Schneesport in der Schule. Eine sportsoziologische Analyse von systemischen Wechselbeziehungen der Wintersportarten Ski Alpin und Snowboarden


Examensarbeit, 2018
75 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

SCHNEESPORT IN DER SCHULE - EINE SPORTSOZIOLOGISCHE ANALYSE VON SYSTEMISCHEN WECHSELBEZIEHUNGEN DER WINTERSPORTARTEN SKI ALPIN UND SNOWBOARDEN

1 Einleitung

2 Aufbau der Arbeit und Problemstellung
2.1 Ski Alpin und Snowboarden im sportsoziologischen Vergleich
2.2 Schneesport IN DER Schule-Ein ZUKUNFTSFÄHIGES Modell?

3 Geschichte und Entwicklung von Ski Alpin und Snowboarden in der Schule
3.1 Ursprung UND Weiterentwicklung VON Ski Alpin UND Snowboarden
3.2 Sportsoziologische Entwicklung der Schneesportarten Ski Alpin und Snowboarden im Vergleich
3.3 Entwicklung der Schneesportarten Ski Alpin und Snowboarden in der Schule
3.4 Curricularer Vergleich der Schneesportarten Ski Alpin und Snowboarden

4 Sportsoziologische Analyse DER Schneesportarten
4.1 Eine sportsoziologische Analyse am Beispiel des deutschen Skigebietes Winterberg
4.2 Aktueller Stand - Daten und Fakten
4.3 SOZIOKULTURELLE Gründe FÜR DIE TENDENZIELLE Weiterentwicklung

5 Schulische Zukunft von Ski Alpin und Snowboarden
5.1 Aspekte für BZW. GEGEN DIE Zukunftsfähigkeit des Schneesports in der Schule
5.1.1 Ökologische Aspekte
5.1.2 Kostenfaktoren
5.1.3 Bewegungsmangel VON Kinder-UND Jugendlichen
5.2 Vom Trendsport zum Naturerlebnis?

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden wissenschaftlichen Hausarbeit zu dem Thema ״Schnee- sport in der Schule - Eine sportsoziologische Analyse von systemischen Wechselbeziehungen der Wintersportarten Ski Alpin und Snowboarden“ wird auf Grundlage der Sportsoziologie die Entwicklung der beiden genann­ten Schneesportarten analysiert sowie die daraus resultierenden Verände­rungen der Umsetzbarkeit eines solchen Inhaltsfeldes in der Schule unter­sucht.

Ziel ist es, mit Hilfe von aktuellen Daten am Beispiel des deutschen Skige­bietes Winterberg herauszufinden, welche sportsoziologischen Gründe für eine mögliche Veränderung des Schneesports vorliegen und wie die schul¡- sehe Zukunft der Wintersportarten Ski Alpin und Snowboarden aussehen kann oder sollte. Durch diese wissenschaftliche Untersuchung soll ein Mehrwert erreicht werden, der für Lehrkräfte sowie Eltern zu einem besse­ren und umfassenderen Verständnis führt, warum die Sportarten Ski Alpin und Snowboarden in der Schule zukunftsfähig sind und Relevanz haben sollten.

Dieser Arbeit liegt ein starkes persönliches Interesse zugrunde und sie knüpft an unterschiedliche Erfahrungen an. Schon mit drei Jahren habe ich erste praktische Erfahrungen mit der Sportart Ski Alpin machen dürfen, mit 8 Jahren erlernte ich das Snowboarden und heute, im Alter von 24 Jahren, bin ich als Schneesportlehrer für Ski Alpin und Snowboarden beim Deutschen Skilehrerverband (DSLV) registriert. Als Lehrender in einer Skischule in Win­terberg sowie Begleiter von Skischulfahrten konnte ich bereits wichtige prak­tische Erfahrungen im Umgang mit Skischülern und -Schülerinnen sam- mein. Hierbei wurde mir erstmals bewusst, dass sich die Bedingungen für die Ausübung der beiden Schneesportarten in den zwei vergangenen Jahr­zehnten verändert haben.

Schneesport in der Schule - Es ist gut möglich, dass sich der ein oder an­dere die Frage stellt, ob Ski Alpin bzw. Snowboarden ein geeigneter Sport für deutsche Schüler/innen ist und welchen Sinn es macht, die Sportarten auch zukünftig in den Lehrplan zu integrieren. Während vereinzelte deut­sehe Schulen mehrere Skischulfahrten in unterschiedlichen Jahrgangsstu­fen anbieten, haben Schüler/innen einer anderen Schule nicht einmal die Möglichkeit in ihrer kompletten Schullaufbahn diese Erfahrung machen zu dürfen. Neben organisatorischen Gründen spielen auch oftmals finanzielle und ökologische Gründe gegen eine gezielte Förderung der Wintersportar­ten.

Mithilfe dieser Arbeit sollen unberechtigte Einwände entkräftet und die be­sonderen Möglichkeiten für die Erziehung und Förderung der Schülerinnen und Schüler (folgend SuS genannt) durch den Schneesport erschlossen werden. Es wird verkannt, dass durch Snowboarden und Ski Alpin neben sportlichen Bewegungsfähigkeiten und neuen Körpererfahrungen werden auch soziale und persönliche Aspekte gefördert werden. Darüber hinaus kann das Umwelt- und Selbstbewusstsein erweitert werden.

