Die Behandlung der englischen Limited im deutschen Recht vor und nach einem "harten" Austritt Großbritanniens aus der EU


Bachelorarbeit, 2018
54 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabeilenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A. Einleitang:

B. DerBrexit:
I. Geschichtlicher Rückblick
1. Hi stori sehe В ezi ehungen
2. Ablauf des Referendums
II. Mögliche Konsequenzen
1. Mögliche Konsequenzen für Großbritannien
2. Mögliche Konsequenzen für die Europäische Union
III. Das Austrittsverfahren
1. Aktueller Verhandlungsstand

C. Die Limited vor dem Austritt Großbritanniens:
I. Rechtliche Ausgangssituation:
1. Sitztheorie
2. Gründungstheorie
3. Entscheidungen des EuGH:
a. ) Daily-Mail- und General-Trust-Entscheidung (Wegzug)
b. ) Die Centros-Entscheidung (Zuzug)
c. ) Die Überseering-Entscheidung (Zuzug)
d. ) The Inspire Art Entscheidung (Zuzug)
4. Konsequenzen der europäischen Rechtsprechung
II. Rechtliche Grundlagen der Limited
1. Verschiedene Formen der Limited
2. Allgemeines
a. ) Die Organe einer Limited
b. ) Haftungsfall
c. ) Verfahren bei einer Insolvenz
3. Besteuerung und Jahresabschluss der Limited
4. Niederlassung in Deutschland
5. Vor- und Nachteile einer Limited

D. Die britische Limited nach einem Austritt Großbritanniens:
I. Problemstellung
1. Bestandsschutz
II. Lösungsvorschläge
1. Asset Deal
2. Grenzüberschreitende Verschmelzung
a.) Verfahren der grenzüberschreitenden Verschmelzung
3. Grenzüberschreitender Formwechsel
a.) Verfahren des grenzüberschreitenden Formwechsels

E. Fazit:

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Der Austrittsprozess nach Art. 50 EUV

Abbildung 2: Die europäischen Grundfreiheiten

Tabellenverzeichnis

Keine vorhanden

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten1

A. Einleitung:

Am 23. Juni 2016 stimmten 51,6 % der britischen Bevölkerung für den sogenannten Brexit, den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.2

Ein knappes Jahr später, am 23. März 2017, aktivierte die britische Regierung das Aus­trittsverfahren nach Art. 50 des EUV.

Der Artikel lässt zwar den Austritt eines EU-Staates zu, definiert jedoch nicht, welche Rechte und Pflichten der austretenden Partei zustehen.

Da seit Bestehen der EU noch kein Mitgliedsstaat ausgetreten ist, existieren zudem keine Präzedenzfälle, an denen sich ein weiteres Vorgehen ableiten ließe.

Zum aktuellen Stand der Arbeit steht lediglich fest, dass der Brexit große Veränderungen im wirtschaftlichen und rechtlichen Umfeld verursachen wird.

Die anstehenden Austrittsverhandlungen behandeln unter anderem folgende Themen:

1. Finanzfragen
2. Fragen zur Zollunion
3. Arbeitnehmerrechte
4. EU-Außengrenzen insbesondere im Umgang mit Nordirland.

Gegenstand dieser Gespräche sind darüber hinaus gesellschaftsrechtliche Fragestellun­gen, insbesondere da sich die Rechtsform der Limited, bis zur Einführung der UG immens verbreitet hat.

Zum aktuellen Stand der Arbeit existieren noch circa 7.400 tätige Limiteds in Deutsch- land.3

Die Limited eignete sich bis zur Einführung der UG lange Zeit für Gewerbetreibende, die nicht bereit waren, mit ihrem privaten Vermögen zu haften oder nicht das notwendige Kapital aufbringen wollten, das eine Haftungsbeschränkung bei Kapitalgesellschaften normalerweise erfordert.

Dies hängt damit zusammen, dass die Limited, begründet auf der europaweiten Nieder­lassungsfreiheit nach der Centros-Entscheidung aus dem Jahr 1999, als eine Kapitalge- Seilschaft behandelt wird.4

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat zur Folge, dass die oben genannte Entscheidung zur Anerkennung der Rechtsform ab dem Austrittsdatum hinfällig wird.5

Dies führt unweigerlich zu den folgenden Fragen:

- Welche steuerrechtlichen Konsequenzen können auftreten?
- Welchen haftungsrechtlichen Risiken sind Unternehmen ausgesetzt, die unter ei­ner Limited firmieren?

