Wie kommt es zu den negativen Auswirkungen in deutschen Gefängnissen? Welche Auswirkungen lassen sich konkret feststellen? Gibt es auch Maßnahmen, den Gefangenen den Weg zur Resozialisierung zu erleichtern und ihn dadurch vor weiteren Straftaten präventiv zu bewahren?
Zur Einführung und dem Erlangen gewisser Vorkenntnisse werde ich zu Beginn erläutern, wie sich der Strafvollzug bis zu seiner heutigen Form entwickelt hat. Daher beginnt die wissenschaftliche Arbeit mit der Geschichte des Gefängnisses. Es soll zunächst dargestellt werden, wie die heutige Form der Inhaftierung zustande gekommen ist. Dabei wird ein fließender Übergang zu den geltenden gesetzlichen Regelungen, das Strafvollzugsgesetz, vorgenommen. Anschließend wird auf die Begrifflichkeit des Strafvollzuges eingegangen, da sie Inhalt des Arbeitstitels darstellt, für den weiteren Verlauf relevant ist und das Ergebnis dieser Entwicklung verkörpert. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem geschlossenen Strafvollzug. Es soll verdeutlichen, unter welchen Voraussetzungen und Gegebenheiten der eigentliche Untersuchungsgegenstand der Psyche analysiert wird.
Der Schwerpunkt der vorliegenden Schrift liegt auf den Kapiteln 4. und 5. Begonnen wird hierbei mit „Der Vollzugsablauf und dessen psychische Folgen“. Aus diesem Kapitel soll hervorgehen, wie das Verbüßen der Freiheitsstrafe chronologisch aufgebaut ist. Die verschiedenen Haftphasen können bei den Betroffenen unterschiedliche psychische Auswirkungen verursachen. Diese sollen anhand von ausgewählten Beispielen untersucht und erklärt werden. Darauf folgt in Kapitel 5. „Die Prävalenz psychisch Erkrankter im geschlossenen Strafvollzug“. Es gilt darin festzustellen, ob im Gefängnis tatsächlich vermehrt psychische Störungen zu beobachten sind. Darauf folgt eine Erklärung, was man unter psychischen Störungen versteht. Inhaltlich unterschieden werden in diesem Kapitel solche, die vor der Inhaftierung vorhanden waren und solche, die während der Inhaftierung entstehen können.
Zum Schluss ziehe ich unter Berücksichtigung meiner erlangten Erkenntnisse ein Fazit sowie einen Ausblick. Dafür ist es unentbehrlich, eine Gegenüberstellung der negativen psychischen Auswirkungen des Strafvollzuges mit dessen Notwendigkeit und Zielen vorzunehmen.
Aufgrund meiner persönlichen Begegnung und der Expertenmeinung lege ich den Fokus dieser Arbeit auf die negativen psychischen Folgen des geschlossenen Strafvollzuges in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entwicklung des heutigen Strafvollzuges
2.1 Die Geschichte des Gefängnisses
2.1.1 Die Entwicklung vom Kerker zum Zuchthaus
2.1.2 Die ersten Reformen
2.1.3 Der totale Vollzug
2.1.4 Der neue Vollzug
2.2 Das Strafvollzugsrecht
2.3 Die Begrifflichkeit „Strafvollzug“
3 Der geschlossene Strafvollzug
3.1 Zahlen in Deutschland
3.2 Justizvollzugsanstalten
3.3 Das Gefängnis als totale Institution
4 Der Vollzugsablauf und dessen psychischen Folgen
4.1 Strafantritt
4.1.1 Stress
4.1.2 Stigmatisierung
4.2 Das Aufnahmeverfahrenn- Entpersonalisierungsprozess
4.3 Das Leben im geschlossenen Strafvollzug
4.3.1 Isolation
4.3.2 Subkulturen, Prisonisierung und Sozialstrukturen
4.4 Die Entlassung
4.4.1 Stigmatisierung
4.4.2 Soziale Isolation
4.4.3 Prisonisierung
4.4.4 Resozialisierung
4.4.5 Rückfall
5 Die Prävalenz psychisch Erkrankter im geschlossenen Strafvollzug
5.1 Psychische Störungen und Beeinträchtigungen
5.2 Mögliche Störungen der Inhaftierten- vor Antritt der Strafe
5.2.1 Schizophrenie
5.2.2 Abhängigkeitserkrankungen
5.2.3 Die Borderline-Persönlichkeitsstörung
5.3 Mögliche Störungen der Inhaftierten-Genese in Haft
5.3.1 Unipolare Depressionen
5.3.2 Anpassungsstörungen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die negativen Auswirkungen des geschlossenen Strafvollzugs auf die psychische Gesundheit männlicher Inhaftierter in Deutschland. Dabei wird analysiert, wie der Haftalltag, die soziale Isolation und institutionelle Strukturen zur Entstehung oder Verschlimmerung psychischer Störungen beitragen.
- Historische Entwicklung des Strafvollzugs und rechtliche Rahmenbedingungen
- Psychologische Belastungsfaktoren während des Vollzugsablaufs
- Bedeutung von Prisonisierung und Stigmatisierung für die Persönlichkeit
- Prävalenz und Genese psychischer Erkrankungen hinter Gittern
- Herausforderungen der Resozialisierung und Rückfallquoten
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Isolation
Die Inhaftierung der Gefangenen in Einzelhafträume ist erwünscht. Dies ist jedoch aufgrund von Überbelegungen nicht immer möglich. So erfolgt die Unterbringung in Gemeinschafts- oder Einzelzellen, welche unterschiedliche Isolierungsgrade für die Inhaftierten bedeuten. Beiden Unterbringungen kann man jeweils Vor- und Nachteile zuschreiben.
