Zur Identität der Figuren in "Nachts ist es leise in Teheran" von Shida Bazyar


Hausarbeit, 2018
22 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Identitätskonzepte
2.1 Soziale und kollektive Identität
2.2 Kulturelle und nationale Identität
2.3 Interkulturelle und transnationale Identität

3.Strategien des Umgangs mit der Fremde und mit Mehrheiten

4.Zur Identität der Figuren in Nachts ist es leise in Teheran
4.1 Behsad
4.2 Nahid
4.3 Laleh
4.4 Mo
4.5 Tara

5.Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Shida Bazyar behandelt in ihrem Roman „Nachts ist es leise in Teheran“, der am „18.02.2016“[1] erschienen ist, aus der multiperspektivischen Sicht der fünf Familienmitglieder Behsad, Nahid, Laleh, Mo und Tara unter anderem die Migrationsthematik, die die Herausforderungen von Migration, den Umgang mit der Fremde sowie die Suche nach Identität einschließt. Damit scheint der Roman zunächst der klassischen Thematik der Migrationsliteratur zu entsprechen, die ein „Sammelbegriff […] für die nicht immer scharf abgrenzbaren Alternativbez[eichnungen] ‚Ausländerlit[eratur]‘, ‚Immigrantenlit[eratur]‘, ‚interkulturelle (mehrkulturelle) Lit[eratur]‘“[2] ist und die „kulturelle[n] Erfahrung[en] [der Migranten und Migrantinnen] […] in ihrem Herkunftsland, ihre Identitätssuche[n] und die Auseinandersetzung mit der Situation als Fremd[e] in Deutschland […] sowie ihre individuellen und sozialpolitischen Probleme und Erfahrungen […] [thematisiert]. [Gleichzeitig werden] die mehrkulturelle[n] und mehrsprachige[n] Erfahrung[n] in der Minderheitensituation [beschrieben].“[3]

Jedoch stellt der Roman eine Besonderheit dar, indem er nicht nur aus der Sicht der beiden Geflüchteten erzählt, sondern auch die Perspektive der nachfolgenden, in Deutschland aufgewachsenen Generation mit ihren Konflikten aufzeigt. Auf diese Weise wird nicht nur formal durch die fünf Erzählerinstanzen unterschiedlicher Generationen und Zeiten, sondern auch auf inhaltlicher Ebene mit der klassischen Migrationsliteratur gebrochen, wodurch diese um neue Sichtweisen bereichert wird. Somit soll sich in dieser Arbeit damit auseinandergesetzt werden, welche Identitätskonzepte sich bei den Figuren in Nachts ist es leise in Teheran finden lassen, welche Identitätskonflikte auftauchen und inwiefern das Thema Migration und Herkunft bei der Identitätsfindung eine Rolle spielt.

Dafür sollen zunächst auf theoretischer Ebene Identitätskonzepte und damit Formen von Identität wie die personale, soziale und kollektive, nationale, kulturelle, transnationale, interkulturelle und hybride Identität vorgestellt werden. Anschließend werden die Strategien des Umgangs mit der Fremde und mit Mehrheiten wie die Segregation, die Assimilation und die partielle Assimilation dargelegt. Diese theoretische Grundlage soll schließlich an den fünf Figuren Behsad, Nahid, Laleh, Mo und Tara Anwendung finden, indem jede Figur nacheinander analysiert wird. Zuletzt sollen die Ergebnisse in einer Schlussbetrachtung zusammenfasst werden.

2. Identitätskonzepte

Mit Identität ist in dieser Arbeit das Selbstverständnis von Menschen gemeint. Identität setzt sich zum einen aus der personalen Identität zusammen, die sich aus individuellen „Wahrnehmungs- und Deutungsmustern, Interessen, Werten, Persönlichkeitsmerkmalen“[4] und „der organischen Einmaligkeit jeder Person [sowie] […] der je einmaligen Kombination lebensgeschichtlicher Daten [ergibt].“[5] Zum anderen ist Identität „nur vor dem Hintergrund der sozialen Umwelt möglich“[6], da sie „über die Beziehung [zu] Anderen, in Beziehung zu dem, was sie nicht [ist], […] konstruiert“[7] und durch die Wechselwirkung mit der sozialen Umwelt verändert und neu ausgehandelt wird. Gleichzeitig ist sie durch „die historische Situation [geprägt] […], denn die Staatsform, die dominante gesellschaftliche Ideologie […] sowie der Umgang mit dem Fremden, der sich im Laufe der Geschichte verändert, gehören zum Allgemeinen, das zusammen mit dem Individuellen die Identität ausmacht.“[8]

Damit entsteht Identität „einerseits durch die Selbstwahrnehmung sowie die internale Selbstkonzeption, andererseits aber immer auch durch die externale Definition von anderen, die man in die Selbstdefinition mit aufnimmt.“[9] So ist Identität konstruiert und „ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist“[10]. Die personale und soziale Identität wird „im Interaktionsprozess immer wieder neu als Balanceakt konstituiert“[11]:

„Einerseits insistiert die Person auf ihrer sozialen Id[entität], indem sie mit den Gegenspielern der jeweiligen Interaktionssituation im Rahmen normierter Erwartungen identisch zu sein versucht […]; andererseits versucht sie, diese Id[entität] als eine nur scheinhafte zu signalisieren, um nicht den Anspruch auf individuelle Unverwechselbarkeit aufgeben zu müssen […].“[12]

Denn „[d]as Bild, das ein Mensch von sich, seinen Mitmenschen und seiner Umwelt hat, [bestimmt] sein Handeln und Denken“[13] und der Mensch entwirft sich „in jeder Handlung und Beobachtung neu. Seine Existenz gewinnt erst daraus ihr Wesen […] [und er] hat keine andere Möglichkeit, als diese Freiheit des immer neuen Selbstentwurfs anzunehmen.“[14]

Identität schließt zudem die Begriffe der sozialen bzw. kollektiven, kulturellen und nationalen, interkulturellen und transnationalen und der hybriden Identität mit ein, die nicht klar voneinander abgegrenzt werden können, aber im Folgenden vorgestellt werden, um die Begriffsbedeutungen klarzustellen.

