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Sind Unternehmen moralisch entwicklungsfähig?

Diskussion einer Erweiterung der Theorie Kohlbergs auf organisationale Umgebungen

Titel: Sind Unternehmen moralisch entwicklungsfähig?

Hausarbeit , 2010 , 28 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anonym (Autor:in)

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Lässt sich die stufenförmige moralische Entwicklungssequenz, welche die kognitive Entwicklungstheorie Kohlbergs postuliert, auch auf Organisationen übertragen? Oder einfacher formuliert, sind Unternehmen moralisch entwicklungsfähig?

Bevor diese zentrale Frage beantwortet werden kann, müssen jedoch zunächst zwei definitorische Fragen geklärt werden: (1.) Was umfasst die Moralstufe eines Unternehmens? Und (2.) in welchem Sinne können sich Unternehmen moralisch entwickeln? Um dies beantworten zu können werden im Folgenden zunächst zentrale Aspekte der Theorie Kohlbergs dargelegt, anschließend werden, ausgehend von der Theorie Kohlbergs, Prozesse moralischer Entscheidungsfindung und moralischen Verhaltens in organisationalen Kontexten diskutiert.

In Zeiten, in denen sich Wirtschaftsskandale häufen - Korruptionsaffären, Mitarbeiterbespitzelungen und Steuerhinterziehungen zunehmen - ist des Öfteren zu beobachten, wie in Medien und Tageszeitungen ein höheres Maß an Moral von Unternehmen eingefordert wird. Oftmals wird hierbei auch an strukturelle Maßnahmen im Unternehmen appelliert; Ethikschulungen werden sowohl für die Manager von morgen, in den Curricula der Business Schools, als auch für die Manager von heute, in unternehmensinternen Fortbildungen, gefordert.

Es stellt sich hierbei jedoch zwangsläufig die in der Philosophie viel diskutierte Frage, ob Moral überhaupt erlernt und damit auch gelehrt werden kann. So glaubte Aristoteles die Tugend sei eine Fähigkeit, die trainiert werden könne, wohingegen Gegner dieser Auffassung, wie bspw. Schopenhauer davon ausgingen, dass der moralische Charakter angeboren sei und unveränderlich das Handeln determiniere. Die Entwicklungspsychologie des 20. Jahrhunderts brachte mit den Arbeiten von Kohlberg erstmalig empirisch fundierte Aussagen zur Moralentwicklung des Menschen hervor – und gab Aristoteles recht: das Individuum ist im Laufe seines Lebens moralisch entwicklungsfähig. Ranglisten, wie beispielsweise das Good Company Ranking der Kirchhoff AG, suggerieren es gebe Unternehmen auf unterschiedlichen moralischen Niveaus, die man ordnen könne.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie der kognitiven Moralentwicklung nach Kohlberg

2.1. Stufen der Moralentwicklung

2.2. Entwicklungsfaktoren der moralischen Urteilsfähigkeit

2.3. Zusammenhang zwischen moralischem Urteil und Handeln

2.4. Moralische Motivation

3. Moralentwicklung in organisationalen Umgebungen

3.1 Moralisches Urteilen im Unternehmen

3.1.1. Urteilsfähigkeit von Wirtschaftsstudenten und Managern

3.1.2. Das Konzept des ethischen Klimas

3.1.3. Diskussion

3.2. Moralisches Verhalten im Unternehmen

3.2.1. Das interaktionistische Modell von Trevino

3.2.2. Moralische Billigung

3.2.3. Diskussion

3.3. Moralische Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen

3.3.1. Ethik-Trainings

3.3.2. Modell der organisationale Entwicklungsfähigkeit

3.3.3. Diskussion

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung, ob sich die stufenförmige moralische Entwicklungstheorie von Lawrence Kohlberg auf Organisationen übertragen lässt und ob Unternehmen demnach als moralisch entwicklungsfähig betrachtet werden können. Dabei werden die individuellen moralischen Kompetenzen von Entscheidungsträgern sowie deren Interaktion mit organisationalspezifischen Faktoren wie dem ethischen Klima und der Unternehmenskultur analysiert.

  • Übertragung der kognitiven Moralentwicklung nach Kohlberg auf den organisationalen Kontext
  • Einfluss von ethischem Klima und Unternehmenskultur auf moralisches Entscheiden
  • Analyse der moralischen Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen
  • Rolle der moralischen Motivation und Billigung für das Handeln im Unternehmen
  • Diskussion von Ethik-Trainings als Instrument der Moralentwicklung

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Urteilsfähigkeit von Wirtschaftsstudenten und Managern

Löhr stellt in einer Meta-Analyse von 46 Studien, welche allesamt die moralische Urteilskraft amerikanischer Wirtschaftsstudenten untersuchten, heraus, dass alle Studien mit Bezug auf Kohlberg zu in etwa identischen Ergebnissen kommen: „Keine der Studien gibt an, überwiegend prinzipienorientiertes Denken vorgefunden zu haben. Vielmehr wird in aller Regel festgestellt, dass sich ein großer Teil der Studenten im konventionellem Stadium der Stufen drei und vier befindet[…]“ Bei der Ermittlung der moralischen Urteilskraft von Managern stellt sich der Kontext, in dem das Moraldilemma angesiedelt war, als entscheidende Einflussgröße heraus: Weber ging davon aus, dass hypothetischen Dilemmata á la Kohlberg, die höchste Moralstufe zu dem ein Manager fähig ist ausfindig machen (moralische Kompetenz), wohingegen realistische Dilemmata ermitteln, wie eine Führungskraft in gegebenen Situationen tatsächlich moralisch urteilt (moralische Performanz).

