Verwendung und Effektivität von Time-out Methoden in der häuslichen und schulischen Erziehung


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Operantes Konditionieren

3. Time-out
3.1. Definition: Time-out
3.2. Arten von Time-out

4. Anwendung der Time-out Maßnahmen in der häuslichen Erziehung
4.1. Time-out in der Erziehung
4.2. Bewertung von Time-out

5. Time-out im Kontext Schule
5.1. Time-out Techniken im Unterricht
5.2. Time-out Raum
5.3. Time-out Klassen
5.4. Forschungsbericht Spannungsfeld Time-out Klassen
5.5 Time-out Schule

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Time- out ist eine unter Eltern und Erziehern weit verbreite und oft genutzte disziplinarische Methode, um störendes Verhalten und Widerstand von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren. Untersuchungen und Studien zeigen, dass Time-out, wenn es richtig angewendet wird, seine Berechtigung hat und eine effektive Erziehungsmethode darstellt. Dennoch wird das Verfahren häufig kritisiert. Gegner stellen fortlaufend den Einsatz von Time-out Techniken in Frage und weisen auf potenzielle negative Folgen hin. Sie sind der Meinung, dass Time-out sich negativ auf die Eltern-Kind Beziehung auswirkt und dem Kind mehr Schaden zufügt, als ihm in seine Erziehung zu unterstützten. Diese Arbeit wird die Kontroverse, welche sich um die Benutzung von Time-out Techniken gebildet hat untersuchen und sich mit der Effektivität der Methode in der privaten Erziehung genauer auseinandersetzen. Dafür werden Ergebnisse unterschiedlicher Studien und Meinungen untersucht und miteinander verglichen, um einen Überblick über die Wrksamkeit der Time-out Methode zu erlangen. Darüber hinaus bezieht sich ein großer Teil der vorliegenden Hausarbeit auch auf die Anwendung von Time-out in der Schule. Als disziplinäre Maßnahme haben sich die verschiedenen Time-out Techniken seit Jahren in Bildungseinrichtungen implementiert. Viele Schulen setzten vermehrt auf die Einrichtung von Time-out Räumen, um das Verhalten der Schülerinnen und Schüler besser zu kontrollieren und unangemessene Verhaltensweisen zu maßregeln. An verschiedenen Orten in der Schweiz und deren Umgebung entstanden in den vergangen Jahren zudem so genannte Time-out Klassen und Schulen, welche ihren Fokus gezielt auf den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern gerichtet haben und durch Fördermaßnahmen und individuelle Angebote außerhalb ihrer gewohnten Umgebung eine Reintegration der Kinder und Jugendliche in ihre Stammklasse ermöglichen wollen. Die Arbeit wird sich mit den bisherigen Untersuchungen der Time-out Konzepte auseinandersetzen und ihre Anwendung und Berechtigung im Kontext der Schule untersuchen.