2.1 Soziale und kollektive Identität

Neben der personalen Identität kann das Individuum durch „die Identifikation mit einer Gruppe [oder verschiedenen Bezugsgruppen] […], die von einer ‚Fremdgruppe‘ […] unterschieden wird“[15], eine soziale oder kollektive Identität entwickeln. Diese meint „die Zugehörigkeit zu kleineren Strukturen, z. B. zur Familie, zu einer Berufsklasse, zu einer Religion, […] [und dient] als Ersatzbegriff für religiöse, nationale und auch kontinentale Identität […]. Kollektive Identität bezieht sich auf jede Art von Gruppe, die aufgrund gemeinsamer Merkmale und Einstellungen als Kollektiv bezeichnet werden kann.“[16]

Damit bildet sich soziale bzw. kollektive Identität erst aus der Abgrenzung von anderen und der Zugehörigkeit und Identifikation mit Kollektiven, die durch Gemeinsamkeiten miteinander verbunden sind. So können sich beispielsweise „aufgrund verbindender Geschlechtsmerkmale weibliche Identität [oder] aufgrund gemeinsamer Migrationserfahrung Migrantenidentität [ergeben], die weiter aufgefächert werden kann in Identität von Flüchtlingen, von Exilierten usw. Innerhalb jeder dieser Gruppen ließen sich wiederum verschiedene nationale, kulturelle, religiöse etc. Identitäten entdecken.“[17]

Damit ist auch diese Form der Identität sozial konstruiert, beeinflusst das Individuum in seiner Wahrnehmung und seinen Einstellungen und ist vom Kontext sowie „gesellschaftliche[n] Wandlungsprozesse[n] […] wie etwa erhöhte[n] Mobilitätsraten, […] neu formierte[n] Geschlechterverhältnisse[n] [und] Familienstrukturen“[18] abhängig, verändert sich stetig und ist „niemals einheitlich“[19].

2.2 Kulturelle und nationale Identität

Durch die Zuordnung eines Individuums zu einem nationalen oder kulturellen Kollektiv wird zur kollektiven Identität auch die nationale und kulturelle Identität gezählt, die jedoch noch einmal gesondert betrachtet werden sollen.

Nationale Identität wie auch kulturelle Identität, die durch Gemeinsamkeiten im nationalen oder kulturellen Kollektiv und der Abgrenzung von Anderen entsteht, „sind statisch und homogenisierend und stehen in Widerspruch zur […] individuellen Ausprägung von Identität“[20], da „[d]as Konstrukt Nation, […] Unterschiede einerseits nivelliert, andererseits aber ausschließt“[21].

„Die kulturelle Identität ist zunächst keine festgelegte Persönlichkeitsstruktur, sondern ein vielschichtiges Resultat einer fortschreitenden und deutenden Aktivität, die von dem einzelnen Menschen als Ergebnis seiner Enkulturation vollzogen wird. Ein Wir-Gefühl, die Zuordnung des Selbst als einem Mitglied einer bestimmten kulturellen Gruppierung dient als sozialpsychologische Erklärung der kulturellen Identität.“[22]

So bildet sie sich aus der Sprache, kulturellen Traditionen, Normen, der „Erfahrung von Wertsystemen, von Haltungen und Glaubensrichtungen der eigenen Kultur“[23], mit denen das Individuum sozialisiert wurde. Die kulturelle Identität verändert sich jedoch auch stetig, wird neu ausgehandelt und kann sich zum Beispiel, wenn „zur eigenen Kultur fremdkulturelle Elemente hinzukommen, […] zu einer interkulturellen entwickeln.“[24]

2.3 Interkulturelle und transnationale Identität

Die interkulturelle Identität unterscheidet sich dabei von der kulturellen Identität, indem „die kulturelle eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe bedeutet [und] […] die interkulturelle Identität zu einem Selbstbewußtsein [sic!] des Menschen [führt], das sich weder vollständig als Teil noch völlig außerhalb einer gegebenen Kultur versteht. Die interkulturelle Identität [legt] […] mehr als eine kulturelle Perspektive [offen], sowohl in der ursprünglichen wie in der fremden Kultur und [überschreitet] zugleich beide Gruppen […].“[25]

Damit meint interkulturelle Identität also die Identifikation eines Individuums mit verschiedenen Kulturen und eine „Überschreitung der Grenze zwischen den Kulturen“[26]. Indem zum Beispiel durch Migration unterschiedliche Kulturen in den Austausch miteinander geraten, können „kulturell[e] Beziehungen zwischen Kulturen“[27] entstehen. Durch das Einlassen auf die andere Kultur, können neue kulturelle Elemente übernommen (Akkulturation) werden und alte kulturelle Elemente verloren gehen. So ist sie unterschiedlich ausgeprägt und befindet sich in einem stetigen Prozess und Akt der Identitätsbalance.[28]

Ähnlich ist die transnationale Identität, mit der „die Identifizierung mit mehreren Nationen“[29] gemeint ist, was bedeutet, „dass immer häufiger Menschen ‚an unterschiedlichen Orten zugleich (leben), sodass sich ihre persönlichen Lebenswelten, sozialen Beziehungsnetze und politischen Verbundenheiten längst und immer öfter über verschiedene Lokalitäten sowie kulturelle und nationalstaatliche Kontexte hinweg erstrecken.“[30]

Mit dieser Vermischung von verschiedenen Kulturen oder Nationen ist interkulturelle und transnationale Identität gleichzeitig auch eine hybride Identität, die ausdrückt, dass sich Individuen mehreren Kulturen oder Nationen auf gleiche Weise zugehörig fühlen. Dies kann beispielsweise bei Migranten und Migrantinnen entstehen, die „sich nicht [zwingend] […] national positionieren [müssen], [sondern] sich […] sowohl im Hier als auch im Dort [wohl]fühlen [können]. [Dies] […] entspräche […] kulturanthropologisch der Anerkennung eines hybriden Subjekts“[31]. Diese Hybridität kann zum einen „große[n] Nutzen [darstellen], mehr als eine Kultur zu kennen oder sich gar in anderen Kulturen heimisch zu fühlen […] [und] bereichert [die Persönlichkeit] um die Traditionen der jeweils anderen Kulturen […].“[32] Zum anderen kann eine hybride Identität jedoch auch auf problematische Weise von außen zugeschrieben werden, indem andere Menschen dem Individuum beispielsweise aufgrund seines Aussehens eine andere Kultur oder Nation zuschreiben, der es sich gar nicht zugehörig fühlt. Dadurch können Identitätskonflikte entstehen.