Zusammenfassend wird in der vorliegenden Arbeit anhand sportsoziologi­scher Faktoren versucht, die unterschiedlichen Wechselbeziehungen in die­sem System darzustellen und die gegenwärtige sowie zukünftige (schul¡- sehe) Entwicklung des Schneesports zu analysieren.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass es bislang kaum wissenschaftli­che Untersuchungen zu der Entwicklung und Förderung der Zukunftsfähig­keit von Ski Alpin bzw. Snowboarden in der Schule gibt. Diese Tatsache sollte jedoch nicht vor einer genaueren Analyse abschrecken. Im Gegenteil: Man sollte sich mit dem Potential dieses Themengebietes umso mehr aus­einandersetzen.

2 Aufbau der Arbeit und Problemstellung

Bei der vorliegenden Arbeit wurden zwei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, welche im Folgenden genauer beschrieben werden.

Zunächst werden die Wintersportarten Ski Alpin und Snowboarden aus sportsoziologischer und pädagogischer Sicht in ihrer Entwicklung vergii- Chen, sodass anschließend die schulische Zukunft auf Basis soziokultureller Aspekte untersucht werden kann.

Ob und inwieweit die gesellschaftlichen sowie pädagogischen Aspekte des Schneesports in Relation gesetzt werden können, wird in dieser Arbeit ge­nauer herausgestellt.

2.1 Ski Alpin und Snowboarden im sportsoziologischen Vergleich

Sport und moderne Gesellschaft - diese beiden Begriffe sind laut den Sportsoziologen Thiel, Seiberth und Meyer (2013) sowie Bette (2010) aus der heutigen Sportsoziologie nicht mehr wegzudenken.

Mutz (2016) beschreibt, wie sich die Sportsoziologie seit der Entstehung im Jahr 1965 als Wissenschaftsdisziplin bis zum Jahr 1975 im deutschen Hochschulsystem etabliert hat. Die (Sport-)Soziologie in ihrem heutigen Er­scheinungsbild hat sich, laut Thiel, Seiberth und Meyer (2013), jedoch erst zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einer wichtigen Teildisziplin der Sport­wissenschaft entwickelt. Heutzutage gibt es ca. 20 Professuren in diesem Bereich. Der Grund dafür ist, dass sich der Sport als spezieller Handlungs­kontext für diese Disziplin außerordentlich gut eignet (Mutz, 2016). Wie be­reits erwähnt nimmt diese wissenschaftliche Disziplin heutzutage eine enorm wichtige Rolle bei der Analyse von gesellschaftlichen Prozessen und Entwicklungen ein, so auch im Bereich des Schneesports.

Wo ist der Ursprung von Ski Alpin sowie Snowboarden und welche Entwick­lung haben die beiden Schneesportarten zu verzeichnen? Nachdem der Beginn und die erste Entwicklungsphase analysiert worden sind, werden die beiden Schneesportarten auf ihren sportsoziologischen Prozess untersucht und verglichen. Anschließend wird diese sportsoziologi- sehe Untersuchung in Relation zu der (curricularen) Entwicklung in der Schule gesetzt, um daraus folgend einen ersten Entschluss sowie ein Zwi­schenfazit zu ziehen. Es wird die Frage gestellt, ob zwischen der gesell­schaftlichen sowie schulischen Entwicklung ein Zusammenhang hergestellt werden kann und wie sich dieser gegebenenfalls darstellt.

Diese und noch weitere Fragen sollen in Kapitel 3 dieser Arbeit mit Hilfe der speziellen Sichtweise der Sportsoziologie aufgezeigt und geklärt werden.

In dem ersten Schwerpunkt dieser Arbeit wird außerdem eine Analyse an­hand unterschiedlicher Daten aus Deutschland und dem Skigebiet Winter­berg durchgeführt, die auf sportsoziologischen Kriterien basiert (siehe Kapi­tel 4).

In diesem Zusammenhang wird zunächst der Begriff ״Sportsoziologie“ mit dessen charakteristischen Merkmalen näher untersucht wird, sodass ein genauerer Überblick über die Bedeutung und den Stellenwert des Fachge­bietes gegeben werden kann. Hierzu bietet vor allem das Werk von Bette (2010) eine fundierte Grundlage für die weitere Behandlung dieses Sys­tems. Daran anschließend werden weitere Aspekte vorgestellt, wie und wel­che Daten untersucht worden sind. Dieses Verfahren soll belegen, dass diese Analyse auf sportsoziologischer Basis sowie wissenschaftlichen Krite­rien erfolgt ist.

Nach der Erläuterung der für die Untersuchung relevanten Rahmenbedin­gungen, können die Ergebnisse dargestellt werden. Hierzu wurden Daten von unterschiedlichen (Tourismus-)Verbänden, Organisationen und Autoren gesammelt und ausgewertet, die eine zeitliche Entwicklung bis zum gegen­wärtigen Stand skizzieren.

Am Ende des 4. Kapitels wird anhand dieser Ergebnisse versucht, eine ers­te tendenzielle Weiterentwicklung des Schneesports für die Zukunft abzulei­ten. Es wird der Frage nachgegangen, welche gegenwärtigen Gründe für eine mögliche gesellschaftliche sowie schulische Zukunft sprechen.

2.2 Schneesport in der Schule - Ein zukunftsfähiges Modell?

Der zweite Schwerpunkt dieser Arbeit beginnt mit Kapitel 5. Hier wird auf Grundlage der dargestellten Entwicklung des Schneesports und der sport­soziologischen Analyse die Zukunft von Ski Alpin und Snowboarden in der Schule näher untersucht und eine mögliche Perspektive aufgezeigt.

Gerade angesichts der immer milder werdenden Winter, überteuerten Ski­Schulfahrten und dem gleichzeitig ansteigenden Bewegungsmangel und den somit nachlassenden motorischen Fähigkeiten von Kindern- und Jugendli­Chen stellt sich die Frage, welche und ob es überhaupt Maßnahmen gibt, die Ski Alpin und Snowboarden als Angebot in den Schulen auch in Zukunft sinnvoll erscheinen lassen.

