Die vorliegende Arbeit soll beantworten, wie es Anfang der 1970er Jahre erstmals zu einer Ausländerpolitik kam, die die Integration der Arbeitsmigranten verfolgte und bewertend aufzeigen, wie weit die umgesetzten Integrationsmaßnahmen der 1970er Jahre tatsächlich reichten.
Seit den ersten Anwerbeabkommen war die deutsche Ausländerpolitik von zwei Grundprinzipen bestimmt. Zum einen war Ausländerpolitik in erster Linie Arbeitsmarktpolitik, wurde also aus rein wirtschaftlicher Sicht betrieben. Zum anderen galt, dass die Bundesrepublik Deutschland kein Einwanderungsland sei. Beide Grundsätze begannen spätestens zu Beginn der 1970er Jahre langsam zu erodieren. Allmählich zeichnete es sich ab, dass ein großer Teil der Arbeitsmigranten auf Dauer in der Bundesrepublik bleiben würde. Als Reaktion darauf verschob sich die deutsche Ausländerpolitik dahingehend, dass sie zunehmend das Ziel verfolgte, die Gastarbeiter in die Gesellschaft der Bundesrepublik einzugliedern bzw. zu integrieren. Gleichzeitig begrenzte die Bundesregierung mit dem Anwerbestopp von 1973 den Zuzug neuer Gastarbeiter. Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist die Darstellung und Analyse der beginnenden Integration von Arbeitsmigranten in die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird ein besonderer Fokus auf den Beginn der 1970er Jahre gelegt. Zuallererst stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt der gesellschafts-politische Wille aufkam, die Arbeitsmigranten in die Gesellschaft zu integrieren. Dies ist eng verknüpft mit der Frage, ab wann es gesellschaftspolitisch akzeptiert wurde, dass ein Großteil der Gastarbeiter auf Dauer in der BRD bleiben würde. Was waren die historischen Gründe für den Richtungswechsel in der Ausländerpolitik? Welche Akteure spielten hier eine Rolle? Für die Beantwortung dieser Fragen soll der Prozess, der schlussendlich zu einer Ausländerpolitik führte, die zunehmend die Integration der Gastarbeiter verfolgte, dargestellt werden. Ausgehend von der Definition des Begriffs der Integration, werden dann die ersten Integrationsmaßnahmen der Bundesregierung dargestellt und untersucht.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Ausländerpolitik von 1955 - 1964
III. Die Ausländerpolitik von 1964 – 1970
IV. Die gesellschaftspolitische Debatte zu Beginn der 1970er Jahre
1.1 Entstehung der Debatte
1.2 Positionen und Ergebnis der Debatte
V. Die Integrationspolitik in den 1970er Jahren
1.1 Der Begriff der Integration
1.2 Integrationsmaßnahmen
VI. Ausblick auf die Integrationspolitik bis 1990
VII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel der deutschen Ausländerpolitik von einer rein ökonomisch motivierten Arbeitsmarktpolitik hin zu einer Politik, die erstmals Ansätze zur Integration von Arbeitsmigranten in die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland verfolgte, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den frühen 1970er Jahren liegt.
- Historische Entwicklung der Ausländerpolitik in der Bundesrepublik Deutschland.
- Die gesellschaftspolitische Debatte um Integration versus Rotation zu Beginn der 1970er Jahre.
- Analyse der tatsächlichen Integrationsmaßnahmen für Arbeitsmigranten und deren Familien.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen politischen Programmen und ihrer praktischen Umsetzung.
- Die Rolle der Bildung als zentraler Faktor für gelingende Integration.
Auszug aus dem Buch
1.2 Integrationsmaßnahmen
Es stellt sich an diesem Punkt nun die Frage, welche konkreten Maßnahmen zu Beginn der 1970er Jahre tatsächlich getroffen wurden, um die Integration der ausländischen Beschäftigten aktiv voranzutreiben. Vorab muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass es auch bereits zu Beginn der Anwerbepolitik Maßnahmen gab, die die Eingliederung der Arbeitsmigranten verfolgten. Die Aufgaben wurden in dieser frühen Phase neben kirchlichen Hilfswerken vor allem von den Wohlfahrtverbänden übernommen. So wurden bereits Anfang der 1960er Jahre von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Beratungsstellen für ausländische Beschäftigte aufgebaut. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Arbeitnehmervereine, welche durch die AWO gefördert wurden. So sieht Karin Hunn beispielsweise die türkischen Arbeitnehmervereine als „Keimzelle der Selbstorganisation türkischer Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik“ an. Sie sollten „das soziale Vakuum füllen, dem sich die Arbeitsmigranten gegenübersahen“. Weitreichendere Maßnahmen, die die Integration der Arbeitsmigranten verfolgten, gab es in den 1960er Jahren jedoch nicht.