3. Strategien des Umgangs mit der Fremde und mit Mehrheiten

Für einige Migranten und Migrantinnen in der Fremde ist es schwer, eine Identitätsbalance zu finden und eine stabile Identität auszubilden, da sie häufig durch den Verlust der Heimat, durch Diskriminierungen oder Zuschreibungen von außen mit Identitätskonflikten zu kämpfen haben. So gibt es nach Georg Hansen drei verschiedene Strategien mit der Fremde bzw. mit Mehrheiten umzugehen: durch Segregation, Assimilation oder partieller Assimilation. Diese Strategien sind jedoch nicht immer frei wählbar, sondern hängen manchmal davon ab, dass „Teilen der Minderheit andere Rahmenbedingungen eingeräumt werden als anderen Teilen der Minderheit.“[33]

Segregation als erste Strategie des Umgangs von Minderheiten mit Mehrheiten geschieht dadurch, dass sie sich „in einer Subkultur zusammen[schließen] und […] eine Enklave in der fremden […] Umwelt [bilden]“[34]. So können sie „ihre Bedürfnisse, Lebensentwürfe, Normen und Werte“[35] verwirklichen und damit ihre Eigenheiten und individuelle Identität bewahren.

Die Assimilation meint die Anpassung von Minderheiten an die Mehrheit, indem sie „auf die eigene Sprache, Kultur [und] abweichende Bedürfnisse“[36] verzichten und sich an die mehrheitlichen Verhaltensweisen anpassen, wodurch sie ihre individuelle Identität verlieren. Dennoch funktioniert die Assimilation nur zum Teil, da sich bestimmte Eigenschaften, sexuelle Orientierungen oder Äußerlichkeiten schwer bis gar nicht anpassen lassen.[37]

Die partielle Assimilation ist der Weg zwischen Abgrenzung und vollkommener Anpassung, wodurch Minderheiten wenigstens zum Teil an ihren Eigenarten festhalten können. Hierbei passen sich die Minderheiten nur „teilweise an die Verhaltensmuster der Mehrheit an, und zwar in dem Maße, wie es für die Erreichung von Zielen, die den Umgang mit der Mehrheit erfordern, nötig ist.“[38]

4. Zur Identität der Figuren in Nachts ist es leise in Teheran

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, welche Identitätskonzepte sich bei den Figuren in Nachts ist es leise in Teheran finden lassen, welche Identitätskonflikte auftauchen und inwiefern das Thema Migration oder das Verhältnis zur eigenen Herkunft bei der Identitätsfindung eine Rolle spielt. Dafür sollen die Figuren nacheinander analysiert werden, wobei „eine Analyse zu Identitäten zwangsläufig immer nur gewisse Ausschnitte, nie jedoch Identität in ihrer allumfassenden Gesamtheit erfassen kann“[39], weshalb nur Teilaspekte ihrer Identität dargestellt werden können.

4.1 Behsad

Der erste Teil des Romans erzählt im Jahr 1979 aus der Sicht des Ich-Erzählers Behsad seine Geschichte in Iran (vgl. S. 10-63). Durch diese nach innen gerichtete Erzählperspektive wird ein tiefer Einblick in die Figur und deren Selbstverständnis ermöglicht, wodurch seine Identität deutlicher hervortritt.

Der 27-jährige Behsad (vgl. S. 18) lebt in Teheran und setzt sich 1979 zur Zeit der iranischen Revolution als kommunistischer Revolutionär „gegen die Monarchie, die Unterdrückung, den amerikanischen Imperialismus“ (S. 25) und die „Gläubige[n]“ (S. 12) und für „Sozialismus“ (S. 12), „das Manifest der kommunistischen Partei und den Pazifismus“ (S. 26) ein. Damit zeigt sich zum einen Behsads soziale bzw. kollektive Identität durch seine Zugehörigkeit zum Kollektiv der kommunistischen Revolutionäre, das sich durch gemeinsame Einstellungen, Ziele und Aussehen (vgl. S. 33 f.) von dem Kollektiv der Gläubigen abgrenzt. Zum anderen zeigt sich Behsads personale Identität durch seine individuellen Persönlichkeitsmerkmale, Werte und Interessen. Seine personale Identität ist durch die politisch schwierige Situation stark geprägt und durch Mut (vgl. S. 40), Aufopferungs- und Kampfbereitschaft (vgl. S. 50 f.), Tatendrang (vgl. S. 50), Durchsetzungsstärke und Zukunftsorientierung (vgl. S. 51) gekennzeichnet und er wird von anderen als „wichtige[r], starke[r], radikale[r] Märtyrer“ (S. 57) gesehen, der „mit der Waffe […] umgehen kann“ (S. 49).

Hieraus wird Behsads Umgang mit der Mehrheit in Iran deutlich, da er sich von dieser durch die Zugehörigkeit zu den kommunistischen Revolutionären abgrenzt und damit die Segregation als Lösungsweg wählt. Er schließt sich mit anderen Minderheiten zusammen, kann mit ihnen seine Einstellungen und Werte vertreten und grenzt sich auch durch sein Äußeres von der Mehrheit ab (vgl. S. 33 f.). Auch nach der Flucht von Iran nach Deutschland gehört Behsad zu einer Minderheit, zur Diaspora, wobei seine Strategie im Umgang mit der Mehrheit in Deutschland ebenfalls die Segregation ist . Zwar trifft er und seine Familie sich regelmäßig mit Ulla und Walter (vgl. S. 79), um miteinander zu sprechen, besucht einen Sprachkurs und führt Gelegenheitsarbeiten aus (vgl. S. 75), dies tut er jedoch nur aus zweckmäßigen Gründen, um in dem fremden Land zurechtzukommen und dort bleiben zu dürfen (vgl. S. 92) und grenzt sich ansonsten von ihnen ab. Er betrachtet sich selbst nicht als Teil der Gesellschaft, sondern als Fremden, der nicht in Deutschland ankommen möchte, sondern immer den Gedanken hat, in sein Heimatland zurückzukehren. Dies wird nicht nur anhand der Sprache deutlich wie „[i]n diesem Land haben sie ja alles“ (S. 81), „was das über die deutsche Gesellschaft verrät“ (S. 79) oder „Deutschland ist unser Exil“ (S. 107), sondern auch dadurch, dass Behsad seine Meinung nie ehrlich mit Walter oder Ulla teilt, sondern sie erst zu Hause Nahid preisgibt (vgl. S. 79). Außerdem wartet er täglich auf Telefonanrufe aus der Heimat (vgl. S. 108) und hört so oft es geht Radio, um über die Zustände in Iran informiert zu bleiben, eine vertraute Sprache zu hören und in Erinnerungen zu schwelgen (vgl. S. 93 ff.). Behsad besitzt demnach nur eine nationale und kulturelle iranische Identität und kann keine transnationale, interkulturelle Identität ausbilden, da er sich als Fremder in Deutschland begreift, der nur übergangsweise dort lebt. Dadurch wird Behsads problematische Situation deutlich, weil er nicht nur durch die Flucht nach Deutschland seine Heimat verloren hat und sich dort keine neue aufbauen möchte, sondern auch in Iran aufgrund der schwierigen politischen Situation keine Heimat mehr besitzt.