Ist das Inhaltsfeld Schneesport in der Schule ein zukunftsfähiges Modell 0- der werden die Schulen hierzulande in den nächsten Jahren zu einem Um­denken gezwungen?

Diese Frage soll in Kapitel 5 auf Grundlage der sportsoziologischen Ent­Wicklung als Problemstellung behandelt und analysiert werden.

Es wird zunächst untersucht, welche Umweltaspekte für bzw. gegen eine Ausübung der Wintersportarten in der Schule sprechen. Sind der mit Ski und Snowboarden verbundene hohe Energieverbrauch sowie die Schädi­gung der Vegetation die dominierenden Aspekte, die gegen eine Skischul­fahrt sprechen oder wird mit einem umweltbewussten Verhalten vielmehr das aktive Denken gegen den Klimawandel und für einen Schutz der Natur gefördert? So widersprüchlich es sich anhören mag - die Bewusstmachung der globalen Erwärmung in Verbindung mit einer Skischulfahrt könnte mög­licherweise ein Umdenken bei Schüler/innen bewirken.

Neben ökologischen Aspekten spielt auch der Kostenfaktor eine immer grö­ßer werdende Rolle. Die Skipässe und Übernachtungen innerhalb der Schneesportregionen werden immer teurer und müssen von den Eltern fi­nanziert werden können. Darüber hinaus ist auch das Material ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Qualitativ ausreichende Ski bzw. Snow­boards inkl. Schuhe müssen geliehen oder gekauft werden, daneben ist ei­ne sichere Ausrüstung bestehend aus Helm, Handschuhen, Skibekleidung Grundvoraussetzung.

Kann der Schneesport, gerade in der Schule, nur noch von SuS gehobener Gesellschaftsschichten bezahlt werden oder kann man diesem Trend ent­gegenwirken? Es soll herausgefunden werden, ob es kostengünstige Ski­Schulfahrten gibt und welche Finanzierungsprogramme für Eltern zugänglich sind.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der bei der Zukunftsfähigkeit für Schnee­sport in der Schule eine große Rolle spielt, ist der derzeitige Bewegungs­mangel vieler Kinder und Jugendlichen. Nicht nur im Sportunterricht oder in Vereinen fällt auf, dass die Zahl übergewichtiger Jugendlicher stark zunimmt und dies immense motorische Defizite sowie Mängel in den Bereichen Kraft, Ausdauer und Koordination zur Folge hat. Demzufolge ist die Frage zu stel­len, ob es in der heutigen Zeit überhaupt noch Sinn macht, als Lehrender SuS die Bewegungsabläufe des Ski und Snowboardens zu vermitteln, ob­wohl sie diese nur kurzfristig und ortsbezogen anwenden können. Kann man, oftmals innerhalb nur einer Woche, eine derart neue Bewegungsform lernen oder ist eine Skischulfahrt bei einigen Schüler/innen verschwendete Zeit?

Die alles entscheidende Frage in Kapitel 5 ist daher, inwiefern sich der Schneesport in der Schule verändern und weiterentwickeln kann und muss. Ich hoffe, dass ich dieser und einigen weiteren Fragen mithilfe der Sportso­ziologie und dessen systemischen Wechselbeziehungen in dem Gebiet des Schneesports auf den Grund gehen und beantworten kann.

Abschließend werden die Ausführungen in Kapitel 6 zusammengefasst. Ferner befindet sich in dem letzten Kapitel dieser Arbeit ein Fazit, welches die Ergebnisse aufgreift und die positiven sowie negativen Aspekte der Ana­lyse in diesem System veranschaulicht.

3 Geschichte und Entwicklung von Ski Alpin und Snowboar­den in der Schule

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Entstehung der Wintersportar­ten Ski Alpin und Snowboarden, ihres historischen Ursprungs sowie ihrer sportsoziologischen Entwicklung im Vergleich.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wird in Unterpunkt 3.3 die Einbettung der beiden Sportarten in den Schullehrplan charakterisiert, sodass nachfolgend ein curricularer Vergleich zwischen Ski Alpin und Snowboarden gezogen werden kann.

3.1 Ursprung und Weiterentwicklung von Ski Alpin und Snowboarden

Die historische Entwicklung der beiden Schneesportarten Ski Alpin und Snowboarden könnte nicht unterschiedlicher sein.

Das Wort ״Ski“ kommt aus dem Norwegischen und bedeutet auf Deutsch ״Scheit“ oder gespaltenes Holz (Schneider, 1905). Der Begriff ״Snowboard“ hingegen entstand erst im Jahr 1977 und wurde erstmals von den US- Amerikanern Tom Sims und Jake Burton als Ableitung des Begriffes ״Skateboard“ verwendet (Drexl, 2018).

Zu den Anfängen des Skisports und seinen Pionieren gibt es zahlreiche Ge­schichten und Anekdoten.

Fest steht, dass der älteste bekannte Fund eines Skis in Schweden auf Moorfunde zurückgeführt wird und dieser Ski mehrere Jahrtausende alt ist (Schneestation, 2010). Laut Aschbacher (2017) wird dieser Fund als der ״Ski von Hoting“ bezeichnet und mit Hilfe der Pollenanalyse auf ca. 4.500 Jahre geschätzt. Der Ski von Hoting ist 110 cm lang, ca. 10 cm breit und 1 cm dick (siehe Abb. 1). Weit ältere Funde, wie Z.B. eine Ausgrabung aus Sibirien, sind bis heute noch nicht bestätigt, jedoch möglich. Aufgrund des­sen wird angenommen, dass das Alter der ersten Ski möglicherweise weit über 5.000 Jahre alt ist (Schneestation, 2010).