Er fand heraus, dass Führungskräfte bei hypothetischen Dilemmata auf wesentlich höheren Stufen urteilten, als wenn die Dilemmata im Unternehmenskontext angesiedelt waren. Bei hypothetischen Dilemmata lagen der Großteil der Manager auf den Stufen 3 und 4 und niemand darunter. Fasst man diese Ergebnisse zusammen, so lässt sich darauf schließen, dass die individuelle moralische Kompetenz in verantwortungsvollen Positionen (Studenten und Manager) tendenziell auf konventionellem Niveau liegt, was wiederum dem Durchschnitt der Normalbevölkerung entspricht.

Personen auf konventionellem Niveau orientieren sich bei moralischen Entscheidungen in erster Linie an den Erwartungen ihrer Bezugsgruppe oder den Normen ihrer Institution. Dass Führungskräfte innerhalb moralischer Konflikte im Unternehmenskontext Denkmuster verwenden, die unter ihren kognitiv-moralischen Möglichkeiten liegen, scheint daher aus einer Orientierung an den moralischen Erwartungen innerhalb des Unternehmens zu resultieren und, nach Kohlberg (siehe 2.2.), für eine niedrigere moralische Atmosphäre in Unternehmen zu sprechen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, ob Unternehmen als moralisch entwicklungsfähig gelten können und legt die theoretische Basis für die Untersuchung.

2. Die Theorie der kognitiven Moralentwicklung nach Kohlberg: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung sowie Faktoren wie moralische Motivation und den Zusammenhang zwischen Urteil und Handeln.

3. Moralentwicklung in organisationalen Umgebungen: Der Hauptteil analysiert die Übertragbarkeit der Theorie auf Unternehmen unter Berücksichtigung von ethischem Klima, Unternehmenskultur und Modellen zur moralischen Entwicklung von Organisationen.

4. Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Unternehmen durch die Interaktion von Individuum, Klima und Kultur moralisch entwicklungsfähig sind und weitere Forschung zur gezielten Strukturierung dieser Prozesse notwendig ist.

Schlüsselwörter

Moralentwicklung, Kohlberg, Unternehmen, Unternehmenskultur, ethisches Klima, moralische Kompetenz, moralische Performanz, moralische Motivation, moralische Billigung, Ethik-Training, Entscheidungsfindung, Verantwortlichkeit, organisationale Moral, Konventionelles Niveau, Moralische Urteilsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Frage, ob Unternehmen moralisch entwicklungsfähig sind, indem sie Kohlbergs psychologische Theorie der moralischen Stufen auf den organisationalen Kontext anwendet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die individuelle Moralentwicklung nach Kohlberg, das ethische Klima innerhalb von Organisationen, der Einfluss der Organisationskultur sowie Methoden zur Förderung moralischen Verhaltens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob sich die stufenförmige Entwicklung von Moral, die für Individuen postuliert wird, auf Unternehmen übertragen lässt und unter welchen Bedingungen Organisationen moralisch wachsen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Meta-Analyse bestehender Studien und der kritischen Diskussion etablierter Modelle der Wirtschafts- und Unternehmensethik basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das moralische Urteilen und Verhalten in Unternehmen, das Konzept des ethischen Klimas, das interaktionistische Modell von Trevino und das Reidenbach-Robin-Modell der organisationalen Moralentwicklung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Moralentwicklung, organisationale Ethik, moralische Kompetenz, ethisches Klima und moralische Motivation.

Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für die moralische Entwicklung?

Die Unternehmenskultur wird als stärkste Variable identifiziert, die moralisches Verhalten fördern oder hemmen kann, indem sie beispielsweise Rollenerwartungen definiert oder Verantwortung für Handlungsfolgen strukturiert.

Was besagt die Schlussfolgerung bezüglich der Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen?

Die Arbeit schließt mit der These, dass Unternehmen moralisch entwicklungsfähig sind, da durch gezielte Ethik-Trainings und die Gestaltung demokratischer Organisationsstrukturen die moralische Performanz der Mitarbeiter und somit das ethische Gesamtniveau gesteigert werden können.

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Details

Titel
Sind Unternehmen moralisch entwicklungsfähig?
Untertitel
Diskussion einer Erweiterung der Theorie Kohlbergs auf organisationale Umgebungen
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V452717
ISBN (eBook)
9783668862319
ISBN (Buch)
9783668862326
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmensethik Kohlberg Moralentwicklung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2010, Sind Unternehmen moralisch entwicklungsfähig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452717
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Leseprobe aus  28  Seiten
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