4.2 Nahid

Im zweiten Teil des Romans setzt Nahid als zweite Erzählinstanz ein, die als Ich-Erzählerin 1989 ihre Geschichte in Deutschland erzählt (vgl. S. 65-120), wodurch auch hier die Innenperspektive einen tiefen Einblick in die Vorgänge und das Selbstverständnis der Figur ermöglicht. Durch diesen direkten Zugang zu Nahids Gedanken wird die Verzweiflung und Heimatlosigkeit der Figur besonders deutlich, da Nahid immer wieder an die Zeit in Iran zurückdenkt (vgl. S. 67 f., S. 76 f., S. 88 ff.), um ihrem Alltag in Deutschland für eine kurze Zeit zu entfliehen.

Nahid ist eine gebildete Frau, die sich für Literatur interessiert und mit ihrer Familie, bestehend aus Behsad, Laleh und Mo, in Deutschland lebt. Ihre personale Identität ist von schwierigen Zeiten in ihrem Heimatland sowie von Migrationserfahrungen und zwei unterschiedlichen politischen Situationen geprägt. Ihre soziale bzw. kollektive Identität bestand in Iran zum Teil aus der Zugehörigkeit zu den kommunistischen Revolutionären, mit denen sie ihre Einstellungen und Werte teilen konnte und zum Teil aus der Zugehörigkeit zu ihrer Familie und Verwandten. In Deutschland hat sie den ersten Teil verloren und auch der zweite Teil ist nicht mehr vollständig, da nur noch ihr Mann und ihre Kinder geblieben sind. Dennoch versucht sie nicht, eine neue soziale Identität aufzubauen, da sie gar nicht in Deutschland bleiben möchte: „[W]ann gehen wir denn zurück?“ (S. 108) und weder Ullas Frauengruppe beitreten noch bei den Exiliranern teilhaben möchte (vgl. S. 82 f.). Stattdessen flieht sie in ihre Gedanken und in ihre Familie:

„Hätte ich die Augen schließen und mir vorstellen können, es gäbe die kalte Sprache draußen vor dem Fenster nicht. Es gäbe nur die schlummernden Kinderseelen nebenan und Behsads Arm und den Atem an meinem Ohr. […] Nur die schwarzen, dichten Haare auf seinem Körper, nur den Kopf, der an meinen Hals gelehnt ist und der all diese klugen Gedanken spinnt, der die klügsten Gedanken der Welt spinnt, die alles erfunden haben, was die Welt retten könnte, die eines Tages auch die Welt retten werden, eines Tages, sicher“ (S. 100 f.).

So zeigt sich, dass Nahid im Umgang mit der Fremde genau wie Behsad den Weg der Segregation wählt und sich von der Mehrheit abgrenzt. Sie grenzt sich von ihnen ab, indem sie sich nicht als Teil der Gesellschaft, sondern als Fremde in einem fremden Land betrachtet. Dies zeigt sich nicht nur anhand der Sprache: „die Deutschen“ (S. 75, 96), „in diesem Land“ (S. 81) oder „es roch nach Deutschen“ (S. 97), sondern auch daran, dass sie ganz andere Einstellungen vertritt (vgl. S. 81), die Probleme der Deutschen nicht nachvollziehen kann (vgl. S. 80 f.), ihre Sprache (vgl. S. 74, 100), ihr Essen (vgl. S. 78, 92) und ihre Normen (vgl. S. 69, 75) nicht leiden kann und in der Zukunft wieder nach Teheran zurückkehren wird, sich in Deutschland also keine Heimat aufbauen möchte. Nahid besitzt damit nur eine nationale und kulturelle iranische Identität und kann keine transnationale und interkulturelle Identität aufbauen. Das Problematische daran ist für sie, dass sie durch den Verlust ihrer Heimat auch einen Teil ihrer Identität verloren hat und so nur in der Heimatlosigkeit und innerhalb der Familie ein Zuhause finden kann: „Der Wind trägt Behsads Stimme herüber, ich würde seine Stimme unter Tausenden erkennen, sie dringt zu mir vor und gibt mir jenes Gefühl von einem Zuhause, wie es in den vergangenen Jahren nur wenige Dinge konnten“ (S. 75).

4.3 Laleh

Im dritten Teil des Romans erzählt die Ich-Erzählerin Laleh 1999 ihre Geschichte in Deutschland, die mit ihrer Mutter Nahid und ihrer Schwester Tara nach Teheran reist (vgl. S. 121-203). Es wird schon formal deutlich, dass sich Laleh als Angehörige der zweiten Migrantengeneration von ihren Eltern unterscheidet und eine wichtige Position in diesem Roman einnimmt. Dies zeigt sich einerseits daran, dass ihre Geschichte mit 82 Seiten am längsten behandelt wird und andererseits erst- und einmalig der Romantitel in ihre Geschichte eingebunden wird, der durch die Kontrastierung „Nachts ist es leise in Teheran. Tagsüber so laut“ (S. 148) zum einen die Kultur des Irans spiegelt, da dieser neben der wörtlichen Bedeutung auch die Bedeutung einschließt, dass nachts leise Geheimnisse ausgetauscht werden und am Tag nie darüber gesprochen wird. Zum anderen wird dadurch auf die Unterschiedlichkeit von iranischer und deutscher Kultur aufmerksam gemacht, wodurch gleichzeitig auf den inneren Konflikt der Figur Laleh andeutet wird, die mit diesen Unterschieden konfrontiert wird und Schwierigkeiten hat, sich selbst zu verorten.