2. Operantes Konditionieren

Unter Konditionieren versteht man ״im weiteren Sinne die Herstellung einer Beziehung zwischen zwei Ereignissen (Reiz und Reaktion bzw. Reaktion und Reiz)“ (Brunner & Zeltner, 1989, S.118). Dabei lassen sich zwei Arten unterscheiden. Das klassische Konditionieren und das operante Konditionieren. ״Das klassische Konditionieren ist eine Form des assoziativen Lernens, bei der ein neutraler Reiz mit einem bedeutungsvollen, unkonditionierten Reiz wiederholt dargeboten wird. Hierdurch wird der ursprünglich neutrale Reiz konditioniert und kann auch ohne den unkonditionierten Reiz die nun konditionierte Reaktion hervorrufen“ (Knapp & Seidel, 2014, S.156). Beim operanten Konditionieren lernt der Organismus, durch das Herbeiführen einer bestimmten Konsequenz, dass eine gewisse Verhaltensweise auch eine gewisse Konsequenz mit sich bring. Dadurch wird die Häufigkeit des Auftretens dieser Verhaltensweise erhöht, beziehungsweise verringert. ״Die Reaktion wird ״Operant“ genannt, da sie vom Organismus als Operation (Handlung) ausgeführt wird, die auf die Umwelt wirkt (Brunner & Zeltner, 1989, S.119). Der Begriff operantes Konditionieren wird häufig in Verbindung gebracht mit B. F. Skinner. Der eigentliche Begründer dieser Theorie ist jedoch der US amerikanische Psychologe Edward Lee Thorndike. Das Gesetz der Wirkung (law of effect) von Thorndike beschreibt die Tatsache, dass eine befriedigende Nachwirkung, beziehungsweise Konsequenz zu einer Verstärkung der Verhaltensweise führt, diese somit später öfter auftritt. Verhaltensweisen, deren Nachwirkungen unbefriedigend sind, werden seltener gezeigt (vgl. Knapp & Seidel, 2014, S.160) Man unterscheidet vier Arten von Konsequenzen: Bei einer Verstärkung/Belohnung unterscheidet man zwischen der positiven Verstärkung und der negativen Verstärkung. Verstärker im Allgemeinen sind ״Konsequenzen eines Verhaltens, die seine Auftretenswahrscheinlichkeit in der Zukunft erhöhen“(Knapp & Seidel, 2014, s. 159). Bei der positiven Verstärkung kommt es zu einer angenehmen Konsequenz. Das heißt, dass auf eine Verhaltensweise ein positives Ereignis folgt. Bei der negativen Verstärkung bleibt eine negative Konsequenz aus. Man unterscheidet zudem zwischen der direkten und indirekten Bestrafung. Direkte Bestrafung bedeutet, das Verhalten hat eine negative Konsequenz. Bei der indirekten Bestrafung bleibt die Angenehme Konsequenz aus, der erwünschte Reiz wird entfernt (vgl. ebd., S.159).

Beim Time-out handelt es sich um eine Form des operativen Konditionierens, das auf dem Prinzip der indirekten Bestrafung basiert. Als Konsequenz eines unerwünschten Verhaltens wird der Betreffende von seiner gewohnten, angenehmen Situation ausgeschlossen. So wird das Kind beispielsweise gebeten, den Raum zu verlassen oder das Spiel zu beenden. Mögliche Verstärker für das Fehlverhalten werden so ebenfalls vermieden, wie zum Beispiel eine erhöhte Aufmerksamkeit von Eltern, oder aufmunternde und anerkennende Zurufe von Klassenmitgliedern und Freunden.

3. Time-out

3.1. Definition: Time-out

Time-out stellt eine Methode der Verhaltenstherapie dar und setzt sich das Ziel, ״alle verstärkenden Einflüsse, die zum Aufrechthalten des Problemverhaltes führen, auszuschließen“(Bernitzke, 2015, S.83). Unter Verstärkern versteht man Ereignisse oder Konsequenzen, die das Auftreten eines Verhaltens in der Zukunft erhöhen. Ein positiver Verstärker, auch Belohnung genannt fügt einen positiven Reiz hinzu, während hingegen bei einem negativen Verstärker ein unangenehmer Reiz eliminiert wird. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter dem Time-out das Entfernen einer Person aus einem Raum für mehrere Minuten, als Konsequenz für unangemessenes Verhalten. Dies ist jedoch eine weit verbreitete Fehlannahme. Auch wenn Formen des Time-out gekennzeichnet sind, durch ״sozialen Ausschluss“ und ״zeitliche Isolierung“ (Bernitzke, 2015, S.84), so trifft dies nicht auf jede Time-out-Maßnahme zu.