Hieraus leitet sich meine Forschungsfrage für die vorliegende Arbeit ab:

- ״Welche Auswirkungen hat ein harter Brexit auf die Rechtsform der englischen Limited und wie können betroffene Unternehmen auf die sich in Folge ergeben­den Konsequenzen reagieren?“

Die Aufgabe dieser Arbeit besteht nicht allein darin, auf die Hintergründe des Brexits und der Rechtsform der Limited einzugehen, vielmehr sollen Lösungsvorschläge für die oben genannten Probleme ermittelt werden.

B. Der Brexit:

Das Wort Brexit ist eine Wortschöpfung aus den englischsprachigen Wörtern exit und Britain und bezeichnet den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Das Wort entstand in Anlehnung an den Grexit. Diese Wortschöpfung bezeichnete wäh­rend der Finanzkrise 2008 einen in Erwägung gezogenen Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

Nachdem die britische Regierung am 29.03.2017 ein Austrittsgesuch beim Europäischen Parlament eingereicht hatte, steht der Austritt nach den europarechtlichen Regelungen kurz bevor.

I. Geschichtlicher Rückblick

1. Historische Beziehungen

Um das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Großbritannien richtig einord­nen zu können, ist ein Blick in die 40-jährige Geschichte dieser Beziehung hilfreich:

In den Jahren 1963 und 1967 stellte Großbritannien zwei Anträge auf eine Aufnahme in die EG, der damaligen Vorgängerinstitution der EU.

Beide Male wurden die Aufnahmeanträge durch ein Veto des damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle verhindert.6 Erst nach de Gaulles Rücktritt im Jahr 1969 trat das Land im Jahr 1973 dem Abkommen bei.

Schon damals gab es jedoch europakritische Stimmen im Land, die aufgrund der damit einhergegangenen Abgabe von Hoheitsrechten den Status Großbritanniens als Weltmacht gefährdet sahen.

So kam es bereits zwei Jahre nach dem Beitritt zur ersten Volksabstimmung über den Verbleib in der EG. Damals sprachen sich 67 % der Bevölkerung für einen Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft aus.

Ab dem Jahr 1979 regierte die europakritische Margaret Thatcher das Land. Mit ihrer ״I want my money back“-Fordening, mit der sie im Jahr 1984 den sogenannten Britenrabatt aushandelte, ging sie in die Geschichte ein.

Der Auslöser war, dass damals circa 80 % der EG-Gelder in die Landwirtschaft flossen und Großbritannien nur einen sehr gering ausgeprägten Landwirtschaftssektor betrieb. Dies hatte zur Folge, dass das Land geringe Rückzahlungen erhielt und somit zu einem Nettozahler der europäischen Gemeinschaft wurde.

Seitdem zahlt das Land als unmittelbare Folge, trotz zwischenzeitlicher Umstrukturierung bei der Verteilung der Gelder, 2/3 weniger Abgaben als ursprünglich vorgesehen an die EU.

Im Jahr 1993, als der Vertrag von Maastricht, der Grundstein der Europäischen Union, in Kraft trat, sicherte sich Großbritannien erneut eine Sonderrolle. Das Land wird unter an­derem von der geplanten europäischen Währungsunion ausgenommen.

Bei der Verabschiedung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2009 erhielt das Land außer­dem ein Opt-In-Recht. Mit diesem kann das Land bei jedem die Innen- und Justizpolitik betreffenden europäischen Gesetzesakt entscheiden ob es diesen in nationales Recht um­setzt oder nicht.

Hinzu kommen Opt-Out-Rechte wie beispielsweise die unvollständige Anerkennung der Europäischen Grundrechtecharta.7

2. Ablauf des Referendums

Trotz der hohen Verhandlungsbereitschaft der europäischen Partner wuchsen in der bri­tischen Bevölkerung die Vorbehalte gegenüber der EU und den damit verbundenen Insti­tutionen.

Dies hatte zur Folge, dass die EU-kritische Partei UKIP zwischen 2011 und 2013 immens an Zulauf gewann.

