‚Das Frauenbild’ ist eine höchst ambivalente Phrase. Gibt es überhaupt ein Frauenbild? Selbst im heutigen 21. Jahrhundert gibt es kein einheitlich vorherrschendes Frauenbild, sondern eine Vielzahl von Meinungen und Sichtweisen, die teilweise mit-einander, aber auch gegeneinander existieren.Das umfassende Frauenbild des Frühmittelalters zu erforschen und zu belegen dürfte meines Erachtens unmöglich sein, da die Quellen sehr verschiedene Frauenrollen aufzeigen. Demnach gab es sowohl Frauen, die gänzlich ihren Männern untergeordnet und hörig waren, als auch solche, die ihre Wünsche durchsetzten.
Um den Forschungsstand zu verdeutlichen wird zunächst auf die Frauen- und Geschlechtergeschichte eingegangen, die sich hauptsächlich mit diesem Thema befasst. Im Anschluss daran wird der Pactus legis Salicae genau untersucht, um die Stellung und den Wert der Frauen in dieser Gesetzessammlung und somit in der damaligen Gesellschaft zu ermitteln. Dabei basiert diese Arbeit hauptsächlich auf der Edition des Pactus legis Salicae von Karl August Eckhardt, die viele verschiedene Handschriften berücksichtigt. Die Quellenlage zum Thema des Frauenbildes im 6. Jahrhundert ist problematisch, da die Zeugnisse nur sehr verstreut auftreten und kaum Informationen über Frauen um ihres Geschlechts willen enthalten. Die Quellenaussagen bedürfen deshalb ständig der Interpretation, bei der die damaligen Werturteile und das damalige Bewusstsein nie außer Acht gelassen werden dürfen.
Das Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, dass Frauen im frühen Mittelalter nicht als wertlose und überflüssige Wesen galten, sondern durchaus schutzbedürftig waren, da sie für gewisse Aufgaben unersetzlich waren. Um zu diesem Schluss zu kommen ist es wichtig, dass man heutige Sichtweisen und eigene ethische und moralische Vorstellungen in den Hintergrund stellt. Sie behindern das Verständnis der damaligen Verhältnisse und verwehren einem somit einen möglichst tiefen Einblick in den Sachverhalt. In dieser Arbeit soll anhand des Pactus legis Salicae der Wert einer Frau bei den Merowingern des 6. Jahrhunderts herausgearbeitet und daraus ein eingeschränktes Frauenbild im Spiegel der Merowingergesetze gezeichnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauen- und Geschlechtergeschichte
3. Die Volksrechte (Leges) des frühen Mittelalters
3.1. Der Pactus legis Salicae
3.2 Aufbau und Inhalt des Pactus legis Salicae
4. Der Wert einer Frau im Pactus legis Salicae
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Frauenbild im frühen Mittelalter anhand des Pactus legis Salicae zu analysieren und aufzuzeigen, dass Frauen in dieser Zeit nicht als wertlose Wesen galten, sondern aufgrund ihrer Rolle als Arbeitskräfte und für die Reproduktion als schützenswert angesehen wurden.
- Analyse des Frauenbildes im Spiegel merowingischer Gesetzestexte.
- Untersuchung der rechtlichen Stellung der Frau im Pactus legis Salicae.
- Bedeutung der Naturalienwirtschaft für die Bewertung weiblicher Lebensentwürfe.
- Diskussion von Schutzbedürftigkeit und gesellschaftlicher Funktion der Frau.
- Bewertung von Rechtsnormen zu Ehe, Erb- und Strafrecht.
Auszug aus dem Buch
4. Der Wert einer Frau im Pactus legis Salicae
Unter den einhundertdreiunddreißig Titeln, die im Titelverzeichnis des Pactus legis Salicae aufgelistet sind, findet man Frauen fünfzehn Mal explizit in der Überschrift erwähnt, in vielen Titeln tauchen sie aber auch erst im Text auf, ohne dass die Überschrift darauf hinweist. Sie werden als Weib, Ehefrau, Witwe, Tochter, Mädchen, Magd, oder Frilingin bezeichnet. In den im Titelverzeichnis aufgelisteten frauenspezifischen Gesetzen ist die Frau in dreizehn Fällen das Opfer der Tat, nur zwei Gesetze handeln von Unrecht, das eine Frau begangen hat. Die Gesetze, in denen Frauen erwähnt werden, handeln vom Haarlösen, vom Haarescheren, vom Berühren, Vergewaltigen, Abtreiben, Fremdgehen und Töten.
