Diese Arbeit untersucht das Gruppenphänomen Mobbing in Grundschulen, besonders in Zusammenhang mit den sozialen Ressourcenstrategien nach Hawley. Hierzu erfolgt eine Untersuchung von 331 Schülern einer Münchner Grundschule.
Insgesamt ist für 86 Prozent dieser Schüler eine eindeutige Rolle als Täter, Assistent, Verstärker, Verteidiger, Außenstehender oder Opfer identifizierbar. Es zeigt sich, dass Jungen eher aggressive Rollen einnehmen als Mädchen, die häufiger Verteidiger, Außenstehender oder Opfer sind. Bezüglich der Strategien zur Ressourcenkontrolle zeigt sich, dass es Dominanzunterschiede zwischen den Schülern gibt und dass sowohl prosoziale als auch coercive Strategien angewandt werden. Dabei zeigt sich, dass Mädchen häufiger prosozial agieren als Jungen, um ihren Willen durchzusetzen. Im Zusammenhang mit Mobbing lässt sich belegen, dass die Schüler ähnliche Verhaltenstendenzen im Mobbing zeigen wie in dem Kampf um Ressourcen. Außerdem kann aufgezeigt werden, dass Kinder, die sich aktiv am Mobbing beteiligen, besonders viel Macht innehaben. Insbesondere durch die Gruppe der Bistrategen, die über viel Macht verfügen und sich aktiv am Mobbing beteiligen, konnte der Zusammenhang noch stärker veranschaulicht werden.
Das Phänomen Mobbing ist ein Thema, das immer wieder in der aktuellen Presse diskutiert wird und viel Resonanz erfährt, da es immer wieder im Schulalltag vorkommt und weitreichende Folgen für die Beteiligten nach sich zieht. In der Forschung wurde Mobbing schon in den 60ern Jahren zum Forschungsgegenstand. Wenn Mobbing in der Schule stattfindet, handelt es sich dabei um einen Gruppenprozess, der viel mehr Kinder einbezieht als nur Opfer und Täter. Der Participant Role Ansatz von Salmivalli und Kollegen beschreibt verschiedene Rollen, die sich auch auf den Grundschulbereich übertragen lassen. Die verschiedenen Verhaltenstendenzen, die Kinder in einem Mobbingprozess zeigen, können nach unterschiedlichen Faktoren, wie zum Beispiel dem sozialen Status oder soziokognitiven Faktoren, differenziert werden. In dieser Arbeit wird ein weiterer sozialer Faktor, der Einfluss des Dominanzstrebens und der Strategien, die Kinder verwenden, um soziale Ressourcen zu kontrollieren, als sozialer Einflussfaktor von Mobbing untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Definition von Mobbing und Befunde zum Ausmaß
2.1.1. Zur Klärung des Begriffes Mobbing
2.1.2. Eine Definition von Mobbing
2.2. Mobbing als Gruppenphänomen
2.2.1. Gründe und Motive für Mobbing
2.2.2. Mobbing als gruppendynamischer Prozess
2.2.3. Die Entstehung des „Participant Role“ Ansatzes
2.2.4. Die Mitschülerrollen im Mobbingprozess
2.2.5. Die Sekundärrollen im Mobbingprozess
2.2.6. Geschlechtsunterschiede bei Mobbing
2.2.7. Altersunterschiede bei Mobbing
2.3. Die „Resource Control“ Theorie
2.3.1. Entwicklungspsychologische Grundlagen
2.3.2. Die „Resource Control Groups“
2.3.3. Geschlechterunterschiede in Bezug auf die Ressourcenkontrolle
2.4. Zum Zusammenhang zwischen Mobbing und Ressourcen-kontrolle
2.5. Die Forschungsfragen der vorliegenden Arbeit
3. Methode
3.1. Stichprobe
3.2. Durchführung
3.3. Erhebungsinstrument
3.3.1. Participant Role Questionaire
3.3.2. Ressourcenkontrolle
3.4. Zusammenfassung
4. Ergebnisse
4.1. Deskriptive Analyse der Mobbingrollen
4.1.1. Die Primärrollen
4.1.2. Die Sekundärrollen
4.1.3. Die Doppelrollen
4.2. Deskriptive Analyse der Ressourcenkontrolle
4.2.1. Prävalenz der Ressourcenkontroll-Gruppen
4.2.2. Ressourcenkontrolle in Abhängigkeit der Ressourcenkontroll-Gruppen
4.3. Der Zusammenhang zwischen den Participant Roles und der Ressourcenkontrolle
4.3.1. Verteilung der Ressourcenkontroll-Gruppen in Abhängigkeit der Primärrollen
4.3.2. Verteilung der Ressourcenkontroll-Gruppen in Abhängigkeit der Doppelrollen
4.3.3. Ressourcenkontrolle in Abhängigkeit der Mobbingrollen
4.3.4. Die Bistrategen
5. Zusammenfassung und Diskussion
5.1. Prävalenz der Mobbingrollen
5.1.1. Die Primärrollen
5.1.2. Die Konsistenz der Participant Roles
5.2. Die Ressourcenkontrollstrategien
5.2.1. Die Verteilung der Ressourcenkontroll-Gruppen
5.2.2. Die Ressourcenkontrolle der Ressourcenkontroll-Gruppen
5.3. Der Zusammenhang zwischen den Participant Roles und den Ressourcenkontrollstrategien
5.3.1. Die Ressourcenkontrolle der Participant Roles
5.3.2. Die Verteilung der Ressourcenkontroll-Gruppen in Bezug auf die Participant Roles
5.3.3. Die Bistrategen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Gruppenphänomen Mobbing in Grundschulen in Bezug auf das Streben nach sozialer Dominanz und die Anwendung unterschiedlicher Strategien zur Ressourcenkontrolle. Das primäre Ziel ist die Analyse, inwieweit die Mitschülerrollen beim Mobbing (nach dem "Participant Role Ansatz") mit den verwendeten Kontrollstrategien (nach der "Resource Control Theory") korrelieren.