Als Reaktion tritt im Jahr 2013 der damalige Premierminister David Cameron mit sieben Forderungen an die Europäische Union, die erfüllt sein müssten, damit das Land weiter­hin Mitglied im Staatenverbund bleibe. Zu diesen zählt insbesondere die Forderung nach strengeren Einwanderungsrichtlinien.8

Dies wurde jedoch von der EU entschieden zurückgewiesen, da dieser Punkt gegen die Kernidee der Europäischen Union des freien Binnenmarktes und der Freizügigkeit wider­spricht.

Außerdem stellte Cameron eine Abstimmung über den Verbleib seines Landes in der EU in Aussicht. Die europakritische Grundsatzrede und die Ankündigung des Referendums verfehlten jedoch ihre Wirkung.

Bei der Unterhauswahl 2015 erreichte die europakritische Partei UKIP mit 12,6 Prozent ein historisches Hoch und verbesserte sich somit im Vergleich zur vorigen Wahl um 9,5 %.9

Als Reaktion wiederholte der damals wiedergewählte Cameron sein Versprechen, ein Re­ferendum über den weiteren Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten zu wollen.

Um den europakritischen Stimmen entgegenzuwirken, wurden zeitgleich Verhandlungen mit der Europäischen Union über ein Reformpaket geführt. Diese hatten eine Verbesse­rung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Kürzung von Sozialleistungen für ausländische Arbeitnehmer zur Folge.

Nach Bekanntgabe der Verhandlungsergebnisse setzte Cameron das Referendum auf den 23.06.2016 fest.

Nach Veröffentlichung des Referendumstermins setzte er den sonst gültigen Grundsatz der Fraktionsdisziplin für die Brexit-Ab Stimmung aus. Somit gab er den Mitgliedern sei­ner Partei und seinen Ministern bei der Positionierung für das anstehende Referendum freie Wahl.

Am Abend des 23.06.2016 lag dann das amtliche Ergebnis vor:

Bei einer Wahlbeteiligung von 72% stimmten 51,6 % der wahlberechtigten Bevölkerung für ein ״Leave“ und somit für einen Austritt Großbritanniens aus der EU. Dieses Ergebnis war zwar von vielen als möglich gehalten worden, ernsthaft geglaubt hatten es aber wohl die Wenigsten.

Um das Ergebnis der Wahl nachvollziehen zu können, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Auswertung der Wahldaten. Bei der Struktur der Gegner und Befürworter gibt es interes­sante Divergenzen.

Beispielsweise nimmt die Anzahl der Brexitbefürworter mit steigendem Alter stark zu. So stimmten 60% der über 60- Jährigen für einen Austritt. Dieses Ergebnis steht in einem starken Kontrast zu der Meinung der 18 bis 24- Jährigen. Bei dieser Wählergruppe stimm­ten nur 27% für ein ״Leave“. Der Blick auf die Wahlbeteiligung verrät warum ein Anteil von knapp 75% an ״Remain“ Stimmen von den jungen Wählern das Wahlergebnis nicht eklatant beeinflussten.

Bei der Gruppe der 65- und älteren Wähler lag diese bei 90%. Die Wahlbeteiligung der Erst- und Jungwähler bei lediglich 60 %.10 Warum sich junge Wähler, obwohl es eine für sie zukunftsweisende Entscheidung war, nicht mehr einbrachten ist nicht wirklich erklär­bar.

Ganz anders verhält es sich mit der Entscheidung der älteren Generation für einen Brexit. Die ältere Generation sieht ihr Land immer noch als unabhängige starke Weltmacht, die keine engen Partner an ihrer Seite braucht.

Konfliktpotential bietet aber nicht nur das divergente Abstimmungsverhalten zwischen Alt und Jung. Es gibt außerdem große territoriale Unterschiede, so stimmten ein Großteil der schottischen Bevölkerung und die des Großraums Londons für ein ״Remain“. Dies liegt wahrscheinlich an den wirtschaftlichen Vorteilen, die beide Regionen durch die EU erlangt haben.

Auffällig ist, dass vor allem die ländlichen Regionen mehrheitlich für einen Austritt stimmten.11

II. Mögliche Konsequenzen

1. Mögliche Konsequenzen für Großbritannien

Mit einem Austritt Großbritanniens erlischt die Anwendung des Unionsrechts, somit er­langt das Land eine größere Selbstständigkeit. Demnach gilt das europäische Primärrecht nicht mehr. Darunter fallen Völkerrechtsverträge wie der AEUV oder die EUV. Hinzu kommt, dass Normen des Sekundärrechts, also von den europäischen Organen erlassene Verordnungen, Richtlinien, Beschlüsse und Stellungnahmen keine Gültigkeit mehr ha­ben. Ohne Anschlussabkommen entfällt beispielsweise die Niederlassungsfreiheit oder das Recht auf medizinische Versorgung von Einwohnern anderer Mitgliedsstaaten.

