Nachhaltige Ungleichheit durch Kolonialismus?

Analyse eines Kolonisten und eines kolonisierten Landes


Hausarbeit, 2018
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
2 Historie Kolonialismus
2.1 Frankreich als Kolonialmacht

3 Ungleichheitsmaße
3.1 Gini-Index und Lorenz Kurve
3.2 Palma-Ratio

4 Analyse des Kolonisten und des Kolonisierten
4.1 Frankreich
4.2 Senegal

5 Indikatoren der Ungleichheit in Abhängigkeit von Kolonialismus
5.1 Bildung
5.2 Korruption
5.3 Ausbeutung & Auslandsverschuldung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nach dem Zusammenbruch der Kolonialreiche infolge des zweiten Weltkriegs wurde der Begriff Neokolonialismus [...] geprägt, um das Verhältnis der ehemaligen Kolonialmächten und den jungen Staaten zu charakterisieren. Der Begriff bezieht sich dabei [...] auch auf fortgesetzte Dominanzstrukturen, die an die Erfahrung von Benachteiligung im Zeitalter des Imperialismus erinnern“.1 Gegenwärtig nimmt der Gini-Koeffizient der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich einen Wert von 32,7 an. 2 Dieser Index beschreibt zu welchem Ausmaß die Einkommensverteilung oder Konsumausgaben von Individuen in einer Volkswirtschaft von einer idealen gleichmäßigen Verteilung abweicht. Ein Wert von nahe Null ist für eine Volkswirtschaft somit optimaler als ein Wert von nahe Hundert. Zum Vergleich beträgt der Gini-Koeffizient des ehemalig kolonialisierten Land Senegal 40,3 und ist damit deutlich höher als der von Frankreich. 3 Besteht hier ein Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Ungleichheit? Hat der Kolonialismus mit der Implementierung postkolonialer Strukturen eine direkte Auswirkung auf ungleiche Einkommensverteilung in den betroffenen Ländern? Der Gini-Koeffizient liefert dazu empirische Daten, die einen interessanten Sachverhalt aufweisen, welcher eine genaue Untersuchung rechtfertigt.

Mit dem Blickwinkel auf verschiedene Indizien für Ungleichheit wird dieser Essay die Auswirkungen der Kolonialzeit in Bezug auf die gegenwärtige Ungleichheit anhand der Ländern Frankreich und Senegal untersuchen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit nicht auf der Erforschung globaler Ungleichheiten, sondern vielmehr sollen die nationalen Ungleichverteilungen untersucht und miteinander verglichen werden. Es soll bewiesen werden, dass die Kolonialzeit ein Erbe der Divergenz hinterlassen hat.

Dabei bedient sich diese Arbeit einer folgenden Gliederung. Um den Sachverhalt besser verstehen zu können wird Kapitel 2 die Thematik in einen historischen Kontext einordnen. Damit unsere These empirisch gestützt werden kann, werden in Kapitel 3 die für die Untersuchung verwendeten Ungleichheitsmaße erklärt, bevor diese in Kapitel 4 für die Länder Frankreich und Senegal angewandt und analysiert werden. Kapitel 5 charakterisiert die verschiedenen Ungleichheitsindikatoren Bildung, Korruption, strukturelle Ausbeutung und Auslandsverschuldung. Es soll gezeigt werden, dass diese ungleichheitsfördernden Indikatoren ihren Ursprung in der Kolonialzeit haben und somit ein Zusammenhang besteht. Abschließend wird in Kapitel 6 ein Fazit zur strukturellen Ungleichheit in kolonialisierten Ländern bedingt durch den Kolonialismus gezogen.