Die Einzelunterbringung hat den Vorteil, dass der Lebensraum umgrenzt ist und ein gewisser Grad an Privatsphäre gegeben ist. Jedoch ist diese ungeeignet für Personen mit depressiven Lebensphasen oder Suizidgedanken. Die Gemeinschaftszellen verringert die Suizidgefahr und ermöglicht den Inhaftierten soziale Kontakte außerhalb des Hofganges oder etwaigen Arbeitszeiten. Es besteht allerdings die Gefahr von Unterdrückungsmechanismen.
Kognitionspsychologisch wird im Werk von Lauth und Viebahn „Soziale Isolierung- Ursachen und Interventionsmöglichkeiten“ folgendermaßen beschrieben:
„Wir definieren soziale Isolierung als das negative individuelle Erleben unzureichender Sozialkontakte.“
Zu diesem Erleben kommt es beim Individuum, wenn es wichtige Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Es ist mit seinen gegenwärtigen sozialen Bedingungen unzufrieden (Ist-Lage) und wünscht sich Nähe zu anderen Personen (Soll-Lage).
Häftlinge sind einsam und erfahren eine starke Einschränkung ihrer sozialen Kontakte. Sie sind in ihren Zellen hinter hohen Mauern eingesperrt und führen täglich einen geregelten Tagesablauf. Durch die Isolation der Inhaftierten soll zum einen die Öffentlichkeit vor kriminellem Verhalten geschützt werden, zum anderen erhofft man sich, dass die Ausgrenzung zu ihrer bisherigen Gesellschaft eine positive Veränderung der Persönlichkeit zur Folge hat. Jedoch erschweren die negativen Folgen der Isolation und der Haft die Wiedereingliederung der Häftlinge. Um diesen Inhaftierungsschäden vorzubeugen, werden Psychologen und Sozialarbeiter eingesetzt. Diese haben nach Lauth und Viebahn allerdings häufig nur eine Vermittlungsposition mit Dolmetscherfunktion inne, um die Anliegen zwischen Häftlingen und der Institution auszutauschen. Mit der Zeit kann sich aufgrund der Anpassung der anstaltsinternen Bedingungen eine sekundäre Isolation entwickeln, die hauptsächlich durch Rückzugstendenzen gekennzeichnet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die psychischen Belastungen im Strafvollzug und legt die Forschungsfragen sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2 Die Entwicklung des heutigen Strafvollzuges: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung vom Kerker zum modernen Strafvollzug und die gesetzlichen Grundlagen.
3 Der geschlossene Strafvollzug: Es werden die Merkmale des geschlossenen Vollzugs als totale Institution und die aktuelle Situation in deutschen Anstalten beschrieben.
4 Der Vollzugsablauf und dessen psychischen Folgen: Der Hauptteil analysiert die chronologischen Haftphasen von Strafantritt bis Entlassung und deren Auswirkungen auf die Psyche.
5 Die Prävalenz psychisch Erkrankter im geschlossenen Strafvollzug: Dieses Kapitel untersucht das Vorkommen psychischer Störungen bei Inhaftierten vor und während der Haft.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert Reformvorschläge sowie die Notwendigkeit von Sozialtherapien.
Schlüsselwörter
Strafvollzug, Inhaftierte, psychische Gesundheit, Isolation, Stigmatisierung, Prisonisierung, Resozialisierung, Subkultur, Depression, Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Rückfallquote, Haftschaden, totale Institution, Strafrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die negativen psychischen Auswirkungen, die ein Aufenthalt im geschlossenen Strafvollzug auf männliche Inhaftierte in Deutschland haben kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Strafvollzugs, die psychologische Belastung durch Haftbedingungen wie Isolation und Stigmatisierung sowie die Prävalenz psychischer Erkrankungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen für negative psychische Folgen im Strafvollzug aufzuzeigen und Maßnahmen zu diskutieren, die eine erfolgreiche Resozialisierung unterstützen könnten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse aktueller Fachliteratur, Statistiken und psychologischer Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Vollzugsablauf (Strafantritt, Leben in Haft, Entlassung) und die detaillierte Betrachtung psychischer Störungen (vor Haftantritt und durch Haftgenese).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Strafvollzug, psychische Gesundheit, Isolation, Stigmatisierung, Prisonisierung und Resozialisierung.
Wie wirkt sich das Konzept der "totalen Institution" auf die Häftlinge aus?
Nach Goffman führt die Abschottung von der Außenwelt zu einer eigenen Welt mit reglementierten Abläufen, die zur Entpersonalisierung und zur Bildung von Subkulturen bei den Inhaftierten führen kann.
Welche Rolle spielt die Prisonisierung für die Rückfallquote?
Die Prisonisierung bezeichnet die Anpassung an die Subkultur und Normen des Gefängnisses, was dazu führen kann, dass der Inhaftierte soziale Kompetenzen für das Leben in Freiheit verlernt und somit das Rückfallrisiko steigt.
Warum stellt der Personalmangel ein Problem für die Resozialisierung dar?
Personalmangel verhindert eine adäquate individuelle Betreuung und Behandlung psychisch auffälliger Inhaftierter, was dazu führt, dass diese oft ohne wirkliche Besserung in die Freiheit entlassen werden.
- Quote paper
- Max Möller (Author), 2018, Die negativen psychischen Auswirkungen des geschlossenen Strafvollzuges auf männliche Inhaftierte in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452494