Jesu Umgang mit Schuld und Sünde


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

20 Seiten, Note: 1,3

Aleira Follie (Autor)


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Jesusworte im Zusammenhang mit Sünde, Schuld und Vergebung
2.1 Zusanmienleben der Menschen
2.2 Gottesbeziehung
2.3 Gleichnisse

3. Schuld und Sünde in der Jesusverkündung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits als Kinder, die in einer christlichen Familie aufwachsen, kommen wir vor allem mit dem ״Vater Unser“ in Berührung. Es ist vermutlich das erste Gebet, das man bereits im Religionsunterricht, wenn nicht sogar im katholischen Kindergarten, lernt und das seit nunmehr über 2000 Jahren gebetet wird. Deshalb ist uns die fünfte Bitte ״ Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigem. “ ein Begriff. Nicht die Schuld steht in dieser Bitte im Vordergrund, sondern die Vergebung, um die wir bei Gott bitten. Gleichzeitig geben wir das Versprechen, dass wir nicht nur um die Vergebung unserer eigenen Schuld bitten, sondern auch vergeben werden. Man hat den Eindruck, dass uns gerade letzteres immer schwerer fällt und wir uns gegenseitig die Schuld zuweisen, als zu vergeben oder uns die eigenen Schuld eingestehen. Es ist für uns leichter, anderen die Schuld zu geben, als sich selbst einzugestehen, dass man Schuld trägt. Andere Menschen um Vergebung bitten ist meist schwerer, als selbst zu vergeben. Oftmals wissen wir auch nicht, weshalb wir überhaupt vergeben sollten oder aber auch, dass wir überhaupt Schuld auf uns geladen haben.

In dieser Arbeit soll Thema sein, wie Jesus mit diesen Menschen umgeht, die sich schuldig gemacht haben und der Frage wo Schuld anfangt? Außerdem soll es um die Frage gehen, was Gott, den Verkündungen Jesu zufolge, von uns als Menschen im Bezug auf Schuld, Sünde von uns erwartet und was wir tun können, um bei Gott um Vergebung zu bitten und um Bamiherzigkeit zu erfahren. Diese Fragen sollen mit Hilfe ausgewählter Logien aus drei Kategorien überprüft und beantwortet werden.

2, Jesusworte im Zusammenhang mit Sünde, Schuld und Vergebung

Die Evangelien der Synoptiker gelten als Grundlage, wenn man die Frage nach Schuld, Sünde und Vergebung stellt. Solche gibt es von Jesus einige. Neun Logien, die vermeintlich von Jesus stammen, werden in diesem Kapitel bearbeitet.

2.1 Zusammenleben der Menschen

Das Thema der ersten vier Logien sind die Gesetze, bei denen man nach den Begriffen Sünde, Schuld und Vergebung vergeblich sucht. Allgemein lässt sich festhalten, dass die Wortüberlieferungen nicht auf den historischen Jesus zurückzuführen sind, sondern als sekundäre Überlieferungen gelten, die das Leben der Gemeinden untereinander regelten.

1. Logion (MT 5, 21-26, Vom Töten und von der Versöhnungy1

21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein.

22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.

In Mt 5,21-26 Vom Töten und von der Versöhnung heißt es:

Diese Wortüberlieferung erinnert zu Beginn daran, was ״den Alten“ gesagt wurde. ״Die Alten“ gelten meist als weise und sprechen den Worten somit Allgemeingültigkeit zu. Darauf folgt das göttliche Passiv, was auf Gott als handelndes Subjekt hinweist, der den Menschen befohlen hat, nicht zu töten. Gleich darauf folgt die mögliche Sanktion für die, die sich nicht an dieses von Gott gegebene Gesetz halten. Mit ״Gericht“ ist in diesem Fall nicht die Judikative, die staatliche Beurteilungsinstanz, gemeint, sondern der Richterstuhl Gottes.

