Ziel der vorliegenden Arbeit ist die beispielhafte Darstellung der Biografiearbeit als Instrument der Sozialen Arbeit mittels der Fragstellung: Wie konstruieren Menschen ihre Lebensgeschichte? Die Reflexion der eigenen Lebensgeschichte kann Menschen dazu befähigen autobiografische Kompetenzen zu stärken, ein ganzheitliches Verständnis für die eigene Biografie zu erwerben und gewonnene Erkenntnisse als Ressourcen für die Zukunft zu nutzen. Im Kontext der Sozialen Arbeit führt ein Besseres Verstehen der Lebenswelt betroffener Individuen zur Herleitung von neuen Handlungskonzepten. So wird die Erfahrung des Besonderen in die Erkenntnis des Allgemeinen überführt.
Zu Beginn der Arbeit soll eine kurze Darstellung der Rekonstruktiven Sozialarbeit mitsamt ihrem Ursprung erfolgen. Darauf basierend wird im Untersuchungsdesign das Narrative Interview als Datenerhebungsmethode erläutert. Des Weiteren werden der Aufbau des Interviewkontaktes, Zeitplanung und verwendete Auswertungsverfahren beschrieben. Unter dem Punkt Untersuchungsergebnisse findet eine Einführung in die Biografie des Interviewpartners und deren Analyse statt. Zentrale Ergebnisse werden aufgezeigt und zur weiteren Verarbeitung offen gelegt. Den Abschluss bildet ein Kommentar welcher der Reflexion von Seminar und Projekt dient.
Um in der Sozialen Arbeit effektiv Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten ist es essentiell Lebenswelten und soziale Interaktionen aus der Sicht der Betroffenen heraus zu verstehen. Nur so lassen sich Handlungsstrategien entwerfen welche von unseren Klienten auch effektiv umgesetzt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rekonstruktive Sozialpädagogik
2.1. Ursprung
2.2. Ethnografische Kompetenz und Bildung
2.3. Fazit
3. Untersuchungsdesign
3.1. Das Narrative Interview
3.2. Zeitplan
3.3. Aufbau des Interviewkontaktes
3.4. Untersuchungsverlauf
3.5. Auswertungsverfahren
4. Ergebnisse
4.1. Einführung in die Biografie
4.1.1. Borderline Persönlichkeitsstörung
4.1.2. Fallbericht
4.2. Analyse des Zeitstrahls
4.3. Interventionen Sozialer Arbeit und anderer Systeme
4.3.1 Therapieformen
4.4. Kontrolle und Kontrollverlust
4.5. Synthese
5. Kommentar
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Biografiearbeit als Instrument der Sozialen Arbeit, um auf Basis der zentralen Forschungsfrage "Wie konstruieren Menschen ihre Lebensgeschichte?" ein tieferes Verständnis für die Lebenswelten von Klienten zu entwickeln und daraus neue Handlungskonzepte abzuleiten.
- Biografiearbeit in der Sozialen Arbeit
- Methodik des Narrativen Interviews
- Krankheitsbild Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Interventionen durch psychiatrische und sozialpädagogische Institutionen
- Kontrollverlust und Bewältigungsstrategien in Lebensläufen
Auszug aus dem Buch
3.1.Das Narrative Interview
Diese Form des Interviews wurde erstmalig von Fritz Schütze in den 1970er Jahren als Erhebungsinstrument vorgestellt. Mittlerweile gehört es in Deutschland im Bereich der qualitativen Sozialforschung, insbesondere der Biografiearbeit, zu einem der bekanntesten Verfahren. Es „[…] zielt auf die Hervorlockung und Aufrechterhaltung von längeren Erzählungen zunächst ohne weitere Interventionen von Interviewseite ab.“ Zu beachten ist, dass man hierbei auf eine hypotesengeleitete Datenerhebung verzichtet, eine Orientierung erfolgt anhand der alltagsweltlichen Konstruktion des Interviewpartners. Diese Art der Gesprächsführung bietet größtmöglichen Raum zur Selbstgestaltung bei der Erzählweise der Erfahrungen und der Wahl der Themenperspektive. Auf diese Art und Weise lassen sich Handlungsabläufe bestmöglich nachvollziehen und gewährleisten so eine „[…] profunde Basis zur Entwicklung von empirisch geerdeten handlungstheoretischen Konzeptionen.“