Durch den Austritt müssen keine britischen Subventionen mehr an den EU-Haushalt ge­leistet werden. Infolgedessen ist langfristig davon auszugehen, dass das Land circa 10 Milliarden Abgaben jährlich einsparen kann.12

Bis jetzt ist nicht ersichtlich, in welcher Form die wirtschaftlichen und politischen Bezie­hungen zwischen beiden Seiten fortgeführt werden können. Auf Seiten Großbritanniens ist dies ein großer Unsicherheitsfaktor.

Der Worst Case wäre, dass es zu einer politischen und wirtschaftlichen Isolation Groß­britanniens innerhalb Europas kommen könnte.13

2. Mögliche Konsequenzen für die Europäische Union

Viele Entscheidungen in der EU, insbesondere Verordnungen und Richtlinien, die in ho­heitliche Bereiche der Staaten eingreifen, können nur einstimmig beschlossen werden, insbesondere Großbritannien blockierte diese oft. Viele Stimmen sagen deshalb, dass das Land lange Zeit ein großer Störfaktor im europäischen Einigungsprozess gewesen sei.14

Nach dem Brexit könnte es zu einer Vertiefung des europäischen Einigungsprozesses kommen. Somit könnte die Europäische Union gestärkt aus den Verhandlungen hinaus­gehen und demonstrieren, dass sie durchaus wehrhaft ist.

Das Fehlen Großbritanniens bringt zweifelsohne aber auch einige Nachteile mit sich. So zählt das Land nicht nur kulturell und militärisch zu den einflussreichsten weltweit. Das Fehlen der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt wird sich spätestens ab 2020 aufgrund sinkender Einnahmen auch im EU-Haushalt wiederspiegeln. Um finanzielle Engpässe zu vermeiden, wird deshalb der Beitrag anderer Staaten steigen müssen.15

Europakritische Parteien wie die französische Front National oder die niederländischen Partij voor de Vrijheid erleben zurzeit einen enormen Zulauf. Deshalb besteht die reelle Befürchtung, das als Kettenreaktion weitere Staaten austreten könnten.16

III. Das Austrittsverfahren

Nachdem Premierminister David Cameron als Konsequenz auf das Referendumsergebnis seinen Rücktritt erklärte und eine Woche später auch der polarisierende Brexit-Befürwor- ter Boris Johnson verlauten ließ, nicht für die Nachfolge Camerons zur Verfügung zu stehen, begann die Suche nach einer Nachfolge für die anstehenden Gespräche mit der EU. Nachdem mit Theresa May eine Nachfolgerin für Cameron gefunden wurde, began­nen die Austrittsverhandlungen mit der EU im Sommer 2016.

Ursprünglich war der Austritt eines Landes aus der Europäischen Union nicht vorgese­hen. Erst im Jahr 2009 wurde durch den Vertrag von Lissabon der sogenannte ,Schei- dungsparagraph‘ in das EU-Vertragswerk aufgenommen.17 Zu finden ist dieser in Art. 50 des EUV. : ״Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vor­schriften beschließen, aus der Einion auszutreten."

Der europäische Rechtsrahmen sieht bei einem Austritt einen klar definierten Austritts­prozess vor. Für die beschriebene ,Scheidung‘ muss der austretende Mitgliedsstaat zu­nächst einen Austrittsantrag beim Europäischen Rat stellen.

Diesen reichte Theresa May am 29.03.2017 bei der ELI ein. Ab diesem Zeitpunkt haben beide Parteien nach Art. 50 Abs. 3 EE1V zwei Jahre Zeit, um ein neues Abkommen aus­zuhandeln.