Weiterhin deutet eine Felszeichnung aus der jüngeren Steinzeit darauf hin, dass der Ursprung der ersten Skier weit vor dem Beginn unserer Zeitrech­nung datiert werden kann. Diese Darstellung, gefunden in einer Höhle auf einer norwegischen Insel, wird auf ca. 4500-5000 Jahre geschätzt und zeigt einen Menschen auf Skiern mit Hasenohren und einem Wurfholz in der Hand (siehe Abb. 2).

Es wird vermutet, dass es schon weit vor dem Fund der ersten Skier ähnli­che Fortbewegungsmittel für die Jagd in schneereichen Regionen gegeben hat. Zum einen handelte es sich hierbei um einen Schneeschuh, zum ande­ren um einen Schlittenkufen. Woraus sich der erste Ski entwickelt hat, ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Verschiedene Literaturangaben gehen jedoch davon aus, dass die Beweggründe für diese Entwicklung der Schneeschuh war. Die Menschen aus der frühen Steinzeit haben festgestellt, dass sie sich mit einer Fellsohle, ähnlich wie heute mit Tourenfellen, besser im Schnee fortbewegen konnten. Der Schneeschuh wuchs mit der Zeit in die Länge, sodass sich die Trittfläche vergrößerte und sich ein Einsinken in den Schnee minimieren lies. Hierfür wurde Holz verwendet, wodurch sich die Gleiteigenschaften verbesserten und der sogenannte Fellski entstand (Schneestation, 2010).

In den folgenden Jahrtausenden hat sich der Ski nicht wesentlich weiter­entwickelt und war lediglich ein Gebrauchsgegenstand. Der Verwendungs­zweck war für damalige Krieger und Jäger in Schnee- bzw. moorreichen Regionen gedacht und ist somit in den militärischen Funktionsbereich ein­zuordnen. Aber auch für den Verkehr und Handel war es notwendig, sich geeignet im Schnee fortzubewegen. Dies war besonders in den Gebieten Nordeuropa, Nordamerika und Nordasien der Fall (Schneider, 1905).

Die erste mitteleuropäische Quelle, die einen Schneeschuh zeigt bzw. be­schreibt, stammt von dem österreichischen Staatsmann und Historiker Sig­mund Freiherr von Herberstein, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Russland reiste (siehe Abb. 3). Zu erkennen sind russische Skiläufer, die auch einen ersten Skistock in der Hand hielten. Laut Poledník (1991) sind es Bauern bzw. Landwirte, die mit Skiern und einem Stock auf einem landwirt­schaftlichen Feld Stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Freiherr von Valvasor beschreibt, dass erstmals 1689 in Slowenien soge­nannte ״Krainer Bauernskifahrer“ gesichtet worden sind, die in Schlangen­bögen und mit hoher Geschwindigkeit Steile Hänge hinunterfuhren (Poled- nik, 1991). Auf die weitere Entwicklung und Ausbreitung des Skisports in Europa hatte dies jedoch keine Auswirkung.

Erst im Jahr 1860 entstand in Telemark, einer Provinz in Norwegen, der ers­te Vorläufer des alpinen Skilaufs, der sogenannte ״Nordische Skilauf“. Stu­denten, Landwirte und Offiziere erinnerten sich an den Bauerskilauf, sodass es erstmals zu einer Wandlung vom Gebrauchsgegenstand zum Sportgerät kam (Poledník, 1991). Durch regelmäßige Wettbewerbe in den Disziplinen

Langlauf und Skisprung hat sich auch die erste Skischule der Welt durch den Norweger Sondre Nordheim entwickelt, der heute noch als Vater des Skisports gilt (siehe Abb. 4).

Durch den Polarforscher Julius von Payer wurden die ersten norwegischen Ski im Jahre 1874 nach Mitteleuropa bzw. Wien importiert, woraus jedoch zunächst keine Popularisierung resultierte (Poledník 1991). Erst durch das im Jahr 1891 erschienene Werk ״Auf Schneeschuhen nach Grönland“ von Fritjof Nansen wurde das Interesse, auch bei unterschiedlichen Presse­agenturen, deutlich geweckt und die Entwicklung des Skisports schritt rasch voran.

In den darauf folgenden Jahrzehnten entwickelten sich das Material sowie die Technik des alpinen Skilaufs durch mehrere Pioniere unterschiedlich weiter.

Matthias Zdarsky erfand im Jahr 1896 eine stabile Skibindung namens ״Uli- enfelder-Bindung“ sowie die dazugehörige Lilienfelder Skitechnik. Georg Bilgeri vereinte in der Zeit um den 1. Weltkrieg die norwegische Technik mit der von Zdarsky und wendete erstmals die Doppelstocktechnik an.

Die Ausübung des Skisports dehnte sich immer weiter aus, sodass im Jahr 1904 der erste nationale Skiverband in der Schweiz gegründet wurde. Wei­tere folgten und im Jahr 1924 wurde der heute bekannte ״Internationale Ski­verband“, bekannt als FIS (Fédération Internationale de Ski), damals mit insgesamt 14 Ländern, in Frankreich ins Leben gerufen.

Hannes Schneider, Begründer der Arlbergtechnik, entwickelte darauf den Skilauf im Jahr 1928 erstmals zum Wettkampfsport ״Alpines Skirennen“ wei­ter.

