Hollywood in den 30er Jahren. Welchen Einfluss hat der New Deal auf die Kunstrichtung des Films?


Hausarbeit, 2017
24 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung ins Thema

2. Der New Deal
2.1 Kunstrichtung Film – Technische Meilensteine
2.2 Politischer Hintergrund

3. Filmanalyse

4. Schluss

Quellenverzeichnis

1. Einführung ins Thema

Der New Deal lässt sich in den Zeitraum von 1933-1945 einordnen. 1929 brach der Börsenhandelt zusammen und 40% des Papierwertes der Stammaktien wurden vernichtet. Daraus folgte eine weltweite Wirtschaftskrise, in der Geschäfte und Fabriken schließen mussten, Banken zahlungsunfähig wurden und das Einkommen auf Farmen auf die Hälfte sank. Etwa ein Viertel aller Amerikaner war im Jahr 1932 arbeitslos. Die immense Ungleichheit zwischen der Produktionskapazität und der Möglichkeit der Amerikaner Konsumgüter zu kaufen, war eines der Probleme. Die Kaufkraft der U.S. Bauern und Lohnempfängern sank, denn große Erfindungen in der Produktionstechnik während und nach dem Krieg hoben die Produktion an (usa.usembassy).

Der Wahlkampf von 1932 bestand hauptsächlich aus einer Debatte über die Ursachen der Wirtschaftskrise und über deren möglichen Lösungen. Herbert Hoover (Republikaner) wollte vor allem auf den natürlichen Erholungseffekt bauen, doch Franklin D. Roosevelt (Demokrat) war bereit, die Autorität der Zentralregierung für experimentelle Lösungsansätze einzusetzen. Mit seinem Konzept für mehr soziale Gerechtigkeit („New Deal“) gewann er schließlich die Wahlen (usa.usembassy).

Eigentlich führte der New Deal in gewisser Hinsicht lediglich soziale und wirtschaftliche Reformen ein, die in vielen europäischen Ländern bereits mehr als einer Generation vertraut waren. Bemerkenswert war allerdings die Geschwindigkeit, mit der Sachen erreicht wurden, die zuvor Generationen gedauert hatten. Roosevelt setzte innerhalb von drei Monaten eine große Zahl von Gesetzen zum Wiederaufbau der Wirtschaft um. The Agricultural Adjustment Act (AAA) wurde 1933 vom Kongress verabschiedet um Farmern wirtschaftliche Unterstützung zu geben und das Einkommen anzuheben (usa.usembassy).

Es kam zwar in den Jahren zu einer beachtlichen Steigerung in Produktion und Preisen, doch das beendete nicht die Wirtschaftskrise. Präsident Roosevelt unterstützte, aufgrund des Drucks den rechte sowie linke Gruppen ausübten, eine weitere Reihe wirtschaftlicher und sozialer Maßnahmen, darunter auch solche zur Bekämpfung von Armut, Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit durch Arbeitsangebote und die Entwicklung eines sozialen Netzes. „Die Works Progress Administration (WPA) stellte den Versuch dar, Arbeit statt Sozialhilfe anzubieten. Gebäude, Straßen, Flughäfen und Schulen wurden gebaut. Schauspieler, Maler, Musiker und Schriftsteller wurden im Rahmen des Federal Theater Project, des Federal Art Project und des Federal Writers Project angestellt“ (usa.usembassy).

Wir schauen uns auf den folgenden Seiten den Umgang des New Deals in Hollywood an. Dabei gehen wir auf die technischen Entwicklungen der 30er Jahre ein, die den Film an sich beeinflusst haben, die politische Sichtweise in Hollywood spielt eine Rolle und Charlie Chaplins Film Moderne Zeiten wird wir analysiert.

2. Der New Deal

2.1 Kunstrichtung Film – Technische Meilensteine

Durch die technischen Weiterentwicklungen in den 1930er Jahren änderte sich Hollywood grundlegend und legten damit den Grundstein für das Medium Film, dass auch die Filme weltweit beeinflusste.

Der Tonfilm begeisterte das Publikum, als er „in den 1920er und 30er Jahren seinen Siegeszug antrat“ (Niebling). Unter anderem gilt der polnische Ingenieur Józef Tykociński-Tykociner als wichtiger Wegbereiter, der die Idee, Film- und Tonspur zu kombinieren bereits in den frühen 1920der Jahren hatte, in denen er ein Verfahren entwickelte, welches es ermöglichte, „auf das Trägermaterial eines Films eine optische Spur für den Ton hinzuzufügen“ (Niebling). Die Entwicklung des Tonfilms war damals „durch die rasche Abfolge von Erfindungen, Erstvorführungen, Weiterentwicklungen und Patent-Streitigkeiten bestimmt.“ (Niebling) Der Erfinder Lee de Forest konnte für seine Erfindung des Tonfilms schneller ein Patent anmelden, als sein Konkurrent Tykociński-Tykociner. „Forest produziert[e] die ersten kommerziellen Tonfilme und verkauft seine Erfindung schließlich 1927 an die Fox Film Corporation“ (Niebling).