Nach Einreichung des Antrages sieht der Prozess vor, dass der Europäische Rat Leitlinien erstellt, auf deren Grundlage das Austrittsabkommen verhandelt wird. Auf Seiten der EU ist die Europäische Kommission daraufhin der Verhandlungsführer.18

Nach Abschluss der Verhandlungen schließt der Europäische Rat im Namen der Europa- ischen Union das neue Abkommen. Nach Zustimmung durch das Europäische Parlament, beschließt der Rat der Europäischen Union (Rat) das Abkommen daraufhin mit einer ver­stärkten qualifizierten Mehrheit nach Art. 50 Abs. 2 EUV. (siehe Abbildung). Im europä­ischen Rechtsrahmen wird diese Mehrheit erreicht, wenn mindestens 72 % der Mitglieds­Staaten, die zusammen mindestens 65 % der Bevölkerung stellen, für das Abkommen stimmen.

Fraglich ist, ob sich die britischen Europaabgeordneten bei der Abstimmung des europä­ischen Parlamentes beteiligen dürfen. Dies hängt damit zusammen, dass der Europäische Rat sowie der Rat der Europäischen Union dazu befugt werden, ohne den austretenden Staat zu tagen. (Art. 50 Abs. 4 EUV). Allerdings ist in der genannten Rechtsnorm nur vom Europäischen Rat und vom Rat der Europäischen Union die Rede. Abgeordnete des Europäischen Parlamentes repräsentieren in ihrer Rolle jedoch nur die europäischen Bür­ger und vertreten nicht ihre Herkunftsländer. Deshalb liegt es nahe, dass Art. 50 Abs. 4 EUV nicht auf die Europaabgeordneten des Austrittsstaates anwendbar ist.19

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, Quelle: eigene Darstellung

Inhalte dieses Abkommens könnten beispielsweise Einigungen bei Fragen von ausstehen­den EU-Zahlungsverpflichtungen, Grenzkontrollen oder beim Erheben von Zöllen sein. Das Nachfolgeabkommen soll allerdings nicht nur die bestehenden gegenseitigen Rechts­Verpflichtungen klären, sondern insbesondere das zukünftige Miteinander festlegen.

Kommt es nach Ablauf der genannten Zweijahresfrist zu keiner Einigung, kann die Eu­ropäische Union diese Frist verlängern. Ein Verlängerungsantrag der Gegenseite ist im Vertragswerk nicht vorgesehen (Art.50 Abs.3). Falls bis zum Ablauf der Verhandlungs­zeit kein neues Abkommen zustande kommt, ist ein Austritt ohne Regelung vorgesehen.

Dies bedeutet, dass zwischen Großbritannien und der EU lediglich die Regelungen der WTO gelten würden, Großbritannien würde dann als Drittstaat eingestuft werden.

Eine weitere Option wäre, dass Großbritannien seinen Austrittsantrag zurücknimmt. In Art. 50 EUV wird dem Austretenden dieses Recht zwar nicht explizit eingeräumt, aber auch nicht abgesprochen. Somit ist davon auszugehen, dass die Widerrufung der Aus­trittserklärung und der damit verbundene Rücktritt vom Austritt zulässig wäre.20

1. Aktueller Verhandlungsstand

Bis zum 09. Juli 2018 verhandelten der EU-Unterhändler Michael Bami er mit dem Un­terhändler der Briten David Davis über ein neues Abkommen, um diesen Worst Case zu verhindern. Am 09. Juli 2018 wurde Davis durch Dominic Raab ersetzt, der die nun seit anderthalb Jahren stattfindenden Verhandlungen zu Ende bringen soll. Bisher liegen die Forderungen beider Parteien jedoch so weit auseinander, dass in nächster Zeit mit keiner Einigung zu rechnen ist.

Trotz all dieser Unklarheiten hält die britische Regiemng am ursprünglichen Plan fest, genau zwei Jahre nach Eröffnung des Austrittsverfahrens am 29.03.2019 aus der Europa- ischen Union auszutreten.21 Der aktuelle Verhandlungsstand umfasst eine zweijährige Übergangsfrist ab dem 29.03.2019 bis Ende 2020.

Während dieser Periode soll Großbritannien Teil des gemeinsamen Binnenmarktes blei­ben, weiterhin Beiträge an die EU zahlen, aber sein Mitspracherecht in den europäischen Institutionen soll aberkannt werden.22 Diese übergangsfrist soll allerdings nur dann gel­ten, wenn sich beide Seiten auf ein Austrittsabkommen für die Zeit danach einigen.