3.2 Arten von Time-out:

Time-out kann auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden. Dabei unterscheidet man zwischen nicht-ausschließenden Time-out (non-exclusionary Time-out) und ausschließenden Time-out (exclusionary Time-out). Das nicht-ausschließende Time-out kennzeichnet sich dadurch aus, dass das Kind nicht von seiner sozialen Umgebung entfernt wird. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Methode zu verwenden. Die systematische Nichtbeachtung (planned ignoring) wird als die am leichtesten anwendbare Form der Time-out Techniken angesehen. Auf ein unerwünschtes Verhalten reagiert die erziehungsbeauftragte Person mit physischer Abwendung und dem Entzug der Aufmerksamkeit. Diese Methode scheint besonders interessant für Kinder, die Aufmerksamkeit als eine Art Bestätigung betrachten und durch diese ihr Selbstwertgefühl und ihr Handeln bestimmen lassen. Für viele Eltern und Erziehungsberechtigte stellt diese Methode jedoch gleichzeitig eine große Herausforderung dar, da es ihnen schwer fällt, unangebrachtes Verhalten zu ignorieren und bei Konflikten nicht direkt einzugreifen (vgl. Knoster, Wells & McDowell, 2007, S.5). Eine andere Form von Time-out ist das Entfernen der Materialen, mit denen das Kind beschäftigt ist. Diese Methode wird auch Entzug eines spezifischen positiven Verstärkers (withdrawel from material) genannt und kann effektiv auf die Reduktion unerwünschten Verhaltensweisen von Kindern wirken, wenn die Materialien für den Betroffenen von Bedeutung sind. Dabei kann es sich sowohl um Spielsachen handeln, oder um Arbeitsmaterialien, die während des Unterrichtes von dem Schüler oder der Schülerin unsachgemäß verwendet werden. Eine zunehmend konsequentere Technik des nicht-ausschließenden Time-outs ist die Kontingente Beobachtung (contingent Observation). Hierbei wird das Kind von der eigentlichen Situation teilweise entzogen wird. Dies bedeutet, dass die weitere Teilnahme an der Aktivität verboten wird, das Kind aber in eine Umgebung gebracht wird, in der es die Situation, beziehungsweise die Gruppe weiterhin beobachten kann. Bei einem Schüler, der während des Sportunterrichtes andere Kinder mit seinem Ball abwirft, oder nicht auf die Anweisungen des Lehrers achtet, könne dieser reagieren, indem er den Schüler auffordert, sich für eine bestimmte Zeit an den Rand der Turnhalle zu setzten. Dies hat den weiteren Vorteil, dass der Schüler dem Geschehen weiterhin folgen kann und den Unterrichtsstoff nicht nachholen muss. Nicht- ausschließende Time-outs werden besonders Häufig bei kleineren Vergehen angewendet, von denen keine größere Gefahr ausgeht und die Umwelt der Kinder nur gering beeinträchtigen. Von einem ausschließenden Time-out wird gesprochen, wenn das Subjekt von seiner aktuellen Situation entfernt wird und es ihm/ ihr untersagt wird, diese weiterhin zu beobachten oder daran teilzunehmen (vgl. Knoster, Wells & McDowell, 2007, S.6). Ausschließendes Time­out bedeutet jedoch nicht, dass das Kind ganz von seiner aktuellen Umgebung entfernt wird. Orte, die für diese Form on Time-out häufig verwendet werden, sind separate Stühle im Klassenzimmer, oder die Ecke eines Raumes (vgl. Turner & Watson, 1999, s. 136). Die letzte große Unterkategorie von Time-out ist das sogenannte Seclusionary Time-out. Dies bedeutet, dass der Schüler, bzw. die Schülerin sich in einen separaten, beaufsichtigen Raum begeben muss. Die beiden letzten Formen des Time-outs sind somit eingreifender und beeinflussen das Verhalten des Kindes auf eine andere Weise. Da diese Technik die meist diskurtierteste und gleichzeitig intensivste untersuchte Form des Time-outs darstellt, wird ein großer Fokus dieser Arbeit auf sich gerichtet sein (vgl. Knoster, Wells & McDowell, 2007, s.6).

4.Anwendung von Time-out Maßnahmen in der häuslichen Erziehung

Um die Methode Time-out detailliert untersuche zu können wird unterschieden, in welcher Umgebung und in welchem Kontext die zuvor vorgestellten Time-out Techniken angewendet werden. Dazu wird zunächst die Wirksamkeit der Methode in der häuslichen Erziehung untersucht, bevor sie in dem sozialen Umfeld Schule analysiert wird. Im Folgenden wird somit veranschaulicht, wie Eltern die Methode in ihre Erziehung integrieren und welchen Effekt Time-out auf ihre Kinder hat.