2. Historie Kolonialismus

Der Begriff Kolonialismus stammt vom lateinischen Wort „colonia“, was Länderei, Niederlassung oder Ansiedlung bedeuten kann. Der Kolonialismus beschreibt dabei die militärische Übernahme der Herrschaft in Gebieten mit einer anderen Kultur. Die Gesellschaft des eroberten Gebiets wird ihrer eigenen Entwicklung, Kultur und Ressourcen beraubt und auf die Interessen der neuen Herrschenden im Lande umgepolt. 4

Die Kolonisation ist ein Phänomen, das in allen Epochen und Weltregionen wiederfinden lässt, während der Begriff „Kolonialzeit“ die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus bezeichnet, die von der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 bis zum Ende der Zweiten Weltkriegs 1945 andauerte.5 Das eigentliche Ziel der europäischen Mächte war es, einen Zugang nach Asien zu finden und somit die Vorherrschaft des osmanischen Reichs über den Gewürzhandel zu umgehen. Erst mit Beginn der Neuzeit war es europäischen Mächten möglich ihre Kolonien zu errichten, da bis dahin Schiffe nicht hochseetauglich und das vorhandene Wissen nicht ausreichte, um zu den Kontinenten zu gelangen. Die europäische Expansion und damit der Wille, fremde Länder zu regieren, entstand durch das kapitalistische Wirtschaftssystem in Europa ab dem 16. Jahrhundert. Die Ausbeutung von Ressourcen, Gold, Gewürzen und Farbstoffen in den kolonialisierten Ländern sollte dazu dienen, den eigenen Bedarf im Lande zu decken, welches mit den vorhandenen Rohstoffen nicht möglich war.

Die Zeit seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird als Imperialismus bezeichnet. Neben der wirtschaftlichen Gewinnererwartung und der Sicherung künftiger Rohstoffbasen spielten in dieser Zeit die Machtrivalität und Prestigefragen eine sehr große Rolle. Abgesehen von den traditionellen Kolonialmächten Großbritannien, Portugal, Frankreich und Spanien kamen neue aufstrebende Mächte wie die USA, das Deutsche Reich und Japan im Kampf um den Besitz von Kolonien hinzu.6

Das Ende der Kolonialzeit geht durch den Zweiten Weltkrieg einher. Dieser stellte den wichtigsten Katalysator für die Dekolonisation dar. In der Zeit der Dekolonisation kam es zu Ablösungsprozesse, die zum Ende der kolonialen Herrschaft sowie dem Erlangen der staatlichen Unabhängigkeit in vielen Ländern wie Indien (1947), Indonesien (1949) und später auch die Kolonien in Afrika. Da aber weiterhin imperialistische Bestrebungen bis heute andauern, spricht man in der jetzigen Zeit vom Neokolonialismus. Dieser Begriff beschreibt das Verhältnis zwischen den Staaten und Konzernen der Ersten Welt und der Dritten Welt. Die Unternehmen aber auch die Regierungen von Industriestaaten versuchen sich die Kontrolle über die Ressourcen, Finanz- und Warenmärkte in ärmeren Ländern zu sichern.

2.1 Frankreich als Kolonialmacht

Frankreich galt neben Großbritannien als größte Kolonialmacht weltweit. Die Expansionsbestrebungen Frankreichs fingen in der ersten großen Kolonisierungsperiode, die vom 15. Bis zum 18. Jahrhundert andauerte, an. Doch auch in der zweiten Periode, im Zuge der imperialistischen Expansionen im 19. Und 20. Jahrhundert, spielte Frankreich als Kolonialmacht eine große Rolle.7 Ab dem 15. Jahrhundert besaß Frankreich große Teile Nordamerikas, Inseln in der Karibik (Guadeloupe und Martinique, die auch heute noch französische Territorien sind), Stützpunkte in Indien, Senegal, Guinea sowie Insel im indischen Ozean. Aus der Zeit der ersten Kolonisierung blieben Ende des 19. Jahrhunderts lediglich die Senegal-Küste und ein paar Insel, da große Teile der Kolonien zugunsten Englands oder Spaniens verloren gingen.