Normalweise ist davon auszugehen, dass zwischen dem austretenden Staat und der Euro­päischen Union ein neues bilaterales Abkommen in der genannten Frist abgeschlossen wird.23 Ein weicher Austritt aus dem Staatenverbund wäre die logische Konsequenz. Bei diesem Szenario käme es zu einer rechtzeitigen Einigung, die Folgen des Austrittes wären dadurch absehbar. Demnach träte Großbritannien zwar aus der Europäischen Union aus, es würden jedoch rechtzeitig Anschlussvereinbarungen in Kraft treten.

Ein dann denkbarer Weg für das Vereinigte Königreich wäre das norwegische Modell. Norwegen ist zwar nicht Mitglied in der EU, genießt jedoch als Mitglied des EWR trotz­dem Zollfreiheit.24 Im Gegenzug garantiert das Land allen EU-Bürgem die vier európai- schen Grundfreiheiten und zahlt Beiträge an die EU.

Ein weiteres Modell wäre der Schweizer Weg. Das Land ist kein Mitglied der EWR oder der EU, genießt jedoch trotzdem die Vorteile des gemeinsamen Binnenmarktes. Als Ge­genleistung wird die in Art. 49 AEUV geregelte Freizügigkeit akzeptiert.25

Bei beiden Modellen ist die Gemeinsamkeit erkennbar, dass die EU stets auf der Nieder­lassungsfreiheit nach Art. 49 - Art. 55 des AEUV besteht. Darin liegt allerdings der bisher größte Streitpunkt zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Um die Gefahr des ,Rosinenpickens‘ abzuwehren, also der Beibehaltung der Wirtschaft­liehen Vorteile mit Abgabe der Beitragszahlungen sowie der Freizügigkeit, machte die EU zuletzt in Form eines Verhandlungspapieres des Europäischen Parlamentes deut- lieh,dass eine Beschränkung der Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger die unmittelbare

[...]


1 Im Übrigen sei verwiesen auf Kirchner, Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache.

2 Electoral Comission, The 2016 EU referendum, s.20.

3 Kornblum, GmbHR 2018, 669.

4 EuGH c 212/ 97 vom 09.03.1999.

5 Kumpan /Pauschinger, EuZW 2018, 353.

6 Adenauer, Erinnerungen, S.235 f.

7 Europäische Union, Amtsblatt 2007/ c 306/01, Anhang S.158 ff.

8 Cameron, 11ttps:/A\AVIV. gov.uk/govcrnmcnt/sDccclics/cu-SDCccli-at-bloombcrg Abruf am 10.06.2018.

9 Bloomberg, https://www.bloomberg.com/graphics/2015-uk-election/ Abruf am 12.07.2018.

10 Central Bank of Malta, Who voted for Brexit, S.31 if.

11 Central Bank of Malta, Who voted for Brexit, s.31 ff.

12 Bertelsmann Stiftung, Austritt des Vereinigten Königreichs, S.36.

13 Hofmeister /Giupponi, DOEV 2016, 1013.

14 Bpb, Der Brexit, s.l ff.

15 Felbermayr/Gröschl/Heiland, ökonomische Effekte, S.66.

16 DSGV, Zäsur für Europa, S.8.

17 Bergmann, A-Austritt, Handlexikon.

18 Skouris, EuzW 2016, 806.

19 Skouris, EuzW 2016, 806

20 Rime. ZIP 2016, 2152.

21 May. http:/Av\v\v.tclcaraph.co.uk/nc\vs/2017/1 l/09/dctcrmincd-aivc-co11ntrv-bcst-possiblc-brc\it/ Abruf am 11.08.2018.

22 Europäische Kommission, Statement 18/2161.

23 Lippert /von Ondarza, SWP Aktuell 2016, (42).

24 Ondarza von, Ausschussdrucksache, s. 3.

25 Ondarza von, Ausschussdrucksache, s. 7.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Die Behandlung der englischen Limited im deutschen Recht vor und nach einem "harten" Austritt Großbritanniens aus der EU
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
54
Katalognummer
V452324
ISBN (eBook)
9783668849655
ISBN (Buch)
9783668849662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
behandlung, limited, recht, austritt, großbritanniens
Arbeit zitieren
Daniel Meißner (Autor), 2018, Die Behandlung der englischen Limited im deutschen Recht vor und nach einem "harten" Austritt Großbritanniens aus der EU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452324

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