Auch im späteren Verlauf des 20. Jahrhunderts veränderten sich das Mate­rial sowie die Skitechnik durch unterschiedliche Personen, teils mehr, teils weniger stark. Beispielsweise wurden in den 1950ziger Jahren erste Ski mit Stahlkanten entwickelt, was ein verbessertes Aufkanten mit sich brachte. Hervorzuheben ist außerdem, dass sich die Infrastruktur deutlich verbesser­te und es wurden vermehrt Hotels, Skiclubs und vor allem Seilbahnen, Schlepplifte und moderne Pistengeräte in Österreich erbaut. Mit der Einfüh­rung der Stahlkanten sowie Veränderung der Sicherheitsbindungen im Jahr 1950 verbesserte sich auch die Sicherheit der Skifahrer/innen. Ferner wurde durch die Errichtung neuer Skigebiete, inkl. Infrastruktur, vermehrt in die Na­tur eingegriffen und der alpine Skisport entwickelte sich zum Massentouris­mus (Poledník, 1991).

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts Stehen das Phänomen Massentourismus und der in aller Öffentlichkeit diskutierte Klimawandel mit gleichzeitig nach­lassender Schneesicherheit im starken Widerspruch zu den stetig neu er­schlossenen Skigebieten und dem dafür künstlich erzeugten Schnee. Ski­material und -technik sind heutzutage so weit fortgeschritten, dass sie an die unterschiedlichsten Pistenverhältnisse, Gegebenheiten und Fahrtypen angepasst werden können. Zu erwähnen sind bei der modernen Bauweise vor allem die Struktur als sogenannter ״Camber“, der für ein sportliches Fah­ren auf der Piste dient, der drehfreudige ״Rocker“ für Anfänger sowie soge­nannte ״Freestyle“- bzw. ״Freeride-Ski“ für den Funpark oder den Tief­Schnee. Die vor allem an den Skispitzen nach oben aufgebogene Rocker­Bauweise, eine sogenannte negative Vorspannung, sorgt heutzutage vor al- lern bei Ski-Neulingen für ein deutlich erleichtertes sowie fehlerverzeihendes Kurvenfahren. Die Camber-Bauweise hingegen ermöglicht es für einen durchschnittlichen Skifahrer bereits erste geschnittene Schwünge, soge­nanntes ״Carving“, durchzuführen und diese Technik weiter zu optimieren. Die Skienden und -spitzen haben hierbei mit Absicht einen direkten Kon­taktpunkt mit dem Schnee, wobei der Ski auf Höhe der Bindung hochgebo­gen ist; es herrscht eine positive Vorspannung. Freestyle- bzw. Freeride-Ski haben eine extreme Rocker-Bauweise an den Skienden sowie Skispitzen, sodass sie im Funpark, aber auch abseits der Piste sehr wendig für unter­schiedliche Drehungen sind (Skiinfo, 2012).

Der alpine Ski hat sich somit im Laufe von mehreren Jahrtausenden von ei­nem Gebrauchsgegenstand bzw. Hilfsmittel für die Jagd zu einem moder­nen Sportgerät entwickelt, das heute den Massentourismus anzieht.

Der Ursprung des Snowboards lässt sich, im Gegensatz zu dem der ersten Skier, erst tausende Jahre später datieren. Auch hier ist es schwierig, die Erfindung des Geräts einem bestimmten Pionier zuzuordnen, da schon oft­mals Menschen auf einer Art Schlitten oder einem Monobrett den Berg her­unter rutschten.

Der Name Jack Burchett muss jedoch im Zusammenhang mit den Anfängen des Snowboards erwähnt werden, da er erstmals im Jahr 1929 die Idee hat­te, aus einer Holzplatte mit einem befestigten Riemen eine rutschende Un­terlage zu bauen (Drexl, 2018).

Erst im Jahr 1965 und somit 30 Jahre später hatte der Amerikaner Sherwin Popper die Vorstellung, den populären Surfsport auch in den Winter auszu­dehnen. Dieses Sportgerät, das er ursprünglich als Spielzeug für seine Tochter bastelte, taufte er ״Snurfer“ (Zusammenschluss aus ״Snow“ und ״Surfer“) und kann heutzutage als Ur-Snowboard bezeichnet werden (siehe Abb. 3). Der Snurfer bestand zu Beginn aus zwei zusammengebundenen Ski, die mit einer Schnur gelenkt werden konnten. Dieses Schneesportgerät fand vor allem bei Jugendlichen Interesse, in den Bergen war der Snurfer aufgrund der Unsicherheit und Konkurrent gegenüber den Ski jedoch nicht gerne gesehen. Auch wenn der Snurfer über eine Millionen Mal verkauft wurde und erste Snurf-Wettkämpfe veranstaltet wurden, verabschiedete sich dieses Sportgerät in den darauffolgenden Jahren wieder größtenteils aus dem Schneesport. An den Wettkämpfen selbst nahm auch der Amerikaner Jake Burton teil, der später in Konkurrenz zu Tom Sims als ״Vater des Snowboards“ bezeichnet wurde. (Mathis & Murr, 1992).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Zwischenzeit versuchte Dimitrije Milovich die Struktur und den Bau des Snurfers zu verbessern, er gründete 1972 die erste Snowboard-Firma ״Winterstick“.