In der Regel wird der Gesprächspartner zur Erzählung der gesamten Lebensgeschichte aufgefordert, ein solches Gespräch kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen und muss ggfs. an zwei oder drei Terminen stattfinden. Zu Auswertungszwecken werden Interviews mit einem Tonbandgerät aufgezeichnet und im Anschluss transkribiert. Vorteil dieser offenen Erzählsituation ist, dass die Regie der Erzählgestaltung komplett dem Interviewten überlassen wird und sich so Themen im Erzählfluss oft mit verschiedensten Elementen verknüpfen, welche aber alle zur Lebenssituation gehören. Daraus resultierend erfährt der Interviewer oft mehr als wenn er gezielt eine Frage stellen würde. Der Interviewte kann sich außerdem während des Erzählens einzelne Prozesse verständlich machen, bzw. sie verarbeiten. Da diese Art des Gespräches sehr intensiv ist, ist es wichtig für den Interviewten eine angenehme Atmosphäre ohne Druck zu schaffen, evtl. sind auch Nachgespräche zur Verarbeitung von Nöten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Biografiearbeit als strukturierte Form der Selbstreflexion ein und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Rekonstruktive Sozialpädagogik: Das Kapitel erläutert den Ursprung und die theoretischen Grundlagen der Rekonstruktiven Sozialpädagogik sowie die Bedeutung ethnografischer Kompetenz für die Soziale Arbeit.
3. Untersuchungsdesign: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, insbesondere die Anwendung des Narrativen Interviews als Datenerhebungsinstrument sowie die organisatorische Planung der Studie.
4. Ergebnisse: Dieser Hauptteil analysiert die Biografie einer Interviewpartnerin, beleuchtet das Krankheitsbild Borderline sowie die verschiedenen Unterstützungs- und Interventionsmaßnahmen im Zeitverlauf.
5. Kommentar: Ein persönlicher Rückblick der Autorin auf das Seminar und die Erfahrungen, die durch die Durchführung und Auswertung des narrativen Interviews gewonnen wurden.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Rekonstruktive Sozialpädagogik, Narratives Interview, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Sozialarbeit, Fallanalyse, Interventionen, Kontrolle, Kontrollverlust, Psychotherapie, Skills Training, Ergotherapie, Selbstreflexion, Lebensgeschichte, Biografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Biografiearbeit als pädagogisches Instrument, um Lebensgeschichten ganzheitlich zu betrachten und daraus Erkenntnisse für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Rekonstruktiven Sozialpädagogik, die Durchführung narrativer Interviews, die Symptomatik der Borderline-Erkrankung sowie die Bewältigungsstrategien in instabilen Lebensphasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, mittels der Forschungsfrage "Wie konstruieren Menschen ihre Lebensgeschichte?" Biografiearbeit beispielhaft anzuwenden und zu analysieren, wie Menschen ihre Erfahrungen als Ressourcen für die Zukunft nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt das Narrative Interview nach Fritz Schütze als zentrale Datenerhebungsmethode und führt eine biografische Fallanalyse durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Vorstellung eines konkreten Fallbeispiels (Sarah), einer Borderline-Diagnose, der Analyse ihres Lebens-Zeitstrahls sowie den verschiedenen therapeutischen und sozialen Unterstützungsangeboten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Biografiearbeit, Narratives Interview, Borderline-Störung, Kontrollverlust und Hilfe zur Selbsthilfe charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt dem Skills Training im Fallbeispiel zu?
Das Skills Training ist zentral, da es der Patientin hilft, Anspannungsspitzen zu regulieren und durch methodische Werkzeuge im Alltag eine bessere Kontrolle über ihr Verhalten zu erlangen.
Warum spielt die Kontrolle und der Kontrollverlust eine so wichtige Rolle?
Kontrolle ist für Borderline-Erkrankte ein kritischer Aspekt, da der Verlust der emotionalen Steuerung oft zu selbstschädigendem Verhalten führt; das Verständnis dieser Momente ist daher essenziell für den Therapieerfolg.
- Arbeit zitieren
- MA Sozialpädagogik Nina Hamberger (Autor:in), 2016, Sozialpädagogische Analyse von Biografieverläufen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452241