Lalehs personale Identität ist von Migrationserfahrungen in ihrer Kindheit geprägt, als sie im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern und ihrem Bruder Mo nach Deutschland fliehen musste (vgl. S. 77 f.). Sie wurde schon früh mit schwierigen Umständen und Rassismus konfrontiert (vgl. S. 126), wird Stereotypen (vgl. S. 128) und äußerlichen Unterschieden gegenübergestellt (vgl. S. 145) und versucht aufgrund dieser Erfahrungen in der Schule niemals negativ aufzufallen, sondern sich anzupassen (vgl. S. 171). Auf ihr lastet also ein Assimilationsdruck, dem sie zum Teil nachgibt, indem sie sich einerseits der deutschen Mehrheit anpasst, sprachlich und kulturell in die Gesellschaft integriert ist, deutsche Freiheitsrechte wie die Meinungs-, Handlungs- und Kleidungsfreiheit, das Recht auf politische Teilhabe (vgl. S. 131, S. 167) vertritt und gesellschaftlich eingebunden ist (vgl. S. 168). Andererseits hält sie jedoch an einigen Eigenarten fest und passt sich äußerlich nicht ganz an (vgl. S. 145), hält an den Traditionen ihrer Familie fest (vgl. S. 146 f.) und nutzt ihre deutschen Freiheiten nicht vollständig aus (vgl. S. 147, S. 171 f.). So lässt sich bei Laleh eine partielle Assimilation feststellen. Gleichzeitig zeigt sich die Problematik bei der partiellen Assimilation, da trotz aller Bemühungen, sich der Mehrheit anzupassen, nicht sichergestellt ist, dass Laleh von der Mehrheit anerkannt wird. Sie wird noch immer mit Stereotypen (vgl. S. 128) und Diskriminierungen (vgl. S. 146) konfrontiert, nicht ausschließlich als Deutsche anerkannt und ihr dadurch von außen eine hybride Identität zugeschrieben. Diese Zuschreibung erfährt Laleh nicht nur in Deutschland (vgl. S. 123), sondern auch in Iran (vgl. S. 150), was ihre schwierige Situation und ihren Identitätskonflikt verdeutlicht.

Laleh erscheint auf den ersten Blick mit nur einer nationalen bzw. kulturellen Identität ausgestattet, da sie sich als Deutsche empfindet und nur wenig Interesse an Iran hat, über deren desaströse Zustände nicht informiert ist (vgl. S. 191 ff.), „die Nachrichten […] nicht verfolg[t], obwohl sie zu Hause ständig laufen“ (S. 126), kaum Erinnerungen mehr an den Iran besitzt (vgl. S. 126), den Vorschriften des Irans gegenüber abgeneigt ist (vgl. S. 131, 133, 174) und sich im Umgang mit der iranischen Kultur unsicher und fremd fühlt (vgl. S. 153). Bei näherer Betrachtung trifft dies jedoch nicht zu, da Laleh während ihres Urlaubs in Teheran eine interkulturelle, transnationale Identität entwickelt. Zwar wird sie mit einer Kultur konfrontiert, deren Essenstraditionen (vgl. S. 178), Familientraditionen (vgl. S. 151), Verhaltensweisen (vgl. S. 174), sozialen Normen (vgl. S. 161, 186) Kleidungsvorschriften und Vorschriften über das Aussehen (vgl. S. 156) anders als in Deutschland sind, dennoch fühlt sie sich dort heimisch und in ihr steigen Erinnerungen ihrer frühen Kindheit auf (vgl. S. 143 f.). Sie versucht sich ihnen anzupassen und „so zu tun, als würde [sie] dazugehören, […] als hätte [sie] ein Ziel, das [ihr] bekannt ist, ein Leben, das völlig routiniert ist. Als würde [sie] alle Geheimnisse kennen und sie verstecken, so wie Ava sie versteckt“ (S. 157 f.). So entwickelt sich eine immer stärkere Bindung zu diesem Land und eine interkulturelle, transnationale Identität. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität wird nicht nur durch ihre inneren Vorgänge vorangetrieben, sondern auch durch äußere Einflüsse verstärkt:

„Ame Simin fragt […] das, was alle immer ständig fragen, sie fragt, Ist es hier schöner oder in Deutschland? Gefällt es dir hier besser oder gefällt es dir in Deutschland besser? Willst du lieber hier wohnen oder lieber in Deutschland? Tara und ich antworten immer höflich: Nemidunam, Ich weiß es nicht. Weil wir nun einmal etwas antworten müssen und weil sich diese Frage allen stellt, nur nicht uns“ (S. 182).

Dadurch beginnt sie einen ständigen Konflikt in sich auszuführen, indem sie Deutschland und Iran ständig miteinander vergleicht und sich selbst zu verorten versucht. Daraus wird deutlich, dass sie sich auf einer Identitätssuche befindet und sich dazu gezwungen fühlt, sich zwischen den Kulturen entscheiden zu müssen, wodurch die Problematik hybrider Identität deutlich wird. Auf der einen Seite kann sie den Iran mit seiner Kultur und seinen Regeln nicht ernstnehmen und stellt ihn Deutschland gegenüber, wo für Laleh „das richtige Leben“ (S. 167) geführt wird, da die Menschen dort freie Entscheidungen treffen und sich selbst verwirklichen können (vgl. S. 167). Auf der anderen Seite fühlt sie sich jedoch direkt „schlecht bei dem Gedanken“ (S. 167), weil sie sich in Iran mit ihren Verwandten und ihrer Familie immer wohler fühlt (vgl. S. 202) und die „Menschen und Gerüche und Bilder, […] so tief [sitzen] und […] manchmal so plötzlich hoch[kommen] und […] sich so richtig an[fühlen] […], weil sie mit Kindheit und Geborgenheit und Sicherheit verbunden sind.“ (S. 134 f.). Insgesamt fühlt sich Laleh also beiden Kulturen zugehörig, weshalb man von einer hybriden Identität sprechen kann.

4.4 Mo

Im vierten Teil des Romans erzählt der Ich-Erzähler Morad (Mo) 2009 seine Geschichte (vgl. S. 205-270), der durch die innere Sichtweise Einblicke in seine Gefühle, Gedanken, körperlichen Zustände und Träume zulässt. Zusätzlich wird Morads Charakter durch die individuelle Sprache deutlich, die von Umgangssprache wie „angequatscht“ (S. 237), Schimpfwörtern wie „Pisser“ (S. 215) oder Interjektionen wie „ey“ (S. 217) durchsetzt ist, und sich dadurch gleichzeitig stark von den vorherigen Figuren abgrenzt.