Mt 5,22 beginnt mit ״Ich aber sag euch“ was durch die Bedeutung der Konjunktion ״aber“ andeutet, dass das ״Ich“ dem Erstgesagten, Mt 5,21, widerspricht. In 21 zitiert Jesus eine Kombination von Ex 20,13 und 21,12. Die Tradition Mt. 5,21-22a als Verschärfung des fünften Gebotes entspricht der folgenden Verschärfung des sechsten Gebotes in Mt 5,27.28.[2] Im weiteren Verlauf wird in der zwischenmenschlichen Beziehung der Grad der Auseinandersetzung unterschieden. Von einer ״leichten“ Regelverletzung hin zu einem schweren Tatbestand des Vorwurfs des Atheismus, der das Fegefeuer nach sich zieht. Der Sprecher führt den Hörer in das Geschehen hinein und macht ihn durch die Wahl des Wortes ״Bruder“, wenn wir im Christentum auch alle Brüder und Schwestern im Glauben sind, betroffen. Jeder Mensch wurde von Gott erschaffen und hat somit ein Existenzrecht auf der von Gott erschaffenen Erde. Mord ist deshalb nicht nur die absichtliche Abwertung eines Mitmenschen, sondern auch die Abwertung gegenüber Gott und seiner Erschaffung.

Das Gebot bezieht sich jedoch nicht auf das Töten seines Eigentumes, wie Sklaven. Auch die Tiertötung, töten im Krieg und die Abtreibung sind damit ursprünglich nicht gemeint.

2. Logion (Mt 5, 27-28, Vom Ehebruch)3

27 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

Im Gegensatz zum ersten Logion fehlen im Zweiten der Adressat und die mögliche Sanktion. Die Einführung ist durch das Fehlen der ״Alten“ verkürzt. Es ist anzunehmen, dass Jesus sich an die Männer richtet, da er explizit von ״Frauen“ spricht, die unerlaubt angesehen werden und eine homosexuelle Beziehung in der Bibel nicht vorgesehen ist. Matthäus fügt zum zugrundeliegenden sechsten Gebot (Dtn 5,21) die Worte ״in seinem Herzen“ hinzu. Es geht nicht nur um den Tatbestand des Ehebrechens, sondern auch die damit verbundene erhaltene und ausgedrückte Macht, wenn ein Mann die Frau eines anderen Mannes erobert. Auch bereits der Versuch der Eroberung kann als Eindringen in die Machtzone gewertet werden.

Fazit 1 und 2 Logion:

Die Antithesen Mt 5,21-22 und Mt 5,27-28 sind geschichtlich. Es handelt sich um eine ״Gesetzesverschärfung, auf die das Anstößigkeitskriterium zutrifft.“[4] Es geht in den beiden Logren nicht darum, was ein Mensch darf oder nicht darf und welches Gesetz er zu erfüllen hat, sondem um das soziale Miteinander und das Leben in einer Gemeinschaft. Bei Einhaltung der Gesetze Gottes wird dieser zum Vermittler zwischen den Menschen und ist allgegenwärtig in der Gemeinschaft. Die Weisungen der Thora sollen den Menschen zum wahren Leben verhelfen und ihnen ermöglichen die Göttlichkeit zu erfahren. Die Menschen sollen nicht einfach nur Gesetze befolgen oder Forderungen entsprechen, sondem auch das irdische Leben innerhalb der göttlichen Liebe fördern. Dem Mensch muss klar sein, dass er bereits mit dem bloßen Beleidigen (Mt 5,22) oder dem Begehren (Mt 5,28) sündhaft ist, weil sie die Beziehung zu seinem Mitmenschen zerstört, indem er ihn nicht als gleichgestelltes göttliches Geschöpf sieht.

3. Logion (Mt 5, 38-42, Von der Vergeltung)[5]

38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondem wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!

40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel!

41 Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!

42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!

