ist und deshalb teilweise deplaziert und somit komisch wirkt. Diese Voreingenommenheit kann man an seinem Verhalten beobachten, als der Anwalt Maurice Messer, der Mitglied im selben Club wie auch er ist, mit dem Mord an dessen Sekretärin, Mrs. Milton, in Verbindung gebracht wird. Sir John lehnt diesen Verdacht vorerst direkt ab. Er bescheinigt Herrn Messer ein einwandfreier Mensch zu sein, er sei ja schließlich auch Mitglied im selben Club wie er.

All diese Merkmale führen dazu, dass man die Figur des Sir John nicht oder nur teilweise in seiner Rolle als Polizeichef ernst nehmen kann.

2.2 Der Bösewicht, Maurice Messer

Jeder Krimi braucht einen Schurken, dem der Sinn nur nach Geld und falschem Spiel stet. Diesen Schurken spielt hier Jochen Brockmann, er stellt den Anwalt Dr. Maurice Messer dar, der einen illegalen Mädchenhandel zusammen mit einem Pfarrer und einigen weiteren Komplizen betreibt. Er wirkt bereits in der ersten Szene, in der er zu sehen ist sehr unsympathisch und kalt. Als eher korpulenter Herr mittleren Alters mit etwas schütterem Haar macht er einen sehr steifen Eindruck auf den Zuschauer, dieser Eindruck wird durch seinen dunklen Anzug noch verstärkt.

Bei diesem ersten Auftritt führt er ein Telefongespräch mit einem Unbekannten und wird dabei von seiner Sekretärin Mrs. Milton, wie sich später herausstellt der Schwester des unter dem Namen der Hexer bekannten Arthur Milton, abgehört. Als er durch die Polizei vom Tod seiner Sekretärin erfährt wirkt er zuerst geschockt. Diese erste Reaktion relativiert sich jedoch gleich, als er erfährt, wer der Bruder seiner Sekretärin war. Auf einmal hat er nur noch Angst um seinen Ruf als Anwalt, für den es schädlich sein könnte die Schwester eines gesuchten Verbrechers zu beschäftigen. Doch selbst dieser sehr gefühlskalte Zug entpuppt sich wieder nur als eine Finte, mit der er seine Angst vor der Rache des Hexers vertuschen will.

Diese Angst steht im förmlich ins Gesicht geschrieben. Sein Mimik und auch die Schweißperlen auf seiner Stirn verraten dem Zuschauer bereits hier, dass er nicht nur das ist, was er zu sein vorgibt.

Erst im weiteren Verlauf des Films wird der Zuschauer über seine üblen Machenschaften aufgeklärt und somit sein Verhalten verständlich gemacht. Dieses schroffe, unhöfliche Verhalten hat er nicht nur der Polizei, sondern auch seinen Komplizen gegenüber, die er herumkommandiert und ihnen droht, „sie kommen unter die Räder“, wenn sie sich nicht so verhalten, wie er es will. Seine Skrupellosigkeit wird gegen Ende des Films dadurch nochmals verdeutlicht, dass er seine Drohungen wahr macht und einen seiner Komplizen eigenhändig mit samt seinem U-Boot in die Luft sprengt.

Als er letztlich um sein eigenes Leben fürchtet bittet er um Polizeischutz. Dies zeigt ganz deutlich, dass er keineswegs für seine Taten gerade stehen will und alle beteiligten Parteien gegeneinander ausspielen will. Da dieser Plan jedoch nicht funktioniert bekommt er letztlich seine verdiente Strafe und wird vom Hexer, trotz polizeilichem Schutz, getötet.

Alles in Allem ist er ein typischer Bösewicht, wie er in sehr vielen Filmen des Genres zu beobachten ist. Er vereinigt alle schlechten Eigenschaften, wie z.B. Niederträchtigkeit, Habgier, Herrschsucht etc. in sich.

2.3 Der Butler, Archibald Finch

Ein weiterer Charakter, der in sehr vielen Krimis zu sehen ist, ist der Butler. Dieser wird hier durch Eddie Arent dargestellt. Arthur Finch, so sein Name im Film, ist ein früherer Klient von Herrn Messer. Dieser hat den Kleptomanen Finch früher vor Gericht vertreten. Nach einer Haftstrafe, über die wir nur spekulieren können, schleicht er sich als Butler bei seinem ehemaligen Rechtsvertreter ein. Von Anfang an bekommt man als Zuschauer den Eindruck vermittelt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Er weiß immer über alles bescheid, was mit der Mordsache an Gwenda Milton und der damit verbunden Anwesenheit des Hexers in London zu tun hat.

Auch sein Äußeres charakterisiert ihn bereits hinlänglich. Streng gekleidet, mit Melone, Anzug und weißem Hemd wirkt er sehr pflichtbewusst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Figurenstereotypen und ihre Parodien am Beispiel von Edgar Wallace – Der Hexer (1964) und Oliver Kalkofe – Der Wixxer (2004)
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Klassiker der deutschen Filmgeschichte
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V45194
ISBN (eBook)
9783638426350
ISBN (Buch)
9783638791090
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse ohne Sekundärliteratur
Schlagworte
Figurenstereotypen, Parodien, Beispiel, Edgar, Wallace, Hexer, Oliver, Kalkofe, Wixxer, Klassiker, Filmgeschichte
Arbeit zitieren
Florian Höh (Autor), 2005, Figurenstereotypen und ihre Parodien am Beispiel von Edgar Wallace – Der Hexer (1964) und Oliver Kalkofe – Der Wixxer (2004), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45194

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