Schließlich war es im Jahr 1977 als der besagte Surfer Jake Burton sowie der Skateboarder Tom Sims die Grundidee des Snurfers wieder hervor hol­ten und sich der Entwicklung von funktionsfähigen Monogeräten widmeten. Sims, der zuerst das Wort ״Snowboard“ benutzte, und Burton, der sich be­züglich der Bindungen auf die Technologie der Ski stützte sowie Holz als Hauptmaterial für seine Snowboards verwendete, verkauften in den folgen­den Jahren immer mehr dieser neuen Schneesportgeräte, sodass sich auch das Snowboarden weiter etablierte. Mitte der 1980er Jahre war die damalige Trendsportart außer in Amerika auch in Europa vertreten, sodass 1988 drei Weltmeisterschaften stattfanden. Darüber hinaus entwickelten sich nationa­le Verbände, der erste deutsche Dachverband entstand ebenfalls im Jahr 1988. Auffällig ist, dass sich erst ein Jahr später erstmals feste Sicherheits­bindungen entwickelten, welche die Verletzungsgefahr senken sollten (siehe Abb. 6). Trotz des anhaltend schlechten Images des Snowboards, mussten die Liftbetreiber aufgrund der steigenden Anzahl von Sportlern ihre Pisten auch für Snowboarder öffnen. Anfang der 1990er Jahre erfuhr das Snow­board-Geschäft, inklusive der Firma Burton, einen solchen Aufwärtstrend, dass zahlreiche Wettbewerbe und weitere Dachverbände sowie Organisât¡- onen zu diesem Sport entstanden und das Snowboarden schließlich im Jahr 1995 erstmals als olympische Sportart erklärt wurde (Drexl, 2018). Heutzutage ist das Material sowie die Technik des Snowboardens, ähnlich wie bei Ski Alpin, so weit fortgeschritten, dass auch hier für unterschiedliche Gegebenheiten und Situationen moderne Lösungen vorhanden sind. Zu nennen ist auch beim Snowboarden die Rocker-Bauweise, die für ein dreh­freudiges und vereinfachtes Fahren, auch im Tiefschnee, sorgt. Weiterhin gibt es das Carving- oder Freestyle-Board, welches für ein sportliches Fah­ren auf der Piste bzw. im Funpark verwendet wird.

Das Snowboarden entwickelte sich somit in nur 30 Jahren vom Trendsport zu einer offiziell anerkannten olympischen Disziplin.

3.2 Sportsoziologische Entwicklung der Schneesportarten Ski Alpin und Snowboarden im Vergleich

Die sportsoziologische Entwicklung der Schneesportarten Ski Alpin und Snowboarden weist, insbesondere aufgrund ihres historischen Entwick­lungsprozesses, große Unterschiede auf und ein Vergleich zeigt, wie beide Sportarten sich dennoch im Laufe der Jahrzehnte in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung angenähert haben.

Beginnend mit der gesellschaftlichen Entwicklung von Ski Alpin lässt sich deuten, dass die ersten Ski bzw. skiähnlichen Geräte ausschließlich als Ge­brauchsgegenstand als Hilfe für die Jagd benutzt wurden.

Einige Jahrtausende vor Beginn der Zeitrechnung wurden Möglichkeiten ge­sucht, sich auch in moor- oder schneereichen Gebieten erfolgreich und laut­los seiner Beute zu nähern. Erstmalige gewährleistete dies vor allem der Fellski (Schneestation, 2010). Neben dem Erlegen von Tieren waren die ersten Ski auch für Krieger oder bei der Arbeit in der Landwirtschaft ein hilf­reiches Gerät. Möglich ist, dass die Menschen aus der Vorzeit sich über­haupt erst mit der Vergrößerung der Trittfläche in unterschiedlichem Gelän­de fortbewegen konnten. Ob die erste Verwendung im Schnee oder im Sumpf erfolgte, lässt sich dabei bis heute nur vermuten.

Auch der Skistock wurde in der damaligen Zeit nur als Arbeitsgerät verwen­det. Zunächst war es nur ein einzelner Stock, der sich aus dem Wander­stock heraus entwickelte und vor allem dem Halten des Gleichgewichts diente (Schneestation, 2010). Das Buch von Schneider (1905) erwähnt dar­über hinaus, dass dieser lange Stock möglicherweise auch als Schaufel 0- der Waffe benutzt wurde.

Erst im Jahr 1860 wurde der Ski erstmals als Sportgerät eingesetzt. Die Nutzung als Gebrauchsgegenstand war jedoch weiterhin vorrangig, so fand er zusätzlich Verwendung im Alltag, beispielsweise beim Postboten oder den wöchentlichen Kirchgang.

Auch während des 1. Weltkrieges wurde der Ski noch als Gebrauchsgegen­stand verwendet. Georg Bilgeri leitete 1916 eine erste Skilehrerausbildung für Soldaten, die in den schneebedeckten Alpen ihren Einsatz hatten. Hierzu entwickelte Bilgeri erstmals die Doppelstocktechnik, die für ein beschleunig­tes Abstoßen sorgte (Schneestation, 2010).

Trotz allem Alltagswert war das Skifahren Anfang des 20. Jahrhunderts vermehrt mit negativen Aspekten besetzt. Das Skifahren wurde mit der Kriegs- und Jagdszene in Verbindung gebracht, somit bei der Mehrheit der Bevölkerung mit Krieg und Tod. Sogar schon bei dem Skitransport gab es Probleme; so kam es zu Diskussionen, ob Skifahrer überhaupt mit der Ei­senbahn fahren sollten (Lauterwasser, Mülbert & Wagnerberger, 1995). In­teressant ist, dass sich auch in der sportlichen Gesellschaft eine zunächst verschmähte Erfindung durch ein einziges Buch, in diesem Fall das bereits erwähnte Werk ״Auf Schneeschuhen nach Grönland“ von Fritjof Nansen, zu einer begeisternden Sportart entwickeln kann.