Die personale Identität von Mo ist wie bei seiner großen Schwester Laleh von Migrationserfahrungen in seiner sehr frühen Kindheit geprägt und einem nicht einfachen Aufwachsen in Deutschland, da auch er mit Stereotypen und Rassismus konfrontiert wurde und wird (vgl. S. 209, S. 248, S. 237 f.). Mo ist gebildet, hat sein Abitur erfolgreich abgeschlossen und studiert nun Geographie (vgl. S. 211), dies jedoch mit wenig Motivation. Vielmehr ist er an Gesellschaft, Feiern und Alkohol interessiert (vgl. S. 235), verbringt seine Zeit vor allem mit seinen Freunden Jolle und Tobi sowie dessen Freundin Maryam und unterscheidet sich nicht von ihnen (vgl. S. 217). Mo hat sich vollständig angepasst, weshalb man bei ihm von einer Assimilation im Umgang mit der Mehrheit sprechen kann. Er ist sprachlich und kulturell vollständig in die Gesellschaft integriert, spricht kein Persisch und kann auch persische Schriftzeichen nicht lesen, weshalb er auf die Sprache des Landes, in dem er geboren wurde (vgl. S. 267), und auf die Kultur seiner Familie vollständig verzichtet. Er hat nicht nur keinen Kontakt zu seiner Verwandtschaft in Iran (vgl. S. 220), sondern empfindet auch keine Verbundenheit oder jegliche Beziehung zu ihnen (vgl. S. 233). Dennoch funktioniert die Assimilation bei Mo nur zum Teil, da sich, wie in Kapitel 3. beschrieben, Äußerlichkeiten nicht anpassen lassen und er immer wieder mit Stereotypisierung, Diskriminierung und Rassismus zu kämpfen hat und aus der Gruppe der Deutschen ausgegrenzt wird. So reagiert Mo auf die diskriminierende Frage eines Fremden „Und, wo kommst du her?“ (S. 237) im ersten Moment nur traurig und genervt, im zweiten Moment wird er jedoch wütend „[w]egen der Frage und weil die Antwort darauf so simpel klingt. Aber mit Blut und Schmerzen verbunden ist“ (S. 239), was ebenfalls die Problematik seiner Situation verdeutlicht.

Mo scheint auf den ersten Blick nur eine nationale und kulturelle deutsche Identität zu haben, dies ändert sich jedoch im Verlauf der Handlung hin zu einer hybriden Identität. Das zeigt sich schon an seiner sozialen bzw. kollektiven Identität, da er zum einen bei deutschen Studentendemonstrationen mitmacht (vgl. S. 216) und früher schon zu vielen Demonstrationen gegangen ist (vgl. S. 226 f.), auch wenn er dabei keinen bestimmten Durchsetzungswillen hat. Zum anderen macht er bei der Exiliraner-Demonstration mit, auch wenn er darüber nicht viel weiß (vgl. S. 255 ff., S. 264). So zeigt sich schon hierbei seine Zugehörigkeit zu beiden Gruppen. Eine hybride Identität entwickelt er vor allem seit dem Ausbruch der Grünen Revolution in Iran, wodurch Mo beginnt, sich nicht nur stärker für die Grüne Bewegung zu interessieren, sondern auch sich mit sich selbst und seiner Identität auseinanderzusetzen. Er verfolgt regelmäßig die Nachrichten (vgl. S. 210), wodurch sich ein Schuldgefühl und ein schlechtes Gewissen immer weiter in ihm ausbreiten, da er die Iraner nicht unterstützen kann:

„Brüllende Menschen, Männer, ungefähr so alt wie ich, mit schwarzen Locken, mit gebügelten Jeans, die sich an den Händen halten, grüne Bänder an den Handgelenken, die Bilder hochhalten, die Parolen rufen, die irgendwo in meinem Hirn etwas wachrufen, das mir sagt, dass es an mich gerichtet ist. Dass das die Dinge sind, die ich machen würde, wäre ich da. Dass das die Dinge sind, die gemacht werden müssen, weil Leute wie meine Eltern nicht mehr da sind.“ (S. 224)

Dieses bedrückende Gefühl der Unfähigkeit zu helfen, führt sogar so weit, dass er mit Atembeschwerden zu kämpfen hat (vgl. S. 243) und sich sein Unterbewusstsein auch im Schlaf damit auseinandersetzt (vgl. S. 207 f.). Ein Fluchtweg aus dieser Hilflosigkeit bietet ihm zum einen Alkohol und gesellschaftlicher Umgang, wodurch er nicht mehr mit sich selbst konfrontiert wird (vgl. S. 235). Zum anderen nimmt er an den Studentendemonstrationen in Deutschland teil (vgl. S. 216), obwohl er diese, besonders im Vergleich zu den Protesten in Iran, nicht ernstnehmen kann und nicht dahintersteht (vgl. S. 215 f.). Dennoch geben diese ihm das Gefühl, etwas Nützliches zu tun und sich in die Proteste der Grünen Bewegung hineinzuversetzen:

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut, sie rufen es nah an meinem Ohr, und ich brülle mit […]. Natarsid, ma hame ba ham hastim. Mein Kopf ruft es mit, ruft es laut, brüllt es, aber eben nur im Kopf“ (S. 228 f.).

So wird auch bei Mo die durch hybride Identität mögliche Problematik deutlich, da er sich zwischen zwei Kulturen positioniert, aber dennoch nicht an beiden Orten zugleich sein kann. Außerdem zeigt sich auch die innere Zerrissenheit, die hybride Identität mit sich bringen kann. Durch die verstärkte Zunahme der Presseberichte und Internetbeiträge über die Zustände in Iran (vgl. S. 225), die das Ausmaß der Proteste (vgl. S. 222) und die Gefahr (vgl. S. 224 f.) drastisch darstellen, entsteht nicht nur für Mos Familie immer mehr Hoffnung auf Veränderung, sondern auch für Mo selbst, da auch er will, dass sich die Umstände in Iran ändern und seine Familie endlich ihren Frieden findet (vgl. S. 223, S. 242 f.). So kommt der revolutionäre Drang seiner Eltern in ihm auf (vgl. S. 225), den er schon als Kind beigebracht bekommen hat (vgl. S. 248), weshalb er an der Exiliraner-Demonstration teilnimmt. In dieser entwickelt er wieder eine Beziehung und ein Zugehörigkeitsgefühl zu seinem Geburtsland, da ihm nicht nur die Menschen ein vertrautes Gefühl (S. 260) geben, sondern auch die iranische Nationalhymne vertraute Kindheitsgefühle (vgl. S. 259) in ihm aufweckt. Gleichzeitig überkommt ihn das erleichternde Gefühl, eine Hilfe für seine Verwandten und die Mitglieder der Grünen Bewegung zu sein (vgl. S. 262):

„Wir gehen hinter einem Auto her, aus dem abwechselnd Revolutionslieder und Megafon-Forderungen tönen, und ich bin seltsam erleichtert. Und kann atmen, tief atmen, obwohl ich die letzten Tage immer dachte, das Atmen bringt mich zum Ersticken“ (S. 260 f.).