Diese Einbeziehung und spezielle Erwähnung der Frauen in den Gesetzen zeigt, dass die Frauen ausdrücklich Teil des Volkes und der Gemeinschaft waren und dass sie für diese einen Wert besessen haben müssen, der sie schützenswert machte. Dies gilt jedoch nur für freie Frauen, Mägde haben einen viel geringeren Wert, der dem der Knechte, also Unfreien generell, entspricht. Auch bei Frilingen ist es egal, welches Geschlecht sie haben. Sie haben denselben Wert, weil sie dieselbe Funktion innehaben. Eine Frau wird demnach in der Merowingerzeit nicht nach ihrem biologischen Geschlecht bewertet, sondern nach ihrer Funktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Problematik des Frauenbildes im Frühmittelalter und legt das Ziel fest, anhand des Pactus legis Salicae den Wert der Frau innerhalb der merowingischen Gesellschaft zu untersuchen.
2. Frauen- und Geschlechtergeschichte: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Forschungsstand und betont die Notwendigkeit, Quellen im Kontext ihrer Zeit zu interpretieren, anstatt heutige Wertvorstellungen unreflektiert zu übertragen.
3. Die Volksrechte (Leges) des frühen Mittelalters: Hier wird der historische Kontext der Germanenrechte sowie der römische Einfluss auf die schriftliche Fixierung des Gewohnheitsrechts erläutert.
3.1. Der Pactus legis Salicae: Dieser Abschnitt beschreibt die Entstehung und die verschiedenen Redaktionen der Gesetzessammlung sowie die Bedeutung der verschiedenen Textklassen.
3.2 Aufbau und Inhalt des Pactus legis Salicae: Hier werden die Struktur des Werkes, die Rolle der Bußtitel zur Friedenssicherung und der Prolog als Quelle für die Intentionen des Gesetzgebers analysiert.
4. Der Wert einer Frau im Pactus legis Salicae: Der Hauptteil zeigt auf, dass der Wert einer Frau primär über ihre Funktion als Arbeitskraft und ihre Rolle in der Reproduktion definiert wurde, was sich in den Strafmaßen für Vergehen widerspiegelt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Frauenbild zwar für heutige Verhältnisse diskriminierend erscheint, im Kontext der Merowingerzeit jedoch eine logische Konsequenz der gesellschaftlichen Wertschätzung der Frau als schutzbedürftiges und notwendiges Glied der Gemeinschaft war.
Schlüsselwörter
Pactus legis Salicae, Merowinger, Frauenbild, Frühmittelalter, Geschlechtergeschichte, Rechtsgeschichte, Bußgelder, Frauenrolle, Reproduktion, Arbeitskraft, Gesetzgebung, Schutzbedürftigkeit, Straftaten, Gesellschaftsstruktur, Stellung der Frau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Frauenbild im Frühmittelalter mit einem speziellen Fokus auf die Gesetzessammlung Pactus legis Salicae aus der Zeit der Merowinger.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung abgedeckt?
Im Zentrum stehen die rechtliche Stellung, der gesellschaftliche Wert, die Schutzbedürftigkeit von Frauen sowie die Analyse des Erb- und Strafrechts im Kontext der frühmittelalterlichen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu belegen, dass Frauen im Frühmittelalter entgegen verbreiteter Vorstellungen nicht als wertlos galten, sondern aufgrund ihrer wirtschaftlichen und reproduktiven Funktion einen hohen Stellenwert besaßen und rechtlich geschützt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der Gesetzestexte des Pactus legis Salicae unter Einbeziehung aktueller forschungsgeschichtlicher Perspektiven der Frauen- und Geschlechtergeschichte angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Struktur des Pactus legis Salicae sowie die spezifischen Gesetze, die Frauen betreffen, um deren Wert innerhalb der damaligen Naturalienwirtschaft zu bestimmen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pactus legis Salicae, Merowinger, Frauenbild, Rechtsgeschichte und Schutzbedürftigkeit definiert.
Wie unterscheidet sich der Wert einer freien Frau von dem einer Magd laut den Gesetzestexten?
Während freie Frauen einen hohen Wert für die Gesellschaft und ihre Familie besaßen, wurden Mägde primär über ihre unmittelbare Arbeitskraft definiert, was ihren Status dem der Unfreien anglich.
Warum war die Tötung einer Frau laut Pactus legis Salicae mit solch hohen Strafen belegt?
Die hohen Strafen reflektieren den Verlust einer wertvollen Arbeitskraft sowie den Verlust der reproduktiven Kapazität für die Gemeinschaft und sollten zudem die Blutrache durch Abschreckung verhindern.
Welche Rolle spielte das "Schutz"-Konzept in der merowingischen Rechtsauffassung?
Das Konzept des Schutzes durch einen Mann war eine direkte Konsequenz der damaligen Ansicht, dass Frauen aufgrund ihrer vermeintlichen mentalen und körperlichen Schwäche rechtlich untergeordnet und behütet werden mussten.
- Citar trabajo
- Kirsten Nath (Autor), 2005, Das Frauenbild im Spiegel des Pactus legis Salicae. Eine Untersuchung über den Wert der Frau in den Gesetzen der Merowinger, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45267