In den folgenden Jahrzehnten, vor allem nach dem 2. Weltkrieg, reduzierten sich die gesellschaftlichen Vorbehalte deutlich und der Ski wurde zuneh­mend als Freizeitsportgerät verwendet. Skifahren als winterlicher Aus­gleichssport war zum Zeitpunkt der Jahrhundertwende aus soziokultureller Sicht jedoch überwiegend der Mittel- und Oberschicht Vorbehalten. Anwälte, Apotheker, Ärzte, Beamte, daneben aber auch Studenten hatten ausrei­chend zeitliche und finanzielle Möglichkeiten, den Skisport auszuüben bzw. grundsätzlich sportlich aktiv zu werden (Ader, 1991). Lauterwasser, Mülbert & Wagnerberger (1995) weisen darauf hin, dass es die gehobenen Schich­ten aus den städtischen Bereichen waren, die den Skisport vermehrt in die Berge brachten. Die Motivation für das Skifahren war vor allem der gesund­heitliche Aspekt, der Ausgleich nach der Arbeit und die Selbstbestimmung ohne jeglichen Zwang (Ader, 1991).

Der Skilauf fand in der Folgezeit eine kontinuierlich steigende Bedeutung in der Gesellschaft und dehnte sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts euro­paweit zu einem Massensport aus. Das Skifahren wird von Schoder (2012) als ״Teilphänomen des Wirtschaftswunders“ genannt, da die Ausübung des Sports durch die sich positiv verändernden Lebensbedingungen für viele Menschen möglich war.

Mit der staatlichen Förderung von Skigebieten und der damit verbundenen wachsenden Dichte an Hotels, Skiclubs, Lift- sowie Pistenanlagen wurden auch immer mehr Touristen aus dem Ausland angelockt. Weitere Gründe für den raschen Anstieg war die zunehmende Erschließung der Bergwelt mit bequemeren Aufstiegshilfen, im Verlauf eine sorgfältigere Pistenpräparation inkl. der Herstellung von künstlichem Schnee und die Entwicklung neuer Gleitgeräte und funktioneller Skiausrüstung sowie Sicherheitssystemen (Schoder, 2012). Infolgedessen kam es auch in der Tourismus- und Sportar­tikelindustrie zu einem drastischen Anstieg der Nachfrage (DAV, 2018), gleichwohl sich die Nutzbedeutsamkeit des Skis von 100% im 19. Jahrhun­dert, auf quasi 0% im 20. Jahrhundert entwickelt hatte (Ader, 1991). Das Skifahren hat sich somit zu einem Modesport mit Eventcharakter entwickelt. Den Kontrast der Entwicklung des Skis vom Gebrauchsgegenstand zur то- demen Sportart dokumentieren die Abbildungen 6 und 7 eindrücklich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7. Norwegische Vogelwild­Jäger auf Skiern.

Unter dem Begriff ״Ski Alpin“ versteht man heute den Skilauf auf präparier­ten Pisten mit der Nutzung von offiziellen Liftanlagen (DAV, 2018). Zu Be­ginn des 21. Jahrhunderts zeigten sich jedoch erneut weitere Subkulturen und Disziplinen des Skifahrens. Diese reichen von dem Tourengehen über das Freeriden im freien Gelände bis hin zum Freestyle, wobei ihre über­gänge meist fließend sind. Ein Ende des Veränderungsprozesses ist derzeit noch nicht in Sicht.

Dem erstmaligen Aufkommen der Trendsportart Snowboarden Stand ein Teil der Skifahrer sehr kritisch gegenüber, sodass sie diese verspotteten und sich zunächst ein Erzfeind im Wintersport entfaltete. Der Deutsche Ski­lehrerverband erörterte sogar die Frage eines möglichen Klassenkampf auf der Piste. Vor allem durch die Carvingski konnte die Skiindustrie die kurzzei­tig verloren gegangenen Marktanteile gegenüber dem Snowboard zurück gewinnen (Schoder, 2012).

Der sportsoziologische Verlauf des Snowboards entwickelte sich, im Ver­gleich zu Ski Alpin, auffallend divergent.

Das erste Snowboard, in diesem Fall der Snurfer, fungierte nie als Ge­brauchsgegenstand für beispielsweise die Jagd oder andere alltägliche Ak­tivitäten, sondern trat erst viele Jahrtausende nach der Zeit der Jäger und Sammler in Erscheinung, nämlich im Jahr 1965. Das Snowboard diente zu­nächst als Ersatz für die Sommer- und Wassersportart Surfen und war be­sonders bei Kindern- und Jugendlichen beliebt. Vor allem in der älteren Ge- neration der Skifahrer und Skifahrerinnen kam das neue Sportgerät außer­ordentlich schlecht an. Snowboarder/innen wurden aufgrund ihrer riskanten, unsicheren Fahrweise sowie schlechten Kontrolle über das Gerät als ״ver- rückte Freaks“ bezeichnet und es wurde ihnen zunächst verwehrt, öffentli­che Pisten und Wintersportgebiete zu nutzen. Im Jahr 1985 durften Snow­boardfahrer und Snowboardfahrerinnen laut Stylefish (2018) nur 7% der amerikanischen Skigebiete nutzen. Es waren somit lediglich 39 von ca. 600 Skigebieten für sie freigestellt (Drexl, 2018). Umgekehrt war das Skifahren aus Sicht der Snowboarder/innen ״Mainstream“ und somit nicht außerge- wohnlich, sondern lediglich Sportler/innen, die mit dem Strom schwimmen. Auch das Snowboardfahren verdankt ihren Durchbruch in der Sportgesell­schaft den Medien. Durch mehrere Ausgaben der Zeitschrift ״International Snowboarding Magazine“, aber vor allem durch die Veröffentlichung des Film ״Apocalypse Snow“ mit dem Hauptdarsteller Regis Rolland kam es im Jahr 1986 in Europa zu einem deutlichen Anstieg des Interesses (Drexl, 2018).