Viele technische Neuerungen bringen auch heute noch erbitterte Gegnern zu Tage oder führen zu beruflichen Kündigungen. Das war in den 1930er Jahren nicht anders. „Als "Tod der Künstler!" wurde der Tonfilm beschimpft – und das nicht ohne Grund“ (Niebling). Es waren viele Leute an einer Vorführung eines Stummfilms beteiligt. Ein Film wurde entweder mit einem Grammophon synchronisiert, oder ein Orchester, eine Kapelle oder ein Film-Pianist begleitete diesen live. „Kinos und wandernde Vorführungen [boten] damit in den 1920er Jahren einen wichtigen Arbeitsmarkt für Musiker“ (Niebling). Als der Tonfilm sich immer mehr durchsetzte und seine Begleitmusik und atmosphärische Geräusche bereits in die Vorführsäle mitbrachte, kam es zu einem jähen Ende des Arbeitsverhältnisses zwischen Künstlervertretern und der Filmindustrie. „Ein wilder Disput [entbrannte] zwischen“ beiden Parteien (Niebling). Unter anderem wurde der Tonfilm als „Kitsch“ bezeichnet, als „wirtschaftlicher und geistiger Mord“ und „seine Konservenbüchsen-Apparatur klingt kellerhaft, quietscht, verdirbt das Gehör und ruiniert die Existenzen der Musiker und Artisten" (Niebling). Allein in Deutschland wurden 12.000 Musiker arbeitslos.

„Wenige Kinos [hatten] die Technik einen Tonfilm zu zeigen, doch die Begeisterung des Publikums gab den Warner Brothers Recht. "The Jazz Singer", der erste abendfüllende Film mit synchroner Musik, Geräuschen und sogar Sprechszenen [wurden] zum internationalen Erfolg. Weltweit rüsten Studios und Kinos nun auf den Tonfilm um“ (Niebling).

Nicht nur unter den Musikern kam es zur Arbeitslosigkeit, denn es gab auch viele Verlierer unter den Schauspielern selbst. „Manche [hatten] eine quietschige oder unangenehme Stimme, andere [lispelten], [näselten] oder, und das [war] mit am fatalsten, [sprachen] die Sprachen der Länder nicht oder schlecht, in denen sie [drehten]. All das [wurde] nun hörbar“ (Niebling). Ein Beispiel dafür sind beispielsweise die Filme von Stan Laurel und Oliver Hardy, die uns besser bekannt sind als Dick und Doof. Da Synchronisation und Untertitel damals problematisch war, behalfen sich die Produzenten gerne damit, Filme direkt mehrfach zu drehen, in verschiedenen Sprachen, um sie auch auf dem internationalen Markt zu verkaufen. „Dolmetscher mussten die Schauspieler jeweils für die neue Sprache präparieren, einstudiert wurden die Texte per Lautschrift.“ (Tagesspiegel)

Stan Laurel gehörte anfangs selbst zu den Kritikern des Tonfilms: „Wir hatten beschlossen, dass wir keine Tonfilm-Komiker waren. Natürlich bevorzugten wir die Pantomime wie in unseren Stummfilmen. Wir sagten daher so wenig wie möglich - nur das, was notwendig war, um die Dinge, die wir taten, zu motivieren. Wenn irgendeine Geschichte erzählt werden sollte, ließen wir sie im Allgemeinen von jemand anderem erzählen... mit der Zeit wurden wir ein bisschen vertrauter damit und redeten mehr, als wir ursprünglich wollten.“ (Wikipedia)

Ein weiterer Gegner der Tonfilme war zu Beginn dieser Technik auch Charlie Chaplin, der durch seine Stummfilme legendär geworden war. „Seiner Meinung nach [zerstörten] "talkies", also sprechende Filme, die älteste Kunst der Welt: die Pantomime“ (Niebling). Mit seinem Film Moderne Zeiten wehrte sich Chaplin 1936 ein letztes Mal gegen die unaufhaltsame Entwicklung. Der Film wurde „sein letzter Stummfilm in Spielfilmlänge, danach passt[e] er sich an.“ Wir kommen später noch einmal auf den Film Moderne Zeiten zurück.