Afrika wurde ab dem 15. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil der Kolonisierung. Der Kontinent wurde schon im 15. Jhdt. von europäischen Mächten wie Portugal besiedelt. Frankreich errichtete seine ersten Handelsstützpunkte an der Küste Senegals und Guineas, vor allem um Sklavenhandel zu betreiben. Senegal, zu aller erst ab 1444 von Portugal besiedelt, zählte durch die Insel Gorée als wichtiger Standpunkt für den Sklavenhandel Afrikas. Die Insel Gorée galt nämlich als bedeutendster Handelsplatz für den Atlantischen Sklavenhandel. Nach dem Britisch-Französischen Kolonialkonflikt gelang es den Franzosen ab 1844 Senegal endgültig zu besiedeln. 1895 erklärte Frankreich Senegal zu seiner Kolonie, bis dahin wurden Kolonialarmeen mit afrikanischen Einheiten errichtet und 1883 die französischen Bürgerrechte eingeführt. Die Kolonialzeit führte in Senegal zu „ausgelaugten Böden, Abhängigkeit als Rohstoffexporteur und altertümliche Landwirtschaftsmethoden“ 8 da überwiegend die Erdnuss- und Baumwollproduktion im Fokus lag. Nach der Einführung des Wahlrechts 1946, kam es zur Entlassung Senegals zur Unabhängigkeit. Im afrikanischen Jahr 1960 wurde Senegal, wie fast alle afrikanisch Kolonien, unabhängig.9

3. Ungleichheitsmaße

Durch die Anwendung von Ungleichheitsmaßen wird der Grad der Ungleichverteilung einer Größe gegenüber einer anderen beschrieben. Die Größen beziehen sich dabei auf der einen Seite auf Ressourcen wie Einkommen und Vermögen während sie sich auf der anderen Seite auf die Anzahl derer, die über Einkommens- und Vermögensanteile verfügen, bezieht. Durch die Zuordnung von den jeweiligen Ressourcen zu Menschen wird angegeben, zu welchem Grad diese von einer Gleichverteilung abweicht.

3.1 Gini-Koeffizient & Lorenzkurve

Der Gini-Index ist aufgrund seiner leichten Interpretierbarkeit ein stark verbreitetes Maß zur Quantifizierung der relativen Konzentration einer Einkommensverteilung. Bei einer maximalen perfekten Gleichverteilung (d.h. jede Person bezieht das Durchschnittseinkommen der betrachteten Grundgesamtheit) nimmt der Gini-Koeffizient den Wert von Null an (abhängig von der Skalierung kann dieser auch einen Wert von 0 bis 100 annehmen), während er im anderen Fall, einer maximalen ungleichen Einkommensverteilung (d.h. eine einzige Person bezieht das komplette Einkommen der betrachteten Grundgesamtheit für sich alleine), den Wert 1 annimmt. 10 Durch die Lorenz- Kurve lässt sich der Gini-Koeffizient veranschaulichen und bestimmen. Abbildung 1 zeigt eine typische Lorenz-Kurve, die aus verschiedenen Punkten besteht, die die Relation zwischen dem kumulativen Prozentsatz der Bevölkerung (x-Achse) und dem kumulativen Prozentsatz des Einkommens dieser Bevölkerung (y-Achse) wiedergeben. Der Gini- Koeffizient beschreibt nun das Verhältnis der Winkelhalbierenden (entspricht der perfekten Gleichverteilung, 45°) und der entsprechend ermittelten Lorenz-Kurve zur gesamten Dreiecksfläche unterhalb der 45°-Linie.11

[...]


1 Vgl. Diallo, M. (2017)

2 Vgl. Knoema.de (2015c)

3 Vgl. Knoema.de (2011b)

4 Vgl. bpb (2018)

5 Vgl. Griesshaber, D. (2018)

6 Vgl. Stuchtey, B. (2010)

7 Vgl. Undreiner, C. (o.J.)

8 Vgl. Pape, C. (2010 )

9 Vgl. Walther, R. (2010)

10 Vgl. FU Berlin (2010)

11 Vgl. Petrenz, J. (2017)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige Ungleichheit durch Kolonialismus?
Untertitel
Analyse eines Kolonisten und eines kolonisierten Landes
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V452768
ISBN (eBook)
9783668865341
ISBN (Buch)
9783668865358
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nachhaltige, ungleichheit, kolonialismus, analyse, kolonisten, landes
Arbeit zitieren
Selin Dizdar (Autor), 2018, Nachhaltige Ungleichheit durch Kolonialismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452768

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