Die Medienpräsenz spielt beim Snowboarden auch heute noch eine große Rolle, da Jugendlichen vor allem das besondere Lebensgefühl, der ״Life- style“ des Snowboardens vermittelt werden soll. Snowboardfahrer heben sich, damals wie heute, oftmals von der gesellschaftlichen Masse ab.

Bedingt durch eine auffallende Kleidung, wie beispielsweise eine bunte oder sehr weit getragene Kleidung, aber auch durch einen eigenen Sprachge­brauch mit bestimmten, meist ״denglischen“ Wörtern, haben sie besondere Merkmale, die sie als Snowboarder/-innen kennzeichnen. Neben der Mode und Sprache gilt oftmals auch das Hören von alternativer Musik als beson­deres Merkmal der Snowboardszene. Viele Snowboardfahrer/-innen wollen sich bewusst, äußerlich wie innerlich, von der allgemeinen, konventionellen Mehrheit abheben. Snowboarden hat sich somit nicht nur zu einer eigenen Sportart, sondern vielmehr zu einer persönlichen Lebensphilosophie entwi- ekelt (Drexl, 2018) es wird in dem wissenschaftlichen Beitrag von Schoder (2012) im Gegensatz zu dem konservativen Skisport als erlebnisintensiv, exklusiv-unkonventionell und jugendkulturell beschrieben.

Auch hier haben sich in den vergangenen Jahren unterschiedlichste Subkul­turen gebildet, wie beispielsweise der Rennlauf mit dem Raceboard oder auch das Freeriden und der Freestyle (DAV, 2018).

Die Entwicklung des unkontrollierten Snurfers bis hin zum modernen Win­tersportgerät lässt sich in den folgenden Abbildungen (siehe Abb. 9 und 10) erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9. Snurfing Championships in 1981. Abb. 10. Peter Bauer Carving.

Es ist festhalten, dass die beiden Schneesportarten Ski Alpin und Snow­boarden auch in Bezug auf die sportsoziologische Entwicklung einen sehr unterschiedlichen Verlauf genommen haben.

Die beiden Wintersportgeräte sind aus sportsoziologischer Sicht jedoch nicht in der Kategorie des Skisports bzw. Snowboardens als Konkurrenten stehengeblieben. Ski Alpin und Snowboarden hat sich aus der heutigen Ge- Seilschaft fast gänzlich als Gegenspieler bzw. Erzfeind verabschiedet. Bis auf einige wenige, meist trotzige und starrsinnige Wintersportler, hat sich das Klischee der Feindseligkeit größtenteils aufgelöst. Ganz im Gegenteil werden die beiden Wintersportarten unter dem allgemeinen Begriff ״Schneesport“ zusammengefasst, dazu gehören darüber hinaus weitere Sportgeräte, Subkulturen und Alternativszenen, die sich aus den genannten Wintersportarten entwickelten.

Gab es in den Anfängen des Schneesports nur das klassische Skifahren und später das Snowboarden, findet man heute neben den Subkulturen auch andere, neue Wintersportgeräte und Trendsportartikel, wie Z.B. das Snowbike, Snowtube oder Airboard, die ebenfalls unter den Begriff Schnee­sport fallen. Auch andere Disziplinen, wie Z.B. das Rodeln, Shortcarver- Fahren oder das Schneeschuh-Wandern fördern das Sammeln von Bewe­gungserfahrungen im Wintersport (Schmalfuß, 2009).

Hat bis in die 1970er Jahre noch der Skisport den Sportplatz ״Schnee“ an­geführt, verbindet man heute mit dem Schneesport viel mehr als nur das Skifahren. Die genannten Schneesportgeräte sowie die verschiedenen Sub­kulturen des Snowboardens und des Skisports haben das Milieu des Schneesports elementar verändert (Eggen, 2000). Diese Diversifikation und Ausdifferenzierung des Schneesports wird in der folgenden Abbildung 11 von Schoder (2012) dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11. Diversifikation und Ausdifferenzierung des Schneesports.

Die unterschiedlichen Sportgeräte Stehen somit in der modernen Sportso­ziologie nicht als Kontrahenten gegenüber, sondern vielmehr als innovative und zukunftsorientierte Schneesportgeräte im Verhältnis zueinander, die den Bereich Schneesport erfolgreich bekleiden.

Eggen (2000, s. 6) fasst zutreffend zusammen: ״Der Schneesport hat viele neue und auch attraktive Gesichter; Schneesport ist polysportiv.

[...]

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Schneesport in der Schule. Eine sportsoziologische Analyse von systemischen Wechselbeziehungen der Wintersportarten Ski Alpin und Snowboarden
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,6
Autor
Jahr
2018
Seiten
75
Katalognummer
V453032
ISBN (eBook)
9783668851108
ISBN (Buch)
9783668851115
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schneesport, schule, wintersportarten, alpin, snowboarden, ski, snowboard, Skigebiet, winterberg, Sportsoziologie, skisport, winter, schnee, skigeschichte, sport, wintersport, gletscher, berge, skitechnik, technikschulung, snowboardtechnik, skianalyse
Arbeit zitieren
Manuel Rothe (Autor), 2018, Schneesport in der Schule. Eine sportsoziologische Analyse von systemischen Wechselbeziehungen der Wintersportarten Ski Alpin und Snowboarden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453032

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