Mo nähert sich dadurch nicht nur wieder seiner Familie an (vgl. S. 267, S. 255, S. 263), sondern auch seinen Verwandten in Iran, zu denen er erstmals den Kontakt über soziale Medien sucht (vgl. S. 244, S. 269). So entwickelt Mo schließlich eine hybride Identität, und fühlt sich zugleich Deutschland und Iran zugehörig:

„Du wirst Onkel, sagt Laleh, Daei Mo wirst du, und ich muss lachen . Daei Mo. Das klingt schön. Es ist schön, dass man ein Daei werden kann, obwohl man im Land der siegreichen Fußballmannschaft und der tollen technischen Geräte ist“ (S. 263).

4.5 Tara

Zuletzt soll noch ein kurzer Blick auf den Epilog des Romans geworfen werden, der aus der Sicht der Ich-Erzählerin Tara erzählt wird und in der Zukunft spielt. Darin erfährt Tara mit ihrer Freundin Parastou in ihrem Schwedenurlaub von der Ablösung des Gottesstaates (vgl. S. 271-275). Auch an dieser Erzählinstanz zeigt sich die Individualität und Abgrenzung der Figur von den vorherigen besonders stark durch die Sprache, indem eine vulgäre Sprache genutzt wird, wie zum Beispiel „kratzt sich am Sack“ (S. 275) sowie Umgangssprache wie „Kippe“ (S. 274), Schimpfwörter wie „verdammte Welt“ (S. 274) oder „Scheiß auf Brandenburg“ (S. 274). Daran zeigt sich Taras jugendlicher, rebellischer Charakter und durch ihren geschlechterbewussten Sprachgebrauch wie „Fahrerwechsel?, fragt Parastou […]. Geht auch Fahrerinnenwechsel?, murmle ich mit Filter im Mundwinkel“ (S. 273) werden ihre queer-feministischen Einstellungen deutlich (vgl. S. 273).

So wird also schon durch die sprachliche Gestaltung Taras personale Identität deutlich, welche die einzige Figur des Romans ist, die weder von Migrationserfahrungen, noch von einer schwierigen politischen Situation ihres Landes geprägt ist. Tara ist temperamentvoll (S. 257), selbstbewusst (vgl. S. 262), rebellisch (vgl. S. 257 f., 274), zeigt Solidarität (vgl. S. 256), Entschlossenheit (vgl. S. 261), ist regellos (vgl. S. 273) und steht gleichzeitig für ihre Rechte ein (vgl. S. 256), besonders für Freiheit, denn sie kleidet sich wie sie möchte und zeigt ihren Körper: „Sie trägt ein enges Trägertop, als wollte sie allen zeigen, dass sie keine Angst hat“ (S. 257), „hat eine Glatze und trägt auch Hotpants“ (S. 255). Tara vertritt ihre Freiheitsrechte und nutzt diese vollständig aus: Sie steht für Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein, indem sie in ihrer Jugend schon an zahlreichen Demonstrationen teilgenommen hat, zum Beispiel an der der Exiliraner-Gemeinde (vgl. S. 255), immer noch politisch engagiert ist (vgl. S. 273) und am „queer-feministische[n] Aktivismus“ (S. 273) teilhat. Tara ist also vollständig assimiliert und besitzt nicht nur eine starke soziale und kollektive Identität und eine nationale, deutsche Identität, sondern befindet sich auch außerhalb von Identitätsproblematiken, wie sie ihre Geschwister und Eltern durch die Erfahrungen mit der Fremde, durch die Heimatlosigkeit oder Schwierigkeiten der Selbstverortung hatten, wodurch sie eine eigene Identität aufbauen kann.

5. Schlussbetrachtung

Insgesamt ist deutlich geworden, dass sich der Roman besonders mit dem Thema Migration und Herkunft im Verhältnis zur eigenen Identität auseinandersetzt, da „sich gerade in der Migration und in der unvermeidlichen Begegnung mit der Fremde die für den Migranten, die Migrantin so wichtigen Fragen oder die Suche nach bzw. Abhandlung der eigenen Identität offenbaren.“[40] So zeigt der Roman die Identitätskonzepte von fünf Figuren auf, die generationsübergreifend mit dem Thema Herkunft im Verhältnis zur eigenen Identität konfrontiert sind und ermöglicht durch die fünf formal unterschiedlich gestalteten Erzählinstanzen, die aus der Ich-Perspektive erzählen, ein besonders tiefes Eindringen in die verschiedenen Identitätskonzepte und -konflikte der Figuren. Dies eröffnet vor allem vor dem Hintergrund aktueller Flüchtlingsdebatten eine neue, bereichernde Perspektive, die die Migrationsthematik aus einer inneren Sichtweise heraus betrachtet. So werden nicht nur die Identitätsproblematiken, Gedanken und Gefühle der ersten Migrantengeneration aufgezeigt, sondern auch die der nachkommenden Generation.

Zunächst stellt der Roman das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, die Migrationserfahrungen und individuellen Probleme, den Umgang mit der Fremde in Form von Segregation, die Identitätssuche und -konflikte durch den Verlust der Heimat durch die beiden Geflüchteten Behsad und Nahid dar, wodurch der Roman die klassische Thematik der Migrationsliteratur aufgreift.

Anhand der Figuren Laleh, Mo und Tara wird jedoch der Bruch des Romans mit der klassischen Migrationsliteratur deutlich, da nicht ausschließlich die Perspektive der ersten Migrantengeneration beschrieben wird, sondern auch auf die nachfolgende Generation, deren Identität und Umgang mit der eigenen Herkunft eingegangen wird.

Als erstes stellt Laleh diesen Bruch dar, die zwar genauso wie ihre Eltern mit Migrationserfahrungen, Identitätskonflikten, der Identitätssuche und dem Umgang als Minderheit mit einer Mehrheit konfrontiert ist, dabei jedoch die Strategie der partiellen Assimilation nutzt und ein Zugehörigkeitsgefühl zu zwei Kulturen in Form einer hybriden Identität entwickelt.