Nach Lüdemann geht ״die Substanz der 5. Antithese [...] auf Q (vgl. Lk 6,29-30) zurück, ist dort aber nicht antithetisch formuliert“[6]. Mt 5 38-39 wurden von Matthäus in Anlehnung an die ihm vorliegenden Antithesen gebildet. Matthäus hat sie ebenso wie die dritte und sechste zum Zweck des Unterrichts geformt.[7] Die Antithese weist ebenso wie die Logren 1 und 2 die bekannte Struktur mit dem Subjekt ״Ich“ und der Konjunktion ״aber“ auf. Der Beginn der ersten drei Verse sind jeweils die Beschreibung einer Alltagssituation, gefolgt von einer Verneinung einer Reaktion und der tatsächlichen, gewünschten Reaktion, die angeraten wird. Es wird dazu aufgemfen, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondem dem Mitmenschen mit Versöhnung zu begegnen und einen Schritt auf ihn zuzugehen. Die Verse 41 und 42 stellen jeweils eine Auffordemng dar ohne genauer zu erläutern, wieso der Mensch dazu aufgefordert wird. Auffällig ist, dass V. 41 in den Lukasevangelien nicht vorkommt. Lüdemann ist hier der Annahme, dass Lukas diesen Vers aus apologetischen Gründen ausgelassen hat, ״da die indirekte Kritik an dem Recht, Weggeleit zu erzwingen, einen negativen Beigeschmack bei seiner römischen Leserschaft erzeugt hätte“.[8] Vers 42 schließt dann das Logion mit einer Verallgemeinerung ab, die die vorherigen Beispiele nochmal einschließt und für alle geltend macht.

4. Logion (Mt 5,43-45, Von der Liebe zu den Feinden)9

43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet fur die, die euch verfolgen,

45 damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?

47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?

48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!

In V. 43 zitiert Matthäus das alttestamentliche Gebot der Nächstenliebe. Der eigentliche Ausspruch ״Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen“ wird dann als rhetorische Gegenfomiulierung hinzugefügt.[10] Nur V. 44 gilt in dieser Antithese als authentisches Jesuswort.[11] Der Beginn der Verse weist wieder die bekannte Mahnwort­Struktur auf, mit einer als Rückbezug verpackten Einleitung. V. 45 liefert die Begründung für die in V. 44 beschriebene Feindesliebe. Er stellt dem Adressaten in Aussicht, in den Himmel als Kind Gottes aufzusteigen. Es wird nicht klar, wieso der Verfolgung das Aufsteigen in den Himmel gegenübersteht. Vergleicht man die Verse 46-47 mit der Quelle Q[12] fallt auf, dass auch in Q die Feindesliebe zusätzlich mit negativen Beispielen begründet wird. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Beispiele tatsächlich Verkündungen Jesu sind. Matthäus Forderung der Vollkommenheit aus V. 48 steht der Forderung nach Bamiherzigkeit in Quelle Q[13] gegenüber. Matthäus setzt die Barmherzigkeit also mit der Vollkommenheit gleich. Wer als Mensch barmherzig ist und verzeihen kann, ist in seiner Art vollkommen.

Fazit 3 und 4:

In beiden Logren ist der Adressat der Mensch der Gesellschaft, der innerhalb seiner Rolle in der Gesellschaft Feinde hat. Es wird ihm vor Augen geführt, dass er einen Grund hat,

[...]


[1] Die Bibel. Einheitsübersetzung, Herder, Stuttgart 1980, s. 1086.

[2] Liidemann, Gerd: Jesus nach 2000 Jahren. Was er wirklich sagte und tat. zu Klampen Verlag, Lüneburg 2014, 4. Auf!., s. 185.

[3] Die Bibel, s. 1087.

[4] Liidemann, s. 185.

[5] Die Bibel, s. 1087.

[6] Lüdemann, s. 189.

[7] Ebd.

[8] Liidemann, s. 190.

[9] Die Bibel s. 1087.

[10] Liidemann, s. 191.

[11] Ebd.

[12] Lk 6,32-33: 32 Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. 33 Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.

[13] Lk 6,36: 36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Jesu Umgang mit Schuld und Sünde
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V452512
ISBN (eBook)
9783668850583
ISBN (Buch)
9783668850590
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jesu, umgang, schuld, sünde
Arbeit zitieren
Aleira Follie (Autor), 2018, Jesu Umgang mit Schuld und Sünde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452512

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