Im Jahr 1935 kam Eastmans[1] Super X Film heraus, was zur Verbesserung der Bildqualität führte, doch schon drei Jahre später brachte Eastman den Plus X Film heraus, der durch die stark verbesserte Schärfe für einige Jahre der Standardfilm in Hollywood wurde. Der hohe Kontrast stellte viele Kameraleute vor neue Schwierigkeiten, die richtigen Lichtverhältnisse zu schaffen (Cormack, S. 83). Was in diesen Jahren des Wandels der Technik zu finden war, war die allmähliche Entstehung eines kinematografischen Stils, der auf der High-Key-Beleuchtung[2], Reframing, stark motivierter Kamerabewegung sowie -winkel und einer sehr hervorsagbaren Strukturierung, vor allem was die Kamerabewegung anbelangt (Cormack, S. 84). Der zurückhaltende Stil (zurückhaltend in der bewussten Verwendung eines engen Spektrums von stilistischen Optionen) war bis 1936 vollständig aufgetaucht und obwohl die technische Entwicklung bei dieser Veränderung eine Rolle spielte, war es an sich nicht eine ausreichende Ursache für diesen besonderen Stil. Erst wenn der Stil mit den weltanschaulichen Bedingungen der damaligen Zeit zusammenhängt, kann man davon ausgehen, dass der Stil typisch für die damalige Zeit ist. Als die ideologische Wiederbelebung im ganzen Land nach dem Trauma der vor-New-Deal-Jahre stattfand, wurde sowohl der Inhalt als auch der Stil der Hollywood-Filme beschränkter, zum Teil durch die Entstehung von Druckgruppen wie die League of Decency[3], aber auch, zumindest was den kinematografischen Stil betrifft, aufgrund eines weniger bewusst gefühlten Bedürfnisses nach Stabilität, Klarheit und Einfachheit (Cormack, S. 84).

Eine weitere große Entwicklung der 1930er Jahren war der Farbfilm. Die Technicolor Corporation vermarktete erstmals 1932 eine Drei-Band-Farbkamera. Statt des früheren Zwei-Strip-Prozesses, der nur Kombinationen von Rot und Grün verwendete, wurde beim Drei-Strip-Prozess rot, grün und blau eingesetzt und man konnte Filme so mit mehr lebensähnlicheren Farbtönen produzieren. Zum ersten Mal wurde der Öffentlichkeit diese Neuentwicklung in einem Walt Disney Cartoon-Short im Jahr 1932 (Blumen und Bäume) gezeigt, aber die Verwendung des Farbfilms für nicht-animierte Filme wurde bis 1934 verzögert. In diesem Jahr wurde er für einen kurzen Film (La Cucaracha) und für Szenen in vier Spielfilmen verwendet. Die erste Nutzung für einen kompletten Film war im Jahr 1935 (Becky Sharp). Es folgte eine allmähliche Expansion während des restlichen Jahrzehnts. Bis 1938 war die Zahl der vollständig in Farbe gedrehter Filme auf elf gestiegen (eines davon war animiert - Schneewittchen und die sieben Zwerge) Obwohl dies eindeutig eine wichtige Entwicklung in der Gesamtgeschichte des Kinos war, macht diese Entwicklung nur einen relativ unwichtigen Aspekt des Jahrzehnts stilistischen Optionen aus, da nur wenige Filme in den Dreißigern als Farbfilm produziert wurden (Cormack, S. 84). Der Farbfilm war sicherlich ein Meilenstein für die Entwicklung der Filmindustrie. „Die Produktionen von Filmen in Farbe stellten die gesamten Filmproduktionen vor neue Herausforderungen, nun waren z.B. Farbberater (Color Consultant) nötig, die sich um die Farbauswahl der Materialien für Ausstattung und Kostüme kümmerten. Nicht nur neue Berufe wurden geschaffen, sondern die Farbe im Film ermöglichte einem Regisseur völlig neue Möglichkeiten einen Film zu gestalten. Denn Farbe zeigt ihre Wirkung, selbstverständlich auch im Film. Mit einer entsprechenden Farbgestaltung lässt sich die Botschaft und Wirkung eines Films verstärkten oder völlig anders gestalten“ (farbenundleben).

[...]


[1] Heute Kodak.

[2] Hauptsächlich diffuses Licht, langsamer Schattenfall, geringe selektive Beleuchtung, heller Hintergrund – High-Key ist der Beleuchtungsstil der maximalen Sichtbarkeit. Unabhängig vom Stand­punkt des Führungslichts handelt es sich dabei immer um eine helle Szene . Sie ist eine Bild- oder Einstellungsfolge in hellen, lichten Tonwerten. Bei der Ausleuchtung wird ein möglichst ausgeglichenes Be­leuchtungsniveau angestrebt. Ein High-Key ist in seinen Tonwerten weich graduiert, aber nicht un­scharf und verschwommen.

[3] Die nationale Legion of Decency wurde 1933 als eine Organisation gegründet, die sich der Identifizierung und Bekämpfung von anstößigen Inhalten in bewegten Bildern aus der Sicht der amerikanischen katholischen Kirche widmete. (Black)

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Details

Titel
Hollywood in den 30er Jahren. Welchen Einfluss hat der New Deal auf die Kunstrichtung des Films?
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V451972
ISBN (eBook)
9783668849198
ISBN (Buch)
9783668849204
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstgeschichte Kunst Hollywood Film NewDeal
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Hollywood in den 30er Jahren. Welchen Einfluss hat der New Deal auf die Kunstrichtung des Films?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451972

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