- Analyse der Mitschülerrollen (Täter, Opfer, Verteidiger, etc.) in der Grundschule.
- Erfassung von Ressourcenkontrollstrategien (prosozial vs. coerciv).
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Mobbingrollen und sozialer Ressourcenkontrolle.
- Betrachtung von Geschlechter- und Altersunterschieden im Mobbingkontext.
- Fokussierte Analyse der sogenannten "Bistrategen" als machtvolle Akteure im Mobbingprozess.
Auszug aus dem Buch
2.2. Mobbing als Gruppenphänomen
Wie in 2.1. bereits festgehalten, findet Mobbing nur in sozialen Gruppen statt, wie etwa einer Schulklasse. Die in der Wissenschaft gängige Definition von Mobbing, die beinhaltet, dass Mobbing nur möglich ist, wenn zwischen Täter und Opfer ein Machtgefälle herrscht, macht wiederholt deutlich, dass Mobbing nur im Gruppenkontext möglich ist und das außerdem Macht und soziale Dominanz beim Mobbingverhalten eine Rolle spielen.
2.2.1. Gründe und Motive für Mobbing
Die Ursachen und Motive von Mobbing sind schon lange Gegenstand der Mobbing-Forschung. Pikas ging 1975 davon aus, dass Täter mit ihren Attacken kein bestimmtes Ziel anstreben, sondern Mobbing allein der Schikane wegen betreiben und beschreibt die Ziele der Täter als irrational (Lagerspetz et al., 1982). Eine Betrachtung von Mobbing als kollektiven Prozess, macht aber deutlich, dass die Gründe für Mobbing komplexer sind und im sozialen Kontext begründet liegen.
Sutton und Smith (1999) konnten belegen, dass Mobbingattacken ein Streben nach einem erhöhten Selbstbewusstsein und dem Gewinnen sozialer Macht in einer Gruppe zu Grunde liegen und dass der Mobbingprozess deswegen erst in einer Gruppe möglich ist. Mobbing muss dementsprechend als gruppendynamischen Prozess verstanden werden, der erst auf der Basis von asymmetrischen Beziehungen entstehen kann (Hörmann & Schäfer, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen Mobbing als Gruppenprozess an Grundschulen ein und beleuchtet die Rolle von Macht und Dominanzstrebung als soziale Einflussfaktoren.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert Mobbing, erläutert den "Participant Role Ansatz" und die "Resource Control Theory" und stellt den theoretischen Zusammenhang zwischen diesen beiden Konzepten dar.
3. Methode: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, insbesondere die Stichprobenzusammensetzung von 331 Grundschülern sowie die Anwendung des "Participant Role Questionaire" und der Messinstrumente zur Ressourcenkontrolle.
4. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptive Analyse der Mobbingrollen und Ressourcenkontrollgruppen sowie die statistische Untersuchung der Zusammenhänge zwischen beiden Variablen.
5. Zusammenfassung und Diskussion: Dieser Abschnitt fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert diese im Kontext bisheriger Forschungsergebnisse und beleuchtet insbesondere die Rolle der Bistrategen.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung der Untersuchung für den Grundschulbereich und gibt Anregungen für zukünftige Forschung sowie Präventionsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Mobbing, Grundschule, Participant Role Ansatz, Ressourcenkontrolle, Soziale Dominanz, Bistrategen, Coercive Strategien, Prosoziale Strategien, Gruppenphänomen, Schikanieren, Mitschülerrollen, Machtverhältnis, Aggression, Schulklasse, Peer-Nominierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Mobbingphänomens an Grundschulen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie soziale Strategien zur Ressourcenkontrolle das Verhalten und die Rollenverteilung innerhalb einer Schulklasse beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Mobbing als gruppendynamischer Prozess, die Rolle von sozialer Dominanz, die Kategorisierung von Schülern in Mitschülerrollen sowie die Differenzierung nach prosozialen und coerciven Kontrollstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Analyse der Mitschülerrollen beim Mobbing in Abhängigkeit von den verwendeten Ressourcenkontrollstrategien der Schüler. Es soll geklärt werden, ob und wie Dominanzstreben mit aggressivem oder prosozialem Verhalten bei Mobbing zusammenhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein quantitatives Design mit strukturierten Einzelinterviews und Peernominierungen (Participant Role Questionaire) bei 331 Grundschülern angewandt, wobei die Daten z-standardisiert und statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Hintergrund, die methodische Erläuterung der Untersuchung sowie eine detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich Mobbingrollen, Hybridrollen und Ressourcenkontrollgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mobbing, Ressourcenkontrolle, Participant Roles, Bistrategen, Soziale Dominanz, Coercive und prosoziale Strategien sowie Schul- und Gruppenkontext.
Was sind "Bistrategen" in dieser Arbeit?
Bistrategen sind eine Gruppe von Kindern, die sowohl prosoziale als auch coercive Strategien überdurchschnittlich häufig anwenden. Sie verfügen über eine sehr hohe Ressourcenkontrolle und werden als sozial dominant wahrgenommen.
Welche Rolle spielen Jungen und Mädchen bei Mobbing?
Die Studie zeigt signifikante Geschlechtsunterschiede: Jungen werden häufiger für aggressive Rollen nominiert, während Mädchen häufiger in prosozialen Rollen wie Verteidiger zu finden sind. Auch bei der Wahl der Ressourcenkontrollstrategien zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede.
- Arbeit zitieren
- Ann Robin (Autor:in), 2010, Mobbing in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452278