Als zweites zeigt sich auch an Mo dieser Bruch, der mit Identitätskonflikten zu kämpfen hat und als Teil einer Minderheit mit einer Mehrheit umgehen muss, indem er sich vollständig anpasst und eine nationale, deutsche Identität besitzt. Trotzdem wird er mit Stereotypen und Diskriminierungen konfrontiert und ist Identitätskonflikten ausgesetzt. Er befasst sich im Verlauf der Handlung immer mehr mit sich selbst, seiner Familie und Herkunft und bildet schließlich eine hybride Identität aus, die jedoch auch Problematiken mit sich bringt.

Als letztes eröffnet der Roman durch den Epilog eine weitere Perspektive, der noch deutlicher den Bruch mit der klassischen Migrationsliteraturthematik verdeutlicht, indem die in Deutschland geborene Tara als drittes Kind der Familie eine eigene Identität ausbilden kann und mit den Problemen ihrer Eltern und Geschwister nicht zu kämpfen hat.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

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Sekundärliteratur:

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Quellen:

o. A.: Shida Bazyar. Nachts ist es leise in Teheran. In: Kiepenheuer & Witsch <https://www.kiwi-verlag.de/buch/nachts-ist-es-leise-in-teheran/978-3-462-04891-9/>. Zugriff: 16.10.2018.

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[1] o. A.: Shida Bazyar. Nachts ist es leise in Teheran. In: Kiepenheuer & Witsch <https://www.kiwi-verlag.de/buch/nachts-ist-es-leise-in-teheran/978-3-462-04891-9/>. Zugriff: 16.10.2018.

[2] Ackermann, Irmgard: Migrantenliteratur. In: Metzler Lexikon Literatur: Begriffe und Definitionen. Hg. von Dieter Burdorf [u.a.]. 3. Aufl. Stuttgart 2007, S. 498-499, S. 498.

[3] Ackermann, Irmgard: Migrantenliteratur, S. 498.

[4] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur. Kulturelle Metamorphosen bei Ilija Trojanow und Rumjana Zacharieva. Würzburg 2009, S. 62.

[5] Dubiel, Helmut: „Identität, Ich-Identität.“ In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 4. Hg. von Joachim Ritter [u. a.]. Basel 1976, S. 148-151, S. 150.

[6] Kneidinger, Bernadette: Geopolitische Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft: Mediale Vermittlung und Wirkung regionaler, nationaler und transnationaler Identitätskonzepte. Wiesbaden 2013, S. 40.

[7] Hall, Stuart: Ideologie, Identität, Repräsentation. Ausgewählte Schriften 4. Hg. von Juha Koivisto und Andreas Merkens. 2. Aufl. Hamburg 2008, S. 171.

[8] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 71.

[9] Kneidinger, Bernadette: Geopolitische Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft, S. 41.

[10] Hall, Stuart: Ideologie, Identität, Repräsentation, S. 169.

[11] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 70.

[12] Dubiel, Helmut: „Identität, Ich-Identität“, S. 150 f.

[13] Haller, Max: Identität und Nationalstolz der Österreicher: gesellschaftliche Ursachen und Funktionen. Herausbildung und Transformation seit 1945. Internationaler Vergleich. Wien [u.a.] 1996, S. 40 f.

[14] Jannidis, Fotis: Einleitung. Jean-Paul Sartre: Warum schreiben? In: Texte zur Theorie der Autorschaft. Hg. von Fotis Jannidis [u.a.]. Ditzingen 2000, S. 102-105, S. 102.

[15] Kneidinger, Bernadette: Geopolitische Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft, S. 39.

[16] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 70 f.

[17] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 70 f.

[18] Kneidinger, Bernadette: Geopolitische Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft, S. 42.

[19] Hall, Stuart: Ideologie, Identität, Repräsentation, S. 170.

[20] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 70.

[21] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 70.

[22] von Barloewen, Constantin: „Fremdheit und kulturelle Identität. Überlegungen aus der Sicht der vergleichenden Kulturforschung“. In: Kulturthema Fremdheit: Leitbegriffe und Problemfelder kulturwissenschaftlicher Fremdheitsforschung. Hg. von Alois Wierlacher. München 1993, S. 297-318, S. 307.

[23] von Barloewen, Constantin: Fremdheit und kulturelle Identität, S. 307.

[24] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 76.

[25] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 79.

[26] Blioumi, Aglaia: Interkulturalität als Dynamik. Ein Beitrag zur deutsch-griechischen Migrationsliteratur seit den siebziger Jahren. Tübingen 2001, S. 89.

[27] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 76 f.

[28] Vgl. Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 81.

[29] Kneidinger, Bernadette: Geopolitische Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft, S. 92.

[30] Lingenberg, Swantje: Mediatisierung und transkulturelle Öffentlichkeiten: Die Aneignung des Politischen im Kontext multi-lokaler und mobiler Lebenswelten. In: Die Mediatisierung der Alltagswelt. Hg. von Maren Hartmann und Andreas Hepp. Wiesbaden 2010, S. 147-162, S. 147 f.

[31] Blioumi, Aglaia: Transkulturelle Metamorphosen. Deutschsprachige Migrationsliteratur im Ausland am Beispiel Griechenland. Würzburg 2006, S. 19 f.

[32] Klüh, Ekaterina: Interkulturelle Identitäten im Spiegel der Migrantenliteratur, S. 79 f.

[33] Hansen, Georg: Diskriminiert. Über den Umgang der Schule mit Minderheiten. Weinheim, Basel 1986, S. 19.

[34] Hansen, Georg: Diskriminiert, S. 18.

[35] Hansen, Georg: Diskriminiert, S. 18.

[36] Hansen, Georg: Diskriminiert, S. 18.

[37] Vgl. Hansen, Georg: Diskriminiert, S. 18 f.

[38] Vgl. Hansen, Georg: Diskriminiert, S. 19.

[39] Kneidinger, Bernadette: Geopolitische Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft, S. 42.

[40] Orao, James: Selbstverortungen. Migration und Identität in der zeitgenössischen deutsch- und englischsprachigen Gegenwartsliteratur. Frankfurt a. M. [u. a.] 2014, S. 21.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zur Identität der Figuren in "Nachts ist es leise in Teheran" von Shida Bazyar
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V452772
ISBN (eBook)
9783668851061
ISBN (Buch)
9783668851078
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identität, Soziale Identität, Kulturelle Identität, Interkulturelle Identität, Nachts ist es leise in Teheran, Migration
Arbeit zitieren
Lynn Hessel (Autor), 2018, Zur Identität der Figuren in "Nachts ist es leise in Teheran" von Shida Bazyar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452772

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