Diese Abschlussarbeit des Zusatzstudiums "Sprachandragogik" an der Uni Mainz in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Volkshochschulen Rheinland-Pfalz untersucht den Zweitschrifterwerb anhand der Analyse des Vergleichs von knapp 60 verschiedenen Lehrwerken in den unterschiedlichsten Sprachkombinationen wie Deutsch-Thailändisch, Japanisch-Hindi usw. Es enthält neben einer Analyse der Lehrwerke in Bezug auf den Zweitschrifterwerb sowie eine Übungstypsammlung und praktische Beispiele. Für jeden der eine fremde Schrift lehrt oder lernt enthält dieses Buch wertvolle Hinweise.
Thematisch befasst sich die Arbeit mit dem Erwerb einer zweiten Schrift und analysiert dazu eine große Anzahl verschiedener Sprachlehrbücher (57) in verschiedensten Sprachkombinationen (z.B. Lehrwerke auf Japanisch, die Hindi lehren oder solche auf Chinesisch, die Russisch lehren usw.). Die Arbeit geht auf die Lehrstrategien der Werke ein, beschreibt die Übungstypen zusammenfassend und berichtet von eigenen Umsetzungen im praktischen Unterricht. Als wichtigste Erkenntnisse mögen gelten, dass ein Weitschrifterwerb schrittweise stattfinden kann, wobei zunächst das fremde im eigenen Schriftsystem simuliert (d.h. strukturell nachgebildet) wird.
Die Transkription selber ist nur bedingt in der Lage, auf die fremde Schrift vorzubereiten. Danach wird das fremde Schriftsystem zunächst mit allen visuellen Hilfen, sofern es welche gibt (Vokalisierung im Arabischen und Hebräischen, Pinyin fürs Chinesische, Furigana im Japanischen) und erst langsam ohne diese präsentiert. Mnemonische Hilfen wie Buchstabenreihen werden ebenso vorgestellt wie besonders für die chinesischen Bildzeichen native und fremdentstandene Lernstrategiesysteme. Schließlich erlaubt die Arbeit den Vergleich einiger Lehrwerke und Lehrwerkskonzeptionen.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1 Forschungsstand
2 Methodik der Analyse der Lehrwerke
2.1 Linguistische Voraussetzungen
2.2 Mathematische Voraussetzungen
2.3 Voraussetzungen Logik und Lehrbuchdidaktik
2.4 Das Corpus
II Forschung
3 Kognitive Grundlagen
3.1 Exkurs
4 Orthographic Depth Hypothesis
5 Terminologie
5.1 Diakritika
6 Einteilung der Schriftsysteme
7 Lehre und Fremdschrifterwerb
8 Orthographische Beschreibung des Deutschen
9 Hilfssysteme
III Lehrwerkeanalyse
10 Lehrbücher und Vorgehensweisen
10.1 Muster der Analyse
11 Mandarin Chinesisch
11.1 Einführung
11.2 Parallelen zum Deutschen
11.3 Bücheranalyse Chinesisch
11.4 Möglichkeiten in der Logographie
12 Japanisch
13 Koreanisch
14 Alphabete
14.1 Griechisch
14.2 Russisch
14.3 Georgisch
14.4 Lehre des Lateinischen
15 Yiddish
16 Abjads (Hebräisch, Arabisch, Persisch)
17 Abugidas am Beispiel des Devanagari für Hindi und des Thai
18 Fazit Lehrbuchanalyse
IV Ergebnisse
19 Schriftsystemanalogien - Lernzusammenhänge
20 Übernahmen von Schriftsystemen
21 Häufige Probleme beim Fremdschrifterwerb
22 Kaskadierung
23 Lernphasen
24 Kalligraphie
25 Ausblick
V Appendices
26 I - Übungssammlung
27 II - Ein Anwendunsbeispiel
28 III - FSE und der europäische Referenzrahmen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Erwerb fremder Schriftsysteme durch Deutschsprachige. Ziel ist es, durch die Analyse zahlreicher Lehrwerke methodische Ansätze und Defizite in der Schriftdidaktik aufzudecken, um daraus Empfehlungen für eine effizientere Vermittlung von Fremdschriften abzuleiten.