4.1. Time-out in der Erziehung

Untersuchungen zeigen, dass Time-out eine sehr beliebte Erziehungsmethode von Eltern darstellt und sie von beinahe jeder Mutter schon einmal als Interventionsmaßnahme angewendet worden ist (vgl. Drayton et al., 2017, S.97). Die Studie von Drayton et al. gibt Anhaltspunkte, wie die Methode von Eltern in die Erziehung integriert wird und aus welchen Gründen sie Time-out Techniken überhaupt anwenden. 51% der Frauen gaben an zu glauben, der eigentliche Zweck von Time-out bestehe darin, dass die Kinder zum Nachdenken angeregt werden. Eine große Anzahl von Teilnehmern (46%) gab an, dass sie Time-out benutzen, mit der Absicht, dass das Kind zur Ruhe kommt und sich entspannt. Gründe, wie Konsequenz/Bestrafung, das Beenden des unangemessenen Verhaltens, oder dem Lehren, dass das vorherrschende Benehmen nicht angebracht ist, werden nur von einem Drittel der Eltern als Ziel angegeben (vgl. ebd., S.97). Bei der Anwendung von Time­out achten 41 % der Eltern darauf, dass ihr Kind an einen Ort geschickt wird, wo dem Kind nur eine moderate Ablenkung geboten wird. Dazu zählen beispielsweise Ort, wie die Küche, oder die Ecke des Esszimmers. 28% der Befragten gaben an, dass bevorzugte Time-out Räume für sie das Kinderzimmer, Spielzimmer, oder das Wohnzimmer sind (vgl. ebd., S.98). In Bezug auf die Zeitspanne der Time-out Phase wird deutlich, dass bei fast der Hälfte der befragten Erziehungsbeauftragten das Kind selbst durch sein Verhalten bestimmt wie lange es im Time-out verbleiben muss. Erst wenn das Kind sich beruhigt hat und bereit ist sich für sein Verhalten zu entschuldigen wird die Phase von den Eltern beendet. Die Zeitspanne der Time-outs ist dabei recht unterschiedlich und beträgt zwischen 3 und über 15 Minuten (ebenda s.98). Betrachtet man eine weitere Studie, so lässt sich feststellen, dass sich die Effektivität von Time-out nicht steigert, wenn man die Länge der Time-out Phase erhöht. Ein 30 minütiges Time-out verbesserte innerhalb seiner Untersuchungen das unangebrachte Verhalten der getesteten Kinder um 34,20%. Bei einem nur halb so langem Time-out zeigten 37,16% der Kinder positive Verhaltensänderungen (vgl. White, Nielsen & Johnson, 1972, S.115).

4.2. Bewertung von Time-out

Unterschiedliche Studien zeigen, dass Time-out Methoden eine effektive Strategie zur Reduktion von unangemessenem und streitsüchtigem Verhalten von Kindern sein können. Neben anderen Methoden, wie das Einfühlen der Erwachsenen in die Situation und Gefühle der Kinder, oder das Ansprechen der Verhaltensweise, zeigt Time-out große Effekte auf die Verhaltensverbesserung und Anpassung von Kindern im Alter zwischen null und sieben (vgl. Kaminski et al., 2008, s. 580). Eine Studie von Firestone belegte zudem, dass Time-out Methoden benutzt werden können um aggressive Verhaltungsweisen von Kindergartenkindern zu eliminieren und diese gleichzeitig weitere positive Nebeneffekte hervorrufen können, wie die Verminderung von Verbalen Aggressionen, wie Drohungen und Beleidigungen zählen. Weiterhin zeigte das von Firestone untersuchte Kind eine höhere Kooperationsbereitschaft, welche sich durch das Gehorchen von Regeln und der Mithilfe bei Haushaltsaufgaben zeigte (vgl. Firestone, 1976, S.79). Im Allgemeinen lässt sich durch die Analyse unterschiedlicher Experiment belegen, dass Time-out nicht nur eine effektive Wirkung bei Vor- und Grundschülern, sondern auch bei Kinder und Jugendlichen in psychiatrischen Einrichtungen, sowie bei Kindern mit ADHS vorweisen kann (vgl. Fabiano et al., 2004, s. 461). Neben den zahlreichen Untersuchungen, welche die Effektivität von Time­out Techniken bezeugen, gibt es jedoch auch stimmen, die sich gegen diese Form der Disziplinierung heben. Siegel und Bryson betonen, dass Time-out keine effektive Erziehungsmethode darstellt (vgl. Siegel & Bryson, 2015, s. 55).

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Details

Titel
Verwendung und Effektivität von Time-out Methoden in der häuslichen und schulischen Erziehung
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V452155
ISBN (eBook)
9783668847248
ISBN (Buch)
9783668847255
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verwendung, effektivität, time-out, methoden, erziehung
Arbeit zitieren
Julia Kupp (Autor), 2018, Verwendung und Effektivität von Time-out Methoden in der häuslichen und schulischen Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452155

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