Zu Beginn der 1970er Jahre wurde das Beratungsangebot für Arbeitsmigranten dann deutlich erweitert. So wurde neben den Wohlfahrtsverbänden nun auch der DGB vom Bundesarbeitsministerium finanziell unterstützt, damit dieser seine Beratungsleistungen wieder aufnehmen bzw. weiter ausbauen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt den historischen Übergang von der rein arbeitsmarktorientierten Ausländerpolitik hin zu ersten Integrationsbemühungen in den 1970er Jahren.
II. Die Ausländerpolitik von 1955 - 1964: Dieses Kapitel beschreibt die frühe Anwerbephase, die ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen geprägt war und eine Integration der Arbeiter explizit ablehnte.
III. Die Ausländerpolitik von 1964 – 1970: Hier wird die Phase der ersten kritischen Auseinandersetzung mit der Ausländerbeschäftigung sowie die Auswirkungen der Rezession 1966/67 thematisiert.
IV. Die gesellschaftspolitische Debatte zu Beginn der 1970er Jahre: Dieses Kapitel analysiert die kontroversen Debatten um Rotation oder Integration, die in den frühen 1970er Jahren aufkamen.
V. Die Integrationspolitik in den 1970er Jahren: Hier werden die konkreten, wenn auch oft begrenzten, staatlichen Integrationskonzepte und -maßnahmen der 1970er Jahre untersucht.
VI. Ausblick auf die Integrationspolitik bis 1990: Das Kapitel betrachtet die weitere Entwicklung, inklusive der Kühn-Memoranden, sowie die restriktive Wende in der Ausländerpolitik ab den 1980er Jahren.
VII. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Integration trotz politischer Konzepte lange Zeit vernachlässigt wurde und die Folgen dieser Versäumnisse bis heute fortwirken.
Schlüsselwörter
Ausländerpolitik, Gastarbeiter, Integration, Arbeitsmarktpolitik, Bundesrepublik Deutschland, Anwerbeabkommen, 1970er Jahre, Familiennachzug, Rotation, Beratungsangebote, Bildung, soziale Eingliederung, Arbeitsmigranten, Migrationsgeschichte, Sozialpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen Prozess, wie die deutsche Ausländerpolitik in den frühen 1970er Jahren begann, das Thema Integration von Arbeitsmigranten in den Fokus zu nehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Anwerbepolitik, die gesellschaftspolitische Debatte über den Verbleib von Gastarbeitern sowie die Wirksamkeit staatlicher Integrationsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und Analyse der beginnenden Integration von Arbeitsmigranten und eine kritische Bewertung, wie weit die umgesetzten Maßnahmen der 1970er Jahre tatsächlich reichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse von Regierungsdokumenten, Programmen, Berichten der Bundesanstalt für Arbeit und fachwissenschaftlicher Literatur zur Migrationsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die verschiedenen Phasen der Ausländerpolitik, die Debatten der 1970er Jahre sowie konkrete Maßnahmen wie Beratungsangebote und Bildungsförderung detailliert betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ausländerpolitik, Gastarbeiter, Integration, Rotation und historische Migrationsforschung geprägt.
Warum blieb die Integration in den 1960er Jahren aus?
Da von einer nur vorübergehenden Aufenthaltsdauer der Arbeitsmigranten ausgegangen wurde, gab es keinen politischen Willen zur Integration; eine gewisse Ghettobildung war teilweise sogar gewollt.
Welchen Stellenwert hatte das Heinz-Kühn-Memorandum?
Das Memorandum von 1979 forderte eine Abkehr von rein arbeitsmarktpolitischer Sichtweise und eine Anerkennung der faktischen Einwanderung, stieß jedoch bei der Bundesregierung auf kritische Ablehnung.
- Quote paper
- Leo Winter (Author), 2018, Vom Gastarbeiter zum Mitbürger. Der Beginn der Integration von Arbeitsmigranten in die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452321