- Analyse und Vergleich von Schriftsystemen (Logographien, Alphabete, Abjads, Abugidas)
- Kognitive und didaktische Grundlagen des Schrifterwerbs
- Evaluation aktueller Lehrbuchkonzepte hinsichtlich ihrer Schriftdidaktik
- Modellierung von Lernprozessen und Hilfssystemen (Umschrift, Transliteration)
- Entwicklung von Strategien für einen optimierten Fremdschrifterwerb
Auszug aus dem Buch
1. Forschungsstand
Der Forschungsstand unterscheidet sich je nach Blickwinkel auf Schriftsysteme; als Indikator soll zunächst die praktische Anwendbarkeit in Lehrbuchdidaktiken den Erkenntnisfortschritt exemplifizieren. Schriftsystem wird als übergeordneter Begriff verstanden, der in dem Sinne ein abgeschlossenes Grapheminventar bedeutet, dass trotz verschiedener Orthographien, Zusatzbuchstaben und Diakritika z.B. das Französische, Italienische und Englische alles Instanzen des lateinischen Schriftsystems sind, das Persische, Urdu und arabische Instanzen des arabischen Schriftsystems usw.. Damit ist der Fremdschrifterwerb von dem einer anderen Orthographie zu unterscheiden, wobei die Grenze zwischen Orthographie und Schriftsystem ähnlich unscharf (nur wenig schärfer) gezogen werden kann, wie die zwischen Sprache und Dialekt (Shibatani 1990: 191). Der Erwerb einer anderen Orthographie in Lehrwerken der genannten 3 lateinschriftbasierten Sprachen wird u.a. von Cook & Bassetti (2004) untersucht, die zu dem Schluss kommt:
"Not only do these coursebooks [größtenteils Anfängerlehrwerke: Atlas (Nunan, 1995); Reward (Greenall,1994); Changes (Richards,1998); Headway Elementary (Soars & Soars, 1993); Ci siamo (Guarnuccio & Guarnuccio, 1997); Libre Echange (Courtillon & de Salins, 1995)] distort the nature of written language in using it as a prop for spoken language but they also fail to approach written language systematically." Cook 2005:435
Auch van Berkel (2005) kommt zu einem ähnlichen Schluss für die niederländische Lehrlandschaft des Englischen:
"Apparently, spelling is simply accepted as part and parcel of learning English, as English language teaching in the Netherlands devotes no systematic attention to this subject. From the very beginning learners encounter all kinds of written forms, without any explanation of phoneme- grapheme correspondances (PGCs) or rules, and without any information about regular and exceptional spellings. Neither is instruction given about adequate spelling strategies or useful methods of learning the written form of English words by memory." van Berkel in Cook & Bassetti 2005:97
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Einführung in die Thematik des Fremdschrifterwerbs sowie Darstellung der methodischen Grundlagen der Lehrwerkanalyse.
II Forschung: Untersuchung der kognitiven Grundlagen, Terminologie und der Klassifikation von Schriftsystemen unter Berücksichtigung der Orthographie des Deutschen.
III Lehrwerkeanalyse: Detaillierte Prüfung zahlreicher Lehrbücher für verschiedene Sprachen wie Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Griechisch, Russisch und andere.
IV Ergebnisse: Synthese der Erkenntnisse zu Lernzusammenhängen, häufigen Problemen, didaktischen Modellen wie der Kaskadierung und Ausblick auf die Schriftdidaktik.
V Appendices: Ergänzende Übungssammlungen, Anwendungsbeispiele sowie eine Diskussion zum europäischen Referenzrahmen.
Schlüsselwörter
Fremdschrifterwerb, Schriftsysteme, Lehrbuchdidaktik, Graphem, Phonem, Orthographie, Logographie, Abjad, Abugida, Transliteration, Transkription, Diakritika, Kaskadierung, Schriftdidaktik, Orthographic Depth Hypothesis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Erwerb fremder Schriftsysteme und wie dieser Prozess in aktuellen Sprachlehrwerken didaktisch umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder umfassen die Systematik verschiedener Schriftsysteme (Logographien bis Alphabete), kognitive Grundlagen des Lesens und Schreibens sowie die Analyse konkreter Lehrbuchkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, methodische Ansätze und existierende Defizite in der Schriftdidaktik durch eine breite Lehrwerkanalyse aufzudecken und Wege für eine effizientere Vermittlung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Analyse von 57 verschiedenen Lehrwerken durchgeführt, wobei diese anhand von linguistischen, didaktischen und mathematischen Voraussetzungen sowie Schriftsystemanalogien bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (kognitive Grundlagen, Terminologie) und eine umfassende empirische Lehrwerkanalyse für diverse Schriftsprachen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Schriftdidaktik, Orthographic Depth Hypothesis, Graphem-Phonem-Korrespondenzen, Kaskadierung von Hilfssystemen und Schriftsystemanalogien.
Warum ist die Analyse von Hilfssystemen wie Transliteration wichtig?
Hilfssysteme dienen als Brücke, um den Einstieg in eine fremde Schrift zu erleichtern, wobei die Arbeit untersucht, wie diese in Lehrwerken eingesetzt oder reduziert werden.
Welche Rolle spielt die Orthographie des Deutschen im Schrifterwerb?
Das Deutsche dient als Matrixsprache und Vergleichsfolie; Lerner nutzen ihr vorhandenes Wissen über das lateinische Schriftsystem, um neue Schriften zu erschließen.
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- Armin Hoenen (Author), 2011, Der Fremdschrifterwerb. Eine Analyse verschiedener Sprachlehrbücher und Sprachkombinationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452273